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Chemische UV-Filter: Was dagegen spricht und welche Alternativen es gibt

Autor: Redaktion | Kategorie: Kosmetik und Mode | 31.12.2017

Chemische UV-Filter
Foto: Shutterstock/Kaspars Grinvalds

Sonnenschutzmittel sind wichtig, denn sie schützen vor UV-Strahlung. Einige chemische UV-Filter sind aber in den Verdacht geraten, wie Hormone zu wirken. Zu diesen Stoffen gibt es gute Alternativen.

Jedes Jahr im Frühjahr und Sommer genießen wir die Sonne. Ob im Garten, Park oder am Strand – die wärmenden Strahlen tun dem Körper gut und heben die Laune. Leider sind sie auch nicht ganz ungefährlich. Also gilt: Eincremen nicht vergessen. Unterschieden werden grundsätzlich zwei Arten von Sonnenschutzmitteln: Die einen arbeiten mit chemischen und die anderen mit physikalischen Lichtschutzfiltern.

UV-Filter: Chemische vs. physikalische Filter

Die Mittel mit chemischen oder synthetischen Filtern dringen in die Haut ein, nehmen die Sonnenstrahlen auf, machen sie unwirksam und verhindern so, dass es zu Hautschäden kommt. Bis sie ihre Wirkung entfalten, vergehen etwa 20 Minuten. Darum müssen sie unbedingt schon aufgetragen werden, bevor es ins Freie geht.

Sonnencremes mit physikalischen Lichtschutzfiltern dagegen nutzen Minerale wie Titandioxid und Zinkoxid. Anders als die chemischen Substanzen legen die sich wie ein Schutzschild auf die Haut und reflektieren das Sonnenlicht wie kleine Spiegel. So werden die Strahlen von der Haut ferngehalten. Solche Cremes schützen die Haut direkt nach dem Auftragen.

Chemische UV-Filter: Wir raten ab

ÖKO-TEST rät seit Jahren von Produkten mit chemischen Lichtschutzfiltern ab. Das hat Gründe. Für etliche chemische UV-Filter haben die Umwelttoxikologin Margret Schlumpf und der Arzt Walter Lichtensteiger von der Uni Zürich schon vor Jahren eine hormonelle Wirkung an Zellkulturen und teilweise im Tierversuch aufgezeigt.

Wirklich viel hat sich seitdem noch nicht getan. Eine Substanz immerhin darf inzwischen nicht mehr eingesetzt werden: 2015 hat die EU den UV-Filter 3-Benzylidencampher (3-BC) in Kosmetika verboten. Die Europäische Kommission folgte damit der Einschätzung ihres wissenschaftlichen Ausschusses SCCS, der den Stoff schon 2013 als unsicher eingestuft hatte. Seit 2016 dürfen keine Kosmetika mit dem chemischen Lichtschutzfilter 3-BC mehr auf den europäischen Markt gebracht werden.

CC0 / Pixabay / chezbeate
CC0 / Pixabay / chezbeate (Foto: UV-Filter: Auch bei mineralischen Filtern sind noch Fragen offen)

UV-Filter könnten sich auf Spermien auswirken 

Eine neuere Untersuchung weist aber darauf hin, dass nicht nur dieser UV-Filter eine bedenkliche Wirkung hat. Professor Niels Skakkebaek von der Universität Kopenhagen testete gemeinsam mit Forscherkollegen, wie 29 der 31 in Europa und den USA für Sonnenschutzmittel erlaubten UV-Filter auf menschliche Spermien wirken. Das erschreckende Ergebnis der Untersuchung: Immerhin 13 Stoffe hatten einen negativen Effekt auf die Qualität männlicher Samen.

Die chemischen UV-Filter wirkten wie das weibliche Sexualhormon Progesteron und lösten schon in geringen Mengen in den Spermien einen verfrühten Calciumeinstrom aus. Normalerweise findet der erst statt, wenn der Samen an der Eizelle angekommen ist. Passiert er zu früh, machen die Spermien später bei der Befruchtung schlapp.

Das Resultat sei "beunruhigend", erklärte der Wissenschaftler, der seine Studie 2016 auf der Jahrestagung der Fachgesellschaft Endocrine Society in Boston vorstellte. Allerdings könne es helfen, Fälle von Unfruchtbarkeit zu erklären, die bisher unerklärlich waren. Weitere Forschungen seien dringend notwendig.

Mineralische UV-Filter haben oft Nanoform

Wer sich den möglichen Risiken nicht aussetzen will, kann jetzt schon auf Sonnenschutzmittel mit mineralischen Lichtschutzfiltern ausweichen, wie sie von Naturkosmetik-Marken eingesetzt werden.

Doch auch über diese UV-Filter wurde lange diskutiert: über das Mineral Titandioxid, das vor UV-B- und UV-A-Strahlen schützt, und über Zinkoxid, das überwiegend UV-A-Strahlen abhält. Verwendet werden nämlich oft extrem kleine Partikel, die kleiner als 100 Nanometer sind. Ein Nanometer entspricht einem Milliardstel Meter. Zum Vergleich: Ein Haar mit einem Durchmesser von 50.000 Nanometern ist dagegen ein richtiges Monster.

Die Miniaturen haben den Vorteil, dass sie angenehm zu verteilen sind. Noch vor Jahren, als viel größere Partikel verwendet wurden, lag die Sonnencreme wie eine weiße Schicht auf der Haut. Doch seit die Kleinstpartikel verwendet werden, geht es um die Frage, ob die Mini-Mineralien nicht über die Haut weiter in den Körper wandern.

UV-Filter: Die Qual der Wahl

Eine Studie zeigte zwar, dass die kleinen Teilchen nicht durch gesunde Haut dringen können. Wie sich die Partikel aber bei geschädigter Haut verhalten, galt lange als ungeklärt. Inzwischen gibt es aber auch hier Entwarnung: Nach aktuellem Forschungsstand besteht kein Gesundheitsrisiko.

Die EU-Kommission hat deshalb 2016 eine Änderung der Kosmetikverordnung beschlossen, nach der der mineralische UV-Filter Titandioxid in Nanoform bis zu einer Menge von 25 % in kosmetischen Mitteln – zu denen auch die Sonnencremes zählen – zugelassen ist.

Ausgenommen davon sind allerdings Sprays mit Treibgas, denn dadurch könnten die winzigen Nanopartikel in die Lunge gelangen. Und das ist gefährlich: Versuche haben gezeigt, dass die Titandioxid-Nanoteilchen Lungenentzündungen oder sogar Lungenkrebs verursachen können, wenn sie eingeatmet werden.

UV-Filter: Hormonell wirksame Stoffe erkennen

Ein Blick in die Inhaltsstoffliste verrät die UV-Filter, die in den Verdacht geraten sind, wie Hormone zu wirken:

  • 3-Benzylidencamphor (3-BC) ist inzwischen verboten und darf seit Februar 2016 nicht mehr in Produkten stecken, die in der Europäischen Union verkauft werden. Für diesen Stoff wie auch für die Lichtschutzfilter …
  • 4-Methylbenzylidencamphor (4-MBC bzw. MBC),
  • Ethylhexylmethoxycinnamate (Octylmethoxycinnamate, OMC),
  • Benzophenone-1 (BP1),
  • Benzophenone-2 (BP2),
  • Benzophenone-3 (Oxybenzon, BP3) wurde die hormonelle Wirksamkeit im Tierversuch gezeigt.

Diese 13 UV-Filter fielen in der dänischen Studie von Niels Skakkebaek et al. negativ auf:

  • 4-MBC (in der englischen Inhaltsstoffliste Inci gelistet als: 4-Methylbenzylidencamphor),
  • 3-BC (Inci: 3-Benzylidencamphor; inzwischen verboten),
  • Octisalate (Ethylhexyl Salicylate),
  • BCSA (Benzylidene Camphor Sulfonic Acid),
  • Homosalate (so auch in der Inci),
  • Padimate O (Ethylhexyldimethyl PABA),
  • Meradimate (Menthyl Anthranilate),
  • BP-3 (Benzophenone-3),
  • Octinoxate (Ethylhexylmethoxycinnamate),
  • Amiloxate (Isoamyl methoxycinnamate),
  • Octocrylene (so auch in der Inci),
  • Avobenzone (Butyl Methoxydibenzoylmethane),
  • DHHB (Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate).

ÖKO-TEST wertet Octocrylene, Homosalate und Ethylhexyldimethyl PABA wegen in Zellkultur nachgewiesener hormoneller Wirkungen um eine Note ab.

Weiterlesen auf oekotest.de: