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ÖKO-TEST Januar 2014
vom

Höschenwindeln

Dicke Hose

Wir haben 14 Windeln im Labor und von Eltern mit Babys testen lassen: Bei den Inhaltsstoffen gibt's kaum Probleme. Aber mehr als die Hälfte der Unterlagen schwächeln im Gebrauch: Sie liefen aus oder passten nicht gut.

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27.12.2013 | Vom Wickeltisch ins Labor: Beim Ipi-Institut für Produktforschung in Stuttgart nehmen Eltern, Ingenieure und Techniker das wichtigste Kleidungsstück kleiner Kinder unter die Lupe. Rund 4.000 Windeln für unseren großen ÖKO-TEST kommen dort palettenweise an. Ein ganzer Raum ist nur für Windeln reserviert. Jedes Exemplar wird mit einem Code versehen und in eine weiße Papiertüte umverpackt. "Leider lässt sich die Markenbezeichnung nicht bei jedem Produkt neutralisieren", sagt Ipi-Chef Karl-Heinz Baumann. Bei den Pampers beispielsweise sei der Name in den Vliesstoff eingeprägt. "Wir könnten ihn heraustrennen, aber dann wäre die ganze Windel zerstört."

"Ob eine Windel etwas taugt, zeigt sich erst, wenn sie getragen wird", so Karl-Heinz Baumann. Deshalb arbeitet sein Institut mit Eltern zusammen, die während des Testzeitraums kostenlos Windeln im Labor abholen können. Alle drei Tage gibt es Nachschub. 14 Windelmarken hat ÖKO-TEST eingekauft - macht insgesamt 42 Tage, in denen die Testmütter oder -väter Tagebuch führen und lange Fragebögen ausfüllen müssen: Wie trocken ist Babys Popo? Ist etwas ausgelaufen? Passt die Windel? Halten die Klebeverschlüsse? "Natürlich kommt es im Laufe des Tests auch zu Aha-Erlebnissen, und manche Eltern wollen wissen, welche Windel das gerade ist", erzählt Baumann, "aber das verraten wir erst, wenn alle Fragebögen ausgewertet sind."

Während die Eltern zu Hause testen und fleißig Noten vergeben, müssen die Forscher im Labor ran: "Hier zählen rein objektive Kriterien", sagt Prüferin Sigrid Schmidt, "wir haben natürlich keine echten Babys auf den Arbeitstischen." Zwei Gewichte simulieren den Körper des Kindes, das Pipi ist ersatzweise Salzwasser. Die Menge ist genau berechnet - in etwa so viel, wie ein Baby bei einem Mal in die Windel lassen würde. Nach jedem "Urinschwall" stoppen die Fachleute die Zeit, bis die violett eingefärbte Flüssigkeit von der Windeloberfläche verschwunden ist. Je schneller, desto besser. Dazu wird notiert, wenn seitlich etwas ausläuft.

"Ein trockener Po wird selten wund", sagt Schmidt. Mit einem Filterpapier misst sie, ob die mit Gewichten belastete Windel die Feuchtigkeit hält oder sie teilweise wieder abgibt. Hier habe es in den vergangenen Jahren die größte Entwicklung gegeben. Das liegt am Superabsorber, einem Kunststoffgranulat, das ein Vielfaches seines Volumens fassen kann und von dem wenige Gramm hauptsächlich im Schritt der Windel eingebettet sind. Wenn der Absorber aufquillt, wird er zu einer Masse, die an Wackelpudding erinnert. Im Gegensatz zu einem Schwamm gibt der Absorber die Flüssigkeit auch unter Gewichtsbelastung nicht ab. Nach kurzer Zeit können die inzwischen gequollenen Granulatkügelchen sogar noch weitere Flüssigkeit aufsaugen und binden.

Neben der Praxistauglichkeit im Labor und im Alltag mit Babys ließ ÖKO-TEST bei jeder Windel überprüfen, ob problematische Inhaltsstoffe enthalten sind.

Das Testergebnis

Es gibt sie, die Unterschiede: "Gut" verpackt sind die Kleinen mit fünf Testprodukten. Für sieben von insgesamt zwölf Windelmarken reicht es aufgrund der Schwächen im Praxistest nur zu einem "befriedigenden" Gesamtergebnis.

ÖKO-TEST Januar 2014

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Test: 14 Windeln der Größe "Maxi" (7 bis 18 Kilogramm), passend für Kinder ab dem zweiten Lebenshalbjahr bis zum Trockenwerden oder dritten Geburtstag. Von der bekanntesten Marke Pampers sind alle drei Modelle dabei.

Die Inhaltsstoffe
Rückstände von umstrittenen halogenorganischen Verbindungen können aus der Bleiche der Zellstofffasern mit Chlorverbindungen stammen. Optische Aufheller werden häufig zur Qualitätskontrolle eingesetzt, beispielsweise in der Verleimung der Elastikfäden an den Bündchen. In zwei der drei Pampers-Produkte ist das Innenvlies mit einer Pflegelotion beschichtet. Hier haben wir geprüft, ob problematische Substanzen enthalten sind.

Der Praxistest
Wie schnell nimmt eine Windel den Urin auf, wenn sie ganz frisch oder schon eingenässt ist? Wie viel Flüssigkeit gibt eine benutzte Windel an den Babypopo ab? Dies prüfte ein Labor unter standardisierten Bedingungen für uns. Einige wichtige Kriterien lassen sich jedoch im Labor nicht überprüfen: Hält die Windel auch beim Krabbeln dicht? Funktioniert sie beim schmalen Baby genauso gut wie beim kräftigen? Passt die Windel? Verursacht sie Druckstellen? Wir ließen jede Marke von 15 Eltern mehrere Tage ausprobieren.

Die Bewertung
Manche Qualitätsmängel zeigen sich nicht im Labor, sondern erst im Alltag. Andererseits kommt es vor, dass ein Produkt im Labor schwächelt, aber trotzdem von den Eltern passable Noten erhält. Denn im Labortest werden auch weniger günstige Bedingungen simuliert. Beide Praxistests zusammen genommen, sind jedoch eine gute Basis, um die Qualität einer Windel zu bewerten. Die Teilergebnisse Labor und Eltern mit Babys gehen zu jeweils 50 Prozent ins Testergebnis Praxisprüfung ein.

So haben wir getestet

Aufsaugtest im Labor: Der Urinersatz wird auf den "Pinkelpunkt" gepumpt, Gewichte simulieren den Babykörper.