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Corona-Test: Alles Wichtige zu den möglichen Testverfahren

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 27.12.2020

Nur ein Corona-Test kann valide bestätigen, ob eine Corona-Erkrankung vorliegt.
Foto: CC0 Public Domain / Pexels / Gustavo Fring

Einen sicheren Nachweis über eine akute oder eine schon überstandene, aber unbemerkte Infektion mit dem Coronavirus kann nur ein valider Test erbringen. PCR, PCR-Schnelltest, Antikörper- oder Antigentest: ÖKO-TEST erklärt, welche Testverfahren es gibt, um eine Infektion mit dem Coronavirus festzustellen.

  • Ob Sie von einer Infektion mit dem Coronavirus betroffen sind oder waren, kann nur ein Test zeigen.
  • Der Nachweis einer akuten Sars-CoV-2-Infektion erfolgt derzeit durch PCR-Tests. Künftig könnten PCR-Schnelltests für schnellere Testergebnisse sorgen. 
  • Bei im Internet erhältlichen Antikörpertests ist aus vielen Gründen Vorsicht geboten. Die Tests können in der Regel keine akute Infektion anzeigen.

Welche Corona-Tests gibt es?

Auf eine akute, aktive oder eine zurückliegende Infektion mit dem Coronavirus wird mit unterschiedlichen Verfahren getestet. Der wichtigste und verlässlichste Corona-Test ist der sogenannte PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion), bei dem ein Abstrich aus der Rachen- oder Nasenschleimhaut im Labor auf Coronaviren getestet wird.

Inzwischen gibt es auch Selbsttests für zu Hause. Die Tests, mit denen schnell geprüft werden kann, ob man eine Corona-Infektion bereits durchgestanden hat, wirken auf den ersten Blick äußerst hilfreich. Die Corona-Selbsttests fahnden nach Antikörpern gegen das Virus und nicht nach dem Virus selbst. Aus diesem und anderen Gründen sind diese Tests für zu Hause keine gute Wahl, warnen Virologen, Mediziner, die Bundesregierung und Verbraucherschützer einvernehmlich.

Corona Test: Übersicht über die Testverfahren

1. PCR-Test im Labor

Der PCR-Test im Labor ist der präziseste Corona-Test, der derzeit möglich ist. Er weist Erbgut des Virus im Körper nach und zeigt an, ob der Patient akut unter einer Erkrankung leidet. Der Test erfolgt über einen Abstrich aus dem Rachenraum und/oder Nasenraum. Laut Robert Koch Institut (RKI) müssen zwei Proben genommen werden - einmal aus den oberen, einmal aus den unteren Atemwegen. Das Testergebnis liegt im Regelfall innerhalb von drei bis fünf Tagen vor.

Wenn im Herbst mehr Menschen getestet werden müssen, könnte die Testung über Standard-PCR-Tests an ihre Grenzen stoßen: Die Tests sind zu langsam und zu teuer für die eventuell notwendigen Massentests. Zudem könnten die Testkapazitäten der Labore nicht ausreichen.

2. PCR-Schnelltest außerhalb des Labors

Der PCR-Schnelltest außerhalb des Labors funktioniert ähnlich wie der Labortest, ist jedoch weniger zuverlässig. Dieser Schnelltest wird über einen Abstrich im Mund-Rachen-Raum direkt vor Ort durchgeführt. Das Ergebnis liegt bei den PCR-Schnelltests nach zwei bis drei Stunden vor. 

Ein von einem deutschen Start-up entwickelter Corona-Schnelltest hat Ende Dezember eine Sonderzulassung erhalten. Das Ergebnis liegt in weniger als 45 Minuten vor, eine Untersuchung der Proben im Labor ist nicht notwendig.

Die PCR-Schnelltests sind für Situationen, in denen ein schnelles Testergebnis wichtig, geeignet: Notaufnahmen, Pflegeeinrichtungen, Flughäfen etc.

Hier finden Sie alle Informationen zu Corona-Schnelltests.

    PCR-Tests im Labor sind am verlässlichsten, um auf das Coronavirus zu testen.
    PCR-Tests im Labor sind am verlässlichsten, um auf das Coronavirus zu testen. (Foto: CC0 Public Domain / Pexels / Gustavo Fring )

    3. Antikörpertest

    Beim Antikörper-Test werden nicht das Virus selbst, sondern Antikörper gegen das Virus nachgewiesen. Der Test gibt lediglich Hinweise auf eine überstandene Erkrankung und ist daher für den Nachweis einer aktuellen Infektion nicht geeignet. Der Test erfolgt über eine Blutuntersuchung und kann frühestens zwei Wochen nach einer Infektion durchgeführt werden. Das Testergebnis ist nach 15 Minuten ablesbar.

    4. Antigentest

    Die neuen Antigentests, die erst seit kurzem auf dem Markt sind, weisen nicht das Erbmaterial des Virus nach, sondern Antigene, d.h. Bestandteile des Virus. Getestet wird über einen Rachenabstrich.

    Antigentests haben den Vorteil, dass sie einfach funktionieren und sich kostengünstig und in hoher Stückzahl produzieren lassen. Das Ergebnis liegt innerhalb einer Stunde vor. Ihr Nachteil: Sie sind nicht so zuverlässig wie Labortests.

    5. Corona-Schnelltest für zu Hause

    Bei den frei verkäuflichen Corona-Tests handelt es sich meist um Antikörper-Tests, durch die keine aktuelle Infektion nachgewiesen werden kann. Da der Körper erst ein bis zwei Wochen nach der Infektion Antikörper bildet, ist der Test erst 14 Tage nach dem Auftreten von Symptomen überhaupt sinnvoll. 

    Antigen-Tests können derzeit nur halblegal über das Internet bezogen werden, Apotheker dürfen die Selbsttests nicht verkaufen. Experten halten die eigenständige Probenentnahme für riskant. Ein richtig durchgeführter Rachenabstrich sei unangenehm – führe man ihn selbst durch, könne es sein, dass das Stäbchen nicht tief genug in den Rachen eingeführt wird.

    Hier finden Sie aktuelle Informationen zu Corona-Schnelltests und Heimtests.

    PCR-Tests weisen das Virus selbst nach, Antikörper-Tests testen auf Antikörper gegen das Virus.
    PCR-Tests weisen das Virus selbst nach, Antikörper-Tests testen auf Antikörper gegen das Virus. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / TheDigitalArtist)

    Antikörper-Test zeigt Antikörper für Corona-Erkältungsviren an

    Ein Problem, auf das Christian Drosten von der Berliner Charité in seinem Podcast aufmerksam macht: Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Tests nicht nur auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 reagieren, sondern auch auf andere Erreger aus der Familie der Coronaviren.

    Diese meist harmlosen Erkältungs-Coronaviren sind für fünf bis fünfzehn Prozent der Erkältungserkrankungen verantwortlich. Es kann also passieren, dass ein Antikörper-Test nur Antikörper für Erkältungs-Coronaviren nachweist, nicht aber für SARS-CoV-2.

    "Man muss vorsichtig sein mit der Interpretation eines solchen Tests. Gerade die falschen positiven Tests sind gefährlich. Das heißt, wenn der Test mir anzeigt, ich habe Antikörper und ich glaube, ich bin geschützt, ich kann jetzt wieder alles machen. Das stimmt aber gar nicht, weil das Antikörper sind, die ich schon vor fünf Jahren hatte gegen irgendein anderes ähnliches Coronavirus", erklärt Ulrike Protzer, Virologin am Helmholtz Zentrum München.

    Corona-Test für zu Hause: nur für überstandene Infektion 

    Fazit: Auch wenn es praktisch wäre, wenn sich Menschen daheim selbst testen könnten und so Arztpraxen, Testzentren und Labore entlastet würden: Ein Antikörper-Test für zu Hause ist derzeit nicht aussagekräftig genug und macht keinerlei Aussagen über eine akute Infektion.

    Antikörper-Tests sind jedoch hilfreich bei wissenschaftlichen Untersuchungen, die der Frage nachgehen, wie viele Menschen eine Infektion bereits überstanden haben.

    Auch für das medizinische Personal kann es den Arbeitsalltag erleichtern, wenn sie wissen, dass sie eine Corona-Infektion bereits überstanden haben. Wer Antikörper gegen das Coronavirus hat, ist vermutlich erstmal immun gegen eine neue Infektion. Diese Ärzte und Pfleger könnten COVID-19-Erkrankte behandeln – ohne die Angst, sich mit der gefährlichen Krankheit anzustecken.

    Wer wird auf Corona getestet?

    Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Teststrategien Anfang November angepasst. Damit soll eine Überlastung von Arztpraxen, Eltern, Betreuungseinrichtungen etc. verhindert werden. "Es ist nicht vorgesehen und nicht möglich, in der kommenden Herbst-/Wintersaison alle Personen mit ARE-Symptomatik (z.B. nur Schnupfen, Halsschmerzen) auf eine SARS-CoV-2-Infektion zu testen", so das RKI in seiner Mitteilung.

    Folgende Personengruppen werden derzeit getestet, wenn mindestens ein Kriterium erfüllt ist (Quelle: RKI):

    • Symptomatische Personen: Personen mit schweren respiratorischen Symptomen (bspw. durch akute Bronchitis oder Pneumonie, Atemnot oder Fieber)
    • Kontaktpersonen: Kontakt (KP1) mit einem bestätigten COVID-19-Fall und ungeklärte Erkrankungssymptome 
    • Störung des Geruchs- und Geschmackssinns: Akute Hypo- oder Anosmie bzw. Hypo- oder Ageusie (Störung des Geruchs- und Geschmackssinns)
    • Zutreffen von zwei Kriterien: Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe / Tätigkeit in Pflege, Arztpraxis, Krankenhaus / erhöhter Expositionswahrscheinlichkeit / Kontakt im Haushalt oder zu einem Cluster von Personen mit akuten Erkältungsanzeichen ungeklärter Ursache UND eine erhöhte COVID-19 7-Tages-Inzidenz (> 35/100.000 Einwohner) im Landkreis / enger Kontakt zu vielen Menschen oder zu vulnerablen Gruppen/Risikopatienten UND dazu akute respiratorische Symptome

    Außerdem haben nach einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums auch asymptomatische Kontaktpersonen einen Anspruch auf einen Coronavirus-Test, wenn ein Arzt oder das Gesundheitsamt den Test anordnet.

    Anzeichen für eine Infektion mit dem Coronavirus

    Die Anzeichen für das Coronavirus sind unspezifisch und ähneln denen einer Erkältung oder Grippe. Die häufigsten Anzeichen für die Lungenerkrankung Covid-19 sind Fieber und trockener Husten.

    >> Weiter lesen: Coronavirus erkennen: Das sind die typischen Anzeichen

    Wenn Sie sich krank fühlen oder Symptome haben, die zu einer Corona-Infektion passen, sollten Sie sich an Ihren Arzt wenden.

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