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Lebensmittelmotten bekämpfen: Warum nicht alle Mittel helfen und unbedenklich sind

Magazin Mai 2021: Tomaten | Autor: Jörg Döbereiner | Kategorie: Bauen und Wohnen | 29.04.2021

Mittel gegen Lebensmittelmotten im Test: Welche helfen, die Tiere wieder loszuwerden?
Foto: ÖKO-TEST

Wie wird man Lebensmittelmotten wieder los? Unser Test klärt über Vor- und Nachteile von Klebefallen und Sprays auf. Außerdem geben wir allgemeine Tipps, um Lebensmittelmotten zu bekämpfen und ihnen vorzubeugen. 

  • Gegen Lebensmittelmotten bietet der Handel Pheromon-Klebefallen und Mottensprays an. 
  • Unser Test zeigt jedoch: Viele Mittel gegen Lebensmittelmotten sind nicht empfehlenswert.
  • Kritik üben wir an fehlenden Wirksamkeitsnachweisen sowie an bedenklichen Inhaltsstoffen wie synthetische Pestizide. 

Wer in den eigenen vier Wänden eine Motte bemerkt, klärt am besten zunächst, ob es sich um eine Lebensmittelmotte handelt. Die wichtigste Art hierzulande ist die Dörrobstmotte, gut zu erkennen an den rötlichen Enden ihrer Flügel. Auch die grau gefärbte Mehlmotte kommt bei uns vor. 

Lebensmittelmotten bekämpfen: Welche Mittel gibt es? 

Jetzt gilt es herauszufinden, ob sich nur eine einzelne Motte verirrt hat, oder ob Lebensmittel befallen sind. Dafür bleibt nichts anderes übrig, als jene Orte genau zu inspizieren, an denen trockene, pflanzliche Lebensmittel lagern. Und natürlich auch die Ware selbst: Finden sich feine Gespinste, kleine Löcher in Verpackungen oder weiße Larven?

Um Lebensmittelmotten loszuwerden, hat der Handel Pumpsprays mit Wirkstoffen im Angebot, die Insekten vertreiben oder abtöten sollen, oder Pheromon-Klebefallen. Welches ist das bessere Mittel? Wir haben insgesamt 32 Produkte unter die Lupe genommen. Das Fazit: Am Großteil haben wir etwas auszusetzen.

An Lebensmitteln labt sich nur die Larve (links). Die ausgewachsene Motte frisst nicht mehr – ihr geht es vor allem darum, sich erfolgreich fortzupflanzen. Das Bild zeigt eine Dörrobstmotte (Plodia interpunctella).
An Lebensmitteln labt sich nur die Larve (links). Die ausgewachsene Motte frisst nicht mehr – ihr geht es vor allem darum, sich erfolgreich fortzupflanzen. Das Bild zeigt eine Dörrobstmotte (Plodia interpunctella). (Foto: Tomasz Klejdysz/Shutterstock)

Klebefallen können den Befall ermitteln

Was ist nun also zu tun, wenn Sie Lebensmittelmotten in den eigenen vier Wänden haben? Wenn wiederholt Motten auftauchen, aber nicht klar ist, woher sie kommen, können Pheromon-Klebefallen bei der Suche helfen. Sie enthalten die Hauptkomponente des Sexuallockstoffs der Weibchen. Dieser Stoff mit der Abkürzung ZETA lockt Männchen an, die dann auf den Fallen kleben bleiben. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass sie Männchen verwirren und so deren Fortpflanzung verhindern können.

Für die sieben "sehr guten" Klebefallen in unserem Test sehen wir die Wirksamkeit als ausreichend belegt an. Sechs von ihnen haben ein Zulassungsverfahren durchlaufen, in dessen Rahmen Behörden bescheinigt haben, dass sie wirken. Zu erkennen sind diese Produkte an einer Zulassungsnummer auf ihrer Verpackung, beginnend mit "EU" oder Länderkürzeln wie "DE" oder "AT". Alle Hersteller baten wir darüber hinaus um aussagekräftige Studien zu ihren Produkten.

Übrigens: Vermarktet werden dürfen Pheromon-Fallen auch ohne Zulassung, sofern sie erkennbar der Befallskontrolle dienen. Gesundheitliche Auswirkungen der Motten-Pheromone auf Menschen sind bei einer Anwendung gemäß Anleitung nicht zu erwarten. Trotzdem sollte man die Fallen vorsichtshalber von Kindern fernhalten, schon allein wegen des Leims.

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Gründlich reinigen hilft gegen Lebensmittelmotten 

Selbst mit den empfehlenswerten Klebefallen sollte aber niemand erwarten, alle Lebensmittelmotten loszuwerden. Weibchen wirken auf Männchen attraktiver als die Fallen. Und paart sich auch nur ein einziges Männchen bevor es der Falle auf den Leim geht, kann das begattete Weibchen mehrere hundert Eier ablegen. Dann beginnt die Plage erneut.

Die wichtigste Maßnahme bei einem Befall von Lebensmittelmotten bleibt deshalb rigoroses Reinigen:

  • Befallene Lebensmittel wegwerfen.
  • Alle Oberflächen und Ritzen konsequent säubern. Dabei bitte nicht die Regallöcher in den Seitenwänden vergessen.
  • Zum Putzen reicht gewöhnliches Spül- oder Reinigungsmittel.

Oft genügt eine gründliche Putzaktion, um alle Motten loszuwerden. Wer sich da nicht sicher ist, kann zur Kontrolle Pheromonfallen anbringen. Die können allerdings auch falschen Alarm auslösen, indem sie einzelne Motten von draußen anlocken und einen Befall vorgaukeln. 

Sie haben Motten zu Hause? So sieht eine Mehlmotte (Ephestia kuehniella) aus.
Sie haben Motten zu Hause? So sieht eine Mehlmotte (Ephestia kuehniella) aus. (Foto: CHROMORANGE/imago)

Lebensmittelmotten bekämpfen mit Sprays? 

Kommen wir nun zu den Mottensprays. Sie sind häufig sowohl gegen Kleidermotten als auch gegen Lebensmittelmotten ausgelobt. Man soll sie gemäß Produktangabe direkt auf befallene Stellen sprühen, oder dorthin, wo ein Befall wahrscheinlich ist. 

Mottensprays beruhen auf Wirkstoffen, die dafür bekannt sind, Insekten zu vergrämen oder zu töten. Und hier fangen die Probleme an. Einige dieser Inhaltsstoffe kritisieren wir. Dazu gehören: 

  • Esbiothrin und Permethrin: Die synthetischen Pestizide können auch Menschen schaden. Sie wirken nervengiftig und können Benommenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen, wenn sie in zu großer Menge aufgenommen werden.
  • Eine Ergänzung zu Esbiothrin: Experten der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) sahen sich den Stoff zuletzt genauer an. Ergebnis: In Insektiziden sei das Risiko für die menschliche Gesundheit nicht akzeptabel, weil sich Esbiothrin durch Sonnenlicht zu Substanzen abbaue, die Veränderungen im Erbgut auslösen könnten. Nach einem Beschluss der EU-Kommission müssen Insektizide mit Esbiothrin damit spätestens Ende Januar 2022 vom Markt.
  • Chrysanthemen-Extrakt: Es gilt ebenfalls als nervengiftig. Allerdings baut es sich bei Sonnenlicht relativ schnell wieder ab. Wir bewerten es deshalb weniger streng als Wirkstoffe aus der Gruppe der Pyrethroide, zu denen Esbiothrin und Permethrin gehören.

Duftstoffe in Mottensprays können Allergien auslösen

In Mottensprays finden sich teils auch die Duftstoffe Geraniol und Lavandinöl. Wir schätzen sie verglichen mit den oben genannten Wirkstoffen als weniger problematisch ein. Sie können allerdings Kontaktallergien auslösen.

Unterm Strich finden wir: Befallene Stellen gründlich zu reinigen, ist besser als zu Mottenspray zu greifen. 

Erwischen kann es uns alle: Lebensmittelmotten lassen sich über gekaufte Ware einschleppen.
Erwischen kann es uns alle: Lebensmittelmotten lassen sich über gekaufte Ware einschleppen. (Foto: Candle photo/Shuttertstock)

So schützen Sie Ihre Lebensmittel vor dem Befall 

Das Mottenweibchen legt seine Eier möglichst nah an die künftige Nahrungsquelle des Nachwuchses, bevorzugt direkt auf das Lebensmittel oder die Verpackung. Die Larven mögen Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Mandeln, aber auch Schokolade, Tee und Tiertrockenfutter. Einfallstore können winzige undichte Stellen in der Verpackung sein, etwa ein Falz oder ein schlecht sitzender Schraubverschluss.

Es empfiehlt sich deshalb, trockene Lebensmittel gasdicht aufzubewahren. Das geht gut mit Mehl, Haferflocken oder Gewürzen. Ist die Originalverpackung nicht luftdicht, am besten umfüllen, zum Beispiel in Einmachgläser mit Dichtgummi. Schraubverschlüsse sind nicht immer dicht genug, im Zweifel beim Hersteller erkundigen.

Achtung: Waren mit Restfeuchte wie etwa frische Backwaren schimmeln bei gasdichter Lagerung. Hier die Gläser mit Baumwolle abdecken und den Stoff am Rand mit Gummiband gut abdichten. Nüsse lassen sich im Kühlschrank lagern.

Effektive Tipps: Lebensmittelmotten bekämpfen 

Hier noch mal eine Zusammenfassung unserer Ratschläge. So werden Sie Lebensmittelmotten wieder los:

  1. Von Motten befallene Lebensmittel entsorgen, Umgebung gründlich reinigen. Pheromon-Fallen können helfen, neuen Befall schneller zu erkennen.
  2. Mottensprays mit synthetischen Pestiziden wie Permethrin oder Esbiothrin sind in den eigenen vier Wänden auf jeden Fall tabu.
  3. Trockene Lebensmittel wie Mehl, Haferflocken und Gewürze luftdicht lagern, etwa in Gläsern mit Gummidichtung.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben in Drogerien, Baumärkten und im Onlinehandel 25 Klebefallen und 7 Sprays gegen Lebensmittelmotten eingekauft. Die meisten Klebefallen sollen männliche Motten mit Pheromonen anlocken, ein Produkt setzt auf gelbe Farbe. Die Sprays beinhalten unterschiedliche Wirkstoffe, die Motten vergrämen oder töten sollen: Lavandinöl, Geraniol, Chrysanthemen-Extrakt, Margosa-Extrakt, Esbiothrin und Permethrin.

Für die Wirkstoffe in den Sprays ließen wir ein Gutachten zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen erstellen. Außerdem fragten wir alle Hersteller nach Studien, die die Wirksamkeit ihrer Produkte belegen. Und wir überprüften bei zugelassenen Produkten die Zulassungsdokumente. Wir warfen zudem einen kritischen Blick auf die Auslobungen und ließen die Verpackungen von einem Labor auf chlorierte Verbindungen untersuchen. Sprays gegen Lebensmittelmotten einzusetzen, sehen wir grundsätzlich kritisch – noch dazu, wenn sie besonders giftige Insektizide enthalten. Das gibt Notenabzüge im Testergebnis Inhaltsstoffe. Bei Klebefallen ziehen wir Noten ab, wenn die produktspezifische Wirksamkeit nicht durch aussagekräftige Dokumente belegt ist.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: synthetische Insektizide in Sprays (hier: Kombination aus Permethrin und Esbiothrin). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Klebefalle, deren produktspezifische Wirksamkeit nicht überzeugend belegt ist; b) Klebefalle ohne Pheromon, die auf das Wirkprinzip gelbe Farbe setzt; c) Anwendungsform Spray; d) Chrysanthemen-Extrakt in Sprays.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Klebefalle ausgelobt mit "Die einfachste Möglichkeit alle los zu werden" und "Sie werden sehen,  Sie bekommen alle", ist aber nur zur Befallsermittlung geeignet. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden

Testmethoden: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Januar/März 2021

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