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Sonnencreme im Test: Teils landen bedenkliche Stoffe auf dem Körper

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2022 | Autor: Christine Throl/Svenja Markert/Lena Wenzel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 14.10.2021

Sonnencreme im Test: Welches Sonnenschutzmittel ist empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Sonnenbrand kann gefährlich sein. Daher ist es wichtig, sich mit Sonnencreme einzuschmieren und die Haut so vor Verbrennungen zu schützen. Doch Vorsicht bei der Auswahl des Sonnenschutzes: Mit einigen Cremes im Test schmieren wir uns bedenkliche Stoffe auf die Haut.

  • Mit Bestnote schneiden vier von 21 Sonnencremes im Test ab. 
  • Verzichten Sie besser auf die Verwendung von Sonnencremes mit Octocrylen. Der Test zeigt, dass der UV-Filter einen Stoff­ bilden kann, der vermutlich krebserregend ist.
  • Weitere Kritik betrifft problematische Inhaltsstoffe wie PEG-Verbindungen und halogenorganische Verbindungen. 

Aktualisiert am 14.10.2021 | Sonnencreme schützt vor Sonnenbrand und beugt so Hautkrebs vor. Deshalb gilt es, sich vorm Wandern, Radeln oder Planschen im Meer dick einzucremen. Leider folgt ein "Aber": Denn mit manchen Sonnencremes schmieren wir uns Problemstoffe auf die Haut.

Dazu gehört Benzophenon. Es ist ein Zerfallsprodukt des UV-Filters Octocrylen und gilt als wahrscheinlich krebserregend. Zum ersten Mal hat ÖKO-TEST Sonnencremes mit diesem UV-Filter auf Benzophenon testen lassen. Das Ergebnis: Alle sieben Produkte im Test mit Octocrylen enthalten Benzophenon. 

Sonnencreme im Test: Benzophenon als Problem 

Einmal hat das Labor eine vergleichsweise hohe Menge Benzophenon gefunden, in den anderen Sonnencremes sind die Mengen deutlich geringer. Jedoch gibt es keine Garantie, dass das so bleibt. Denn mit der Zeit kann der Gehalt an Benzophenon in der Sonnencreme stark steigen. Das haben dieses Frühjahr französische und amerikanische Forschende gezeigt, indem sie die Sonnenschutzmittel künstlich altern ließen.

Das wissenschaftliche Beratergremium der EU (SCCS) beurteilt das Benzophenon in Produkten mit Octocrylen als "gefährliche Verunreinigung", die beobachtet und nicht über den "Spurenbereich" hinausgehen sollte. Die Untersuchungsbehörden prüfen noch, welche Mengen für sie als unvermeidbare Spuren gelten.

Sonnencreme im Test: Wir haben 21 Sonnenschutzmittel getestet. Das Ergebnis: Vier sind mit "sehr gut" rundum zu empfehlen.
Sonnencreme im Test: Wir haben 21 Sonnenschutzmittel getestet. Das Ergebnis: Vier sind mit "sehr gut" rundum zu empfehlen. (Foto: suedhang/getty images)

Wie bewertet ÖKO-TEST Benzophenon in Sonnencremes? 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht vorläufig davon aus, dass keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Aber, so schreibt uns das Institut auch: "Da dem BfR bislang keine repräsentativen Daten für eine Beurteilung der Situation in Deutschland vorliegen, ist eine grundsätzliche Empfehlung nicht möglich."

Für unsere Bewertung haben wir eine Grenze von 100 Milligramm pro Kilogramm gezogen: In einem Fall lag der Gehalt um ein Mehrfaches darüber, ansonsten deutlich darunter.

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Einige UV-Filter als Sonnenschutz bedenklich

Den UV-Filter Octocrylen wertet ÖKO-TEST schon seit Jahren ab. Der Grund: Der Stoff steht auch im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken.

Das SCCS ist in seiner Bewertung weniger kritisch: Denn das Gremium hält Octocrylen in den erlaubten Höchstmengen in Sonnencremes für sicher. Den Experten ist die Datenlage nicht schlüssig genug, um klar feststellen zu können, dass der Filter wahrscheinlich hormonell wirkt.

Da es aber – wie es auch in der Sicherheitsbewertung des SCCS steht – Hinweise für hormonelle Wirkungen aus Laborversuchen gibt und zudem das Problem mit Benzophenon ins Visier geraten ist, empfiehlt ÖKO-TEST weiterhin, vorsichtshalber zu Cremes ohne Octocrylen zu greifen.

Sonnenschutz ist wichtig: Die Cremes schützen vor Sonnenbrand und beugen so Hautkrebs vor.
Sonnenschutz ist wichtig: Die Cremes schützen vor Sonnenbrand und beugen so Hautkrebs vor. (Foto: igra.design/Shutterstock)

Chemisch-organische und mineralische Filter in Sonnencremes 

An dieser Stelle wollen wir noch die Frage klären, was das genau für UV-Filter sind, die in Sonnencremes eingesetzt werden. Grundsätzlich gibt es zwei Arten: Mineralische Filter und chemisch-organische Filter. 

Mineralische Filter sind vor allem in Naturkosmetik zu finden. Dazu gehören Titandioxid und Zinkoxid. Sie schützen, indem sie sich auf die Haut legen und die UV-Strahlung absorbieren, reflektieren und streuen. Titandioxid ist inzwischen als vermutlich krebserregend eingestuft – wenn man es einatmet. Für ÖKO-TEST ist es nach jetzigem Kenntnisstand in Sonnencremes für die Haut immer noch die bessere Wahl als die chemischen Filter.

Einige UV-Filter in Verdacht, wie Hormon zu wirken 

Früher konnten man auf einen Blick sehen, ob jemand Sonnencreme nur mit mineralischen Filtern nutzt, denn diese bescherten einen auffälligen Gespensterlook. Daran hat die Industrie mächtig gearbeitet. Inzwischen ist deutlich weniger Weiß angesagt, auch durch den Einsatz von UV-Filtern in Nanogröße. Kleine Partikel weißeln weniger als größere Teilchen der UV-Filter.

Die chemisch-organischen Filter in den konventionellen Cremes kamen schon früher ohne Weißeleffekt aus. Denn die Filter legen sich nicht auf die Haut, sondern dringen ein und absorbieren dort die UV-Strahlung. Sie wandeln sie in Wärme um. Einige der chemischen Filter stehen jedoch in Verdacht, wie ein Hormon zu wirken.

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Problemstoffe in Sonnencremes im Test 

Neben den von uns kritisierten UV-Filtern gibt es weitere Problemstoffe in den Sonnencremes im Test. So beanstanden wir auch PEG-Verbindungen, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können, und halogenorganische Verbindungen. Viele von ihnen gelten als allergieauslösend, manche erzeugen Krebs und fast alle reichern sich in der Umwelt an. 

Woher die halogenorganischen Verbindungen stammen, ist unklar. In der Rezeptur der betroffenen Sonnencreme sind keine Inhaltsstoffe genannt, die zu dem Laborbefund passen. PEG-Verbindungen werden häufig in Kosmetika eingesetzt, weil sie als Emulgatoren Wasser und Fett verbinden. 

Sonnenbrand kann sehr unangenehm sein – und zu Hautkrebs führen.
Sonnenbrand kann sehr unangenehm sein – und zu Hautkrebs führen. (Foto: Alonafoto/Shutterstock)

Kunststoffverbindungen sind Umweltbelastung 

Und dann gibt es da auch noch Umweltprobleme: Denn wer sich vor dem Schwimmen mit Sonnencreme eincremt, trägt einen Teil der Sonnenschutzmittel direkt ins Wasser. Selbst als wasserfest beworbene Cremes bleiben beim Baden nur teilweise auf der Haut.

Das bedeutet: Sowohl der UV-Filter als auch Kunststoffverbindungen, die wir in sieben Sonnencremes im Test bemängeln, landen im Wasser – und sind damit eine Belastung für die Umwelt. Ebenso kritisieren wir, wenn Anbieter kein recyceltes Plastik für ihre Flaschen oder Tuben einsetzen oder einen überflüssigen Umkarton verwenden. So entsteht unnötiger Verpackungsmüll. 

Sonnencreme-Test: Ladival, Eucerin & Co. im Vergleich

  • Wir haben 21 Sonnencremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor von 30 in Drogerien, (Bio-) Supermärkten, in der Apotheke und im Reformhaus eingekauft – jede dritte Sonnencreme ist zertifizierte Naturkosmetik.
  • Vier Sonnencremes im Test schneiden mit Bestnote ab und sind damit rundum empfehlenswert. 
  • Aufgrund bedenklicher Inhaltsstoffe raten wir vom Kauf zweier Sonnencremes ab. Sie fallen mit "ungenügend" durch. 

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 6/2021 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das ÖKO-TEST Jahrbuch für 2022 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 21 Sonnencremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor von 30 in Drogerien, (Bio-) Supermärkten, in der Apotheke und im Reformhaus eingekauft – jede dritte Sonnencreme ist zertifizierte Naturkosmetik.

Die Inhaltsstoffliste haben wir auf Problemstoffe wie bedenkliche UV-Filter gecheckt. Labore haben alle Produkte auf halogenorganische Verbindungen und Formaldehyd/-abspalter analysiert. Ist das krebsverdächtige Molekül Benzophenon in Sonnencremes mit Octocrylen nachweisbar? Ist bei Sonnencremes mit den mineralischen Filtern Titandioxid und Zinkoxid eventuelles Nanomaterial richtig deklariert? Um das herauszufinden, hat das beauftragte Labor nach einer im EU-Projekt "NanoDefine" beschriebenen Methode gearbeitet. Sind alle Anwendungs- und Warnhinweise, die helfen Hautkrebs zu vermeiden, auf den Flaschen, Tuben oder Kartons abgedruckt? Sind chlorierte Verbindungen in den Verpackungen verarbeitet?

Zudem haben wir die Hersteller gefragt, ob ihre Flaschen und Tuben recyceltes Plastik enthalten und wollten dafür ausreichende Belege sehen.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) PEG/PEG-Derivate; b) halogenorganische Verbindungen; c) mehr als 100 mg/kg Benzophenon. Zur Abwertung um eine Note führen: a) bedenkliche UV-Filter (Octocrylen).

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: a) Silikone und/oder weitere synthetische Polymere als Kunststoffverbindungen (hier: Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Acrylates Copolymer, Acrylates/Steareth- 20 Methacrylate Copolymer, Carbomer, Hydrogenated Polyisobutene, Polyacrylate-13, Polyisobutene, Triacontanyl PVP, Silica Dimethyl Silylate, Styrene/Acrylate Copolymer, VP/Hexadecene Copolymer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) das Fehlen eines oder mehrerer der folgenden Anwendungs- und Warnhinweise nach den Empfehlungen des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW) auf der Verpackung oder auf dem Beipackzettel: 1= Intensive Mittagssonne meiden. 2 = Vor dem Sonnen auftragen. 3 = Mehrfach auftragen, um den Lichtschutz aufrecht zu erhalten, insbesondere nach dem Aufenthalt im Wasser. 4 = Sonnenschutzmittel großzügig auftragen. Geringe Auftragsmengen reduzieren die Schutzleistung. 5 = Babys und Kleinkinder vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. 6 = Für Babys und Kleinkinder schützende Kleidung sowie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF größer als 25) verwenden. 7 = Auch Sonnenschutzmittel mit hohen Lichtschutzfaktoren bieten keinen vollständigen Schutz vor UV-Strahlen; c) fehlende Angabe "nano" bei Titandioxid bzw. Zinkoxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetik-Verordnung 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid- bzw. Zinkoxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt; d) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschusverbindungen/Nitromoschus-Verbindungen: Extraktion mit TBME, GC-MS. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Nanomaterial: Untersuchung auf Titandioxid- bzw. Zinkoxid-Partikel mittels SingleParticle ICP/MS. Probenvorbereitung: Herstellung einer wässrigen Dispersion durch Behandlung mit Ultraschallsonotrode. Benzophenon: Extraktion mit THF/Methanol, LC-MS/MS. Formaldehyd/-abspalter: Saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Photometrie. Silikone/Paraffine/Erdölprodukte: LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS) oder LC-CG/FID (Paraffine). Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH): LC-GC/FID. Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Februar bis April 2021

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 6/2021 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das ÖKO-TEST Jahrbuch für 2022 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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