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Augencremes im Test: Helfen sie gegen Falten?

Magazin März 2022: Wie die Kosmetikindustrie unsere Falten wegzaubern will | Autor: Christine Throl/Heike Baier/Lena Wenzel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 07.03.2022

Augencremes im Test: Wir haben 22 Produkte überprüft. Welche ist die beste Augencreme?
Foto: ÖKO-TEST

Augencremes versprechen viel: Die meisten tragen Schlagwörter wie Lifting, Anti-Aging oder Anti-Falten bereits im Namen. Aber können sie all das auch einlösen? Wir melden Zweifel an.

  • Im Test 22 Augencremes, davon acht in Naturkosmetik-Qualität. 
  • Sieben Produkte schneiden mit "gut" ab, keine Creme erhält die Bestnote. 
  • Gut zu wissen: Altersbedingte Falten entstehen in tieferen Hautschichten und Kosmetik darf per gesetzlicher Definition gar nicht in diese gelangen und dort wirken. 
  • Auf der empfindlichen Partie um die Augen kann es von Vorteil sein, wenn die Augencreme frei von Parfum ist.

Die Tuben der Augencremes sind klein, die Preise dagegen so stolz wie die Verheißungen auf der Packung. Doch haben die Tübchen auch mehr zu bieten als eine ganz gewöhnliche Gesichtscreme ohne Anti-Aging-Versprechen? Wir haben uns 22 Augencremes vorgeknöpft. 

Augencreme-Test: Eucerin, Dr. Hauschka & Co. im Vergleich

Keine landete im Endergebnis mit der Note "sehr gut" auf dem obersten Treppchen. Das liegt vor allem daran, dass die Anbieter aus unserer Sicht nicht ausreichend belegen, was sie in puncto Anti-Aging versprechen. Unter dem Strich steht bei sieben Cremes immerhin die Note "gut".

Von zwei Augencremes raten wir ab – eine der beiden schneidet "mangelhaft", die andere "ungenügend" ab. In beiden Markenprodukten wies das beauftragte Labor halogenorganische Verbindungen nach. Das korrespondiert mit dem auf den beiden Inhaltsstofflisten deklarierten Chlorphenesin. Dieses halogenorganische Konservierungsmittel kann zu Hautreizungen und Allergien führen.

Creme möglichst ohne zu zerren um die Augen auftragen und sanft einklopfen. Am besten von innen nach außen vorgehen.
Creme möglichst ohne zu zerren um die Augen auftragen und sanft einklopfen. Am besten von innen nach außen vorgehen. (Foto: fizkes/Shutterstock)

Einmal kritisieren wir einen hohen Anteil an Silikonen: Das flüssige Plastik integriert sich nicht so gut ins Gleichgewicht der Haut und belastet die Umwelt, wenn es später ins Abwasser gelangt. Außerdem sind wir auf PEG-Verbindungen gestoßen, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können.

Helfen Augencremes gegen Falten? 

Die Kosmetik-Hersteller sind Profis, wenn es darum geht, ihre Träume vom Faltenwunder zu verkaufen. Einige Marken tragen dabei allerdings reichlich dick auf. Da sind Sätze zu lesen wie "Mildert selbst ausgeprägte Falten sichtbar" oder "mildert Fältchen und Falten nachweislich".  

Cremes mit solchen Auslobungen suggerieren damit, etwas gegen veritable Falten ausrichten zu können, die altersbedingt in tieferen Hautschichten entstehen. Dort lassen ab dem 30. Lebensjahr die Kollagenfasern nach.

Doch wie sollte das gehen, wo Kosmetik per gesetzlicher Definition gar nicht in diese tieferen Hautschichten gelangen und dort wirken darf? Das bleibt ein Geheimnis – betroffene Hersteller verweigerten uns den Einblick in ihre Wirkstudien.

Augencreme-Test: Jetzt Ergebnisse als ePaper kaufen

Anti-Falten und Anti-Aging als Werbeversprechen

Ein häufig angewandter Marketing-Trick: Zugkräftige Schlagworte wie Anti-Aging oder Anti-Falten-Power auf der Frontseite der Augencreme, im Kleingedruckten ist dann von bescheideneren Zielen wie "Milderung von Trockenfältchen" die Rede. Wir nahmen auch die Anbieter solcher Produkte beim Wort und wollten Belege für das angekündigte "Anti-Aging" sehen.

Viele schickten uns zwar eine Studie – aber keine bewies in unseren Augen ausreichend, dass der Effekt des Produkts über den einer gewöhnlichen Feuchtigkeitscreme hinausgeht. Feuchtigkeit in der oberen Hautschicht binden und damit Trockenfältchen für eine gewisse Zeit aufpolstern – das kann auch eine herkömmliche Gesichtscreme.

Für das ÖKO-TEST Magazin 2/2022 überprüften wir zahlreiche reichhaltige Gesichtscremes. Sieben Produkte fallen durch, weil sie problematische Inhaltsstoffe wie kritische Konservierungs- und Duftstoffe sowie aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH) enthalten. Mit Bestnote sind aber auch elf Cremes empfehlenswert. Mehr dazu lesen Sie hier: 

Augencremes: Was für die spezielle Pflege spricht 

Es gibt aber auch ein paar Gründe, die für eine spezielle Pflege der sensiblen und besonders dünnen Haut um die Augen sprechen. Ein Pluspunkt vieler getesteter Augencremes ist, dass sie ohne Parfüm auskommen und somit weniger potenziell reizende und allergisierende Stoffe enthalten.

Auch manche der eingesetzten Öle haben Vorteile: Solche, die nicht so schnell ins Auge kriechen oder leichtere Varianten, bei denen das Augen-Make-up besser hält.  

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 22 Augencremes – davon acht in Naturkosmetik-Qualität – in Drogerien, (Bio-)Supermärkten, Discountern und Apotheken eingekauft. Die meisten Cremes werben auf ihren Verpackungen mit einer Anti-Aging-Wirkung oder einem Anti-Falten- Effekt.

Von den Anbietern der Cremes mit Begriffen wie "Anti-Aging" im Produktnamen oder Aussagen wie "Minimierung von Falten oder Linien" oder "straffende Wirkung" auf der Verpackung forderten wir Studien an, die diese Aussagen ausreichend belegen.

Alle Cremes haben wir im Labor auf Problemstoffe untersuchen lassen: Sind allergieauslösende oder hautreizende Konservierungs- oder Duftstoffe enthalten? Die Liste der Inhaltsstoffe haben Labore auf umstrittene PEG/PEG-Derivate, bedenkliche UV-Filter und synthetische Polymere gecheckt. Die Verpackungen ließen wir auf chlorierte Verbindungen überprüfen. Zudem wollten wir von den Anbietern wissen, ob die Plastiktuben und -flaschen recyceltes Plastik enthalten.

Auf die empfindliche Augenpartie gehören aus unserer Sicht keine umstrittenen Stoffe wie PEG-Verbindungen oder Silikone. Ein Umkarton, synthetische Polymere und kein oder zu wenig recyceltes Plastik in Plastikverpackungen verschlechtern das Gesamturteil. Auch keine ausreichenden Belege für das Anti-Aging-Versprechen, führen zum Notenabzug im Gesamturteil.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) PEG/PEG-Derivate; b) halogenorganische Verbindungen (hier: Chlorphenesin). Zur Abwertung um eine Note führen: mehr als 1 Prozent Silikone/Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: keine vollständige Wirksamkeitsstudie zum Anti-Aging-Wirkversprechen für das Produkt vorgelegt. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Vorteil des Produkts mit Anti-Aging-Wirkversprechen gegenüber einem herkömmlichen Pflegeprodukt nicht überzeugend belegt; b) synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Ammonium Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Ammonium Acryloyldimethyltaurate/ VP Copolymer, [Sodium] Carbomer, Sodium Acrylate/Sodium Acrylolydimethyl Taurate Copolymer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer- Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu; c) fehlende Angabe "nano" bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetik-Verordnung 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben; für bestimmte Anti-Aging-Versprechen waren jedoch entsprechende Studien vorzulegen.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.
Paraffine/Silikone: LC-RI nach Extraktion (ggf. GC-MS).
Nanomaterial: Untersuchung auf Titandioxid-Partikel mittels SingleParticle ICP/MS nach Herstellung einer wässrigen Dispersion mittels Ultraschallsonotrode.
Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Oktober - November 2021 

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