1. Home
  2. Ratgeber

Wann müssen Kinder in Quarantäne?

Autor: Benita Wintermantel / Redaktion | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 16.08.2021

Worauf Familien achten müssen, wenn das Kind in Quarantäne ist.
Foto: Shutterstock / Da Antipina

Die Corona-Auflagen für Reiserückkehrer wurden verschärft. Derzeit fragen sich viele Eltern, ob ihr Kind nach dem Urlaub in Quarantäne muss. ÖKO-TEST verrät Ihnen, wann Kinder in Quarantäne müssen und was Sie bei einer Quarantäne Ihres Kindes beachten sollten.

Sommerurlaub: Müssen Kinder nach dem Urlaub im Ausland in Quarantäne?

Die neue Quarantänepflicht besagt: Wer aus einem Risiko-, Hochinziden- oder Virusvariantengebiet nach Deutschland zurückkehr, muss in Quarantäne. Ausnahmen gelten nur für:

  • vollständig Geimpfte
  • Genesene

Das heißt: Auch Kinder müssen nach der Rückkehr aus dem Sommerurlaub in Quarantäne – unabhängig davon, wie alt sie sind. Für sie gibt es keine Ausnahme. Es kann also durchaus passieren, dass die (geimpften) Eltern nicht in Quarantäne müssen, sondern nur ihre Kinder. Für Kinder unter zwölf Jahren endet die Quarantäne generell nach dem fünften Tag.

Aktuelle Quarantäne-Regelungen:

  • Rückkehrer aus einem Hochinzidengebiet (z.B. Spanien, Südafrika, Türkei, USA, Zypern sowie Teile Frankreichs und Portugals) müssen für 10 Tage in Quarantäne, sie können sich aber ab dem 5. Tag freitesten.
  • Rückkehrer aus einem Virusvariantengebiet (Brasilien / Uruguay) müssen 14 Tage in Quarantäne – auch wenn sie geimpft oder genesen sind.

Welche Länder aktuelle welche Einstufung haben, erfahren Sie beim Robert Koch-Institut (RKI).

Kind in Quarantäne: Was Eltern über eine Corona-Isolierung wissen müssen

Zudem werden unzählige Kinder und Jugendliche in häusliche Quarantäne geschickt, weil sie engen Kontakt mit einer mit Covid 19 infizierten Person hatten und damit als Kontaktperson der Kategorie 1 gelten. Wir haben Dr. Katrin Steul, Ärztin im Gesundheitsamt Frankfurt, gefragt, wie das Gesundheitsamt in diesen Fällen vorgeht.

Quarantäne-Verfügung des Gesundheitsamts

"Wenn Kinder als Kontaktperson der Kategorie 1 identifiziert wurden, weil sie im engen Kontakt zu einer mit Covid 19-infizierten Person standen und deshalb ein höheres Infektionsrisiko hatten, rufen wir im Regelfall erst einmal die Eltern an," erklärt Dr. Katrin Steul den regulären Vorgang. "In dem Gespräch versuchen wir gemeinsam mit den Eltern zu klären, wie die Quarantänebedingungen sinnvoll umsetzbar sind. Anschließend versenden wir ein rechtliches Schreiben mit der Quarantäne-Verfügung, die beim Arbeitgeber oder Schulleitung vorlegbar ist."

Wie sollten Eltern vorgehen, wenn der Brief des Gesundheitsamts vor dem Telefonat eintrifft? "Dann heißt es Ruhe bewahren und das Gesundheitsamt anrufen," empfiehlt Dr. Katrin Steul und fährt fort: "In der Quarantäne bietet es sich häufig an, dass ein Elternkind das Kind betreut, um das Risiko zu minimieren, dass sich weitere Familienmitglieder bei eventueller Infektion anstecken. Nach fünf bis sieben Tagen kann das betroffene Kind getestet werden. Ist der Test negativ, hebt das zwar nicht die Quarantäne auf, aber die Bedingungen in der Quarantäne, das heißt im Haushalt können gelockert werden. Und der versorgende Elternteil erhält keine Quarantäne-Verfügung als Kontaktperson."

Wenn ein Kind in Quarantäne ist, ist die Einhaltung der Hygieneregeln äußerst wichtig.
Wenn ein Kind in Quarantäne ist, ist die Einhaltung der Hygieneregeln äußerst wichtig. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / soumen82hazra)

Allgemeine Tipps für das Verhalten in Quarantäne

Wenn Sie oder ein Familienmitglied Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten, lässt sich das Risiko einer Ansteckung innerhalb der Familie minimieren:

  • Halten Sie sich möglichst in getrennten Räumen auf und meiden Sie Körperkontakt so weit wie möglich. 
  • Waschen Sie regelmäßig die Hände.
  • Halten Sie sich an die Husten- und Niesetikette.
  • Lüften Sie regelmäßig.
  • Verwenden Sie möglichst wenig Alltagsgegenstände gemeinsam.
  • Verwenden Sie eigene Handtücher.
  • Waschen Sie Wäsche und Bettwäsche regelmäßig. 
  • Desinfizieren Sie Türklinken, Lichtschalter, Klospülung und Ablageflächen regelmäßig.
  • Bitten Sie Nachbarn oder Freunde, für Sie einzukaufen oder mit dem Hund Gassi zu gehen. Wenn das nicht möglich ist, wenden Sie sich an die Nachbarschaftshilfe oder kirchliche Organisationen. 

Hinweis: Der Ratschlag, sich möglichst wenig im selben Zimmer aufzuhalten und Körperkontakt zu meiden, gilt natürlich nicht für Babys und Kleinkinder! 

Bei Symptomen einer Atemwegsinfektion (Husten, Schnupfen, Fieber, Atemnot) sollten Sie nicht zum Arzt gehen, sondern Ihren Hausarzt oder den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefon 116 117) telefonisch kontaktieren.

Zum Weiterlesen: Coronavirus: Tipps, wie Sie sich vor der Ansteckung schützen

Was ist während einer Quarantäne verboten?

Sollten Sie oder ein Angehöriger sich in angeordneter Quarantäne befinden, ist Folgendes untersagt:

  • die Wohnung ohne Zustimmung des Gesundheitsamtes zu verlassen,
  • Besuch von Personen zu empfangen, die nicht zum Haushalt gehören,

Wer gegen die Quarantäneregeln verstößt, muss mit einer Geldstrafe rechnen. In schweren Fällen droht sogar eine Freiheitsstrafe.

Kind in Quarantäne – dürfen Eltern zu Hause bleiben?

Wenn das Kind in Quarantäne ist, stellt sich für Eltern die Frage, ob sie für die Zeit der Betreuung weiterhin Lohn bekommen. Ja, hierzu gibt es eine rechtliche Regelung.

"Für erwerbstätige Personen, die wegen der Betreuung ihrer Kinder vorübergehend nicht arbeiten können, gibt es einen Entschädigungsanspruch", so das Bundesgesundheitsministerium.

Eltern, die wegen Kita- oder Schulschließungen oder einer Quarantäneverordnung aufgrund der Corona-Pandemie ihre Kinder betreuen müssen, können dafür im Jahr 2021 Kinderkrankengeld beziehen. Pro Elternteil gibt es 30 Tage für jedes Kind im Jahr 2021, für Alleinerziehende 60.

  • Der Anspruch besteht für gesetzlich Krankenversicherte und kann über die Krankenkassen geltend gemacht werden.
  • Auch Eltern, deren Tätigkeit es ermöglichen würde, von Zuhause zu arbeiten, können die Freistellung und das neue "Corona-Kinderkrankengeld" in Anspruch nehmen.

Die Höhe der Entschädigung beträgt 67 Prozent des Netto-Verdienstausfalls.

Wichtig zu wissen: Die Regelung gilt nur, wenn das zu betreuende Kind jünger als zwölf Jahre ist.

Weitere Infos finden Sie beim Deutschen Gewerkschaftsbund.

So können Sie Ihrem Kind in Quarantäne helfen

Kinder leiden besonders unter der Quarantäne und können oft nicht verstehen, warum sie nicht raus dürfen und auf Treffen mit Freunden verzichten müssen.

  • Versuchen Sie, für Ihr Kind da zu sein und stützen Sie es mit Zuwendung und Geduld.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die aktuelle Situation und beruhigen Sie es, wenn es Angst hat.
  • Sorgen Sie für einen strukturierten Tagesablauf mit festen Schlaf- und Essenszeiten. Das gibt Sicherheit und Halt.
  • Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind ausgewogen ernährt und trotz des Verbots die Wohnung zu verlassen, genug Bewegung hat. Auch indoor sind kleine Ballspiele, Seilspringen und Gymnastik auf einer Turnmatte möglich.
  • Versuchen Sie, die Mediennutzungszeiten bei Ihrem Quarantäne-Kind nicht allzusehr ausufern zu lassen.
  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind regelmäßig Kontakt zu Freunden oder Klassenkameraden übers Telefon oder Internet.
  • Gehen Sie selbst möglichst gelassen und zuversichtlich mit der schwierigen und ungewohnten Situation um.

Tipps gegen Langeweile, wenn das Kind in Quarantäne ist

Hier finden Sie Tipps gegen Langeweile in der Corona-Quarantäne:

Weitere Infos, wie Sie den Familienalltag in Coronazeiten gestalten können, gibt es bei Kindergesundheit.de.

Kind in Quarantäne, Eltern auch?

Wenn quasi der Worstcase eintritt und sowohl das Kind als auch die Eltern in Quarantäne sind, sind Sie bei Erledigungen und Einkäufen auf Hilfe von Nachbarn oder Bekannten angewiesen. Oder Sie lassen sich von einem Online-Supermarkt beliefern. Wir stellen die acht wichtigsten Online-Supermärkte vor und geben Tipps, wie Sie sinnvoll und sicher bestellen.

Solange alle gesund und munter sind, heißt es jetzt: Die Nerven und gute Laune behalten. Spiele spielen, Fotoalben durchblättern, neue Rezepte ausprobieren, ausmisten, lesen – und mal ohne schlechtes Gewissen den Fernseher anschalten sind Dinge, die die Langweile vertreiben.

Sollten Sie gesundheitliche Probleme haben, wenden Sie sich telefonisch an Ihren Hausarzt oder den Ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der 116 117, der rund um die Uhr zu erreichen ist.

Weiterlesen auf oekotest.de: