Einlagen bei Blasenschwäche: Bekannte Marke Always nur "ausreichend"

Autor: Hannah Pompalla/Christine Throl | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 12.01.2024

Die Inkontinenz-Einlagen von Always haben im Test am schlechtesten abgeschnitten.
Foto: ÖKO-TEST

Die Always Discreet Inkontinenz-Einlagen "bieten starken Schutz, den Sie kaum spüren" – so steht es auf der Herstellerwebseite im Internet. Doch in unserem Test schneiden die Always-Einlagen der Kategorie "Normal" am schlechtesten ab, sie bekommen nur die Note "ausreichend". Was sind die Gründe dafür?

Wir haben 19 Inkontinenz-Einlagen für Frauen und Männer getestet. Das Ergebnis ist erfreulich: Viele Produkte sind empfehlenswert, fünf sogar mit Bestnote. Das gilt jedoch nicht für die Einlagen Always Discreet Normal: Sie erhalten – als einzige Inkontinenz-Einlagen im Test – nur die Gesamtnote "ausreichend".

Warum hat die bekannte Marke nicht besser abgeschnitten? Die Kritikpunkte in Kürze: eine geringe Saugleistung, umstrittene Inhaltsstoffe, Deklarationsmängel und ein fehlender Nachweis für recyceltes Plastik.

Inkontinenz-Einlagen von Always im Praxistest

Beginnen wir mit der Saugleistung des getesteten Always-Produktes. Um diese nach einem standartisiertem Prüfverfahren zu bewerten, hat das von uns beauftragte Speziallabor drei Flüssigkeitsschwälle von je 30 Millilitern auf die Einlagen gegeben. Dabei wurde gemessen, wie schnell die Einlagen die Flüssigkeit aufnehmen und ob sie diese auch noch unter Druck in ihrem Inneren festhalten konnten ("Rücknässung").

Warum gerade je ein Schwall von 30 Millilitern? 90 Milliliter entsprechen laut Deutscher Gesellschaft für Pflegehilfsmittelversorgung der maximalen Urinmenge, die Personen an der Obergrenze einer leichten Harninkontinenz innerhalb von vier Stunden verlieren. Eine Inkontinenz-Einlage sollte also in diesem Zeitraum eine Urinmenge von 90 Millilitern binden und von der Haut fernhalten können. 

Die Harninkontinenz ist weit verbreitet. Daher ist es kaum verwunderlich, dass es im Handel eine große Auswahl an Inkontinenz-Einlagen gibt.
Die Harninkontinenz ist weit verbreitet. Daher ist es kaum verwunderlich, dass es im Handel eine große Auswahl an Inkontinenz-Einlagen gibt. (Foto: bigshot01/Shutterstock)

Always-Einlagen mit schwacher Saugleistung

Doch in diesem Praxistest schwächeln die getesteten Inkontinenz-Einlagen von Always: Nach dem dritten, also letzten Flüssigkeitsschwall war die Rücknässung "stark". Das dürfte für einen nicht gerade angenehmen Tragekomfort sorgen.

Auch bei der Aufsauggeschwindigkeit gibt es Optimierungsbedarf. Denn beim ersten Schwall war sie noch "gut", beim dritten aber "mangelhaft". Pro Sekunde nahmen die Einlagen weniger als 0,1 Milliliter auf. Zum Vergleich: "Sehr gut" wäre eine Aufnahmegeschwindigkeit von mehr als 0,38 Milliliter pro Sekunde beim dritten Schwall. Das Teilergebnis Praxisprüfung Labor lautet somit "ausreichend".

Nur ein Produkt in unserem Test wurde in Sachen Saugleistung noch schlechter bewertet. Die betroffenen Einlagen konnten bereits beim zweiten Schwall nichts mehr aufnehmen. Die Rücknässung war somit schon "stark", bevor der dritte Flüssigkeitsschwall erfolgte.

Wichtige Info fehlt auf Always-Einlagen im Test

Für die schwache Saugleistung des Always-Produktes gibt es eine Erklärung: Es handelt sich mit nur acht Gramm um die mit Abstand leichtesten Einlagen im Test. Konfrontiert mit den Laborergebnissen, schreibt uns Anbieter Procter & Gamble, dass das Produkt für eine leichte Blasenschwäche entwickelt worden sei und für eine geringere Flüssigkeitsaufnahme als 90 Milliliter.

Auf der Verpackung ist davon aber nichts zu lesen. Als Kategorie ist "Normal" angegeben, und es sind drei von acht möglichen Tropfen abgebildet. Diese Kennzeichnung steht allerdings auch auf anderen Inkontinenz-Einlagen im Test, die in der Praxisprüfung im Labor besser abschneiden.

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Besonders ärgerlich: Auf der Verpackung steht – im Gegensatz zu allen anderen Produkten im Test – kein konkreter Hinweis, ob sich die Einlagen an Menschen mit leichter oder mittlerer Blasenschwäche richten. Wir finden diese Angabe aber wichtig. Schließlich werden die Verbraucherinnen und Verbraucher nur durch die Tröpfchen nicht einheitlich informiert. Das System ist nämlich nicht harmonisiert.

Wie gut lassen sich die Always-Einlagen tragen?

Besser haben sich die Inkontinenz-Einlagen von Always im Anwendungstest geschlagen. Für diesen Teil unseres Praxistests haben wir je 30 Personen mit leichter oder mittlerer Blasenschwäche die Produkte über drei Tage hinweg testen lassen.

Das Einlegen und Entfernen des Always-Produktes, das für Frauen konzipiert ist, bewerteten die Trägerinnen mit "gut", ebenso wie die Passform und den Tragekonform. "Gut" fällt somit auch das Teilergebnis Praxisprüfung Verbraucher für die Always-Einlagen aus.

Möglicherweise allergieauslösende Stoffe entdeckt

Kommen wir zu den Inhaltsstoffen. In den untersuchten Inkontinenz-Einlagen von Always stecken, wie in den meisten Produkten im Test, halogenorganische Verbindungen. Diese Stoffgruppe umfasst mehrere Tausend Stoffe. Das Problem: Viele von ihnen können Allergien auslösen, fast alle reichern sich in der Umwelt an. Wir werten sie daher ab.

Stellt sich die Frage, wie sie überhaupt in die Einlagen gelangt sein können? Es kann sich um Reste aus der Chlorbleiche des Zellstoffs handeln. Auch Superabsorber könnten als Eintragsquelle in Frage kommen. Wir sind der Ansicht: Verbraucherprodukte sollten so wenig halogenorganische Verbindungen wie möglich enthalten.

Kein Nachweis für recyceltes Plastik

Hygieneprodukte wie Inkontinenz-Einlagen sorgen für jede Menge Plastikmüll. Da wäre es begrüßenswert, wenn die Anbieter zumindest für einen Teil ihrer Verpackung recyceltes Plastik (Rezyklat) einsetzen würden.

Laut Anbieter Procter & Gamble besteht der Außenbeutel der Always-Einlagen im Test zu 50 Prozent aus Rezyklat – einen Nachweis dafür schickte er uns aber nicht. Dafür ziehen wir eine Note ab. 

Fehlende oder nicht ausreichend belegte Anteile von recyceltem Plastik kritisieren wir im Test von Inkontinenz-Einlagen mehrfach. Nur zwei von 19 Anbietern setzen zumindest 30 Prozent Rezyklat in ihren Kunststoffverpackungen ein. Hier gibt es also noch jede Menge Luft nach oben.

So setzt sich die Gesamtnote zusammen

Das Gesamturteil beruht auf dem Teilergebnis Praxisprüfung. Ein Teilergebnis Inhaltsstoffe, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Teilergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Teilergebnis Inhaltsstoffe um eine Note. 

Da die Always-Einlagen im Test nach dem dritten Flüssigkeitsschwall "stark" rücknässen und ihre Aufnahmegeschwindigkeit beim dritten Schwall "mangelhaft" ist, lautet das Teilergebnis Praxisprüfung Labor "ausreichend". Im Teilergebnis Praxisprüfung Verbraucher schneiden die Einlagen dagegen "gut" ab; somit ist das Teilergebnis Praxisprüfung "befriedigend".  

Zwei Noten ziehen wir für den fehlenden Rezyklatnachweis ab sowie für die fehlende Angabe, für welchen Grad der Blasenschwäche das Produkt geeignet ist. Deswegen lautet das Teilergebnis Weitere Mängel "befriedigend". 

Die enthaltenen halogenorganischen Verbindungen werten wir mit einer Note ab. Das "befriedigende" Teilergebnis Weitere Mängel führt zu einem weiteren Notenabzug im Teilergebnis Inhaltsstoffe – damit ist dieses "befriedigend".

Das "befriedigende" Teilergebnis Inhaltsstoffe führt wiederum dazu, dass sich das Gesamturteil um eine Note verschlechtert, und zwar von "befriedigend" auf "ausreichend". Details zu Bewertung und Prüfmethoden lesen Sie hier auf der Seite zum Test im Abschnitt Testverfahren.

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