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Haarausfall: Welche Arten es gibt und was Sie gegen Haarverlust tun können

Autor: Redaktion | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 09.06.2016

Haarausfall trifft nicht nur Männer, auch Frauen leiden unter Haarverlust.
Foto: Shutterstock / Yashkin Ilya

Dass uns jeden Tag etwa hundert Haare ausfallen, ist normal. Doch wenn sich der Schopf ungewöhnlich schnell lichtet, sollten Sie einen Spezialisten aufsuchen. Das Geld für angebliche Wundermittelchen gegen Haarausfall können Sie sich in der Regel sparen.

  • Haarverlust trifft nicht nur Männer, sondern auch Frauen und kann auch eine Erkrankung als Ursache haben.
  • Bei anhaltendem Haarausfall lohnt sich ein Arztbesuch, bei dem die Ursache für den Haarverlust gesucht wird.
  • Mittel und Shampoos helfen in der Regel nicht gegen Haarausfall – auch Haartransplantation kann eine Möglichkeit sein.

Lichter werdendes Haupthaar – das ist in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem ein Problem von Männern: Geheimratsecken, eine höher werdende Stirn bis hin zur kompletten Platte. Dass sich auch Frauen, vor allem nach den Wechseljahren, mit Haarausfall plagen, ist weniger bekannt. Zwar kommt es selten zum totalen Verlust der Haare, dennoch empfinden es Frauen häufig als Katastrophe, wenn der einst dichte Schopf – sichtbares Symbol für Schönheit und Weiblichkeit – dünner und dünner wird. Nicht immer ist es eine Frage des Alters oder der genetischen Veranlagung, bisweilen stecken hinter dem Haarverlust auch Erkrankungen.

Haarausfall – ab wann muss ich mir Sorgen machen?

Wenn die Haare ausfallen, ist das indes nicht immer gleich ein Grund zur Sorge. Denn auf dem Kopf herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Jedes Haar durchläuft einen bestimmten Zyklus: In der aktiven Phase, die zwischen zwei und sechs Jahren dauert, wächst das Haar. Es folgt eine kurze Übergangsphase von etwa zwei Wochen, bevor das Haar dann nach einer Ruhephase von zwei bis vier Monaten ausfällt, weil es von einem neuen nachwachsenden Haar ausgestoßen wird. Da aber nie alle 80.000 bis 100.000 Haare gleichzeitig in die Ruhephase übergehen, bleiben wir von übermäßigem Haarausfall in der Regel verschont.

Durchschnittlich bleiben 100 Haare am Tag in Kamm oder Bürste hängen – diese Größenordnung liegt im normalen Bereich. Manche Menschen stellen fest, dass ihnen im Frühjahr und Herbst verstärkt die Haare ausgehen. Aber das ist nur ein vorübergehendes Phänomen, die Haare wachsen nach.

Auch, dass junge Mütter zwei bis drei Monate nach der Entbindung viele Haare verlieren, ist ganz natürlich. Während der Schwangerschaft sorgt ein hoher Östrogenspiegel dafür, dass kaum Haare ausfallen. Wenn der Hormonpegel wieder sinkt, gehen die Haare stärker aus, aber auch das pendelt sich wieder ein. Ähnliche Effekte können in den Wechseljahren oder beim Absetzen der Pille auftreten. Meist endet ein solcher Haarausfall, wenn sich der Hormonhaushalt wieder stabilisiert hat.

Dass nach dem Bürsten Haare in Bürste zurückbleiben, ist normal und kein Grund zur Sorge.
Dass nach dem Bürsten Haare in Bürste zurückbleiben, ist normal und kein Grund zur Sorge. (Foto: Shutterstock / gpointstudio)

Anhaltender, starker Haarausfall – ein Fall für die Spezialisten

Wer allerdings über einen Zeitraum von mehreren Wochen ungewöhnlich viele Haare verliert, sollte professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Aus Scham – oder weil sie glauben, der Arzt würde ihr Problem nicht ernst nehmen – suchen viele Betroffene erst mal auf eigene Faust eine Lösung, erklärte Expertin und Buchautorin zum Thema Haarausfall Jenny Latz 2016 gegenüber ÖKO-TEST.

Schließlich werben im Internet und in Zeitschriften allerlei Anbieter mit "Wundermitteln", die das Haar angeblich wieder sprießen lassen. "Für Betroffene, die verzweifelt nach Hilfe suchen, sind es oft gerade die unseriösen Geschäftemacher, denen sie geneigt sind, Glauben zu schenken. Hier wird mit den miesesten psychologischen Tricks gearbeitet", sagt Latz und rät: Das Geld für zweifelhafte Tinkturen kann man sich sparen. Besser gleich zum Dermatologen gehen oder eine spezielle "Haarsprechstunde" aufsuchen, die einige Kliniken und Hautarztpraxen anbieten. Denn nur wenn man die Wurzel des Problems kennt, kann man dagegen angehen – und zwar mit den richtigen Mitteln.

Haarausfall: Diese Arten gibt es und das steckt dahinter

Erblich bedingter Haarausfall (Alopecia androgenetica)

Diese Form des Haarausfalls wird am häufigsten diagnostiziert. Typisch dafür sind bei Männern die Geheimratsecken, später lichtet sich das Haar am Hinterkopf. Bei Frauen setzt der Haarausfall meist erst nach den Wechseljahren ein und führt zu lichtem Haar rund um den Mittelscheitel, ohne dass sich vollständig kahle Stellen bilden. Dabei reagieren die Haarfollikel, in denen die Haarwurzeln sitzen, empfindlich auf das Hormon Dehydrotestosteron (DHT). Dieses Stoffwechselprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron lässt die Haarwurzeln allmählich verkümmern.

Diffuser Haarausfall

Dabei wird das Haar über den ganzen Kopf verteilt weniger, ohne dass es zu komplettem Haarverlust kommt. Diffuser Haarausfall kann in jedem Alter auftreten, Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Als mögliche Auslöser kommen fieberhafte Infektionen, Stress sowie körperlich oder psychisch stark belastende Ereignisse infrage. Auch Nährstoffmangel, zum Beispiel durch eine extreme Diät, Eisenmangel, Störungen der Schilddrüsenfunktion oder die Einnahme bestimmter Medikamente (etwa Antibabypillen, Antibiotika oder Antidepressiva) können mögliche Ursachen sein. Auch äußere Einflüsse können eine Rolle spielen, etwa wenn Frauen ihre Haare stets zu fest zusammenbinden.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

Dabei fällt das Haar in wenigen, begrenzten Flecken aus. Das kann Männer als auch Frauen jeden Alters betreffen, tritt erstmals aber häufig bei jungen Menschen auf. Meist bilden sich die kahlen Stellen spontan wieder zurück; manchmal kommt es allerdings zum kompletten Haarverlust. Ausgelöst wird kreisrunder Haarausfall wahrscheinlich durch einen Defekt im Immunsystem, bei dem der Körper die eigenen Haarwurzeln bekämpft. Etwa ein Drittel der Betroffenen, so Jenny Latz, klagt über weitere Autoimmunerkrankungen. Das Auftreten des kreisrunden Haarausfalls wird aber auch in Verbindung mit psychisch belastenden Erlebnissen gebracht.

Bei kreisrundem Haarausfall fällt das Haar stellenweise aus.
Bei kreisrundem Haarausfall fällt das Haar stellenweise aus. (Foto: Shutterstock / Kolabava Nadzeya)

Vernarbender Haarausfall

Dahinter verbirgt sich eine Gruppe von Erkrankungen mit unterschiedlichen Auslösern, etwa Pilzen, Bakterien, Viren oder Autoimmunreaktionen. Lange Zeit eher selten, beobachten Experten seit einigen Jahren einen starken Anstieg der Fälle von vernarbendem Haarausfall. Die Gründe dafür sind noch unerforscht. Bei diesen Formen des Haarausfalls entzünden sich die Haarfollikel und in der Folge kommt es zur Zerstörung der Haut sowie der Haarfollikel der unteren Hautschichten. Die ausfallenden Haare werden nicht mehr neu gebildet. Daher besteht bei Verdacht akuter Handlungsbedarf.

Haarausfall nach Chemotherapie

Der Haarausfall setzt meist wenige Wochen nach Beginn der Chemotherapie ein. Der Patient verliert dann innerhalb von Tagen seine Haare, bisweilen auch Wimpern, Augenbrauen oder die Körperbehaarung. Der Verlust ist jedoch vorübergehend. In der Regel beginnen die Haare etwa vier Wochen nach Therapieende wieder zu wachsen. Allerdings kann es zu Veränderungen der Haarfarbe und -struktur kommen.

Trichotillomanie

Dabei handelt es sich um eine wenig bekannte Zwangsstörung, bei der die Betroffenen – etwa zwei bis vier Prozent der Bevölkerung – sich selbst die Haare ausreißen. Ein ausgerissenes Haar kann zwischen 25- und 35-mal nachwachsen, danach kann es sich nicht mehr erneuern oder wächst nur noch als farbloser Flaum nach. Daher ist es wichtig, frühzeitig therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Meist beginnt die Krankheit in der Pubertät, vor allem Mädchen sind betroffen.

Wie wird die Ursache für den Haarausfall diagnostiziert?

In vielen Fällen sind die Gene und Hormone für den Haarverlust verantwortlich. Zur Diagnose ist ein Bluttest erforderlich, meist fertigt der Arzt auch ein Trichogramm an. Dafür zupft er zwei Haarbüschel mit jeweils mindestens 50 Haaren aus, eines aus einem sich lichtenden Kopfhautbereich, das andere zur Kontrolle aus der noch vollen Haarpracht.

Unter dem Mikroskop lässt sich am Zustand der Haarwurzeln erkennen, ob ein erblich bedingter Haarverlust vorliegt. Zeigt der Bluttest, dass der Haarverlust vermutlich hormonelle Ursachen hat, sollten Patientinnen einen auf Hormonprobleme spezialisierten Arzt in die Behandlung einbeziehen.

Was hilft gegen Haarausfall?

Ob es dann tatsächlich ein wirksames Mittel gegen den Haarausfall gibt, hängt von der Diagnose und vom Einzelfall ab. Präparate, die nachweislich wirken, sind jedenfalls in der Minderzahl. ÖKO-TEST hat zuletzt 2010 30 Mittel gegen Haarausfall getestet. Insgesamt waren sieben der Mittel aus Apotheken und Drogerien empfehlenswert. Die Nutzenbelege aller Nichtarzneimittel reichten hingegen nicht aus, um selbst schwammig formulierte Hinweise zur Anwendung bei Haarausfall zu rechtfertigen. Mehr Details:

Mittel gegen Haarausfall im Test: Mehr als die Hälfte fällt durch

Produkte mit anderen Wirkstoffen, insbesondere Kosmetika, sind eher als Pflege fürs Haar anzusehen. Keiner der darin enthaltenen vermeintlichen Wunderstoffe konnte seine Wirksamkeit in wissenschaftlich hochwertigen Studien unter Beweis stellen, sei es Koffein, Kupfer, Traubensilberkerzenextrakt oder Zink.

ÖKO-TEST hat 20 Shampoo gegen Haarausfall ins Labor geschickt – und knapp die Hälfte der getesteten Shampoos offenbarte bedenkliche Belastungen. Die Hersteller legten zudem kaum Produktstudien vor. Was wir zu lesen bekamen, reicht nicht aus, um selbst schwammig formulierte Hinweise zur Anwendung bei Haarausfall zu rechtfertigen. Zu den getesteten Produkten und mehr Details:

Shampoo gegen Haarausfall im Test: Wie gut sind Alpecin, Plantur 21 & Co.?

Sparen kann man sich auch alle Mittel gegen Übersäuerung der Kopfhaut, denn das ist "wissenschaftlich kompletter Unsinn", so das Urteil von Professor Hans Wolff, Spezialist für Haarausfallerkrankungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Gegen anlagebedingten Haarausfall helfen darüber hinaus weder eine bestimmte Ernährung noch Nahrungsergänzungsmittel. Ebenso wenig hat die Häufigkeit der Haarwäsche und der Einsatz von Stylingprodukten Einfluss darauf, wie schnell die Haare ausgehen.

Hilft eine Haartransplantation bei Haarausfall?

In manchen Fällen kann eine Haartransplantation helfen, kahle Stellen zu bedecken. Infrage kommt die Methode hauptsächlich bei anlagebedingtem und vernarbendem Haarausfall, nicht jedoch bei diffusem und kreisrunden Haarausfall. Bei einer Transplantation werden eigene Haare – meist vom Hinterkopf – auf andere Flächen verpflanzt. So kann man etwa Geheimratsecken abdecken. Am besten funktioniert diese Umverteilung, wenn nur kleine Flächen zu bedecken sind und das Spenderhaar dick und gesund ist.

Die Transplantation fremder Haare ist jedoch nicht möglich, da diese vom Immunsystem sofort als fremd erkannt und abgestoßen würden. Spezialisten raten auch von Kunsthaartransplantationen ab. Denn es kann dabei zu Infektionen und Abstoßungsreaktionen kommen, außerdem bricht das falsche Haar relativ schnell ab.

In vielen Fällen bleibt in der Tat nur, aus der Not eine Tugend und mit dem Rasierer kurzen Prozess zu machen – Promis wie Vin Diesel oder Bruce Willis tragen schon länger "oben ohne". Frauen mit Haarverlust können schicke Hüte, Mützen, Schals oder Tücher als ebenso modische wie praktische Accessoires nutzen. Viel Kraft und Selbstbewusstsein erfordert es indes, Jenny Latz und ihren Worten zu folgen: "Wahre Schönheit strahlt von innen" – und den haarlosen Kopf einfach zu zeigen. Die Krefelderin will vor allem anderen betroffenen Frauen Mut machen, sich nicht von gängigen Schönheitsidealen unter Druck setzen zu lassen und stattdessen der eigenen individuellen Schönheit zu vertrauen.

Haarausfall – welche Stoffe wirken und welche nicht?

Finasterid

Der Wirkstoff eignet sich zur Behandlung des anlagebedingten Haarausfalls bei Männern. Finasterid senkt den Spiegel des Hormons DHT (Dihydrotestosteron), das die Haarfollikel schrumpfen lässt, bis sie am Ende absterben. Das führte in Studien sogar zu einer Zunahme der Haardichte. Bei Geheimratsecken und Haarausfall im Endstadium ist aber auch Finasterid machtlos. Das Präparat muss dauerhaft eingenommen werden: Wird es abgesetzt, gehen die Haare wieder verloren. Bei Frauen ist Finasterid nicht nur wirkungslos, sondern im gebärfähigen Alter auch tabu.

Minoxidil

Gut belegt ist auch die Wirksamkeit von Minoxidil. Wie und warum Minoxidil - eigentlich ein Blutdrucksenker - wirkt, ist bislang ungeklärt, eine verstärkte Zellteilung an der Basis der Haarwurzel scheint eine Rolle zu spielen. Allerdings können in den ersten Wochen der Anwendung verstärkt Haare ausfallen, das gilt aber als Zeichen für ein gutes Ansprechen des Patienten auf die Therapie. Minoxidil muss dauerhaft fortgesetzt werden. Bei bestehender Herzerkrankung ist Vorsicht geboten.

Alfatradiol

Einige Arzneimittel am Markt enthalten den Wirkstoff Alfatradiol (17-alpha-Estradiol), der in einer Studie den Anteil der Haare in der Wachstumsphase erhöhte, den Anteil der Haare in der Ruhephase hingegen senkte. Insgesamt sind die Wirksamkeitsbelege wenig überzeugend.

Aminexil

Auch für Aminexil liegen keine überzeugenden Wirksamkeitsnachweise vor.

DCP-Immuntherapie

Als effektivste Behandlung für schwere Formen des kreisrunden Haarausfalls gilt die topische Immuntherapie mit Diphenylcyclopropenon (DCP). Sie ermöglicht in 30 bis 40 Prozent der Fälle ein akzeptables Wiederwachstum der Haare. Allerdings dauert es mindestens vier Monate bis zu ersten positiven Effekten. Und: Die Haare können wieder ausfallen. Für Schwangere und Stillende ist die Behandlung tabu, auch bei bestimmten Hautkrankheiten.

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