1. Home
  2. Tests

Reiswaffeln im Test: Nur ein Produkt ist empfehlenswert

Jahrbuch Kleinkinder 2018 | Kategorie: Kinder und Familie | 18.01.2018

Reiswaffeln im Test: Viele Produkte fallen durch.
Foto: Tavor Photo/Shutterstock

Krebserregendes Arsen in Snacks für Kleinkinder: Im Sommer 2012 hatte unser Reiswaffel-Test Aufsehen erregt. Haben die Hersteller das Problem nun in den Griff bekommen? Die Antwort ist so traurig wie kurz: Nein. 

  • Mit "mangelhaft" oder "ungenügend" fällt knapp die Hälfte der Reiswaffeln im Test durch. 
  • Wir können nur ein überprüftes Produkt guten Gewissens empfehlen. 
  • Der Hauptgrund für die insgesamt schlechteren Testergebnisse ist anorganisches Arsen.

Aktualisiert am 18.01.2018 | Das Gift riecht nicht, man sieht es nicht und es schmeckt nach nichts – aber es ist da: Die Reispflanze nimmt Arsen aus der Erde und dem Wasser auf und reichert es in den Körnern an. Es gibt Reisanbaugebiete mit höheren Belastungen, wie weite Teile Bangladeschs, und Reisanbaugebiete mit niedrigeren Belastungen. Auch Gebiete in der Nähe von Minen oder ehemalige Baumwollfelder, die mit arsenhaltigen Pestiziden besprüht worden sind, sind höher belastet. Arsen steckt beispielsweise auch in manchen Düngern und Klärschlämmen.

In die Reiswaffeln gelangt es über den belasteten Reis. Allerdings sind die Reiswaffeln oft höher belastet als die Rohware. Die Gründe dafür sind bislang nicht komplett erforscht. Ein Grund ist sicherlich, dass der Reis in Backformen erhitzt wird und dadurch, ähnlich wie Popcorn, aufpoppt. Durch die Hitze entsteht ein Flüssigkeitsverlust, wodurch sich die Arsengehalte in den Waffeln etwas konzentrieren.

Reiswaffeln im Test: Knapp die Hälfte fällt durch 

Wir wollten genau wissen, wie belastet Reiswaffeln sind, und ob die Hersteller das Arsenproblem nun endlich in den Griff bekommen haben. Deswegen haben wir 15 Produkte eingekauft und umfangreich untersuchen lassen.

Das Ergebnis: Knapp die Hälfte der Reiswaffeln rasselt mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Guten Gewissens empfehlen können wir nur ein einziges Produkt. Ein paar Reiswaffeln schneiden mittelmäßig ab. 

Arsen ist Hauptproblem im Reiswaffel-Test 

Der Hauptgrund für das insgesamt eher schlechte Abschneiden ist anorganisches Arsen, und zwar nicht zu knapp. In einem Produkt steckt so viel von dem krebserregenden Stoff, dass der seit Januar 2016 geltende EU-Grenzwert für Reiswaffeln, der ohnehin schon höher als der für Reis ist, überschritten wird.

Reiswaffeln im Test: Wir haben 15 Produkte überprüft.
Reiswaffeln im Test: Wir haben 15 Produkte überprüft. (Foto: Aleksandrs Samuilovs/Shutterstock)

Das zweite Problem ist Acrylamid. Der als "wahrscheinlich krebserregend" eingestufte Stoff entsteht, wie auch beispielsweise in Pommes, beim Backen. Den Richtwert für Getreidebeikost, den wir für Reiswaffeln, die nun einmal auch von Babys und Kleinkindern gegessen werden, ansetzen, überschreiten die meisten der getesteten Waffeln. Dafür gibt es eine Note Abzug. Durch eine geringere Temperatur, zum Beispiel beim Backen, lassen sich Acrylamidgehalte deutlich reduzieren.

Cadmium und Mineralöl in Reiswaffeln gefunden

Nierenschädliches Cadmium steckt in zu hoher Dosis in den Reiswaffeln von zwei Marken. Das Schwermetall nehmen die Reispflanzen über den Boden auf. Dort kommt es zum einen natürlich vor, zum anderen wird es beispielsweise über Düngemittel und Klärschlamm eingebracht. Ein zweijähriges Kind nimmt mit nur 20 Gramm Reiswaffeln täglich in einer Woche mehr als die Hälfte der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit festgelegten tolerablen Menge für die wöchentliche Aufnahme zu sich.

Mineralöl hatten wir zuletzt in Mehl gefunden – in Superfood, in Fleischersatz und in Würstchen. In zwei Reiswaffeln stecken gesättigte Mineralöle (MOSH/POSH). MOSH können sich im Körper anreichern und haben in Tierversuchen zu Organschäden geführt. Die Reduzierung von Mineralölrückständen ist derzeit eine der größten Herausforderungen der Lebensmittelindustrie, auf die sie noch keine überzeugenden Antworten gefunden hat.

Woher stammt der Reis, der verwendet wird? 

Was ist außerdem im Reiswaffel-Test aufgefallen? Der Verbraucher hat keine Chance zu erkennen, woher der Reis stammt, der in Reiswaffeln verwendet wird. Leider gibt es diese Chance (oft) auch nicht, wenn man die Hersteller direkt fragt, was wir getan haben.

"Der Reis dieser Charge stammt aus Südeuropa, Südostasien und Südamerika", heißt es von einigen Herstellern – also aus quasi allen Reisanbaugebieten der Welt. Damit solle die "gleichbleibende Qualität" der Reiswaffeln gesichert werden. 

Reiswaffeln im Test: Das rät ÖKO-TEST 

  • Geben Sie Babys und Kleinkindern keine Reiswaffeln. Wenn es etwas zu knabbern sein soll, um die Kaumuskulatur zu fördern, sind Dinkelstangen eine Alternative.
  • Ältere Kinder und Erwachsene können gelegentlich Reiswaffeln essen – dann sind die Produkte, die für Babys und Kleinkinder ausgelobt sind, die bessere Wahl. Für sie gelten strengere Grenzwerte, und unser Test zeigt, dass sie deutlich weniger mit Arsen und Acrylamid belastet sind.

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST-Magazin 10/2016 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder 2018 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Babydream Bio Mini-Reiswaffeln
Babydream Bio Mini-Reiswaffeln
Rossmann
Basic Reiswaffeln mit Meersalz
Basic Reiswaffeln mit Meersalz
Basic
Bio Zentrale Reiswaffeln Natur
Bio Zentrale Reiswaffeln Natur
Bio-Zentrale
Byodo Reiswaffeln ohne Salzzusatz
Byodo Reiswaffeln ohne Salzzusatz
Byodo
Continental Bakeries Reiswaffeln Meersalz
Continental Bakeries Reiswaffeln Meersalz
Continental Bakeries
Dennree Reiswaffeln ungesalzen
Dennree Reiswaffeln ungesalzen
Dennree
Dm Bio Reiswaffeln gesalzen
Dm Bio Reiswaffeln gesalzen
Dm
Edeka Bio Reiswaffeln mit Meersalz
Edeka Bio Reiswaffeln mit Meersalz
Edeka
Globus Reiswaffeln mit Meersalz
Globus Reiswaffeln mit Meersalz
Globus
Hipp Natur Reiswaffeln
Hipp Natur Reiswaffeln
Hipp
K-Classic Reiswaffeln mit Meersalz 6 Snack Packs
K-Classic Reiswaffeln mit Meersalz 6 Snack Packs
Kaufland
Lima Rice 100%  Dünne Vollkorn-Reiswaffeln
Lima Rice 100% Dünne Vollkorn-Reiswaffeln
Lima
Real Quality Reiswaffeln mit Meersalz
Real Quality Reiswaffeln mit Meersalz
Real
Rewe Bio Hirse-Mais-Reiswaffeln ohne Salz
Rewe Bio Hirse-Mais-Reiswaffeln ohne Salz
Rewe
Sondey Reiswaffeln mit Meersalz
Sondey Reiswaffeln mit Meersalz
Lidl

Testverfahren

Der Einkauf: Zunächst landeten genau die Produkte im Einkaufskorb, die bereits im ÖKO-TEST Reiswaffeln 2012 mit "ungenügend" abgeschnitten hatten, wenn es sie noch gab. Haben die Hersteller die Probleme mit anorganischem Arsen und Acrylamid in den Griff bekommen? Außerdem haben wir weitere bekannte Marken eingekauft, gesalzen und ungesalzen – nur süße nicht. Schön: Es gibt erfreulich viele Bio-Reiswaffeln, sogar mehr als konventionelle.

Die Inhaltsstoffe: Viele Böden und das Wasser in Reisanbaugebieten sind mit Arsen belastet. In Reis steckt oft besonders viel Arsen, weil die Felder mit Wasser geflutet werden und die Reispflanze das Arsen aufnimmt und anreichert. Wir haben zunächst auf den Gesamtgehalt an Arsen, dann auf das besonders giftige anorganische Arsen untersuchen lassen. Acrylamid entsteht, wenn stärkehaltige Lebensmittel hoch erhitzt werden. Weiterhin im Fokus: Mineralöl, das etwa durch in der Produktion eingesetzte Schmieröle oder durch die Verpackung in die Reiswaffeln übergehen kann. Das nierenschädliche Schwermetall Cadmium nehmen die Reispflanzen über ihre Wurzeln aus belasteten Böden auf. Cadmiumhaltige Klärschlämme etwa sind dafür eine Ursache.

Die Bewertung: Anorganisches Arsen über Grenzwert – das kann nur ein "Ungenügend" sein. Das trifft drei Produkte im Test. Für das Fazit "nicht verkehrsfähig" aber sind die Überschreitungen zu knapp. Hier kommt die Messtoleranz der Labormethode ins Spiel. "Gesichert nicht verkehrsfähig" heißt es im Amtsjargon, wenn auch nach Abzug dieser Toleranz der Grenzwert überschritten ist. Auch hohe Belastungen unter dem Grenzwert haben wir streng abgewertet – Arsen ist krebserregend. In Sachen Acrylamid lehnen wir uns an den EU-Richtwert für Getreidebeikost an. Zudem führen viel Cadmium oder Mineralöl zu Punktabzug.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: eine Überschreitung des Grenzwerts für anorganisches Arsen in Reiswaffeln von mehr als 0,3 mg/kg ("über Grenzwert"). Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) mehr als 0,2 bis 0,3 mg/kg anorganisches Arsen in einem Produkt, das nicht für Babys und Kleinkinder ausgelobt ist ("sehr stark erhöht"); b) mehr als 0,1 mg/kg anorganisches Arsen in einem Produkt, das für Babys und Kleinkinder ausgelobt ist ("sehr stark erhöht"). Zu einer Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) mehr als 0,1 bis 0,2 mg/kg anorganisches Arsen in einem Produkt, das nicht für Babys und Kleinkinder ausgelobt ist ("stark erhöht"); b) mehr als 0,05 bis 0,1 mg/kg anorganisches Arsen in einem Produkt, das für Babys und Kleinkinder ausgelobt ist ("stark erhöht"); c) ein Cadmiumgehalt von mehr als 0,1 mg/kg. Mit diesem Gehalt wird beim täglichen Verzehr von 20 Gramm Waffeln über den Zeitraum einer Woche die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge (TWI) der Efsa zu mehr als 50 Prozent ausgeschöpft, berechnet für ein zwölf Kilogramm schweres, zweijähriges Kind; d) aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Zu einer Abwertung um jeweils eine Note führt: a) mehr als 0,05 bis 0,1 mg/kg anorganisches Arsen in einem Produkt, das nicht für Babys und Kleinkinder ausgelobt ist ("erhöht"); b) ein Acrylamidgehalt von mehr als 100 μg/kg; c) ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr 0,5 bis 2 mg/kg), wenn nicht bereits wegen MOAH um zwei Noten abgewertet wurde.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: ein gemessener Salzgehalt von 0,052 g/100 g, wenn das Produkt als "salzfrei" ausgelobt ist. Zur Abwertung um eine Note führt: Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: "ohne Zusatz von Aromen, Farb- und Konservierungsstoffen laut Gesetz" und/oder "ohne Zuckerzusatz", "ohne Zusatz von Aromen").

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis "Weitere Mängel", das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden 

Gesamtarsen: DIN EN 15763:2010.
Anorganisches Arsen: HG-AAS.
Cadmium: Elementbestimmung mittels ICP-MS.
Acrylamid: LC-MS/MS.
Mineralöl (MOSH/POSH und MOAH): LC-GC/FID.
Natrium: Aufschluss DIN EN 13805:2014, Messung ASU L 00.00-144: 2013 mod. Die Modifikation bezieht sich auf eine andere Messtechnik (ICP-MS statt ICP-OES);
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Thiamin: DIN EN 14122:2003.

Einkauf der Testprodukte: Mai und Juni 2016

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST-Magazin 10/2016 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kleinkinder 2018 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Jahrbuch Kleinkinder 2018
Jahrbuch Kleinkinder 2018

Jetzt gedrucktes Heft kaufen!

Jetzt Ausgabe als ePaper kaufen!

Informationen zum Abruf bei United Kiosk
So funktioniert der Artikel-Abruf
Wenn Sie zum ersten Mal Artikel bei unserem Service-Partner United Kiosk abrufen, lesen Sie bitte vorab unsere Anleitung zum Abruf von Tests, Ratgebern, Einzelseiten und ePapern durch. Gekaufte Artikel, ePaper oder eBundles können Sie im Fall eines Verlustes nur dann wiederherstellen, wenn Sie sich zuvor registriert haben.