Startseite
15 Räucherlachs-Marken im Test

Jahrbuch für 2017
vom 20.10.2016

Räucherlachs

König im Käfig

Lachse werden in Aquakulturen gemästet wie Schweine. Zu Hunderttausenden werden die "Könige der Fische" in den Netzkäfigen gehalten. Immerhin: Der Fisch ist sauber, fast immer.

1167 | 19

20.10.2016 | Wenn's Fisch sein soll greifen die Deutschen gerne zum Lachs. Wir haben 15 Mal Räucherlachs eingekauft, ins Labor geschickt und auf Keime, Schadstoffe und Arzneimittelrückstände untersuchen lassen. Zudem wollten wir wissen, unter welchen Bedingungen die Fische gelebt haben.

Das Testergebnis

Was die Inhaltsstoffe und bedenkliche Keime in und auf den Räucherlachsen angeht, schneiden die meisten Produkte im Test mit "gut" oder "sehr gut" ab. Die Ergebnisse von Tierhaltung, Ökologie und Transparenz in der konventionellen Aquakultur zeigen allerdings ein konträres Bild. Da schaffen es nur zwei Produkte auf ein "ausreichend", bei den anderen hagelt es "mangelhaft" und "ungenügend".

Die meisten Hersteller haben unseren umfangreichen Fragebogen ausführlich beantwortet. Nur bei den Nachweisen haperte es bei vielen - aber das führt genauso zu Punktabzug wie die Nichteinhaltung unserer Kriterien.

Entscheidend für das Tierwohl in Aquakulturen ist die Besatzdichte - mehr als zehn Kilogramm Fisch pro Kubikmeter Wasser sollten es nicht sein. Da lehnen wir uns an die Einschätzung des Öko-Verbandes Naturland an. Hohe Besatzdichten können die Fische unter Stress setzen, führen zu Flossenverletzungen und machen sie anfälliger für Krankheiten und Parasitenbefall. Die Wasserqualität leidet, und auch das ist ein entscheidender Faktor für das Wohlergehen der Fische. Zudem sind die Verschmutzungen der Umwelt um die Farmen herum höher als bei niedrigem Besatz.

Zwei Hersteller lassen die Wildlachse mit Kiemen- oder Wadennetzen fangen. In den Netzen verfangen sich die Fische: Sie kommen zwar vorwärts rein, aber rückwärts nicht mehr raus. Dabei können sie in Panik geraten und ihre Flossen verletzen. Ein weiteres Problem dieser Fangmethode ist der Beifang. In den Netzen verheddern sich auch andere Fische oder Vögel. Dafür gibt es Punktabzug von uns. Alle Wildlachse im Test wurden im Nordostpazifik Alaskas gefangen. Das Gebiet gilt als einer der größten Bestände weltweit für den Lachs und damit als unbedenklich.

Rückstände des umstrittenen Konservierungsmittels Ethoxyquin haben wir in drei Räucherlachsen gefunden. Verfüttert haben es wohl alle Hersteller in konventioneller Haltung. Wechsler gibt als einziger an, kein Ethoxyquin verwendet zu haben - da verwundert natürlich, dass das Labor gerade in diesem Lachsfleisch Rückstände des Konservierungsmittels gefunden hat. Mit dem Zusatz nehmen die Hersteller in Kauf, dass die Chemikalie, die unter dem Verdacht steht, krebserregend zu sein, im Fisch und so auf dem Teller landet. Wir werten per Nachweis ab - Grenzwerte für Rückstände in Fisch, an denen wir uns orientieren könnten, gibt es nicht.

Eine oder mehrere Nematoden haben wir in drei der fünf Wildlachse gefunden. Bei der unappetitlichen Zugabe handelt es sich um Larven von Fadenwürmern, die Lachse in freier Wildbahn oft befallen. Da die Parasiten beim Einfrieren sterben, ist die Fleischeinlage im Fisch zwar nicht gefährlich, aber ekelerregend. Deswegen wert

Jahrbuch für 2017

Gedruckt lesen?

Jahrbuch für 2017 ab 9.80 € kaufen

Zum Shop

Jahrbuch für 2017

Online lesen?

Jahrbuch für 2017 für 8.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Test: 15 Räucherlachse. Zehn stammen aus konventionellen Aquakulturen, die fünf Wildlachse in unserem Test wurden im Nordostpazifik in Alaska gefangen. Eingekauft haben wir in den großen Supermärkten und bei Discountern.

Die Inhaltsstoffe
Im Fokus der Untersuchungen standen unerwünschte Keime, die in frischen Produkten wie Räucherlachs ein Problem sein können. Außerdem standen Pestizide auf dem Prüfplan, ebenso wie synthetische Farbstoffe und Antioxidantien, die in den Futterpellets stecken. Auch auf Elemente wie Quecksilber und Arsen ließen wir die Lachse untersuchen. Mit einem Hemmstofftest haben wir überprüft, ob Rückstände von Antibiotika im Lachs zu finden waren. Eine sensorische Prüfung schloss die Tests ab - schließlich muss auch schmecken, was auf den Tisch kommt.

Die Tierhaltung/Ökologie
Von den Herstellern wollten wir zudem wissen: Wie wurden die Zuchtlachse gehalten? Was haben sie gefressen? Und welche Anstrengungen unternehmen die Farmen, den Nährstoffeintrag in umliegende Gewässer zu minimieren? Die Wildlachshersteller sollten uns unter anderem mitteilen, wie und wo die Fische gefangen wurden und wie hoch der Beifang aufgrund der jeweils verwendeten Fangmethode ist.

Die Bewertung
Ein "sehr gut" kann es von uns nur geben, wenn weder bedenkliche Inhaltsstoffe noch unerwünschte Keime in den Produkten stecken, und weder Tiere noch Gewässer unnötig gelitten haben. Auch wenn Hersteller ihre Angaben zur Tierhaltung und zur Ökologie nicht belegen konnten oder wollten, gab es Punktabzug.

So haben wir getestet

Farbstoffe und Konservierungsmittel im Futter: Im Labor ließen wir Rückstände davon im Lachs
untersuchen.

Online abrufbar

Jahrbuch für 2017

Bestellnr.: J1610
Gesamten Inhalt anzeigen