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Multiresistente Bakterien in Hundefutter: Gefahr für Mensch und Tier

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 13.07.2021

Multiresistente Bakterien in Hundefutter: Gefahr für Mensch und Tier
Foto: Shutterstock / Dmytro Zinkevych

Wenn Hunde mit rohem Fleisch gefüttert werden, kann das für Hund und Mensch gefährlich werden. Zwei aktuelle Studien zeigen, dass die Gefahr multiresistenter Keime beim sogenannten "Barfen" groß ist.

Rohes Hundefutter liegt bei Tierbesitzern zurzeit im Trend. Beim sogenannten Barfen (BARF wird von deutschsprachigen Anhängern als "biologisch artgerechte Rohfütterung" übersetzt) bekommen die Hunde nur naturbelassenes, also rohes Fleisch, Innereien und Knochen sowie Obst und Gemüse zu fressen. Durch Barfen wollen die Hundebesitzer die natürliche Ernährung von Wildhunden und Wölfen imitieren.

Barfen gilt schon seit längerem als Risikofaktor für die Übertragung von antibiotikaresistenten Bakterien. Jetzt bestätigen zwei aktuelle Studien aus Portugal, dass bei der Rohfleischfütterung die Gefahr besteht, dass Vierbeiner die gefährlichen Keime auch an ihre Besitzer weitergeben.

Rohes Hundefutter enthält oft antibiotikaresistente Bakterien

Für die erste Studie aus dem Juni 2021 untersuchte ein Forscherteam der Universität Porto 55 Proben von 25 gängigen Hundefuttermarken (Nassfutter, Trockenfutter und Rohfleischfutter): In allen 14 Proben von tiefgekühltem Rohfutter fanden die Wissenschaftler antibiotikaresistente Enterokokken

In einer zweiten Studie nahmen sich Forscher am Zentrum für interdisziplinäre Forschung in der Tiergesundheit der Universität Lissabon der Frage an, ob Haustiere Resistenzen gegen das Notfall-Antibiotikum Colistin übertragen können.

Das Ergebnis: Bei knapp acht Prozent der Haustiere und gut drei Prozent der gesunden Menschen wurden Bakterien mit dem gefährlichen mcr-1-Gen gefunden, das resistent gegen das Reserve-Antibiotikum Colistin ist. In zwei Fällen trugen sowohl Hund als auch Besitzer das Gen. Obwohl eine Übertragung in beide Richtungen möglich ist, wird angenommen, dass das Gen in diesem Fall vom Hund auf den Menschen übertragen wurde, erklärte Julia Menezes, Mitautorin der Studie.

Das Reserve-Antibiotikum Colistin wird nur als letzte Wahl zur Behandlung von Intensivpatienten eingesetzt, wenn andere Antibiotika aufgrund von Resistenzen nicht mehr wirksam sind.

Barfen kann zum Gesundheitsrisiko für Tier und Mensch werden.
Barfen kann zum Gesundheitsrisiko für Tier und Mensch werden. (Foto: Shutterstock / Zontica)

WHO warnt vor Antibiotikaresistenzen

Multiresistente Keime werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine der größten globalen Bedrohungen für die Gesundheit bezeichnet. Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich etwa 700.000 Menschen an resistenten Krankheitserregern. Diese Zahl könnte bis 2050 auf 10 Millionen Todesfälle pro Jahr ansteigen, wenn keine Maßnahmen ergriffen würden, warnt die WHO.

Risikofaktoren für die Entstehung multiresistenter Keime sind der hohe Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung und zu häufige Antibiotika-Gaben beim Menschen. Ein weiteres Risiko ist den Studien zufolge die Tierfütterung mit rohem Fleisch.

Übertragung vom Hund auf den Menschen

Denn: Wenn der Vierbeiner sein Herrchen oder Frauchen abschleckt, können die resistenten Bakterien auf den Menschen übertragen werden. Und da sie auch über den Kot ausgeschieden werden, besteht auch hier ein Übertragungsrisiko.

Wichtig zu wissen: Hunde können die Keime in sich tragen, ohne selbst irgendwelche Krankheitssymptome aufzuweisen.

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    Hygiene beim Barfen ist wichtig 

    Tierhalter, die ihren Hund nichtsdestotrotz mit rohem Fleisch füttern möchten, sollten sich des Risikos bewusst sein und strikte Hygiene einhalten. Folgende Hygieneregeln sind beim Barfen wichtig:

    • Rohes Fleisch sollte nicht in Kontakt mit anderen Lebensmitteln kommen.
    • Geschirr, Schneidebretter und Besteck, das Sie für die Zubereitung des rohen Futters verwenden, sollten Sie gründlich und mit heißem Wasser säubern. Das gilt auch für die Arbeitsplatte in der Küche, den Hundenapf und den Platz, an dem der Hund gefressen hat.
    • Waschen Sie sich nach dem Umgang mit rohem Fleisch die Hände.
    • Kaufen Sie auch für Ihren Hund qualitativ hochwertiges Fleisch – und keine Produkte aus der Massentierhaltung.
    • Füttern Sie Ihren Hund niemals mit rohem Schweinefleisch (gilt auch für Wildschweinefleisch): Es kann das Aujeszky-Virus enthalten, das bei Hunden eine tödliche Erkrankung des Nervensystems (Pseudo-Tollwut) auslösen kann. Außerdem kann rohes Schweinefleisch auch andere gefährliche Bakterien enthalten.
    • Achten Sie darauf, dass Ihr Hund das Fleisch direkt verzehrt und nicht irgendwo bunkert. Das Fleisch sollte nicht zu lange offen stehen.
    • Beim Kochen werden die Bakterien abgetötet. Einfrieren stoppt zwar das Wachstum der Bakterien, tötet sie jedoch nicht ab.
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