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ÖKO-TEST September 2013
vom

Fingerfarben

Abgeschmiert!

Unsere beauftragten Labore haben in den untersuchten Fingerfarben verbotene Krebsgifte und allergieauslösende Konservierer gefunden. Für Eltern dürfte das ein Schock sein, schließlich landet schnell mal ein Finger voll Farbe im Mund. Und es kommt noch dicker: Zwei Produkte hätten in dieser miesen Qualität nicht verkauft werden dürfen.

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30.08.2013 | Für Kinder ist es eine Riesengaudi: mit blanken Händen in die Farben greifen und überall bunte Abdrücke hinterlassen oder Füße bepinseln und - trap, trap, trap! - über große Papierstreifen laufen. Fingerfarben gehören in vielen Kindertagesstätten zur Grundausstattung. Schon die Kleinsten können damit spontan drauflosmalen. Doch Sicherheitsexperten warnen: Die Farben haben ein größeres Risikopotenzial als andere Spielzeuge. Beim Gebrauch kommt es teilweise zu stundenlangem Hautkontakt. Außerdem stecken kleinere Kinder ihre Finger auch gern in den Mund, sodass sie größere Mengen der Farbe verschlucken können.

Aus diesen Gründen gibt es einen speziellen Abschnitt in der Spielzeugnorm (DIN EN 71, Teil 7), der die Zusammensetzung der Fingerfarben regelt. Um Kinder davon abzuhalten, die Farben zu essen, müssen Bitterstoffe zugesetzt sein. Einer dieser eklig schmeckenden Stoffe ist Naringin, das natürlicherweise auch in Grapefruits enthalten ist. Der andere - Denatoniumbenzoat - gilt als bitterste Substanz überhaupt. Ein Gramm davon würde ausreichen, um das Wasser eines mittelgroßen Swimmingpools zu "vergällen", weshalb er in Fingerfarben nur in winzigen Konzentrationen von etwa 0,0004 Prozent zum Einsatz kommt.

Hauptbestandteil der Fingerfarben ist Wasser, hinzu kommen Farb- und Füllstoffe sowie Binde- und Feuchthaltemittel. Außerdem mischen die Hersteller Konservierungsmittel bei. Diese sollen verhindern, dass schädliche Keime entstehen, zum Beispiel wenn Kinder ihre schmutzigen Finger in die Farbtöpfe stecken oder die angebrochenen Farben bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden. Der Haken daran: Viele dieser Bakterienkiller und Pilzhemmer haben ebenfalls eine gesundheitsschädigende Wirkung. Zwar gibt die Spielzeugnorm vor, welche Konservierer in welchen Konzentrationen für Fingerfarben verwendet werden dürfen. Doch zum Teil wird weit mehr erlaubt, als für Kinder wirklich gesund sein kann.

ÖKO-TEST hat 14 Fingerfarben gründlich auf Schadstoffe durchchecken und auch überprüfen lassen, ob ausreichend Bitterstoffe Kindern den Spaß am Probieren verleiden.

Das Testergebnis

Das Gros der Fingerfarben ist für Kinder gänzlich ungeeignet. Fast alle Hersteller verwenden Substanzen mit hohem Allergiepotenzial. Zwei halten nicht mal die gesetzlichen Grenzwerte ein. So fallen zwölf von 14 Produkten (das sind rund 85 Prozent) mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf

Im Test: 14 Fingerfarbensets aus Schreibwaren-, Spielwaren- und Hobbyläden sowie aus dem Kita-Bedarf - Letztere sind in Dreiviertelliterflaschen abgefüllt.

Die Inhaltsstoffe und Deklaration
Bei der Prüfung orientierten wir uns an der Sicherheitsnorm. Diese legt zum Beispiel fest, mit welchen Stoffen die Farben konserviert werden dürfen. Außerdem sind krebserregende Nitrosamine auf niedrige Grenzwerte limitiert. Um Kinder davon abzuhalten, die Farben zu essen, müssen Bitterstoffe zugesetzt sein. Einige Farbstoffe werden mit giftigen aromatischen Aminen hergestellt - auch danach ließen wir fahnden. Außerdem sind Warnhinweise auf der Verpackung vorgeschrieben sowie die Angabe (Dekiaration) der Konservierungs- und Bitterstoffe. Zum Teil gingen unsere Anforderungen auch über die Vorgaben der Norm hinaus: So hatten wir Stoffe auf dem Radar, die krebsverdächtiges Formaldehyd abspalten können, und umstrittene halogenorganische Verbindungen, die häufiger in den Farben stecken. Zudem ließen wir checken, ob Kleinteile in den Farbensets vorhanden waren, die von Kindern versehentlich verschluckt werden können.

Die Bewertung
Aufgrund der besonderen Beschaffenheit und der Art, wie kleine Kinder damit umgehen, müssen an Fingerfarben die strengsten Anforderungen gestellt werden. Deshalb orientierten wir uns bei der Bewertung nicht nur an der Sicherheitsnorm, sondern werteten bereits dann ab, wenn die strengen ÖKO-TEST-Anforderungen an Kosmetika nicht eingehalten wurden. Produkte, die nicht den gesetzlichen Regeln entsprachen und dadurch eine Gesundheitsgefahr für Kinder darstellen, konnten im Gesamturteil nicht besser sein als "ungenügend" - dazu bekamen sie von uns den Stempel "Nicht verkehrsfähig".

So haben wir getestet

Schmeckt's? Im Labor prüfen Sensoriktester, ob die Farbe ausreichend bitter ist.