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Taschentücher im Test: So gut sind Tempo, Kleenex, Softis und Co.

Magazin Oktober 2021: Zucker | Autor: Vanessa Christa/Frank Schuster/Cordula Posdorf | Kategorie: Kosmetik und Mode | 30.09.2021

Taschentücher im Test: Auch Recyclingpapier ist reißfest
Foto: ÖKO-TEST

Papiertaschentücher sollen hart zum Schnupfen, aber sanft zur Nase sein. Ökologisch gesehen sind Recyclingtücher auf jeden Fall die bessere Wahl. Aber halten sie heftigen Niesern genauso gut stand wie herkömmliche Papiertücher? 

  • Wir können zehn Tücher mit "sehr gut" und "gut" empfehlen.
  • Tücher aus Altpapier sind genauso weich und reißfest wie die aus Primärfasern. 
  • Aber: In mehr als der Hälfte der Produkte im Test stecken halogenorganische Verbindungen. Viele dieser Stoffe gelten als allergieauslösend, fast alle reichern sich in der Umwelt an.

Recyclingtücher sind genauso reißfest wie solche aus Primärfasern

Wir haben 21 Papiertaschentücher ins Labor gegeben, darunter zehn Produkte aus Recyclingmaterial, die anderen elf sind aus Primärfasern. In der Praxisprüfung gab es für das gesamte Testfeld überwiegend "gute" Beurteilungen, was zum Beispiel Reißfestigkeit, Saugfähigkeit und Weichheit angeht.

Insgesamt hielten die Recyclingtücher gut mit, waren teils sogar besser. Ob die Produkte also weich sind und mit guter Saugfähigkeit punkten können, hängt nicht davon ab, ob das Ausgangsmaterial Altpapier ist oder ob es Primärfasern aus frischem Holz sind.

Papiertaschentücher im Test: Alle Ergebnisse im ePaper

Taschentücher im Test: problematischer Stoff gefunden

Aber es gibt auch eine schlechte Nachricht: In mehr als der Hälfte der Produkte stecken halogenorganische Verbindungen (AOX) in Gehalten, die ÖKO-TEST abwertet. Viele Vertreter der großen Stoffgruppe der AOX gelten als allergieauslösend, fast alle reichern sich in der Umwelt an.

Diese Stoffe können auf unterschiedlichen Wegen in das Papier gelangen. Ein Eintragsweg zum Beispiel sind Nassverfestiger. Das sind Stoffe, die dafür sorgen, dass das Papier bei Kontakt mit Wasser nicht direkt reißt oder sich auflöst. AOX können aber auch über Bleiche oder das Altpapier im Papiertaschentuch landen.

Hier haben die Recyclingprodukte einen Nachteil: Öfter bringt das Papier aus seinem Vorleben halogenorganische Verbindungen mit, da es zuvor mit Chemikalien bearbeitet worden war.

Taschentücher sollten auch beim kräftigen Schnäuzen nicht reißen.
Taschentücher sollten auch beim kräftigen Schnäuzen nicht reißen. (Foto: fizkes/Shutterstock)

Recyclingpapier ist bessere Wahl für Umwelt

Dennoch: Im Hinblick auf Ressourcenverbrauch, Abwasserbelastung, Wasser- und Energieverbrauch in der Produktion schneiden Tücher aus Altpapier wesentlich günstiger ab als Produkte aus Primärfasern.

Das Holz für die Primärfasern stammt größtenteils von weit her - zum Beispiel aus Brasilien. Der Transport verschlingt Ressourcen. Beim Recyclingpapier stammen die Fasern aus der Wertstoffsammlung, vorwiegend aus Deutschland und den benachbarten Beneluxstaaten. Selbst wenn das Holz darin ursprünglich auch einmal von weit herkam: Im Recyclingpapier durchläuft es einen weiteren Zyklus.

Zwei Produkte im Test sind aus Bambus. Das Süßgras könnte aufgrund seines schnellen Wachstums - bis zu einem Meter pro Tag - eigentlich eine nachhaltige Alternative zu Bäumen sein. Allerdings gibt es für Bambusfasern noch keinen Wertstoffkreislauf. Auch hier kommt ein langer Lieferweg dazu: Die Bambus-Fasern in unserem Test stammen aus China. 

Elf Produkte im Test sind aus Primärfasern hergestellt. ÖKO-TEST bewertet in diesem Punkt streng: Ist die Herkunft eines Produkts nicht zu 100 Prozent aus Altpapier, werten wir das unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe um zwei Noten ab. Die Ergebnisse in unserem Test sprechen für Recyclingtücher.

Übrigens: Aktuell liegt der Marktanteil von Recyclingtüchern mit rund fünf Prozent sehr niedrig. Auch wenn er in den zurückliegenden Jahren etwas stieg, 2017 lag er noch bei lediglich rund 1,5 Prozent. 

Im ÖKO-TEST-Magazin von September haben wir Kosmetiktücher getestet. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Fasern häufig nicht recycelt und damit wenig nachhaltig sind. Hier geht zum ePaper:

Kosmetiktücher-Test: Lesen Sie die Ergebnisse im ePaper

Wie flusenfrei sind Papiertaschentücher im Test?

Es ist ärgerlich, wenn wieder ein Papiertaschentuch in der Waschmaschine gelandet ist. Jetzt kleben überall kleine Papierflusen an der Wäsche. Lässt sich das durch die Wahl der richtigen Tücher vermeiden? Eine Praxisprüfung gibt Antworten. 

Für den Praxistest steckte das von uns beauftragte Labor die Taschentücher in die Waschmaschine. Die Produkte waren dabei, zu Kugeln zusammengeknüllt, in eigens angefertigte Taschen eingenäht. Nach dem Waschen wertete das Labor aus, wie viele Flusen die Tascheninnenfläche bedeckten und welche Konsistenz das Tuch aufwies, also ob es zerfallen oder noch fest war.

Den ersten Platz teilten sich ein Produkt aus Frischfasern und eines aus Recyclingmaterial. Bei beiden lautete das Ergebnis: fast keine Flusen und fest. Entgegen ihres Rufs können also auch Recyclingtücher waschmaschinenfest sein. Auch die restlichen Recyclingprodukte schnitten nur in drei Fällen schlechter ab als die herkömmlichen Taschentücher.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 21-mal Papiertaschentücher eingekauft. Unter den Produkten sind Eigenmarken von Supermärkten, Discountern und Drogerien, aber auch bekannte Marken wie Tempo und Kleenex. Wir haben einfache Tücher im Test – keine bedruckten, bedufteten oder mit Pflegesubstanzen versehenen. Zehn Produkte sind aus Recyclingpapier, bei zwei Produkten ist das Ausgangsmaterial Bambus.

Wir haben die Produkte in Laboren auf bedenkliches Formaldehyd und Glyoxal prüfen lassen sowie auf optische Aufheller und umstrittene halogenorganische Verbindungen. Die Kunststoffverpackungen ließen wir auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen testen.

Ein Labor prüfte zudem für uns in einem umfangreichen Praxistest mit maschinellen, standardisierten Verfahren die Reißfestigkeit der Tücher im trockenen wie nassen Zustand, ihre Robustheit im Gebrauch (Durchstoßfestigkeit) und ihre Saugfähigkeit. Um ihre Weichheit zu bewerten, vergaben sieben geschulte Testpersonen Noten. Da man die Taschentücher auch mal in der Hosentasche vergessen kann und dies zu ärgerlichen Flusen in der Waschmaschine und an der Wäsche führen kann, haben wir die Produkte auch einem Waschtest unterzogen, um herauszufinden, wie sehr sie in der Maschine zerfleddern.

Für das Gesamturteil bewerten wir die Inhaltsstoffe etwas stärker als die Ergebnisse in den Praxistests.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: Produkt besteht nicht zu 100 % aus Altpapier. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 mg/ kg halogenorganische Verbindungen; b) keine vollständige Angabe zur Herkunft des Materials.

Bewertung Testergebnis Praxisprüfung: Das Testergebnis Praxisprüfung beruht zu je 15 % auf 1) der Reißfestigkeit, 2) der Nassreißfestigkeit, 3) der Festigkeit im Gebrauch und zu je 20 % auf 4) der Saugfähigkeit, 5) der Weichheit und zu 15 % auf 6) dem Waschtest. Dabei werden alle Ergebnisse kaufmännisch gerundet.

1) In die Reißfestigkeit gehen zu 50 % die Bruchkraft längs und zu 50 % die Bruchkraft quer ein. Sehr reißfest = sehr gut, reißfest = gut, noch reißfest = befriedigend. Bruchkraft längs in Newton (N): > 25 = sehr gut; 18,1 bis 25,0 = gut; 10,1 bis 18,0 = befriedigend; < 10 = ausreichend; Bruchkraft quer in N: > 15 = sehr gut; 8,1 bis 15,0 = gut; 6,0 bis 8,0 = befriedigend; < 6 = ausreichend.

2) In die Nassreißfestigkeit gehen zu 50 % die Nassbruchkraft längs und zu 50 % die Nassbruchkraft quer ein. Sehr nassfest = sehr gut, nassfest = gut, noch nassfest = befriedigend. Nassbruchkraft längs in Newton (N): > 6,0 = sehr gut; > 3 bis 6 = gut; 1 bis 3 = befriedigend; <1 = ausreichend. Nassbruchkraft quer in N: > 2,5 = sehr gut; >1,5 bis 2,5 = gut; 0,9 bis 1,5 = befriedigend.

3) Die Festigkeit im Gebrauch beruht auf der Durchstoßfestigkeit. Sehr stabil = sehr gut, stabil = gut, noch stabil = befriedigend. In die Durchstoßfestigkeit gehen zu 50 % die Durchstoßfestigkeit trocken und zu 50 % die Durchstoßfestigkeit nass ein. Durchstoßfestigkeit trocken in Newton (N): >7,0 = sehr gut; >3,5 bis 7,0 = gut; 2,0 bis 3,5 = befriedigend; < 2,0 = ausreichend. Durchstoßfestigkeit nass in N: > 1,5 = sehr gut; > 0,8 bis 1,5 = gut; > 0,6 bis 0,8 = befriedigend; ≤ 0,6 = ausreichend.

4) In die Saugfähigkeit gehen zu 50 % die Wasseraufnahmekapazität und zu 50 % die Absinkdauer ein. Sehr saugfähig = sehr gut; saugfähig = gut; noch saugfähig = befriedigend. Wasseraufnahmekapazität in g/g: > 8,5 = sehr gut; > 6,5 bis 8,5 = gut; 5,5 bis 6,5 = befriedigend; < 5,5 = ausreichend. Absinkdauer in Sekunden (s): < 2 = sehr gut; 2 bis <4 = gut; 4 bis 6= befriedigend; >6 = ausreichend.

5) Die Weichheit basiert auf einem sensorischen Prüfverfahren als Blindtest mit sieben Testpersonen. Die Einzelnoten der Testpersonen wurden gemittelt und gerundet. Die Bewertung erfolgte durch ein Punktesystem: 0 bis 2,00 = sehr gut (sehr weich); 2,01 bis 3,00 = gut (weich); 3,01 bis 3,99 = befriedigend (noch weich); ≥ 4 = ausreichend (mäßig weich).

6) Der Waschtest beruht auf der Bestimmung der Flusigkeit und der Konsistenz einer Taschentuchprobe nach einem Waschgang in einer Tasche aus Denim und Fahnentuch bei 30 °C mit anschließendem Trocknen an der Luft. Die Note setzt sich aus 75 % Flusigkeit und 25 % Konsistenz des Taschentuchs zusammen, wobei zuvor aus drei Einzelergebnissen für Flusigkeit und Konsistenz jeweils ein arithmetischer Mittelwert gebildet wurde. Sehr waschfest = sehr gut, waschfest = gut, noch waschfest = befriedigend und mäßig waschfest = ausreichend.

Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Gesamturteil: Das Gesamturteil beruht zu 60 % auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 40 % auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Dabei werden alle Ergebnisse kaufmännisch gerundet.

Testmethoden

Formaldehyd: Qualitativer Nachweis mit Carbazol/Schwefelsäure, ggf. quantitativ, gemäß DIN EN ISO 14184-1:2011-12.  Glyoxal: Phenylhydrazin/Schwefelsäure/Eisen(III)chlorid.

Halogenorganische Verbindungen: Probe wird mit Reinstwasser mit der Soxhlet-Apparatur eluiert; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle; Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom; microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.

Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht). Reißfestigkeit trocken & nass: Bestimmung der breitenbezogenen Bruchkraft in Anlehnung an DIN EN ISO 12625-4 an jeweils 10 Proben in Maschinenrichtung und Maschinenquerrichtung mit einer Breite von 50 mm. Die Einspannlänge der Proben betrug 50 mm. Die Prüfung wurde mit einer Prüfgeschwindigkeit von 50 mm/min an einer Materialprüfmaschine durchgeführt.

Dynamische Durchstoßfestigkeit: Bestimmung der Berstkraft in Anlehnung an DIN EN ISO 12 625-9 an jeweils 10 Proben. Die Proben wurden in mechanisch fixierbare Durchstoßplatten mit Bohrung eingespannt. Eine Kugel von 16 mm Durchmesser durchstößt mit einer Geschwindigkeit von 125 mm/min senkrecht eine kreisförmige Prüffläche (Bohrung) von 50 mm Durchmesser.

Wasseraufnahme: Bestimmung der Wasseraufnahmekapazität mittels Drahtkorbtauchverfahren in Anlehnung an DIN EN ISO 12625-8 an jeweils 5 Proben von 5 g bei einer Wässerungsdauer von 30 Sekunden und einer Abtropfzeit von 60 Sekunden. Die Wassertemperatur betrug 23 °C ± 1 °C. Maschenweite des Drahtkorbs 20 mm Gewicht 2,7 g.

Waschfestigkeit: Taschentuch: Aus Denim und Fahnentuch werden Taschen (20 x 20 cm) genäht. Je eine Seite aus Denim und eine Seite aus Fahnentuch. Ein Papiertaschentuch wird glatt ausgebreitet und mit einer Hand gut zu einer Kugel zusammengeknüllt (ca. 4 cm Durchmesser). Jedes geknüllte Taschentuch wird einzeln in eine Tasche eingenäht. Die Taschen werden in einer handelsüblichen Waschmaschine mit einem Standardwaschprogramm (Baumwolle) bei 30 °C gewaschen und an der Luft getrocknet. Abschließend werden die Taschen aufgeschnitten und visuell nach Flusigkeit und Konsistenz des Taschentuchs beurteilt.

Weichheit: Sensorisches Prüfverfahren mit 7 Testpersonen; jedes Muster wurde blind getestet und auf einer Notenskala von 1 bis 6 bewertet: 1 = am weichsten und 6 = am härtesten.

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse. 

Einkauf der Testprodukte: Mai und Juni 2021.

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