Startseite

16.05.2014 | Die "guten" konventionellen Produkte

Auch vier konventionelle Olivenöle schafften es, ein "gutes" Gesamturteil zu erlangen. Für das Endprodukt ergibt sich hier ein ähnliches Bild wie für die "guten" Bio-Produkte: Keine relevanten Schadstoffmengen und ein solides Ergebnis im Sensoriktest. Für eine nachhaltige Bewirtschaftung ist es aber empfehlenswert, auf Bio-Produkte zu setzen - die zum Teil sogar günstiger sind als das Gaea Sitia von Kreta.



Unsere Kritik an schlechteren Produkten

Abzüge in der Sensorik sorgen dafür, dass nicht einmal die Hälfte aller getesteten Olivenöle ein Gesamturteil "gut" erreicht. Als "ranzig" entpuppte sich ausgerechnet das teuerste Öl im Test: Schuhbeck's Griechisches Olivenöl Nativ Extra. Auch ein Bio-Olivenöl, das Oro De Génave Bio Olivenöl Nativ Extra, schmeckte schon "leicht stichig". Beide schnitten folglich nur mit "mangelhaft" ab. Fehler wie "stichig" oder "ranzig" führen zu einer Null auf der Harmonieskala. Damit erfüllen die Öle von Schuhbeck und Davert nicht die sensorischen Anforderungen an die erste Güteklasse "nativ extra", sondern sind eine Stufe niedriger einzuordnen und damit nur als "nativ" zu klassifizieren. Mit den festgestellten einzelnen Fehltönen schrammt das Dolcemio Olio Extra Vergine Di Oliva nur knapp an dieser Herabstufung vorbei.

Zweifelhaftes Mindesthaltbarkeitsdatum: Bei diesen drei sensorisch auffälligen Ölen ist anzunehmen, dass Ernte oder Herstellung schon länger her gewesen sein dürften. Dafür sprechen auch der niedrige Anteil der natürlicherweise vorkommenden 1,2-Diglyceride sowie der Gehalt an Abbauprodukten des Pflanzenfarbstoffs Chlorophyll, den Pyropheophytinen.

Pestizide fand das von ÖKO-TEST beauftragte Labor in einigen Produkten. Häufig handelte es sich um das Insektizid Cypermethrin, ein langlebiges Pyrethroid. Es wird vorrangig gegen die Olivenfliege eingesetzt. Ganz frei von Pestiziden waren auch die Bio-Olivenöle nicht. Die Belastung ist möglicherweise auf eine Kontamination zurückzuführen.

Auch Weichmacher fanden sich in fast allen Produkten. Als mögliche Quelle der Phthalate kommen die Abfüllanlagen in Betracht, zum Beispiel Schläuche oder Transportbänder. Zwar werden die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegten tolerierbaren täglichen Aufnahmemengen (TDI) selbst bei einem angenommenen Verzehr von täglich drei Esslöffeln Olivenöl bei Weitem nicht erreicht. Da Phthalate jedoch hormonelle Wirkungen entfalten können und einige als fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind, werten wir bereits eine erhöhte Menge in sechs Ölen ab.

Ratgeber Essen, Trinken 2014

Gedruckt lesen?

Ratgeber Essen, Trinken 2014 ab 6.90 € kaufen

Zum Shop

Ratgeber Essen, Trinken 2014

Online lesen?

Ratgeber Essen, Trinken 2014 für 5.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet
Der Einkauf
Immer wieder wird bei der Qualität und der Herkunftsangabe von Olivenölen geschummelt. Wir haben daher 20 Olivenöle (zur Hälfte Bio-Produkte) der höchsten Güteklasse "nativ extra" eingekauft, die von ihrer Aufmachung her erkennen lassen, entweder aus Italien, aus Griechenland oder aus Spanien zu kommen. Die Preise reichten von knapp 2,70 Euro bis fast 17 Euro pro halbem Liter.

Die Sensorik
Geruch und Geschmack bestimmen (neben der chemischen Analyse) die Qualität eines Olivenöls und damit die Einstufung in eine der Güteklassen. Jeweils acht bis zehn ausgebildete Verkoster haben Fruchtigkeit, Bitterkeit und Schärfe sensorisch beurteilt und die Harmonie des Öls bewertet. Bei suspekten Proben erfolgte eine Gegenkontrolle durch ein Zweitpanel.

Die Inhaltsstoffe
Um festzustellen, ob die angegebene Herkunft der Olivenöle stimmt, haben wir sie mit modernsten Analysenmethoden untersucht: zum einen der Isotopenanalytik, die die Verhältnisse unterschiedlich schwerer Wasserstoff-, Kohlenstoff- und Sauerstoffatome ermittelt, zum anderen der Nahinfrarot-Spektroskopie, die über Molekülschwingungen unter anderem Rückschlüsse auf die Zusammensetzung des Öls erlaubt. Durch Abgleich mit den Daten mehrerer tausend Olivenöle lässt sich die Herkunft mit großer Wahrscheinlichkeit bestätigen oder widerlegen. Weitere chemische Analysen (unter anderem freie Fettsäuren, Abbauprodukte des Pflanzenfarbstoffs Chlorophyll, sogenannte Pyropheophytine) lassen Rückschlüsse auf das Alter der Öle zu. Natürlich durften auch Pestizid- und Weichmacheruntersuchungen nicht fehlen, gibt es hier doch immer wieder Auffälligkeiten.

Die Bewertung
Ein gutes Olivenöl schmeckt nicht nur frisch und aromareich, es zeigt sich auch chemisch kaum gealtert und frei von Schadstoffen. Daher haben wir den Testergebnissen Sensorik und Inhaltsstoffe die gleiche Bedeutung beigemessen und das schlechtere der beiden bestimmt das Gesamturteil.

So haben wir getestet

Ein Schluck Öl aus genormten blauen Gläsern - ein Verkoster bei der Arbeit.