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Rote Linsen im Test: Rückstände von Pestiziden in acht Packungen

Magazin März 2021: Gesund mit Eiweiß | Autor: Birgit Hinsch / Heike Baier | Kategorie: Essen und Trinken | 25.02.2021

Rote Linsen im Test: Welches Produkt ist empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Rote Linsen sind grundsätzlich gesund. Doch häufig landen mit ihnen auch Pestizide auf dem Teller. In einigen Produkten in unserem Test steckt sogar das hierzulande verbotene Glufosinat. Aber es gibt auch rote Linsen, die empfehlenswert sind.

  • Mehr als die Hälfte der überprüften roten Linsen ist empfehlenswert. 
  • Mit "ungenügend" fallen zwei Produkte durch den Test, ein paar sind mittelmäßig. 
  • Rote Linsen haben teils Probleme mit Pestizidrückständen und Mineralöl. 

Es gibt viele Gründe, warum Linsen in die Riege der Foodstars aufgestiegen sind: Nicht nur, dass sie voller Ballaststoffe und Spurenelemente stecken; ihr hoher Anteil an pflanzlichem Eiweiß macht sie für Fans der vegetarischen und veganen Küche ungeheuer wertvoll.

Rote Linsen im Test: Neun mit Bestnote

Mit der Popularität in Deutschland stieg in den vergangenen Jahren auch die Auswahl im Supermarktregal. Wir haben uns in diesem Test rote Linsen vorgeknöpft. Rote Linsen sind nichts anderes als geschälte braune Linsen, meist Berglinsen. Weil sie ohne Schale daherkommen, sind sie besonders bekömmlich, gut zu verdauen und weisen eine sehr kurze Garzeit auf.

Das Ergebnis des Linsen-Tests: Neun von 20 Produkten sind mit "sehr gut" rundum empfehlenswert. Ein paar landen im Mittelfeld, und es gibt zwei Ausreißer nach unten: Sie schneiden nur "ungenügend" ab. Welche Probleme sind im Test aufgefallen?

Praktisch: Rote Linsen lassen sich schnell zubereiten.
Praktisch: Rote Linsen lassen sich schnell zubereiten. (Foto: Elena Larina/Shutterstock)

Pestizidrückstände in einigen roten Linsen 

In acht von 20 roten Linsen haben wir Rückstände von Pestiziden gefunden, darunter die Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat und das hierzulande verbotene Glufosinat. Eine echte Überraschung war das nicht. Der Anbau von Linsen ist aufwendig und hat seine Tücken, kann durch den Einsatz von Herbiziden aber erheblich vereinfacht werden.

So müssen Linsen zum Zeitpunkt der Ernte hart und trocken sein. Herbizide wie Glyphosat und Glufosinat – im Fachjargon Totalherbizide – töten alle blatttragenden Pflanzen. Sie vernichten nicht nur Unkraut, sondern können auch der Linsenpflanze selbst den Garaus machen. Zur rechten Zeit auf die Pflanzen gesprüht, sorgen sie dafür, dass die Pflanze abstirbt und die Linsen gleichmäßig bis zur Erntereife trocknen.

Jetzt im ePaper lesen: 20 rote Linsen im Test

Glufosinat in drei Produkten: Herbizid in der EU verboten 

Doch der Einsatz von Pestiziden birgt Risiken. So hat die europäische Chemikalienagentur ECHA das Herbizid Glufosinat als reproduktionstoxisch eingestuft. Das heißt übersetzt: Das Herbizid kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und steht im Verdacht, das ungeborene Kind zu schädigen. In der EU ist seine Anwendung seit 2019 verboten.

Wie es trotzdem in die roten Linsen gelangen konnte? Die mit Glufosinat belasteten Linsen stammen von Feldern in der Türkei und in Kanada. Dort ist Glufosinat laut des Internationalen Pestizid-Aktions-Netzwerkes nicht verboten. Produziert und exportiert wird das Mittel auch vom deutschen BASF-Konzern. Im Test hat das von uns beauftragte Labor Glufosinat in drei Produkten nachgewiesen, darunter auch in einem Bio-Produkt. Wir finden: Das ist dreimal zuviel. 

Auch Glyphosat ist ein Problem in roten Linsen

Neben Glufosinat hat das Labor in sechs roten Linsen umstrittenes Glyphosat nachgewiesen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft das Pestizid als "wahrscheinlich krebserzeugend" ein, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht keinen Krebsverdacht. Unbestritten ist jedoch, dass Glyphosat die biologische Vielfalt gefährdet.

(Foto: ÖKO-TEST )

Einige rote Linsen sind mit Mineralöl verunreinigt

Auch Bestandteile von Mineralöl sind ein Thema in roten Linsen. In drei Produkten fand das Labor aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), unter denen auch krebserregende Verbindungen sein können; in fünf Linsensorten gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH), die sich in Organen anreichen.

Wie diese in Lebensmittel gelangen können? Mögliche Quellen sind Übergänge aus Verpackungen, in der Produktion eingesetzte Schmieröle oder aber Abgase von Erntemaschinen. Immerhin: die mit "sehr gut" bewerteten Linsen enthalten keine oder nur sehr geringe Mineralölrückstände.

Wissenswertes über rote Linsen

Linsen sind gesund für den Menschen und gut für die Böden: 

  1. Linsen liefern ein wahres Feuerwerk wertvoller Nährstoffe. Sie sind eine gute Quelle für B-Vitamine, Magnesium, Eisen und Zink. Vor allem aber enthalten sie reichlich Ballaststoffe und pflanzliches Eiweiß: Durchschnittlich zu einem Viertel ihres Gewichts bestehen Linsen aus Proteinen.

  2. Ballaststoffe gelten als Schlüssel für eine fitte Abwehr: Denn von ihnen ernähren sich die "guten" Bakterien der Darmflora, davon profitiert das Immunsystem. Eine Portion von 50 Gramm Linsen liefert bereits ein Viertel der empfohlenen Tagesmenge an Ballaststoffen. Rote Linsen enthalten 20 bis 50 Prozent weniger, da sie geschält sind. Nicht schlimm: Es sind gerade die verbleibenden löslichen Ballaststoffe des Linsenkerns, die positiv auf die Darmflora wirken.

  3. Linsen bereichern auch die Fruchtfolge: Mithilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln können sie Stickstoff aus der Luft im Boden binden – eine Art natürliche Düngung.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Aus dem großen Angebot an Linsen wählten wir für diesen Test 20 Mal roten Linsen aus. Rund zwei Drittel stammen aus biologischem Anbau, darunter viele Eigenmarken der Supermärkte und Discounter.

In der Vergangenheit fielen Linsen vor allem durch Rückstände von Unkrautvernichtungsmitteln auf. Deshalb ließen wir die Produkte im Labor auf ein breites Spektrum an Pestiziden untersuchen: unter anderem auf Glyphosat und Glufosinat. Landwirte in der konventionellen Landwirtschaft spritzen diese Mittel nicht nur, um Unkraut zu unterdrücken. Sie töten damit auch die Linsenpflanze ab, sodass die Linsen gleichmäßig trocknen und so reif für die Ernte werden. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Untersuchung von Mineralölbestandteilen, die immer wieder in Lebensmitteln auftauchen. Schließlich interessierte uns, ob giftige Schwermetalle wie Cadmium oder Nickel in höheren Gehalten in den Linsen stecken.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) der Nachweis von aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH); b) ein Pestizidgehalt, der die gesetzliche Rückstandshöchstmenge zu mehr als 50 Prozent ausschöpft, wenn diese 0,02 bis < 0,05 mg/kg beträgt (in der Tabelle "stark erhöht"); c) ein in der EU nicht zugelassenes Pestizid in einem Gehalt von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glufosinat). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle: "MOSH leicht erhöht"); b) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat), wenn nicht bereits wegen Glufosinat um zwei Noten abgewertet wurde; c) ein Pestizidgehalt, der die gesetzliche Rückstandshöchstmenge zu mehr als 10 bis 50 Prozent ausschöpft, wenn diese mehr als 0,1 mg/kg beträgt (in der Tabelle "erhöht"). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Nachweis eines für Bio nicht zugelassenen Pestizids in einem Gehalt von mehr als 0,01 mg/kg in einem Bio-Produkt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden

Mineralölbestandteile (MOSH/MOSH-Analoge/MOAH): DIN EN 16995: 2017 modifiziert. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Pestizidscreening mit GC/MS (L00.00-34 : 2010-09, modifiziert: betrifft Einwaage, Extraktionsmittel und -temperatur, Fraktionierung); Pestizidscreening mit LC/MS/MS (L00.00-113:2015-03, modifiziert: betrifft Einwaage, Miniaturisierung Reinigung); saure Herbizide (L00.00-113:2015-03, modifiziert: betrifft Einwaage, Extraktion nach Ansäuern, Miniaturisierung Reinigung); Glyphosat, Glufosinat, AMPA per LC-MS/MS. Elemente (Arsen, Cadmium, Cobalt, Chrom, Kupfer, Quecksilber, Nickel, Blei, Antimon, Zinn, Zink): ICP-MS nach Totalaufschluss in der Mikrowelle. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Oktober 2020 

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