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Zahnpasta für weiße Zähne im Test: Diese Bleaching-Zahncreme fällt durch

Autor: Anna Mai/Kai Thomas | Kategorie: Kosmetik und Mode | 09.04.2019

Zahnpasta für weiße Zähne im Test: Diese Bleaching-Zahncreme fällt durch
Foto: didesign021/Shutterstock

Wir haben 94 Zahnpasten für weiße Zähne getestet. Mehr als die Hälfte fällt durch. Nur 16 sind empfehlenswert. In vielen der Spezial-Zahncremes stecken Problemstoffe. Zudem sind die versprochenen Aufhell-Effekte nicht oder nur dürftig belegt.

Zigaretten- und Kaffeekonsum kann die Zähne verfärben. Weißmachende Zahnpasta soll dagegen helfen. Gegen Beläge enthalten die Tuben Kieselsäure oder Phosphate. Pyrophosphate sollen Zahnstein verhindern, Aktivkohle Ablagerungen aufsaugen. Teilweise setzen die Hersteller auch Bleichmittel oder Farbpigmente ein. Doch machen solche Produkte die Zähne wirklich weißer? 

Zahnpasta für weiße Zähne im Test: Colgate, Elmex, Dm, Curaprox und Co. im Vergleich

Im Test: Wir haben im Zahnpasta-Test auch 94 Zahncremes für weiße Zähne untersucht. Im Fokus: ihre versprochenen Aufhell-Effekte. Wir haben die Hersteller gebeten, sie mit Studien zu belegen. Zudem haben wir uns gefragt, ob in den Pasten ausreichend Fluorid steckt, um Karies vorzubeugen, und ob die Zahncremes möglicherweise mit Schadstoffen oder Kunststoff belastet sind. 

Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Produkte fällt bereits allein wegen schlechter Inhaltsstoffe mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Mit "sehr gut" oder "gut" können wir insgesamt nur 16 von 94 der Zahnpasten empfehlen.

Mit Zahnpasta sind strahlend weiße Zähne aus unserer Sicht unrealistisch. Auf ganzen 75 Verpackungen vermissen wir einen Hinweis, der falschen Erwartungen vorbeugt. Sie informieren nicht, dass das Aufhell-Ergebnis von der natürlichen Zahnfarbe abhängt. Zudem legten uns die Anbieter auf Anfrage kaum Studien zu den Effekten ihrer Produkten vor. Die wissenschaftliche Aussagekraft der wenigen Arbeiten, die wir zu Gesicht bekamen, überzeugte uns nicht.

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Oft Problemstoffe in Weißmacher-Zahncreme 

Mehr als die Hälfte der Zahnpasten für weißere Zähne enthält die Problemstoffe Natriumlaurylsulfat oder Polyethylenglykole und chemisch verwandte Stoffe (PEG). Das Schäumungsmittel Natriumlaurylsulfat gilt als vergleichsweise aggressiv, kann die Schleimhäute reizen. PEG können die Schleimhäute durchlässiger für Fremdstoffe machen. 

In einigen der getesteten Weißmacher-Zahncremes waren zudem weniger als 0,1 Prozent (1.000 ppm) Fluorid enthalten – das ist eindeutig zu wenig, um vor Karies zu schützen. In acht Pasten – darunter die Logodent Naturweiss Pfefferminz-Zahncreme - war dieser wichtige Inhaltsstoff einer Zahncreme gar nicht enthalten.

Die medizinischen Fachgesellschaften empfehlen Erwachsenen in Ihrer Leitlinie eindeutig fluoridhaltige Zahnpasta. Von Fluorid in Zahnpasta geht zudem keine Gesundheitsgefahr aus - anders als oft behauptet.

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Aufhellende Effekte nur wenig überzeugend belegt

Wir wollten von den Anbietern Studien zur Weißwirkung ihrer Produkte sehen. In weniger als der Hälfte der Fälle schickten uns die Anbieter – wenn auch meist nur sehr dürftige – Unterlagen.

Nur für 36 Produkte, also ein gutes Drittel, legten uns die Anbieter überhaupt Studien vor, die den aufhellenden Effekt belegen sollen. Doch 27 davon halten wir für nicht wissenschaftlich belastbar. Zumeist handelte es sich um die Bestimmung des PCR-Wertes an der Indiana University. PCR steht für Pellicle Cleaning Ratio und beschreibt die Reinigungsleistung einer Zahncreme. Der Wert unterliegt jedoch gewissen Schwankungen und bietet deshalb nur Anhaltspunkte dafür, wie gut die Zahncreme reinigt oder Verfärbungen entfernt.

Nur für die Dontodent Brillant Weiss Zahncreme, die vier Perlweiss-Shine-On-Zahncremes, die Rapid White Direct White Zahncreme, die beiden Blanx-Zahncremes und die My Magic Mud Pfefferminze Zahnpasta aus Aktivkohle übermittelten die Anbieter konkrete Studien zum jeweiligen Produkt.

Wir erwarten von den Anbietern auch einen klaren Hinweis auf der Verpackung, dass das Ergebnis nie heller als die natürliche Zahnfarbe sein kann. Denn nicht jeder hat von Natur aus weiße Zähne. Somit kann auch nicht jeder ein "Weiß" erreichen. Viele Hersteller liefern diese Hinweise nicht.

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Whitening-Zahnpasta im Test kann Umwelt belasten

Einige Zahncremes enthalten Zinksalze. Für Kinder sollten sie tabu sein. Denn ein Zuviel an Zink kann schaden und der Bedarf ist über Lebensmittel ausreichend gedeckt. Das sagt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung. Häufig fehlt auf den Verpackungen zinkhaltiger Zahnpasten jedoch eine Angabe, dass sie für Kinder nicht geeignet sind.

Nicht nur kleine "feste" Plastikteilchen stehen heute als umweltbelastendes Mikroplastik in der Kritik, sondern auch andere synthetische Polymere, die sich nicht oder nur schlecht in Wasser lösen oder nicht gut abbaubar sind. In 17 Fällen geben wir dafür Minuspunkte. Außerdem kritisieren wir den vielfach eingesetzten und völlig überflüssigen Umkarton.

Unser Tipp:

  • Das Geld für teure Markenprodukte können Sie sich sparen. Die "sehr guten" und "guten" Zahncremes aus den Drogerien, Supermärkten und von Discountern sind die bessere Wahl. Falls Sie überhaupt zu einer solchen Spezialzahncreme greifen möchten.
  • Zahncremes für weiße Zähne sind nicht unbedingt erforderlich. Verfärbungen werden bis zu einem gewissen Grad auch durch "normale" Zahnpasten entfernt. Ebenso durch eine professionelle Zahnreinigung, die sich ohnehin ein- bis zweimal im Jahr empfiehlt.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Bewertungslegende: Universal-Zahncremes, Zahncremes für empfindliche Zähne, Zahncremes für weißere Zähne

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Zur Abwertung um fünf Noten führt: Ethoxydiglycol. Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) kein Kariesschutz durch Fluorid und/oder keine Mengenangabe zum Fluoridgehalt und keine Fluorverbindung deklariert und/oder ein sehr geringer Fluoridgehalt (hier: 10 ppm);
b) Triclosan. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein geringer Fluoridgehalt von 500 bis < 1.000 ppm. b) Fluorverbindung deklariert, aber nicht der Fluoridgehalt; c) bei Zahncremes für empfindliche Zähne eine Beurteilung "Wirkung nicht nachvollziehbar"; d) Natriumlaurylsulfat; e) PEG/PEG-Derivate; f) halogenorganische Verbindungen (hier: Chlorhexidindigluconat, Bronopol). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Propylparaben; b) bei Zahncremes für empfindliche Zähne eine Beurteilung "kann wirken"; c) Silbersulfat. 

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) bei Zahncremes für weißere Zähne: keine Studie zum Produkt vorgelegt; b) bei Zahncremes für weißere Zähne: Verpackung gibt keinen Hinweis, dass das Ergebnis von der individuellen Zahnfarbe abhängt; c) synthetische Polymere (hier unter anderem: Carbomer, PVM/MA Copolymer, PVP, Dimethicone). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Deklarationsmangel: Zusatz eines Zinksalzes, aber kein Hinweis "nur für Erwachsene"; b) bei Zahncremes für weißere Zähne: Studie vorgelegt, aber mit Mängeln (wie Studie zur Ermittlung des PCR-Wertes, Studie mit Versuchen an Rinderzähnen oder nur Ausschnitte der Studie sichtbar); c) ein Umkarton, der kein Glas schützt oder keine Zahnbürste beeinhaltet (in der Tabelle "Umkarton"); d) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.

Testmethoden

Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Membranfiltration; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom; mikrocoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Parabene (falls deklariert): HPLC-DAD nach Extraktion und Zugabe eines internen Standards. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse. Ethoxydiglycol (falls deklariert): GC/MS nach Extraktion. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK; nur in schwarzen Zahncremes): GC-MSD; getestet auf 25 PAK EU/EPA/JECFA. Elemente (nur bei Kinderzahncremes und Juniorzahncremes): Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung mittels ICP-MS.

Einkauf der Produkte: Oktober/November 2018.

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