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17 Blondierungen und Blond-Colorationen im Test

ÖKO-TEST März 2010
vom 26.02.2010

17 Blondierungen und Blond-Colorationen im Test

Färboten!

Ob Platinblond oder natürlich gesträhnt - hier hilft frau gerne mit kosmetischen Haarfärbemitteln nach. ÖKO-TEST hat 17 Produkte unter die Lupe genommen. Drei reine Blondierungen sind "gut", 13 Blond-Colorationen jedoch nur "ungenügend".

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26.02.2010 | Blondinen werden auf der Straße von Fremden angelächelt und Polizisten lassen sich von ihnen Strafzettel ausreden - dies ist das "blonde Lebensgefühl", das eine Brigitte-Autorin beschreibt. Sie hatte ihren Wechsel der Haarfarbe von Blond zu Braun als Zäsur erlebt - weil damit genau dieses Lebensgefühl schlagartig verloren ging. Die brünette Haarfarbe war daher nur von kurzer Dauer. Die Journalistin landete wieder bei Blond.

Bereits in der Antike bleichten Frauen ihre Haare und riskierten teilweise den Verlust ihrer gesamten Haarpracht durch die Anwendung aggressiver Bleichverfahren. In Griechenland griffen die Menschen, zumindest wenn sie finanziell gut ausgestattet waren, zu Goldfäden und flochten sich diese ins Haar. Pflanzliche Stoffe wie Safran nutzten die Europäerinnen im Mittelalter.

Auch heute lassen sich mit Pflanzenhaarfarben eine ganze Palette von Blondnuance von Goldblond über Aschblond bis Sandig färben, wenn die Haare von Natur aus hell, weiß oder grau sind, erklärt Andrea Deuser, die in Wiesbaden den Salon Hair Image betreibt. Dabei bleibt die Haarstruktur in perfektem Zustand, verspricht Deuser: "Die gewünschte Nuance erhalte ich durch die Mischung aus etlichen Farbschattierungen mit Henna, Kamille, Walnussschale, Kurkuma und weiteren pflanzlichen Substanzen. Wie bei konventionellen Farben muss dann alle fünf bis acht Wochen der Ansatz nachgefärbt werden."

Eines funktioniert mit den Pflanzenhaarfarben allerdings nicht - das Blondieren oder Aufhellen. Das schaffen nur konventionelle Blondierungsmittel mit einer Entwicklerkomponente, die Wasserstoffperoxid enthält, und einer Aufhellkomponente - in der Regel mit Ammoniak. Die chemische Bleichprozedur löst aber leider nicht nur die Pigmente auf, sondern verändert auch die Struktur des Haares: Es wird rauer, spröder, schwerer kämmbar, poröser: Alles unerwünschte Nebeneffekte, die mit jeder weiteren Anwendung zunehmen.

Mit reinen Blondierungen können die Haare um vier bis sechs Nuancen aufgehellt werden. Diese Mittel heißen entweder Aufheller und teilweise Blond-Coloration, obwohl sie keine Farbstoffe enthalten. Zwei Blond-Colorationen im Test, die nur bleichen können, sind die Viva Aufregend Lebendiges Blond, Ultra Blond und die Poly Palette Permanent Natural Colors, 10 Extra Helles Perlblond. Richtige Blond-Colorationen verleihen dagegen einen dauerhaften Blondton: Hier sind bleichende Mittel wie Wasserstoffperoxid enthalten und zudem Färbechemikalien. Die Grauabdeckung dieser Färbemittel ist ganz unterschiedlich, manche decken graues Haar vollständig ab, andere sind lediglich für leicht ergrautes Haar geeignet.

ÖKO-TEST hat siebzehn Blondierungen und Blond-Colorationen eingekauft und die Bestandteile der Rezepturen unter die Lupe genommen.



Das Testergebnis

Nur drei Marken gehen noch mit einem "guten" Ergebnis aus dem Test. Dreizehn Blond-Colorationen rauschen mit einem "ungenügend" durch. Für Minuspunkte sorgen vor allem die farbgebenden Inhaltsstoffe.

Nur reine Aufhellmittel schneiden gut ab - keine färbende Blond-Coloration ist empfehlenswert.

Die 13 Blond-Colorationen enthalten Färbekomponenten, die zu den aromatischen Aminen gehören. Diese stehen unter Krebsverdacht, seitdem im Jahr 2001 in wissenschaftlichen Studien ein Zusammenhang zwischen der Anwendung von Haarfarben und Blasenkrebs festgestellt wurde. Aus diesem Grund erstellt die EU eine Positivliste mit geprüften Haarfarben. Alle Blond-Colorationen enthalten jedoch Stoffe, die nur vorläufig in Haarfarben zugelassen sind. Die Frist für ihre Bewertung wurde erst kürzlich bis Ende 2010 verlängert. Für die Stoffe p-Phenylendiamin und Toluylen-2,5-diamin, die in zwölf Colorationen stecken, wird eine abschließende Bewertung sogar erheblich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Für diese Farben gibt es vier Punkte Abzug.

Viele Färbechemikalien wie das Toluylen-2,5-diamin sind zudem stark sensibilisierend und können Kontaktallergien auslösen, die mit sehr schweren Reaktionen wie starker Juckreiz, Rötungen oder extreme Schwellungen der Haut einhergehen können. Haarfarben mit solchen Färbesubstanzen müssen daher zukünftig ausführliche Warnhinweise hinsichtlich des Allergierisikos tragen und gehören - so der zukünftige Verbraucherhinweis - nicht in die Hände von Verbrauchern unter 16 Jahre. Dies ist allerdings für die Hälfte der Verbraucher das Einstiegsalter zum Haarefärben. Leider hat die EU die Hersteller lediglich dazu verpflichtet, die neuen Warnhinweise auf die Verpackung zu drucken, sinnvoll wäre es gewesen, diese Pflicht auch auf Werbespots und Anzeigen in Magazinen auszudehnen. Das wäre ein deutliches Signal an die Verbraucher, das Allergierisiko nicht zu unterschätzen. Auch ist der Handel nicht dazu aufgefordert, das Alter beim Verkauf zu kontrollieren. Um das Risiko von Phenylendiamin und Toluylen-2,5-diamin zu minimieren, sind ihre zugelassenen Höchstkonzentrationen erst einmal gesenkt worden. Auch Resorcin, das in neun Marken steckt, ist stark sensibilisierend.

Fast alle Produkte enthalten in einer oder mehr Komponenten Parfüm. Aber nur in den Pflegeprodukten der Londacolor Magic Colors, 19 Platinblond und in der Accent Intensiv-Color-Creme, 100 Lichtblond steckt Lyral, das relativ häufig eine Kontaktallergie verursachen kann und dafür einen Minuspunkt kassiert. In vielen weiteren Komponenten stecken Duftstoffe, die eher selten Kontaktallergien auslösen.

Halogenorganische Verbindungen enthalten acht Marken. Fünf Pflegekomponenten sind mit dem Bakterienkiller Chlorhexidin haltbar gemacht. In einer Pflegekomponente steckt ein halogenorganischer Farbstoff und in zwei Farbcremes sind es halogenorganische Färbechemikalien.

Weiterer Kritikpunkt: Alle Testprodukte enthalten entweder in den Aufhell-/ Colorationskomponenten und/oder in den dazugehörenden Pflegeprodukten PEG/PEG-Derivate. Sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.



In diesem Punkt sind alle ratlos

Die meisten Frauen und manche Männer greifen zu Haarfarben, um dem ergrauenden Haarschopf wieder Farbe zu verleihen. Allerdings können wir auch nach diesem Test nur davon abraten, konventionelle Haarfärbechemikalien zu verwenden. "Gut" schneiden nur die Aufheller, also reinen Blondierungen ohne Farbstoffe ab. Pflanzenfarben sind nur teilweise eine Alternative - ein durchgängiges Blond kriegt man damit nicht hin.

Das Problem bei den konventionellen Colorationen sind die zur Verfügung stehenden, meist problematischen Farbstoffe, die derzeit von der EU umfänglich geprüft werden. Die Industrie will auf diese Farben, mit denen perfekte und immer gleiche Farbnuancen auch zu Hause machbar sind, nicht verzichten. "Hier fehlen derzeit Ersatzsubstanzen. In diesem Punkt sind alle ratlos", bringt der Toxikologe Professor Thomas Platzek vom Bundesinstitut für Risikobewertung das Dilemma auf den Punkt. Er rät dazu, den Kontakt mit Haarfarben möglichst zu minimieren. Das heißt Handschuhe verwenden, auf einen Hautverträglichkeitstest vor dem Haarefärben verzichten oder die Färbung am besten beim Friseur machen lassen. Dort sind Sie auch vor unangenehmen Überraschungen wie einem ungewollten Orangeton nach dem Blondieren sicher. Wenn Sie nicht von Schwarz auf Blond umfärben wollen, können Sie auch Pflanzenhaarfarben probieren. Salons, die damit arbeiten, finden Sie unter www.culumnatura.de

So haben wir getestet

Der Einkauf

In diesem Test ging es uns um Produkte, die Frauen in platinblonde, goldblonde oder blondgesträhnte Köpfe verwandeln können, also um reine Bleichprodukte sprich Blondierungen und zudem um Blond-Colorationen - die teilweise auch graue Haare abdecken. Unsere Strategie: Von allen wichtigen Marken gelangte eine reine Blondierung in unseren Einkaufskorb und zudem noch jeweils eine Farbe, mit der frau eine möglichst helle dauerhafte Blondnuance hinbekommt.

Problematische Substanzen

Haarfarben sind aufgrund der Färbechemikalien und den daraus in der fertigen Haarfarbe entstehenden Zwischen- und Endprodukte problematisch. Denn 2001 wurde ein Zusammenhang zwischen Haarfarben und Blasenkrebs hergestellt, seitdem arbeitet die EU-Kommission an einer Positivliste mit unbedenklichen Haarfarben. Eine Überprüfung der Testprodukte zeigt jedoch, viele enthalten nur vorläufig zugelassene Farbstoffe. Im Verlauf der Bewertung auf EU-Ebene hat sich zudem gezeigt: Viele Farben sind extrem oder stark sensibilisierende Stoffe - Kontaktallergien gegenüber diesen Vertretern treten häufig auf. Erst kürzlich wurden daher die Warnhinweise auf den Verpackungen verschärft.

Die Praxisprüfung

... haben wir in diesem Test nicht gemacht. Denn Haarfarben färben und Aufheller hellen auf. Die Unterschiede sind eher gering, denn die Produkte sind ganz ähnlich zusammengesetzt. Zudem hätten wir Produkte an Verbraucherinnen testen lassen müssen, von denen wir nach dem Test der Inhaltsstoffe völlig abraten.

Die Bewertung

Solange in den Testprodukten Haarfarben eingesetzt werden, die noch nicht abschließend bewertet sind, können sie aus unserer Sicht auch nicht vom Krebsverdacht freigesprochen werden und wir werten entsprechend stark ab. Andere kritische Substanzen sind halogenorganische Konservierungsstoffe wie Chlorhexidin, umstrittene PEG/PEG-Derivate, die als Emulgatoren verwendet werden, sowie problematische künstliche Moschus-Verbindungen. Diese Stoffe stecken teilweise auch in den beiliegenden Haarkuren, Konditioner oder Spülungen, die wir ebenfalls ins Labor schickten und bewertet haben.

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Wir haben 17 Produkte für Sie getestet
Kyrell Color, 901 Elfenblond
Aldi Nord

Kyrell Color, 901 Elfenblond

ungenügend

Kür Color Intensiv Haarfarbe, 903 Honigblond
Aldi Süd

Kür Color Intensiv Haarfarbe, 903 Honigblond

ungenügend

Puravera Sanfte Creme-Coloration, 13 Golden Sunrise
Börlind (Reformhaus)

Puravera Sanfte Creme-Coloration, 13 Golden Sunrise

ungenügend

Henna Plus Long Lasting Colour, 10.00 High Light Blond
Frenchtop

Henna Plus Long Lasting Colour, 10.00 High Light Blond

ungenügend

Belle Color, 10.0 Lichtblond
Garnier

Belle Color, 10.0 Lichtblond

ungenügend

Nutrisse Creme Intensiv-Coloration, 93 Hellgold
Garnier

Nutrisse Creme Intensiv-Coloration, 93 Hellgold

ungenügend

Excell 10' Creme-Coloration, 10.0 Extra Helles Blond
L'Oréal

Excell 10' Creme-Coloration, 10.0 Extra Helles Blond

ungenügend

Récital Préférence, 10.21 Stockholm
L'Oréal

Récital Préférence, 10.21 Stockholm

ungenügend

Excellence Creme, 9.31 Sehr Helles Goldblond
L'Oréal

Excellence Creme, 9.31 Sehr Helles Goldblond

ungenügend

Londa Londacolor, Super Blonde
Londa

Londa Londacolor, Super Blonde

ausreichend

Londacolor Magic Colors, 19 Platinblond
Procter & Gamble

Londacolor Magic Colors, 19 Platinblond

ungenügend

Accent Intensiv-Color-Creme, 100 Lichtblond
Rossmann

Accent Intensiv-Color-Creme, 100 Lichtblond

ungenügend

Poly Palette 10 min. Color, 10 Lichtblond
Schwarzkopf & Henkel

Poly Palette 10 min. Color, 10 Lichtblond

ungenügend

Blonde L1+, Extrem Aufheller
Schwarzkopf & Henkel

Blonde L1+, Extrem Aufheller

gut

Poly Palette Permanent Natural Colors, 10 Extra Helles Perlb
Schwarzkopf & Henkel

Poly Palette Permanent Natural Colors, 10 Extra Helles Perlb

gut

Natural & Easy, 530 Champagner Hellblond
Schwarzkopf & Henkel

Natural & Easy, 530 Champagner Hellblond

ungenügend

Viva Aufregend Lebendiges Blond, Ultra Blond
Wella

Viva Aufregend Lebendiges Blond, Ultra Blond

gut