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22 Blondierungen und Blond-Colorationen im Test

ÖKO-TEST Juli 2013
vom 28.06.2013

Haarfarben, Blondierungen und Blond-Colorationen

Gräulich!

Wem die Natur keine hellen Haare geschenkt hat, der kann mit blonden Haarfarben oder Blondierunen nachhelfen. Leider ist das für Haut und Haar nicht gesund. Vor allem in den Haarfarben stecken hochproblematische Chemikalien.

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28.06.2013 | Wer blond sein will, muss leiden. Wer auf rot oder braun steht, hat die Wahl. Er kann zur Chemiekeule greifen, muss aber nicht. Denn auch mit Naturhaarfarben lassen sich schöne intensive Rot- und Brauntöne färben. Wer sich aber einen hellen, blonden Schopf wünscht, dem bleibt nur der Griff zu chemischen Blondierungen und Haarfarben. Denn dunkle Haare blond zu färben, geht mit Naturfarben nicht. Haare aufhellen ist nur mit chemischen Bleichmitteln wie Wasserstoffperoxid möglich. Auch eine perfekte Grauabdeckung mit blonden Haarfarbstoffen funktioniert nur mit Chemie.

Es gibt zwei unterschiedliche Techniken, um Blond ins Haar zu bekommen. Auf der einen Seite stehen die reinen Aufhellprodukte, sie heißen oft "Blondierung" oder "Aufheller". Diese chemischen Aufheller zerstören mithilfe von Wasserstoffperoxid und teilweise mit Bleichmitteln wie Persulfaten die Farbpigmente des Haares. Dadurch wird das Haar heller - sprich blonder. Reine Aufheller funktionieren aber nur dort, wo es etwas aufzuhellen gibt. Für graues Haar sind sie also nicht geeignet. Denn graues Haar ist eigentlich weißes Haar. Um das zu blondieren, braucht es eine blonde Haarfarbe.

Auch blonde dauerhafte Haarfarben, sogenannte Blond-Colorationen, wirken mit dem Bleichmittel Wasserstoffperoxid, das die im Haar eventuell noch vorhandenen Farbpigmente zerstört, um Platz für neue Farbe zu machen. Dazu kommen Färbechemikalien wie Farbvorstufen und Kuppler, die auf dem Kopf zu größeren Farbstoffmolekülen reagieren und das Haar richtig färben.

Dauerhafte chemische Haarfarben bestehen in der Regel aus zwei Komponenten. Die Färbechemikalien sind meist in der Colorcreme zu finden, die erst kurz vor der Anwendung mit der Entwicklercreme gemischt wird. In der Entwicklercreme steckt Wasserstoffperoxid, das die im Haar vorhandenen Farbpigmente zerstört und die chemische Farbreaktion anstößt.

Natürlich setzen Wasserstoffperoxid und andere Bleichmittel dem Haar böse zu und strapazieren es. Je stärker das Haar ausgebleicht wird, je stärker ist die Belastung. Aus gesundheitlicher Sicht sind aber die Färbechemikalien problematischer als die reinen Bleichmittel.

Lange Zeit standen Haarfarben im Verdacht, Krebs auszulösen. Seit Jahren werden deshalb auf EU-Ebene Studien zu einzelnen Haarfärbestoffen gesichtet. Für viele Substanzen haben die Wissenschaftler bereits Entwarnung gegeben: Nach Ansicht der EU-Experten besteht kein Krebsrisiko. Allerdings sind die Färbesubstanzen häufig für schwere Allergien verantwortlich.

Wir wollten wissen, wie problematisch Produkte sind, die blondes Haar versprechen. Und haben 22 Blondmacher aus Drogerie, Reformhaus und Discounter getestet. Darunter sind 17 Blond-Colorationen und fünf reine Aufheller.

Das Testergebnis

Grausam: Alle Blond-Colorationen schneiden mit "ungenügend" ab. Sie enthalten hochproblematische Färbesubstanzen, die unter anderem schwere Kontaktallergien auslösen können. Die reinen Aufhellprodukte sind besser: Sie kommen in der Regel ohne d

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Alles was dauerhauft blond macht haben wir für unseren Test zusammengetragen: Fünf Produkte, die das Haar aufhellen, und 17 Packungen, die mit Farbstoffen für ein lang anhaltendes Blond sorgen. Meist stehen diese verschiedenen Produktkategorien einträchtig nebeneinander im Regal und der Verbraucher muss genau hinsehen, um die Unterschiede zu bemerken. Die blonden Haarfarben mit Färbechemikalien bezeichnen wir in unserem Test als Blond-Colorationen, die reinen Aufheller als Blondierungen.

Die Inhaltsstoffe
Blond-Colorationen enthalten problematische Färbesubstanzen. Wir haben jede einzelne dieser Substanzen überprüfen lassen und uns genau angesehen, wie sie in wissenschaftlicher und gesetzlicher Hinsicht eingestuft sind. Viele der in den Farbcremes eingesetzten Farbstoffe gelten als starke Allergene. Zudem können die Farbcremes und die beiliegenden Haarpflegekuren umstrittene Konservierungsmittel oder allergene Dufstoffe enthalten. Reine Blondierungen kommen zwar ohne gefährliche Farbstoffe aus, doch auch in den Komponenten der Blondierungen können problematische UV-Filter sowie allergieverdächtige Konservierungsmittel oder Duftstoffe stecken.

Die Bewertung
Haarfarben standen lange im Verdacht, Krebs auszulösen. Seit Jahren läuft deshalb auf EU-Ebene ein aufwendiges Bewertungsverfahren, bei dem Studien zu einzelnen Färbesubstanzen gesichtet werden. Bei etlichen Substanzen gilt der Krebsverdacht als ausgeräumt, doch bei vielen dieser Stoffe hat sich um Laufe des Verfahrens bestätigt: Sie sind starke Allergene! Solche allergenen Färbesubstanzen werten wir um zwei Noten ab. Farbstoffe, die vom Beratungskomitee der EU aktuell als "nicht sicher" eingestuft wurden, weil sie etwa erbgutveränderndes Potenzial haben, werten wir um vier Noten ab. Genauso kritisch bewerten wir Stoffe, die im EU-Chemikalienrecht als CMR-Stoffe eingestuft sind - also als krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend.

So haben wir getestet

Kontaktallergien auf Haarfarben gehen mit Jucken, Rötungen und Bläschen einher.