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Bastelkleber im Test: So gut sind Uhu, Pritt & Co.

Magazin Oktober 2020: Endlich gut schlafen | Autor: Jörg Döbereiner | Kategorie: Kinder und Familie | 24.09.2020

Bastelkleber für Kinder im Test: Welcher ist empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Gute Nachrichten für alle Bastelfreunde: Die meisten Klebestifte und Flüssigkleber im Test können Familien bedenkenlos zum Basteln verwenden. Von vier Produkten raten wir allerdings auch ab. Was wir an den Bastelklebern kritisieren und worauf Eltern beim Kauf achten können.

  • Zehn Bastelkleber im Test können wir mit Bestnote empfehlen, darunter sind sowohl Klebestifte als auch Flüssigkleber. 
  • Aufgrund problematischer Inhaltsstoffe kritisieren wir acht überprüfte Kleber. 
  • Achten Sie beim Kauf am besten darauf, dass die Bastelkleber für Kinder lösemittelfrei sind und Isothiazolinone nicht deklariert sind. 

Basteln Kinder gemeinsam mit Erwachsenen, sind Klebstoffe ohne hohe Lösemittelgehalte die beste Wahl. Zur Erklärung: Lösemittel halten den Klebstoff in seinem Behältnis einsatzbereit, ohne ihn chemisch zu verändern. Beim Basteln verdunsten sie, und der Kleber wird fest.

Das Problem mit Lösemittelgehalten in Bastelkleber 

Der Haken: Was sich da verflüchtigt, kann im Extremfall brennende Augen, Halskratzen oder Unwohlsein verursachen. Vor allem Kinder sollten deshalb nicht mit lösemittelhaltigem Kleber hantieren. Solche Klebstoffe sind am Gefahrenpiktogramm mit der lodernden Flamme zu erkennen, da handelsübliche Lösemittel brennbar sind.

Klar, streng genommen ist auch Wasser ein Lösemittel. Aber normalerweise ist mit "lösemittelfrei" gemeint: frei von flüchtigen organischen Lösemitteln, wie zum Beispiel Alkohol. Bis auf einen sind alle Bastelkleber im Test als "lösemittelfrei" ausgelobt, und auch dieser basiert auf Wasser. Insgesamt haben wir 20 Kleber überprüft, darunter Klebestifte und Flüssigkleber.

Bastelkleber für Kinder im Test: Wir haben insgesamt 20 Produkte überprüft.
Bastelkleber für Kinder im Test: Wir haben insgesamt 20 Produkte überprüft. (Foto: Inna Reznik/Shutterstock)

Die Laboranalyse zeigt: Die meisten Bastelkleber enthalten allenfalls Spuren flüchtiger Substanzen – das ist in Ordnung. Allerdings sind unserer Meinung nach die Alkoholgehalte in zwei Klebern im Test etwas zu hoch, um diese Produkte als "lösemittelfrei" zu bezeichnen.

Gesundheitliche Gefahren sind bei normaler Anwendung nicht zu befürchten. Aber wo "lösemittelfrei" drauf steht, sollte auch möglichst wenig Alkohol drin sein. Laut den Anbietern setzen sie den Bastelklebern keinen Alkohol zu. Es handele sich vielmehr um Verunreinigungen beziehungsweise werde der Alkohol erst bei der Herstellung gebildet.

Bastelkleber-Test: Uhu, Pritt & Co. im Vergleich 

Insgesamt gibt es wenig Probleme bei den Bastelklebern im Test. Zehn von zwanzig Klebern schaffen die Bestnote "sehr gut", sechs weitere bewerten wir mit "gut" – bei dem Ergebnis spricht nichts dagegen, sofort loszubasteln. Allerdings gibt es auch vier Kleber, die nur mit "befriedigend" abschneiden. Was macht den Unterschied?

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Zwei Mal heißt der Grund: Formaldehyd. Diese stechend riechende Substanz reizt die Schleimhäute, sie kann Allergien auslösen und sogar Krebs erzeugen, wenn sie eingeatmet wird. In beiden Bastelklebern wies das von uns beauftragte Labor auffällige Gehalte an Formaldehyd/-abspaltern nach.

Sie liegen zwar im Rahmen dessen, was rechtlich erlaubt ist. Aber wir meinen: Formaldehyd selbst und auch Stoffe, aus denen Formaldehyd entstehen kann, haben in Klebern nichts verloren. Erst recht nicht, wenn damit zu rechnen ist, dass auch Kinder die Produkte in die Finger bekommen. Denn erfahrungsgemäß landet beim Kleben schnell der eine oder andere Tropfen auf der Haut.

10 von zwanzig Bastelklebern im Test können wir mit "sehr gut" empfehlen.
10 von zwanzig Bastelklebern im Test können wir mit "sehr gut" empfehlen. (Foto: Syda Productions/Shutterstock)

Kritischer Konservierungsstoff in Klebern für Kinder

Wir haben für diesen Test ausschließlich Klebstoffe berücksichtigt, die als "lösemittelfrei" beziehungsweise auf Wasser basierend ausgelobt sind. Um sie vor Schimmel und Bakterien zu schützen, setzen die Hersteller Konservierungsstoffe ein. Die machen zwar das Produkt haltbar, können es aber ganz schön in sich haben.

Eine bei Herstellern beliebte Gruppe an Konservierungsstoffen, die wir seit Langem immer wieder thematisieren, sind Isothiazolinone. Besonders kritisch sehen wir Chlormethylisothiazolinon und Methylisothiazolinon, kurz CIT und MIT. Sie können Allergien auslösen sowie Augen und Haut reizen.

Wie schon bei Formaldehyd gilt auch hier: Rechtlich gesehen dürfen Hersteller sie einsetzen. In Produkten, die in Kinderhände gelangen könnten, sind solche Stoffe aus unserer Sicht aber fehl am Platz.

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Es fehlt eine Warnung auf zwei Bastelklebern 

Wir ziehen in zwei Fällen Noten für auffällige Gehalte ab. Und weil obendrein keines der beiden Produkte auf der Verpackung davor warnt, dass Isothiazolinone Allergien auslösen können, landen beide unter dem Strich nur bei "befriedigend" – für uns nicht empfehlenswert.

Als Alternative zu Isothiazolinonen verwenden manche Hersteller Phenoxyethanol. Diesen Konservierer setzen auch Kosmetikhersteller ein, zum Beispiel in Feuchttüchern. In Fingermalfarben gilt er bis zu einem Gehalt von einem Prozent als unproblematisch. Keines der Produkte im Test liegt über diesem Wert.

Kritik an weiteren Inhaltsstoffen von Klebern im Test  

Welche Inhaltsstoffe sind es noch, die wir im Bastelkleber-Test bemängeln? 

  • Caprolactam ist ein Stoff, den wir seit vielen Jahren insbesondere in Klebstoffen kritisieren, unter anderem weil er Haut und Schleimhäute reizt. Er steckt aber immer noch in zwei Bastelklebern im Test. Laut des einen Herstellers wird Caprolactam zur Einstellung der klebtechnischen Eigenschaften verwendet, laut des anderen fördert der Stoff den leichten Abrieb des Produktes und vereinfacht dadurch die Handhabung.

  • In zwei weiteren Klebern fielen halogenorganische Verbindungen auf. Viele Substanzen aus dieser Stoffgruppe gelten als allergieauslösend, fast alle reichern sich in der Umwelt an.

(Foto: ÖKO-TEST)

Bastelkleber für Kinder kaufen: Das gibt's zu beachten 

Das Wichtigste zusammengefasst: 

  1. Für das normale Basteln mit Kindern immer Klebstoffe ohne hohe Lösemittelgehalte verwenden. Im Test finden Sie 16 empfehlenswerte Kleber.
  2. Etwas Kleber ist auf der Kleidung gelandet? Halb so schlimm: Die meisten Klebstoffe im Test sind mit Wasser auswaschbar, bevor sie trocknen.
  3. Besonders Allergikern empfehlen wir darauf zu achten, ob Isothiazolinone auf der Verpackung deklariert sind. Diese Konservierungsstoffe können Allergien auslösen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 20 Kleber eingekauft, die sich für Bastelarbeiten mit Papier, Pappe und anderen Materialien eignen, die Hälfte davon feste Klebestifte. Alle Produkte sind als "lösemittelfrei" ausgelobt oder laut Anbieter auf Wasserbasis hergestellt. Kleber bekannter Marken sind genauso im Testfeld wie Produkte, die als besonders ökologisch ausgelobt sind. Pro 50 Gramm beziehungsweise Milliliter kosten die Klebstoffe zwischen rund 1 und 7,41 Euro.

Im Labor ließen wir alle Produkte auf flüchtige und sehr flüchtige organische Verbindungen (VOC und VVOC) testen. Außerdem analysierten die Prüfer die Kleber auf Isothiazolinone, eine Gruppe von Konservierungsstoffen, die Allergien auslösen können. Auch die beiden hautreizenden Stoffe Caprolactam und Dimethylaminoethanol, umstrittene halogenorganische Verbindungen sowie Formaldehyd/- abspalter standen auf dem Prüfplan. Die Verpackungen ließen wir auf chlorierte Verbindungen untersuchen, außerdem haben sich die Experten Auslobungen und Deklaration genau angesehen. Grundlage für das Testergebnis bilden die Schadstofftests. Beanstandete Deklarationen können das Gesamturteil verschlechtern.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 20 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1.000 mg/kg Caprolactam; b) 0,0015 Prozent MIT oder mehr; c) eine Kombination aus CIT und MIT von 0,0015 Prozent oder mehr; d) halogenorganische Verbindungen.

Bewretung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Hinweis zur allergisierenden Wirkung von MIT fehlt bei einem Gehalt von 0,00015 Prozent oder mehr; b) Hinweis zur allergisierenden Wirkung eines Gemischs von CIT und MIT fehlt bei einem Gehalt von 0,00015 Prozent oder mehr; c) Hinweis zur allergisierenden Wirkung von BIT fehlt bei einem Gehalt von 0,005 Prozent oder mehr, wenn nicht bereits wegen b) abgewertet wird; d) Deklaration "lösemittelfrei" oder vergleichbare Deklaration bei einem Gehalt von in der Summe mehr als 0,5 Prozent Alkohol (hier. Ethanol, Methanol, 1-Butanol), in Anlehnung an die Definition der TRGS (Technische Regel für Gefahrstoffe) 610.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um jeweils eine Note. Ein "gutes" Testergebnis Weitere Mängel verschlechtert das Gesamturteil nicht.  

Testmethoden 

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Halogenorganische Verbindungen: 1. Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. 2. Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Formaldehyd/-abspalter: in Anlehnung an ASU K 84.00-07 (EG), Photometrie nach Extraktion und Derivatisierung.
Isothiazolinone: HPLC/DAD.
Caprolactam, Dimethylaminoethanol, flüchtige organische Verbindungen (VOC) mit erweitertem Acrylatspektrum: GC/MS nach Extraktion.
Ausgewählte leicht flüchtige organische Verbindungen (VVOC): Headspace-GC/MS nach Extraktion.

Einkauf der Testprodukte: Juni 2020 

Preise können aufgrund der befristeten Mehrwertsteuersenkung geringfügig abweichen.

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