Startseite

ÖKO-TEST November 2012
vom

Gummistiefel für Erwachsene

Auslaufmodelle

Schön sind sie ja, die designten Gummistiefel für Erwachsene. Aber auch ganz schön voll mit problematischen Inhaltsstoffen. Und ein Produkt gehört sogar aus dem Verkehr gezogen.

4139 | 127
Zu diesem Thema ist ein neuer Artikel vorhanden.

26.10.2012 | Auf die Frage, wer den Gummistiefel aus Gärten und Jauchegruben, von Feldern und Baustellen ins Scheinwerferlicht der Laufstege und auf die Großstadtboulevards geholt hat, gibt es drei Antworten. Monarchisten behaupten, dass Queen Elisabeth II. dafür gesorgt hat, dass Modelabel die wadenhohen Treter aus vulkanisiertem Kautschuk oder PVC in Nagellackrot oder Himmelblau in ihre Schaufenster stellen. Die Begründung: Die ungezählten Fotos, welche die englische Königin in Gummistiefeln auf ihren Gestüten, Ländereien und bei halb öffentlichen Empfängen zeigen, hätten auch Frauen aus dem Volk den Dresscodeverstoß schmackhaft gemacht: "Oben Kleid, unten Gummistiefel. Was die Queen darf, darf ich schon lange."

Auch Antwort zwei verortet die Geburt des Trends in Britannien. Stilikone und Rock 'n' Roll-Muse Kate Moss tauchte in den frühen 2000er-Jahren beim schlammgeplagten Musikfestival in Glastonbury auf. Zu ziemlich weit oben abgeschnittenen Jeans trug sie Gummistiefel der schottischen Traditionsmarke Hunter. Das sahen auch It-Girls im Wartestand in Tokio, New York und am Prenzlauer Berg. Mutig schwitzen sie seitdem selbst im Sommer in kniehohen Gummiröhren.

Die Kenner der Haute Couture allerdings wissen, dass ein Modekult nur in einer Stadt das Blitzlicht der Welt erblicken kann: in Paris. Für die Herbst/Winterkollektion 1994/95 war Chanels Chefdesigner Karl Lagerfeld so frei und druckte das Chanel-Logo auf schwarze und weiße Gummistiefel. Auf einmal kosteten eineinhalb Kilogramm gefärbtes Gummi mehr als 500 Mark. Und heute?

Tippt man "Gummistiefel" ins Suchfenster der Zalando-Internetseite, warten 261 Artikel auf Käuferinnen. Auf www.net-a-porter.com, dem Onlineangebot für Luxusmode, stehen Gummistiefel wie selbstverständlich neben ledernen Designerstiefeln von Jimmy Choo für 2.095 Euro. Zusätzlichen Schwung bekommt die Gummistiefelmode durch einen weiteren Trend: Gardening. Gärtnern - ob im Schrebergarten, auf dem Balkon oder als "Guerilla" auf öffentlichen Grünflächen in der Stadt - ist angesagt. Und zu grünen Daumen passen längst nicht mehr nur grüne 08/15-Gummistiefel. Aber auch der modeunbewusste Bürger hat etwas davon: Weil sich Designer den ewig schlackernden und Schmatzgeräusche von sich gebenden Stiefeln angenommen und echte Passformen entwickelt haben, kommt man nicht mehr nur stolpernd, sondern nun auch gehend trockenen Fußes über feuchte Wiesen, matschige Waldwege und herbstliche Nordseestrände.

Dass Gummistiefel Wasser abhalten, weiß jedes Kind. Aber was sie an Schadstoffen enthalten, kriegen nur Labore raus. Wir haben 16 Gummistiefel für Frauen und Männer eingekauft und prüfen lassen. Es sind Modelle bekannter Modelabel dabei, aber auch Funktionsstiefel und günstige Produkte.

Das Testergebnis

16 Kandidaten, 14 Verlierer. Wie die vergangenen Gummistiefeltests zeigt es auch dieser: Die aus verschiedenen Kunststoffen fabrizierten Produkte stecken zum größten Teil voll problematischer Inhaltsstoffe - leider auch die Stiefel aus Naturkautschuk. Deshalb hagelte es für die formschönen Treter jede Menge unschöne "ungenügend".

ÖKO-TEST November 2012

Online lesen?

ÖKO-TEST November 2012 für 2.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Gummistiefel in knalligen Farben, mit wohlgeformtem Schaft und von bekannten Modedesignern entworfen, bleiben im Trend. Deshalb haben wir für unseren Test neben hochwertigen Funktionsschuhen vor allem schicke Stiefel ausgesucht, die nicht nur Wasser abhalten, sondern dabei auch noch gut aussehen. Wir kauften 16 Gummistiefel für Erwachsene. Mit dabei sind Modelle für Frauen und Männer. Das günstigste Stiefelpaar kostet 12,90 Euro, das teuerste 140 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Man nehme: PVC, Natur- oder Synthetikkautschuk, weitere Kunststoffe, textiles Innenfutter, Schnürsenkel und Kleber, der alles zusammenhält. Bei der Produktion von Gummistiefeln kommen viele Materialien zusammen. Jeder Hersteller hat sein eigenes Rezept - und jede Komponente ihre eigenen Probleme. Ist PVC im Einsatz, stecken manchmal problematische Phthalat-Weichmacher und Weichmacheröle im Stiefel, um das spröde PVC formbar zu machen. Weichmacheröle enthalten oft polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Manche von ihnen sind krebserregend. Hat der Produzent seinen Schuh aus Naturkautschuk aufgebaut, können krebserregende Nitrosamine drinstecken, die beim Vulkanisierungsprozess entstehen. Verbotene Farbbausteine können wiederum im bunten Innenfutter der Schuhe lauern. Kurz gesagt: Die Labore hatten jede Menge zu tun.

Die Bewertung
Auf einen Gummistiefel, der von ÖKO-TEST ein "sehr gut" bekommt, müssen wir weiter warten. Auch im Jahr 2012 stecken in den meisten Testprodukten viel zu viele schädliche Substanzen. Deshalb gab es auch jede Menge Sechsen im Test. Wird dann auch noch ein gesetzlicher Grenzwert überschritten, lautet das Urteil: "nicht verkehrsfähig".

So haben wir getestet

Labore untersuchten, welche Schadstoffe in den Stiefelkomponenten stecken.