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16 Gummistiefel im Test

Oh Sohle mio!

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2012 | Kategorie: Kinder und Familie | 09.01.2012

16 Gummistiefel im Test

Angesichts unserer miesen Testergebnisse würden wir gerne für Sie die Sonne hinter den Wolken hervorsingen: Die meisten Gummistiefel für Kinder stinken nicht nur zum Himmel. Sie stecken auch voller Schadstoffe. Nur ein Modell ist halbwegs tragbar.

Neuer Artikel vorhanden: 16 Gummistiefel für Kinder im Test

In unseren ÖKO-TESTs fallen die praktischen Treter reihenweise durch. Wir stellten uns die Frage, ob sich an der miesen Qualität inzwischen etwas verbessert hat. Wir haben 16 kunterbunte Kindermodelle eingekauft und umfangreich auf Schadstoffe geprüft.

Das Testergebnis

Fast alle untersuchten Gummistiefel sind geradezu verseucht mit Schadstoffen - für Eltern ein niederschlagendes Ergebnis bei einem Produkt, an dem sie kaum vorbeikommen. Im Gegensatz zu unserem letzten Test Gummistiefel gibt es aber immerhin auch ein "ausreichendes" Modell.

Nicht verkehrsfähig: Das Modell von Playshoes enthält den verbotenen Farbbaustein p-Aminoazobenzol im Außenmaterial des Schnürsenkels - und zwar in einer Größenordnung, die den amtlichen Grenzwert weit überschreitet.

Am besten schneiden die Marken von Deichmann ab. Vor allem beim Elefanten Gummistiefel ist die Schadstoffbelastung noch vergleichsweise moderat.

Auch im Käpt'n Blaubär-Stiefel steckt ein verbotener Farbbestandteil. Hautkontakt mit dem krebserregenden Stoff kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Trotzdem darf das Produkt so verkauft werden. Nächstes Beispiel: Im Maximo Gummistiefel stecken 1,5 Prozent kurzkettige Chlorparaffine. Die Weichmacher und Flammhemmer stehen unter Krebsverdacht. In der Schweiz wären die Gummitreter deshalb nicht verkehrsfähig. Hierzulande wie auch in anderen EU-Ländern gilt das Verbot aber bisher nur für Lederprodukte und in der Metallindustrie.

Die Giesswein und ganz besonders die Yigga Gummistiefel riechen penetrant nach Chemie. Beide strotzen nur so vor polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), darunter das krebserzeugende Benzo[a]pyren. Im Yigga wurden 1,6 Milligramm pro Kilogramm nachgewiesen. Zum Vergleich: Das ist mehr Benzo[a]pyren als in Weichmacherölen für Autoreifen erlaubt ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung fordert eine Beschränkung für alle Produkte auf maximal 0,2 mg/kg.

Anbieter Lexpo schreibt auf dem Etikett, sein Stiefel sei "aus einem umweltfreundlichen Material" hergestellt und zudem "Phthalat frei". Die Sohle kann er damit nicht gemeint haben, sie besteht aus umweltbelastenden chlorierten Kunststoffen. Um sie biegsam zu machen, wurden Phthalat-Weichmacher beigemischt - Stoffe, die in Spielzeug und Babyartikeln längst verboten sind. Leider ist man auch mit Stiefeln, die laut Anbietern aus Naturkautschuk sind, nicht auf der sicheren Seite: chlorierte Verbindungen steckten in den Viking- und Bruno-Barthel-Stiefeln.

So reagierten die Hersteller

Erschreckend, dass einige Anbieter kaum bereit sind, Verantwortung für ihre schlechten Produkte zu übernehmen. Playshoes zeigte sich zwar schockiert von den Ergebnissen, beharrte aber darauf, dass seine Stiefel verkehrsfähig seien. Kinderschuhanbieter Beck hat nach eigenen Angaben "einen möglichen Chargen-Bereich ermittelt" und "vorsorglich aus dem Verkehr gezogen". Wie aber Verbraucher die belasteten Chargen erkenn...


Gummistiefel: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Romikids Little Bunny Regenstiefel, zitrone-blau
  • Romika

Playshoes Kinder Gummistiefel Streifen, rosa und rot
  • Playshoes

Aigle Gummistiefel Lolly-Pop gelb-weiß
  • Aigle

Crocs Crocband jaunt Kindergummistiefel, blau
  • Crocs

Lexpo Gummistiefel Laura, rot
  • Lexpo

Käpt'n Blaubär Gummistiefel, gelb
  • Beck

Elefanten Gummistiefel, blau
  • Deichmann

Cortina Gummistiefel, pink
  • Deichmann

Bama Gummistiefel, lila Streifen
  • HR Group

Jack Wolfskin Kids Rubber Soul, stormy blue
  • Jack Wolfskin

Prinzessin Lillifee Celina Kindergummistiefel, rosa
  • Pölking

Viking Adventure Kinder Gummistiefel, schwarz
  • Viking

Yigga Gummistiefel Dinos, schwarz-weiß
  • Ernsting's Family

Maximo Gummistiefel Fisch handbemalt, blau
  • Bruno Barthel

Giesswein Gummistiefel Waldbronn, Efeu
  • Giesswein

Jako-O Regenbogen-Gummistiefel
  • Jako-O

16 Gummistiefel im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2012 Seite 162
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2012 Seite 163
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2012 Seite 164
ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2012 Seite 165

4 Seiten
Seite 162 - 165 im ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2012
vom 09.01.2012

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

An Gummistiefeln geht bei Matsch- und Regenwetter kaum ein Weg vorbei, in vielen Kindergärten gehören die praktischen Treter zur Pflichtausrüstung. Ausgewählt wurden Modelle großer Schuh- und Kinderschuhmarken wie auch günstigere, die bei den Filialisten und in vielen Onlineshops für Kinderequipment angeboten werden. Im Warenkorb landeten 16 Produkte, davon sechs hauptsächlich aus Naturkautschuk. Die Preisspanne geht von sechs bis 35 Euro.

Die Inhaltsstoffe

In Gummistiefeln steckt mehr, als der Name vermuten lässt: Schaft und Sohle bestehen eher seltener aus Naturgummi, meist wird dafür synthetischer Kautschuk, ein anderer Kunststoff oder eine Mischung verwendet. Innenfutter und Schnürbänder sind aus Textil. Hinzu kommt Kleber, der alles zusammenhält. Geprüft wurde unter anderem auf Weichmacher und PAK, die sich aus Kunststoffen lösen können, krebserregende Nitrosamine, die bei der Vulkanisierung des Gummis entstehen, und verbotene Farbbausteine, die ÖKO-TEST häufiger in gefärbten Garnen findet. Nebenprodukte aus der Kunststoffherstellung, die man sich nicht ans Bein binden will: 2-Phenyl-2-propanol und Acetophenon. Laut Behörden können sie möglicherweise allergische Reaktionen oder Hautreizungen hervorrufen.

Die Bewertung

Gummistiefel sind keine Alltagsschuhe, bei denen die Passform wichtig ist oder eine stabile Sohle. Hauptproblem sind die Inhaltsstoffe. Das zeigen unsere Tests immer wieder. Stiefel, die voller übler Substanzen stecken, sollte man von Kindern fernhalten. Solche Schadstoffmauken bekommen von uns ein "ungenügend".

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