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Medikamente bei Hitze: Was Sie beachten sollten

Autor: Brigitte Rohm | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 25.07.2019

Medikamente bei Hitze: Was Sie beachten sollten
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Alexas_Fotos; Anestiev)

Kreislaufprobleme, Dehydration, Kopfschmerzen: Die Hitze setzt unserer Gesundheit zu. Was viele nicht wissen: Sie beeinträchtigt auch Medikamente – und kann zu verstärkten Nebenwirkungen führen.

Die aktuelle Hitzewelle birgt viele Risiken für die Gesundheit: Von Flüssigkeitsmangel und Kreislaufproblemen bis zur Hitzeerschöpfung mit Schwindel und Kopfschmerzen. Besonders leiden Senioren, Kleinkinder und Betroffene verschiedener Krankheiten unter den hohen Temperaturen.

Nach Daten des Robert-Koch-Instituts zur Hitzewelle 2018 erhöht sich die Zahl der Sterbefälle hitzebedingt um durchschnittlich acht bis zwölf Prozent. Auch die Erkrankungen häufen sich. Während Ratschläge zum richtigen Umgang mit der Hitze recht verbreitet sind, wird eine Gefahr dabei oft unterschätzt: An Medikamenten geht der heiße Sommer ebenfalls nicht spurlos vorbei. 

Medikamente kühl, aber nicht zu kalt lagern

Arzneimittel reagieren unterschiedlich auf hohe Temperaturen – und Hitzeschäden sieht man ihnen meist nicht an. Besonders empfindlich sind Medikamente mit flüssiger oder weicher Konsistenz wie Zäpfchen, Salben, Säfte, Cremes, aber auch Wirkstoffpflaster und Sprays. Widerstandsfähiger sind Tabletten und Dragees – aber auch sie sollten nicht dauerhaft über 25 Grad gelagert werden.

Die Techniker Krankenkasse empfiehlt daher, Arzneimittel grundsätzlich kühl, aber auch nicht zu kalt aufzubewahren – denn sowohl heiße als auch frostige Temperaturen können die Wirksamkeit verändern. Häufig muss die Medikamenten-Dosis den heißen Sommermonaten angepasst werden. Schauen Sie deswegen im Zweifelsfall lieber genau in den Beipackzettel und suchen Sie ärztlichen Rat!

Nebenwirkungen bei Hitze: Warnung an Mediziner

Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) hat für Ärzte ein Dokument mit Hintergrundinformationen veröffentlicht. Sie warnt Mediziner vor Nebenwirkungen, die bei einer Hitzewelle besondere Probleme bereiten können. Und sie listet Medikamente, die bei Hitze besonders gefährdet sind und aus diesem Grund "hinsichtlich einer Dosisanpassung sorgfältig beobachtet werden sollten."

Zu den speziell bei Hitze kritischen Nebenwirkungen zählen:

  • Erhöhte Körpertemperatur: zum Beispiel durch Neuroleptika, Anticholinergika und Antidepressiva
  • Verringertes Schwitzen (was zur Erhöhung der Körpertemperatur führt): Zum Beispiel durch Medikamente mit Anti-Muscarin-Effekten wie Alimenazin, Chlorpromazin, Amitriptylin, Hyoscin (Scopolamin), Oxybutynin, Procyclidin), Topiramat
  • Verringertes Durstgefühl: zum Beispiel durch ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten (Sartane), Neuroleptika, Carbamazepin, Parkinsonmittel
  • Verringerte Herzleistung: zum Beispiel durch Betablocker
  • Dehydratation oder Elektrolytstörung: durch Abführmittel, Diuretika und ACE-Hemmer/Angiotensin II-Rezeptor-Antagonisten (Sartane)
  • Sedierung (reduzierte Wahrnehmung einer Hitzeerschöpfung): zum Beispiel durch Benzodiazepine und “Z-Arzneimittel”, sedierende Anti-Histaminika, Anti-Muscarin-Substanzen, Antiepileptika, Antidepressiva
  • Hemmung der zentralen Thermoregulation: zum Beispiel durch Neuroleptika und SSRI
  • Hitzegefühl als Nebenwirkung: zum Beispiel durch Goserelin, Bicalutamid, Cyproteron, Anastrozol, Tamoxifen, Atomoxetin, Dipyridamol, Duloxetin, Methadon, PEG-Interferon, Sertralin, Topiramat, Triptane, Venlafaxin
  • Erniedrigter Blutdruck: zum Beispiel Alkohol, Antihypertensiva, Vasodilatatoren (Nitrate,Calcium-Antagonisten) und tricyclische Antidepressiva

Hinzu kommt, dass die Hitze bei manchen Medikamenten zu Überdosierungen führt, indem sich entweder durch Dehydratation die Arznei-Konzentration im Körper erhöht (etwa bei Lithium) oder verstärkt Wirkstoffe freigesetzt werden (zum Beispiel bei Fentanyl-Pflastern).

Was Patienten bei Hitze beachten sollten 

Ein Allgemeinmediziner sagt der Berliner Zeitung zu diesem Thema, die wichtigste Voraussetzung, um Patienten vor größeren Schäden zu bewahren, sei eine ausführliche Aufklärung durch Ärzte und Pflegepersonal. Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muss, solle die Dosis bei großer Hitze anpassen – jedoch niemals im Alleingang, sondern in Absprache mit dem Arzt und im Rahmen einer "engmaschige Kontrolle der sogenannten Vitalparameter wie Blutdruck, Puls oder Blutzucker."

Darüber hinaus können Betroffene verstärkt auf mögliche Symptome achten und gefährlichen Situationen vorbeugen, indem sie zum Beispiel regelmäßig selbst ihren Blutdruck messen. 

Achten Sie auch auf Ihre Mitmenschen

Und es gelten die bewährten Tipps gegen Hitze: Genügend trinken und Salz zu sich nehmen (wobei "viel trinken" für Menschen mit Nieren- und Herzleiden mit Einschränkungen gilt), körperliche Anstrengungen in den heißesten Stunden meiden, kühle Räume aufsuchen und leichte, frische Kost verzehren – gut geeignet sind scharfe und würzige Speisen, Suppen und Salate mit wasserreichem Obst und Gemüse.  

Noch ein wichtiger Hinweis aus dem Dokument der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit: "Achten Sie auch auf Familienmitglieder, Freunde und ältere Nachbarn, die einen Großteil ihrer Zeit alleine verbringen. An heißen Tagen benötigen schutzbedürftige Personen möglicherweise Unterstützung. Wenn jemand, den Sie kennen, gefährdet ist, helfen Sie ihm, Rat und Unterstützung zu erhalten."

Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu Gesundheitsthemen.

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