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Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere: Welche sind wirklich notwendig?

Magazin November 2020: So gesund ist Speiseöl | Autor: Annette Dohrmann | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 04.11.2020

Die meisten Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere sind überflüssig.
Foto: Thanakorn.P/Shutterstock

Es gibt unzählige, oft teure Nahrungsergänzungsmittel speziell für Schwangere. Die meisten Präparate sind überflüssig, wenn sich werdende Mütter gesund ernähren. Zwei Nährstoffe sollten sie allerdings zusätzlich einnehmen.

Dass Schwangere sich am besten vollwertig und abwechslungsreich ernähren und mengenmäßig nicht für zwei essen, wissen die meisten. Unsicher sind aber viele, was die Versorgung mit wesentlichen Nährstoffen angeht, vor allem in Zeiten von Corona.

So viel vorweg: Der zusätzliche Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen lässt sich oft über die Ernährung abdecken. Aber nicht immer. Welche Stoffe jetzt wichtig sind und welche Schwangere zusätzlich einnehmen sollten, zeigt unser Überblick.

Folsäure & Co.: Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere

Folsäure

Folsäure gehört zu den Nährstoffen, die Schwangere zusätzlich als Präparat einnehmen sollten. Denn sie brauchen deutlich mehr von dem Vitamin der B-Gruppe als andere Erwachsene, etwa 500 statt 300 Mikrogramm (μg) am Tag.

Dieser zusätzliche Bedarf wäre jedoch auch dann nicht zu schaffen, wenn eine Schwangere täglich folatreiche Lebensmittel wie grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Tomaten oder Orangen essen würde. Ärzte raten daher, bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels täglich 400 μg Folsäure in Form von Tabletten einzunehmen – zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung.

Folsäure spielt eine wichtige Rolle in Wachstumsprozessen und der Zellteilung. Sie senkt signifikant das Risiko für kindliche Fehlbildungen des Nervensystems und für Neuralrohrdefekte wie dem offenen Rücken. Auch Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten spätestens vier Wochen vor der Empfängnis präventiv täglich 400 μg Folsäure zuführen. Die Präparate gibt es in der Apotheke – sie enthalten häufig auch Jod.

Jod

Auch die ausreichende Zufuhr des Mineralstoffs Jod ist kaum über die Nahrung oder jodiertes Speisesalz abzudecken. Bei Jodmangel kann es zu körperlichen und geistigen Behinderungen des Kindes kommen. Werdende Mütter sollten deshalb nach Rücksprache mit ihrem Arzt täglich 100 bis 150 μg Jodid einnehmen – zusätzlich zu jodreichen Lebensmitteln wie Fisch, Milchprodukten oder Jodsalz.

Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere: Wir geben Tipps, welche Nährstoffe werdende Mütter zusätzlich einnehmen sollten.
Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere: Wir geben Tipps, welche Nährstoffe werdende Mütter zusätzlich einnehmen sollten. (Foto: Mangostar/Shutterstock )

Eisen

Schwangere haben auch einen erhöhten Bedarf an Eisen, weil viel für die Plazenta und das vermehrte Blutvolumen gebraucht wird. Allerdings verlieren sie auch weniger Eisen, da die Monatsblutung ausgesetzt ist. Ohnehin kontrollieren Ärzte die Eisenwerte im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen. Ein spezielles Präparat ist daher nur sinnvoll, wenn dabei ein Eisenmangel festgestellt wird. Die meisten Frauen können den erhöhten Eisenbedarf jedoch über ihre Ernährung abdecken.

Besonders gut nimmt der Körper Eisen aus Fleisch, Wurst und Fisch auf. Doch auch Amaranth, Quinoa, Linsen, Hafer und Hirse sowie Vollkornprodukte enthalten größere Mengen Eisen. Mit etwas Vitamin C, etwa einem Glas Orangensaft oder einem Apfel, nimmt der Körper das Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln besser auf.  

Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere?

Vitamin D

Bislang gibt es keine allgemeine Empfehlung für alle Schwangeren, zusätzlich Vitamin D einzunehmen. Zwar sehen einige Studien einen Zusammenhang zwischen einem Mangel an Vitamin D und bestimmten Schwangerschaftskomplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes oder einer -vergiftung (Präeklampsie). Doch gesicherte Belege dafür gibt es nicht.

Dagegen gibt es Hinweise, dass Kinder später häufiger unter Nahrungsmittelallergien leiden, wenn die Mutter in der Schwangerschaft Vitamin-D-Präparate einnimmt. Die gleichzeitige Einnahme von Vitamin D und Calcium scheint sogar das Risiko für eine Frühgeburt zu erhöhen. Statt eine Extrapille zu schlucken, raten Mediziner Schwangeren daher, sich gesund zu ernähren und regelmäßig im Freien zu bewegen.

Den größten Teil der Vitamin-D-Versorgung übernimmt das Sonnenlicht. Der Rest kommt über Lebensmittel wie Hering, Lachs, Leber, Eigelb oder auch Avocado. Im Zweifel klären Schwangere am besten mit ihrem Frauenarzt, ob es in ihrem Fall ratsam ist, ein Vitamin-D-Präparat einzunehmen.

Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel? Mediziner raten eher dazu, sich gesund zu ernähren und regelmäßig an der frischen Luft zu sein.
Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel? Mediziner raten eher dazu, sich gesund zu ernähren und regelmäßig an der frischen Luft zu sein. (Foto: Zoran Zeremski/Shutterstock)

Omega-3-Fettsäuren

Kein Zweifel, Omega-3-Fettsäuren sind gesund. Aber ihren Bedarf können Schwangere gut über die Ernährung decken. Wer beispielsweise regelmäßig Fisch isst, ist ausreichend mit den gesunden Fettsäuren versorgt. Fischverweigerer, Vegetarier und Veganer sind mit Walnüssen und Leinöl gut bedient. Wer das alles nicht mag, kann natürlich auch zu Kapseln greifen. Dann ist Algenöl ökologisch weniger bedenklich als Krillöl. Denn in einigen Gegenden ist Krill bereits überfischt, weil es so eine große Nachfrage danach gibt.

Nahrungsergänzungsmittel: Schwanger und Veganerin

Prinzipiell ist es möglich, sich in der Schwangerschaft rein pflanzlich zu ernähren. Allerdings müssen schwangere Veganerinnen noch genauer als Vegetarierinnen darauf achten, was sie essen und wie sie ausreichend an alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe kommen – für sich selbst und um keine Mangelerscheinungen beim Ungeborenen zu riskieren.

Sie sollten deshalb mit ihrem Gynäkologen besprechen, welche Nahrungsergänzungsmittel neben Folsäure, Jod und Vitamin B12, das durch eine rein vegane Ernährung nicht ausreichend aufgenommen werden kann, nötig sind.

Auch bei Omega-3-Fettsäuren kann es notwendig sein, Kapseln zu schlucken, denn deren "Ausbeute" aus Walnüssen oder Leinsamen ist begrenzt. Für Veganerinnen empfehlen sich Öle mit Mikroalgenzusatz, um ihren Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu decken. Wichtig ist außerdem die Versorgung mit Kalzium, Eisen und Eiweiß.

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