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Corona Test: Was Sie über die möglichen Testverfahren wissen müssen

Vorsicht vor Corona Selbsttests für zu Hause

Autor: Redaktion | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 26.06.2020

Corona Test: Was Sie über die möglichen Testverfahren wissen müssen
Foto: CC0 Public Domain / Pexels / Gustavo Fring

Einen sicheren Nachweis über eine akute oder eine schon überstandene, aber unbemerkte Infektion mit dem Coronavirus kann nur ein valider Test erbringen. ÖKO-TEST erklärt, welche Testverfahren für einen Corona Test möglich sind und warum Selbsttests für zu Hause keine gute Wahl sind.

  • Ob Sie von einer Infektion mit dem Coronavirus betroffen sind oder waren, kann nur ein Test zeigen.
  • Bei im Internet erhältlichen Antikörpertests ist aus vielen Gründen Vorsicht geboten. Die Tests können keine akute Infektion anzeigen.
  • Das Robert Koch-Institut rät, alle Patienten mit Atemwegserkrankungen auf SARS-CoV-2 zu testen.

Auf eine akute, aktive oder eine zurückliegende Infektion mit dem Coronavirus wird mit unterschiedlichen Verfahren getestet. Der wichtigste und verlässlichste Corona-Test ist der sogenannte PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion), bei dem ein Abstrich aus der Rachen- oder Nasenschleimhaut im Labor auf Coronaviren getestet wird.

Inzwischen gibt es auch Selbsttests für zu Hause. Die Tests, mit denen schnell geprüft werden kann, ob man eine Corona-Infektion bereits durchgestanden hat, wirken auf den ersten Blick äußerst hilfreich. Die Corona-Selbsttests fahnden nach Antikörpern gegen das Virus und nicht nach dem Virus selbst. Aus diesem und anderen Gründen sind diese Tests für zu Hause keine gute Wahl, warnen Virologen, Mediziner, die Bundesregierung und Verbraucherschützer einvernehmlich.

Corona Test: Übersicht über die Testverfahren

1. PCR-Test im Labor

Der PCR-Test im Labor ist der präziseste Corona-Test, der derzeit möglich ist. Er weist Erbgut des Virus im Körper nach und zeigt an, ob der Patient akut unter einer Erkrankung leidet. Der Test erfolgt über einen Abstrich aus dem Rachenraum und/oder Nasenraum. Laut Robert Koch Institut (RKI) müssen zwei Proben genommen werden - einmal aus den oberen, einmal aus den unteren Atemwegen. Das Testergebnis liegt im Regelfall innerhalb von drei bis fünf Tagen vor.

2. PCR-Schnelltest außerhalb des Labors

Der PCR-Schnelltest außerhalb des Labors ist weniger zuverlässig als der PCR-Labortest. Dieser Schnelltest wird über einen Abstrich im Mund-Rachen-Raum direkt vor Ort durchgeführt. Das Ergebnis liegt bei den PCR-Schnelltests nach zwei bis drei Stunden vor.

    PCR-Tests im Labor sind am verlässlichsten, um auf das Coronavirus zu testen.
    PCR-Tests im Labor sind am verlässlichsten, um auf das Coronavirus zu testen. (Foto: CC0 Public Domain / Pexels / Gustavo Fring )

    3. Antikörper-Test

    Beim Antikörper-Test wird nicht das Virus selbst, sondern Antikörper gegen das Virus nachgewiesen. Der Test gibt lediglich Hinweise auf eine überstandene Erkrankung und ist daher für den Nachweis einer aktuellen Infektion nicht geeignet. Der Test erfolgt über eine Blutuntersuchung und frühestens zwei Wochen nach einer Infektion durchgeführt werden. Das Testergebnis ist nach 15 Minuten ablesbar.

    Corona Test für zu Hause

    Bei den frei verkäuflichen Corona-Tests handelt es sich meist um Antikörper-Tests, durch die keine aktuelle Infektion nachgewiesen werden kann. Da der Körper erst ein bis zwei Wochen nach der Infektion Antikörper bildet, ist der Test erst 14 Tage nach dem Auftreten von Symptomen überhaupt sinnvoll. 

    Antikörper-Tests können derzeit nur über das Internet bezogen werden, Apotheker dürfen die Selbsttests nicht verkaufen.

    Mittlerweile gibt es für rund 200 Euro im Internet auch PCR-Tests für daheim, bei denen ein selbst entnommener Rachenabstrich eingeschickt wird. Experten halten die eigenständige Probenentnahme für riskant. Ein richtig durchgeführter Rachenabstrich sei unangenehm – führe man ihn selbst durch, könne es sein, dass das Stäbchen nicht tief genug in den Rachen eingeführt wird.

    Warnung vor Selbsttests auf Corona-Antikörper

    Viele Mediziner und auch die Bundesregierung warnen vor den Antikörper-Selbsttests:

    Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (ABDA) hat bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass Selbsttests auf Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus leicht zu Fehlinterpretationen führen könnten. So kann bei einem Antikörpertest, der negativ ausfällt, nicht davon ausgegangen werden, dass der Patient nicht infektiös ist. Martin Schulz, ABDA-Vorsitzender: "Eine Gefahr ist, dass sich Patienten bei einem negativen Testergebnis in falscher Sicherheit wiegen und die Hygienemaßnahmen wie zum Beispiel häufiges Händewaschen oder das Abstandhalten vernachlässigen. Das wäre fatal." Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und das Bundesgesundheitsministerium warnen vor den Antikörper-Tests. 

    Das Paul Ehrlich-Institut warnt zudem bei Antikörper-Schnelltests vor gefälschten Zertifikaten. Bislang gäbe es keine allgemein anerkannten, definierten Qualitätsstandards.

    PCR-Tests weisen das Virus selbst nach, Antikörper-Tests testen auf Antikörper gegen das Virus.
    PCR-Tests weisen das Virus selbst nach, Antikörper-Tests testen auf Antikörper gegen das Virus. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / TheDigitalArtist)

    Antikörper-Test zeigt Antikörper für Corona-Erkältungsviren an

    Ein weiteres Problem, auf das Christian Drosten von der Berliner Charité in seinem Podcast aufgemerksam macht: Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Tests nicht nur auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 reagieren, sondern auch auf andere Erreger aus der Familie der Coronaviren.

    Diese meist harmlosen Erkältungs-Coronaviren sind für fünf bis fünfzehn Prozent der Erkältungserkrankungen verantwortlich. Es kann also passieren, dass ein Antikörper-Test nur Antikörper für Erkältungs-Coronaviren nachweist, nicht aber für SARS-CoV-2.

    "Man muss vorsichtig sein mit der Interpretation eines solchen Tests. Gerade die falschen positiven Tests sind gefährlich. Das heißt, wenn der Test mir anzeigt, ich habe Antikörper und ich glaube, ich bin geschützt, ich kann jetzt wieder alles machen. Das stimmt aber gar nicht, weil das Antikörper sind, die ich schon vor fünf Jahren hatte gegen irgendein anderes ähnliches Coronavirus", erklärt Ulrike Protzer, Virologin am Helmholtz Zentrum München.

    Corona-Test für zu Hause: nur für überstandene Infektion 

    Fazit: Auch wenn es praktisch wäre, wenn sich Menschen daheim selbst testen könnten und so Arztpraxen, Testzentren und Labore entlastet würden: Ein Antikörper-Test für zu Hause ist derzeit nicht aussagekräftig genug und macht keinerlei Aussagen über eine akute Infektion.

    Antikörper-Tests sind jedoch hilfreich bei wissenschaftlichen Untersuchungen, die der Frage nachgehen, wie viele Menschen eine Infektion bereits überstanden haben.

    Auch für das medizinische Personal könnte es den Arbeitsalltag erleichtern, wenn sie wüssten, dass sie eine Corona-Infektion bereits überstanden haben. Wer Antikörper gegen das Coronavirus hat, ist vermutlich erstmal immun gegen eine neue Infektion. Diese Ärzte und Pfleger könnten COVID-19-Erkrankte behandeln – ohne die Angst, sich mit der gefährlichen Krankheit anzustecken.

    Wer wird auf Corona getestet?

    Nur ein Arzt kann entscheiden, ob ein Test durchgeführt wird. In diesem Fall übernehmen die Krankenversicherungen die Kosten für den Test.

    Das Robert Koch-Institut (RKI) rät aktuell "eine niederschwellige Testung aller Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung". Getestet werden sollen Personen, die

    • innerhalb der letzten 14 Tage Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten
    • Symptome einer Atemwegserkrankung (Husten, Schnupfen, Fieber) haben
    • plötzlich den Geschmacks- oder Geruchssinn verlieren.

    Anzeichen für eine Infektion mit dem Coronavirus

    Die Anzeichen für das Coronavirus sind unspezifisch und ähneln denen einer Erkältung oder Grippe. Die häufigsten Anzeichen für die Lungenerkrankung Covid-19 sind Fieber und trockener Husten.

    >> Weiter lesen: Coronavirus erkennen: Das sind die typischen Anzeichen

    Wenn Sie sich krank fühlen oder Symptome haben, die zu einer Corona-Infektion passen, sollten Sie sich an Ihren Arzt wenden.

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