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18 Nagellacks im Test

Good Lack

ÖKO-TEST Juli 2009 | Kategorie: Kosmetik und Mode | 26.06.2009

18 Nagellacks im Test

Mehr als 30 Millionen Fläschchen Nagellack gingen im vergangenen Jahr über den Ladentisch. Mit vielen Farben pinseln sich Frauen allerdings problematische Stoffe auf die Nägel. Dennoch - fast ein Viertel unserer untersuchten Produkte bekommt im Test glänzende Noten.

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Blutarm auszusehen, war schon vor 250 Jahren in Mode. Bleich mussten die Dekolletés damals sein, bläulich sollten die Adern durch die Haut schimmern. Damen, die nicht von Natur aus "blaublütig" waren, puderten ihre Brüste und zogen die Adern mit blauem Fettstift nach. Rote Fingerspitzen als Kontrast zum fahlen Oberkörper waren im Rokoko äußerst beliebt: Man rieb sich die Nägel mit farbigem Öl ein. Da die feinen Damen ihre Hände meist in den Schoß legen durften, anstatt zu arbeiten, störte das schmierige Öl an den Fingern zwar nicht so; praktisch war die altertümliche Kosmetik aber nicht.

Blutarm auszusehen, ist auch heute wieder in Mode - das zeigt ein Blick ins Straßenbild. Bleiche Gesichter und schwarz gefärbte Haare gehören zum morbiden Chic vieler junger Leute. Dazu Tattoos und Piercings an allen möglichen Körperanhängseln - fertig ist der Stil, den Spötter gern als "H&M-Punk" belächeln. Lackierte Fingernägel sind ein Muss: Rot, blau oder schwarz sind sie, sogar Grau gilt als salonfähig.

Nagellack im Trend: Um fast 13 Prozent haben sich die Verkaufszahlen im vergangenen Jahr erhöht

Die sommerlichen Temperaturen lassen auch die Zehenspitzen farbig durch Sandalen und Flipflops blinken. Nagellack ist so beliebt, dass sich der Umsatz im vorigen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 31 Millionen verkaufte Fläschchen erhöht hat, Tendenz steigend. Evergreens unter den Farben sind klassische Rottöne von Kardinalrot bis zu beerigen Nuancen. Sie gehören sowohl zum Outfit der "H&M-Punker" als auch zum klassischen Abend-Make-up mit gleichfarbigem Lippenstift und Hochsteckfrisur.

Wir haben 18 Nagellackmarken - allesamt aus dem klassischen roten Farbsegment - eingekauft und auf problematische Inhaltsstoffe untersuchen lassen. In dieser Produktgruppe gibt es übrigens keine zertifizierte Naturkosmetik.

Das Testergebnis

Wie immer in unseren Kosmetiktests gilt: Es gibt richtig gute Produkte (auch zu kleinen Preisen) und richtig schlechte. Zu Letzteren gehört der Lack von Öko-Anbieter Sante. Für stolze 14,21 Euro pro 10 Milliliter bekommt man leider nur "ungenügende" Qualität - unter anderem, weil der Lack als einziges Produkt im Test deutliche Mengen der problematischen Weichmacher Diethylhexylphthalat und Dibutylphthalat enthält.

Die Hersteller haben reagiert: Im Gegensatz zu früher hat das Labor in keinem Nagellack Benzol gefunden

In zwei Dritteln der Produkte steckten bedenkliche UV-Filter. Sie sollen die Lacke in ihren Glasfläschchen vor Sonnenlicht schützen. Die Filter sind allerdings problematisch, weil sie möglicherweise hormonell wirksam sind.

Beim letzten Nagellack-Test steckten noch in zwei von 22 Produkten Spuren des krebserregenden Stoffs Benzol, der in Kosmetik verboten ist. Diese Verunreinigungen sind vermeidbar - und das haben sich die Hersteller inzwischen offensichtlich zu Herzen genommen: Keiner der Lacke im aktuellen Test enthält Benzol.

Auf dem Esprit Color Last wirbt der Hersteller mit dem Hinweis "Toluene free". Die Reklame ist irreführend - frei von Toluol ist das Produkt nämlich keinesfalls: Das von uns beauftragte Labor hat den Stoff in einer Konzentration von 74 Milligramm pro Kilogramm nachgewiesen. Das gab Abzüge in der B-Note, und zwar einen Minuspunkt unter "Weitere Mängel".

So reagierten die Hersteller

Die Firma Sante zeigte sich "bestürzt, dass messbare Verunreinigungen enthalten sind". Sie stammten wohl aus den Farben. Die Lacke würden extern hergestellt, und der Lieferant habe eigentlich die klare Order, "dass das Vorhandensein solcher Stoffe ausdrücklich ausgeschlossen ist". Sante: "Wir werden alles unternehmen, um die Ursache für die Verunreinigungen abzustellen."

Gelackt

Ausgefranste Schnürsenkelenden bekommt man wieder in den Griff, indem man sie in klaren Nagellack taucht und aushärten lässt. Der Klassiker der Nagellack-Pannenhilfe: Laufmaschen in Feinstrumpfhosen kann man bremsen, indem man farblosen Nagellack auf das Loch tupft und trocknen lässt.

Gelackmeiert

Ausgelaufener Nagellack hat vor einigen Jahren einen Großalarm am Bremer Flughafen ausgelöst. Weil Passagiere eines Flugzeugs aus Amsterdam über starke Übelkeit klagten, fahndete die Feuerwehr an Bord mit Atemmasken nach der Ursache. Die Helfer entdeckten schließlich ein ausgelaufenes Fläschchen Nagellack - ein Missgeschick einer Passagierin. Die Dämpfe hatten sich per Klimaanlage im gesamten Flugzeug verteilt und so den stechenden Geruch verursacht.

Geschichte des Nagellacks

Was heute milliardenfach auf weiblichen Fingerspitzen schillert, stammt ursprünglich aus einer klassischen Männerdomäne: der Autoindustrie. Denn Nagellack ist eigentlich ein Nebenprodukt des Autolacks. Seit 1925, der Zeit boomender Automärkte, malen sich Frauen die Fingernägel damit an, zunächst in schüchternem Rosa, denn leuchtende Farben gelten als unschick. Das ändert sich, als Diven wie Jean Harlow oder Rita Hayworth mit ihren roten Krallen in den 30er-Jahren Hollywood erobern. Lackierte Nägel gehören nun zum gepflegten Erscheinungsbild. Nach dem Krieg werden bunte Farben salonfähig, in den Siebzigern kommen Metallictöne dazu. Außerdem bricht mit dem Hippiejahrzehnt die Zeit der Kunstnägel an. Extrem lange Nägel gelten als sexy. In den Achtzigern kommen mehrfarbige Nägel, mit Strasssteinen oder Mustern verziert, in Mode. Der Beruf der Naildesignerin etabliert sich. Heute reicht die Palette der Nageldekos von schlicht bis auffällig.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Alessandro Nagellack, 341
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Alessandro
sehr gut
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Cosnova
sehr gut
L'Oréal Resist & Shine Titanium, 500
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L'Oréal
sehr gut
Rival de Loop Long Lasting Nail Colour, 20
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Rossmann
sehr gut
Couleurs Nature Nagellack Brillance, 31, Rouge Grenadine
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Yves Rocher
gut
P2 Color Victim Nailpolish, 120, It's hot
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Dm
gut
Astor Longer Stronger Calcium + Keratin, 250,  Rojo Pasion
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Astor
befriedigend
[b] Basic Nagellack, 5501 16
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Schlecker
befriedigend
Esprit Color Last, 600, Sensual Red
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Esprit
befriedigend
Kron Kaleidoskop Nagellack, 06
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Interco
befriedigend
Manhattan Lotus Effect Nail Polish Longlasting, 45 P
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Lady Manhattan
befriedigend
Max Factor by Ellen Betrix Nailfinity, 549, Red Passion
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Procter & Gamble
befriedigend
Maybelline Jade Forever Strong Professional + Eisen, 08
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Maybelline
befriedigend
Nivea Calcium Power Shock Resistant, Cardinal 36/40
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Beiersdorf
befriedigend
Revlon Nail Enamel, 680, Revlon Red
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Revlon
befriedigend
Rimmel 60 Seconds, 310, Red Carpet
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Rimmel
befriedigend
Make Up Factory, 153
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Müller Drogeriemarkt
ungenügend
Sante Nail Care Nagellack, 17, Oriental Red
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Sante (Naturwarenladen)
ungenügend

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Im vorigen Jahr waren schimmernde Pastelltöne in Mode, dieses Jahr sind es knallige Farben von Pink bis Blau. Die Klassikerin unter den Nagellackfarben ist aber eindeutig Rot. Wir haben unsere Lacke in möglichst leuchtendem Rot in Parfümerien, Kaufhäusern und Drogerien eingekauft. Ein Lack kommt aus einem Naturwarenladen.

Problematische Inhaltsstoffe

Am Beispiel der Nagellacke lässt sich wieder einmal nachvollziehen, dass in der deutschen Gesetzgebung einiges im Argen liegt. So wird das in Nagellacken eingesetzte Lösemittel Toluol zwar als fortpflanzungsgefährdend eingestuft (Kategorie III) und ist gesetzlich reglementiert: In Materialien wie Sprühfarbe oder Haushaltskleber etwa ist die Substanz aber laut Gefahrstoffverordnung in Mengen bis 0,1 Prozent erlaubt. In Kosmetik für die Nägel darf es hingegen bis zu 250-mal mehr sein: 25 Prozent sind hier erlaubt. Begründet wird diese riesige Diskrepanz mit den großen Mengenunterschieden bei der Verwendung. Zudem sei man den Dämpfen des Lösemittels in Farben länger ausgesetzt, sagen zum Beispiel die Untersuchungsämter. Nachvollziehen können wir die Argumente nicht. Denn Klebstoff und Farbe kommen ganz sicher nicht so häufig wie Nagellack in Kontakt mit Haut und Schleimhäuten.

Regelungswirrwarr auch bei den beiden Phthalaten Diethylhexylphthalat (DEHP) und Dibutylphthalat (DBP). Sie sind europaweit als Inhaltsstoffe für Kosmetik verboten, weil sie - wie auch Toluol - als fortpflanzungsgefährdend gelten. Allerdings werden sie als noch riskanter eingestuft und gehören darum zur Kategorie II. Als sogenannte Hilfsstoffe sind sie in Kosmetik erlaubt, sofern sie aus dem Endprodukt entweder vollständig oder bis auf "technisch unvermeidbare und technologisch unwirksame Reste in gesundheitlich unbedenklichen Anteilen" entfernt werden, wie es in der Kosmetikverordnung heißt. Wie groß diese Restmengen sein dürfen, wird dort allerdings nicht vorgeschrieben. Sie seien im Einzelfall von den Landesbehörden zu prüfen, sagt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Die Bewertung

Viele bedenkliche Stoffe, die in den untersuchten Lacken stecken, haben wir nicht abgewertet. Toluol etwa kam nur in Mengen vor, die weit unter unserer - strengen - Abwertungsgrenze lagen. Auch bei den Acrylaten, die das Labor in zehn Produkten entdeckt hat, waren die Werte sehr niedrig und führten nicht zu Punktabzug. Ähnlich war es bei den gesetzlich reglementierten Weichmachern Diethylhexylphthalat (DEHP) und Dibutylphthalat (DBP). Kleine Mengen wirkten sich nicht auf die Beurteilung aus. Sie sind als "Spuren" in der Tabelle zu finden. Werte über 10 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) haben wir indessen streng geahndet: Der Sante-Nagellack bekommt fünf Minuspunkte - auch wenn er laut Einschätzung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit noch verkehrsfähig ist. Erst ab einem Gehalt von mehreren 100 mg/kg sollen die Landesbehörden demnach prüfen, ob ein Nagellack aus dem Verkehr gezogen wird.