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Studie: Haarfärbemittel könnte Rolle bei Brustkrebsrisiko spielen

Autor: Brigitte Rohm | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 09.12.2019

Studie: Haarfärbemittel könnte Rolle bei Brustkrebsrisiko spielen
(Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Luis Quintero)

Permanente Haarfärbemittel und chemische Haarglättungsmittel belasten nicht nur das Haar: Eine große Studie aus den USA bringt diese Produkte mit dem Risiko in Verbindung, an Brustkrebs zu erkranken.

Ob Wasserstoffblond oder Schlumpfblau: Wer chemische Haarfärbemittel verwendet, setzt seine Haare einer belastenden Prozedur aus. Die darin enthaltenen Substanzen können zum Teil schwere allergische Reaktionen auslösen, manche stehen sogar im Verdacht, das Erbgut zu verändern und krebserregend zu sein.

Aktuell haben das "National Institute of Environmental Health Sciences" (NIEHS) und die University of North Carolina (USA) eine Studie zu Haarfärbemitteln und dem Brustkrebsrisiko durchgeführt. Sie wurde im "International Journal of Cancer" publiziert. Angesichts der Ergebnisse sollte man allerdings nicht gleich in Panik verfallen, da die Studie auch einige Schwächen aufweist – und keinen direkten Kausalzusammenhang liefert.

Rund 47.000 Frauen untersucht  

Für die Untersuchung stützten sich die Forscher auf Daten von rund 47.000 Frauen. Das Ergebnis: Unter den weißen Teilnehmerinnen, die sich mindestens einmal alle fünf bis acht Wochen die Haare färbten, stieg das Brustkrebsrisiko um acht Prozent – gegenüber jenen, die keine entsprechenden Produkte verwendet hatten.

Schwarze Frauen hatten sogar ein um 45 Prozent erhöhtes Risiko, wenn sie sich in den vergangenen zwölf Monaten die Haare gefärbt hatten. Bei einer Anwendung alle acht Wochen oder öfter stieg das Risiko auf 60 Prozent an.

Auch chemische Haarglätter waren im Fokus

Woher kommen diese auffällig großen Unterschiede zwischen Frauen mit unterschiedlichen Hautfarben? Die Forscher vermuten, dass die Haarfärbemittel, die speziell für schwarze Frauen vermarktet werden, anders zusammengesetzt sind und höhere Konzentrationen an Östrogenen und an Bestandteilen enthalten, die das Hormonsystem stören können.

Bei chemischen Haarglättern, die mindestens einmal in den vergangenen Monaten benutzt wurden, beobachteten die Forscher ein 30 Prozent höheres Brustkrebsrisiko, unabhängig von der Hautfarbe – wobei afroamerikanische Teilnehmerinnen wesentlich häufiger zu Glättern griffen.

Haare färben geschieht oft mit problematischen Färbechemikalien.
Haare färben geschieht oft mit problematischen Färbechemikalien. (Foto: CC0 Public Domain / Pexels - Maria Geller)

Die Teilnehmerinnen hatten schon ein erhöhtes Risiko

Wichtig bei alledem ist: Aus der Studie lässt sich keine individuelle Empfehlung ableiten, sich die Haare zu färben oder es besser sein zu lassen. Das hat verschiedene Gründe. Erst einmal geben die Daten Aufschluss über das relative Risiko – also darüber, wie wahrscheinlich es für eine bestimmte Gruppe im Vergleich zu einer anderen ist, eine Krankheit zu entwickeln. 

Die vorliegende Studie basiert auf der sogenannten "Sister Study", die erforschen soll, wie Umwelteinflüsse und Gene das Brustkrebsrisiko beeinflussen. In der Sister Study wurden mehr als 50.000 Frauen zwischen 35 und 74 Jahren, die in den USA und in Puerto Rico leben, von 2003 bis 2009 begleitet. Sie haben unter anderem Fragebögen ausgefüllt, Telefoninterviews gegeben und regelmäßig ihren Gesundheitszustand dokumentiert.

Die Grundvoraussetzung für die Teilnahme: Die Probandinnen hatten zu Beginn selbst keinen Brustkrebs, aber mindestens eine Schwester mit dieser Diagnose. Durch diesen Faktor bestand bei den Teilnehmerinnen von vornherein ein höheres Risiko als bei der allgemeinen Bevölkerung.

Viele Faktoren können die Entstehung von Krebs bedingen  

"Wir sind vielen Faktoren ausgesetzt, die potenziell zur Entstehung von Brustkrebs beitragen können, und es ist unwahrscheinlich, dass irgendein einzelner Faktor das Risiko für eine Frau bestimmen kann", räumt außerdem Dale Sandler, Co-Autor der Studie, ein.

Hinzu kommt, dass die Wissenschaftler keine genauen Informationen zur Verfügung hatten, welche Haarfärbemittel die Frauen benutzten und wie diese zusammengesetzt waren – obwohl die Studie zumindest nahelegt, dass permanente Haarfärbemittel grundsätzlich kritischer sind als semi-permanente Haarfarben und Tönungen (bei letzteren konnten die Forscher kein erhöhtes Risiko feststellen).

Wissenschaftliche Studien sind widersprüchlich 

Der mögliche Zusammenhang zwischen Haarfärbemitteln oder Glättern und Brustkrebs wurde bereits zuvor in wissenschaftlichen Studien untersucht, mit widersprüchlichen Ergebnissen. Eine Studie von 2017 kam etwa zu dem Schluss, dass manche Produkte das Brustkrebsrisiko erhöhen könnten, während eine epidemiologische Studie von 1992 keinen solchen Effekt nachweisen konnte.

Festhalten lässt sich: Haarfärbemittel könnten eine Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs spielen. Allerdings reichen die bisherigen Forschungsergebnisse nicht aus, um von einem erhöhten Risiko für alle zu sprechen, die sich gern die Haare färben – um das individuelle Risiko abschätzen zu können, sollte man in jedem Fall Rücksprache mit einem Arzt halten.

Verzicht auf Chemiecocktail schadet trotzdem nicht 

Co-Autor Sandler sagt trotz allem, dass die Vermeidung solcher Chemikalien eine zusätzliche Maßnahme sein könnte, das persönliche Brustkrebsrisiko zu senken. Verkehrt ist der Rat, mit Haarfärbemitteln vorsichtig zu sein, ganz sicher nicht: ÖKO-TEST hat immer wieder Haarfarben geprüft, wobei konventionelle Oxidationshaarfarben, Blondierungen und Colorationen stets sehr schlecht abschnitten.

Am ehesten können Sie zu Pflanzenhaarfarben mit einem anerkannten Naturkosmetik-Siegel greifen – statt zum riskanten Chemiecoktail.

Mehr dazu lesen Sie hier:

Ratgeber: Haare färben - aber richtig

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