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20 Katzenstreumarken im Test

ÖKO-TEST Januar 2010
vom 30.12.2009

Katzenstreu

Für die Katz!

Bei Stuben- oder Wohnungstigern ist eine gute Katzenstreu wichtig. ÖKO-TEST hat 20 Marken unter die Lupe genommen. Viele Produkte waren in Ordnung, allerdings gibt es erhebliche Unterschiede bei der Saugfähigkeit.

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30.12.2009 | Sie ist hier die oberste Katzenmutter: Simone Faust. Die groß gewachsene Frau mit den schulterlangen Haaren leitet im größten Tierheim Frankfurts die Katzenabteilung. Teilt die Arbeitspläne für das Katzenteam ein und erledigt den Einkauf von Futter, Streu und sonstigem Zubehör. Und sie packt gerne mit an. Etwa 100 Katzen leben derzeit hier und wer davon eine haben will, der muss sich ins Industriegebiet nach Frankfurt-Fechenheim begeben; vorbei an einem bekannten Techno-Club und am Deutschlandsitz einer großen europäischen Fleischfabrik, deren Eingang mit glücklich wirkenden Schweine- und Kuhattrappen dekoriert ist.

An der Wand Fotos von Neptun, Lisa und Joki - diese Katzen suchen einen "Menschen zum Liebhaben", also ein neues Zuhause. "Gesunde Wohnungskatzen sind in Frankfurt gefragt. Unsere Sorgenkinder sind schwierige Tiere und solche mit Gesundheitsproblemen. Für diese Katzen suchen wir über unsere Website ein neues Zuhause", erklärt Faust. Heute ist Besuchstag in der Vermittlungsstation - wohin die Tiere nach der Aufnahme und Quarantäne gelangen, bevor sie das Tierheim wieder verlassen und in ein neues Heim einziehen.

Bereits heute leben in jedem sechsten Haushalt Katzen. Insgesamt sind es 8,2 Millionen, die in Deutschland als Heimtiere gehalten werden. Damit sich Mensch und Mieze wohlfühlen, gaben die Katzenhalter im Jahre 2008 rund 218 Millionen Euro für Katzenstreu aus, die den größten Posten im 906 Millionen Euro schweren Markt für Heimtierzubehör außer Fertignahrung ausmacht. Im Frankfurter Tierheim werden jeden Tag die Katzenklos gereinigt und nachgefüllt. Alles ist hier blitzeblank. Nicht ein Krümelchen liegt auf dem Boden zwischen den vielen Katzenbäumen, treppenförmigen Absätzen mit kuscheligen Decken und den Katzenklos. Die Katzenstation im Frankfurter Tierheim bevorzugt Bentonitstreu, ein graubraunes Tongranulat, erklärt Tierpflegerin Faust.

Doch nicht nur Bentonit wird zu Katzenstreu verarbeitet. Wir haben für unseren Test auch Produkte aus Calciumsilikathydrat, Holzfasern und Recyclingzellstoff eingekauft. Alle 20 Marken haben wir nicht nur auf bedenkliche Inhaltsstoffe untersuchen lassen, sondern auch einer Praxisprüfung unterzogen.

Das Testergebnis

Mehr als jede zweite Katzenstreu geht mit "sehr guten" und "guten" Noten aus unserem Test. Die schlechtesten Produkte erhalten nur ein "ausreichend" und "mangelhaft", weil sie in der Praxisprüfung versagen.

In drei Katzenstreus hat das beauftragte Labor vereinzelt lungengängige Fasern festgestellt. Solche Fasern stehen zwar im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Bei den betroffenen Produkten handelt es sich aber um Katzenstreu aus dem Tonmineral Bentonit. Im feuchten Milieu, also wenn es in den Atemtrakt gelangt, quillt es auf und verliert dann seine gefährliche Faserform. Im Vergleich zu Asbest, das im Körper extrem beständig ist und eine hohe sogenannte Bio-Persistenz besitzt, ist Bentonit weniger biopersistent. Daher vergeben wir nur einen Minuspunkt.

In drei Marken aus Bentonit analysierte das beauftragte Labor erhöhte Gehalte der bedenklichen Schwermetalle Nickel, Thallium und/oder Kobalt. Da diese in den Körper gelangen können, wenn der Staub eingeatmet wird, quittieren wir das mit Notenabzug.

Die Katzenstreus aus Recyclingzellulose und Pflanzenfasern nehmen die Feuchtigkeit am besten auf.

Katzenstreu muss saugstark sein: Durchschnittlich nahmen die Produkte 180 Gewichtsprozent an Wasser auf. Besonders saugfähig waren die Bio-Catolet Sanftes Hygienestreu, die Cat's Best Öko Plus Katzenstreu Klumpend und die Dehner Zoo Öko Katzenstreu. Besonders schlecht präsentierten sich dagegen die Catsan Hygiene Plus, die Trixie Fresh'n'Easy Die Monatsstreu und die Ja! Katzenstreu. Diese Streus lagen mit einer Feuchtigkeitsaufnahme von weniger als 100 Gewichtsprozent weit unter dem Durchschnitt der Marken im Test.

Bei den Klumpstreuprodukten haben wir zusätzlich noch die Ergiebigkeit untersucht und überprüft, wie viel Streumaterial verbraucht wird, um eine bestimmte Menge Wasser zu binden. Denn je größer die Klumpen sind, desto mehr muss nach Entfernen der Klumpen nachgefüllt werden, um die vom Hersteller empfohlene Schütthöhe der Streu im Katzenklo einzuhalten. Auch hier gab es erhebliche Unterschiede: Von der Premiere Excellent Premium Klumpstreu wird nur 125 Milliliter Material für 250 Milliliter Wasser verbraucht. Bei der Dein Bestes Klumpstreu und der Gimpet Biokat's Classic Naturklumpstreu sind es dagegen mehr als 450 Milliliter Material.

Fünf Streumarken aus Calciumsilikathydrat und Bentonit binden den Geruch schlecht.

Alle Hersteller empfehlen, täglich das Katzenklo zu reinigen. Dennoch ist es wichtig, dass die Streu den Geruch gut bindet, denn wenn der Katzenurin erst mal von Bakterien zersetzt wird, kann es wirklich unangenehm riechen. Wir ließen den Geruch von vier Personen subjektiv erschnuppern und haben auch die Ammoniakentstehung gemessen. Besonders stark müffelten die Attica Hygiene Katzenstreu, die Dein Bestes Klumpstreu, die Ja! Katzenstreu, die Natusan Premium Klumpstreu und die Numa Katzenstreu. Bei diesen Produkten waren in der Regel auch die gemessenen Ammoniakgehalte entsprechend hoch. Sechs Marken binden den Geruch so gut, dass unsere Schnupperkandidaten die Intensität als schwach einstuften und den Geruch als neutral, holzig und mild charakterisierten. Auch ein schwach fauliger und modriger Geruch wurde noch akzeptiert.

Wir testeten auch, ob und wie stark die Katzenstreus beim Einfüllen in die Katzentoilette stauben: acht Streus staubten stark. Eine Staubbelastung beim Umgang mit Streu, besonders bei den quarzhaltigen Calciumsilikathydrat- und Bentonitprodukten, sollte man möglichst vermeiden, rät Dr. Markus Mattenklott vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung: "Aus Erfahrung wissen wir, dass eine regelmäßige berufliche Staubexposition zu teilweise schwerwiegenden Lungenerkrankungen führen kann. Eingeatmeter Quarzfeinstaub kann Silikose verursachen, eine krankhafte Bindegewebsveränderung der Lunge."

Ein weiteres Ergebnis unseres Praxistests: Bei fünf nicht klumpenden Produkten kann am Boden des Katzenklos ein Schmierfilm aus Staub und Urin entstehen.



Kleine Materialkunde

Bentonit wird häufig als Naturton bezeichnet. Neben Katzenstreu, wo es als Granulat zum Einsatz kommt, hat Bentonit noch andere Talente. Als Pulver kann es das Speichervermögen für Wasser und Pflanzennährstoffe von Böden verbessern. Auch wird es als Mineralfutter eingesetzt und von der Lebensmittelindustrie zur Klärung von Getränken wie Bier.

Aus Calciumsilikathydrat sind vier Marken hergestellt. Dazu gehört etwa Catsan, bei der allerdings Quarz und Kalk als Material auf der Verpackung angegeben sind. Andere Hersteller sagen, dass ihre Streus "aus natürlichen Mineralien" gemacht sind. Richtig ist: Ein Gemisch, das hauptsächlich aus Quarzsand, Kalk und Wasser besteht, wird mithilfe von Aluminiumpulver aufgeschäumt und unter Druck und Hitze in einer Art riesigen Schnellkochtopf gehärtet. Aus Calciumsilikathydrat wird übrigens auch Porenbeton wie Ytong hergestellt.

Zwei Produkte im Test bestehen aus Pflanzenfasern. Beide Marken stellt die Firma JRS - Rettenmaier & Söhne her, die uns mitteilte, dass das Holz von heimischen Tannen und Fichten aus Wäldern in Süddeutschland stammt, die mit dem PEFC-Siegel zertifiziert sind. Das steht für eine kontrollierte Waldbewirtschaftung und -nutzung. Streus aus Pflanzenfasern sind etwas leichter als die schweren Bentonitstreus. Das ist dann vom Vorteil, wenn das Katzenstreu in den Restmüll entsorgt wird und die Gebühren nach dem Gewicht erhoben werden.

Aus Recycling-Zellulose und -Zellstoff ist ein Produkt im Test. Nach Angabe der Firma Catolet handelt es sich um Industrieabfälle aus der Herstellung von Wellkartons und von Vliesprodukten wie Babywindeln.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Der Einkauf fiel unseren Profi-Shoppern nicht leicht. Das lag aber nicht an der Auswahl in den Super- und Fachmärkten, bei den Discountern und in den Drogerien, sondern daran, dass viele Katzenstreus richtig schwer wiegen. Dieser Umstand kann Katzenhaltern beim Einkauf und nicht zuletzt beim Handling zu Hause die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Einige Produkte sind aber leichter als die anderen, beispielsweise Streus aus Pflanzenfasern, aus Recyclingzellstoff oder Calciumsilikathydrat. Da Klumpstreus mittlerweile am verbreitetsten sind, haben wir überwiegend solche Katzenstreu, die häufig aus Bentonit hergestellt ist, eingekauft.

Problematische Stoffe

In der Vergangenheit haben wir lungengängige Mineralfasern in Katzenstreu gefunden. Auch dieses Mal ließen wir die Materialien darauf untersuchen: Diese kritischen Partikel haben ein Länge-Durchmesser-Verhältnis von 3:1, sind mindestens fünf Mikrometer lang und dabei weniger als drei Mikrometer dick. Zudem haben wir Schwermetalle analysieren lassen, denn auch diese können mit dem Staub, wenn er eingeatmet wird, in den Atemtrakt gelangen.

Die Bewertung

Eine Katzenstreu sollte weder Inhaltsstoffe aufweisen, die problematisch für die Gesundheit sind, noch sollte sie in der Praxis untauglich sein. Daher kann das Gesamturteil nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe und das Testergebnis Praxisprüfung. Bei den meisten Streus gab jedoch die Leistung im Praxistest den Ausschlag für das Gesamturteil - hier unterschieden sich die einzelnen Produkte erheblich. Minuspunkte verteilten wir etwa für eine unterdurchschnittliche Feuchtigkeitsaufnahme sowie dann, wenn die Geruchsbindung schlecht war und die Streu zu stark staubte.



Die Praxisprüfung

Unangenehm für Mensch und Katze ist es, wenn die Streu Staub aufwirbelt, sei es beim Einfüllen und Entleeren oder beim Scharren mit den Pfötchen. Den Staubeffekt haben vier Personen beurteilt, indem sie die Katzenstreu aus 50 Zentimeter Höhe in einen Behälter schütteten. Wir haben aus den vier Urteilen eine Durchschnittsnote gebildet.

Wie viel Klumpstreu wird verbraucht, wenn die Katze auf die Toilette geht? Haben die Klumpen bei allen Streumarken die gleiche Größe? Um das herauszufinden, wurde Katzenstreu acht Zentimeter hoch in einen Behälter gefüllt. An fünf Stellen wurde ein schwacher Strahl von 50 Milliliter Wasser aufgetragen, dann entnahmen die Tester mit einer Siebschaufel die Klumpen und wogen sie.

Wie viel Wasser kann die Streu aufnehmen? Die Katzenstreu wurde in ein Sieb geschüttet, gewogen und das Sieb unter Wasser getaucht. Genau 20 Minuten hatte die Streu Zeit, Wasser aufzunehmen, dann wurde das Sieb aus dem Wasser gehoben. Nach einer Abtropfzeit wurde das Sieb erneut gewogen und die aufgenommene Feuchtigkeitsmenge berechnet.

Wie gut verhindert die Streu unangenehme Gerüche durch den Katzenurin? Ersatzurin wurde mit Katzenstreu und Bakterien in einem großen Gefäß verschlossen. Vier Personen schnupperten am zweiten Tag an den Gefäßen und verteilten Noten für die Geruchsintensität.