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Ratgeber: Tropische Früchte

ÖKO-TEST Februar 2018
vom 25.01.2018

Ratgeber: Tropische Früchte

Den Preis zahlen andere

Wenn im Herbst und Winter das Angebot an heimischem Obst knapp wird, sind Ananas, Mango, Papaya und Co. beliebte Alternativen. Damit wir günstig Südfrüchte genießen können, leiden Plantagenarbeiter unter miesen Arbeitsbedingungen. Dafür sind auch deutsche Supermarktketten verantwortlich. Aber was können die Verbraucher tun?

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25.01.2018 | Ob Mango, Ananas, Kumquats oder Papaya: Exotisches Obst ist für uns durchaus erschwinglich. Einen hohen Preis zahlen dagegen die Plantagenarbeiter in den Anbauländern. Schon 2008 hat die Entwicklungsorganisation Oxfam auf gravierende Missstände im Ananasanbau in Costa Rica hingewiesen: auf erhöhte Krebsraten und Fehlgeburten durch den Einsatz von hochgiftigen Pestiziden, auf Niedriglöhne und die Missachtung von Arbeits- und Gewerkschaftsrechten. Franziska Humbert, Referentin für Wirtschaft und Menschenrechte, ist im März 2016 erneut nach Costa Rica gereist. Im Bericht Süße Früchte, bittere Wahrheit fasst sie ihre Erlebnisse ernüchtert zusammen: "Die Zustände vor Ort haben sich nach acht Jahren kaum verbessert."

Die Studie führte Oxfam auch auf Bananenplantagen in Ecuador. Viele Arbeiter klagten, dass Pestizide auch dann gesprüht werden, wenn sie auf den Feldern arbeiten, oder dass sie schon bald nach dem Giftregen wieder auf die Plantagen müssen. Die Bananen werden überwiegend in Monokulturen angebaut und die Betreiber setzen Schädlingsbekämpfungsmittel ein, die in Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Trotz ihrer Kritik sieht Franziska Humbert von Oxfam aber auch kleine Fortschritte: "Viele, die früher als Tagelöhner gearbeitet haben, sind inzwischen angestellt." Selbst Subunternehmen zahlten den Mindestlohn. "Und einige Arbeiter sind so mutig, dass sie offen reden und sich sogar fotografieren lassen." Dennoch müssen Gewerkschafter noch immer mit Sanktionen rechnen. Vielerorts gibt es außerdem erst gar keine Arbeitnehmerorganisationen: Oxfam hat in Ecuador 20 Betriebe untersucht - in keinem existierte demnach eine solche unabhängige Vertretung. Beim Lidl-Lieferanten Matías gaben 93 Prozent der Befragten an, dass sie aus Angst vor Repressalien keine Gewerkschaft gründen wollen, heißt es in dem Bericht.

Oxfam macht deutsche Supermarktketten - Aldi, Edeka, die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl gehört, und Rewe - für die schwierige Lage der Menschen mitverantwortlich. Sie haben die Marktmacht und bestimmen die Preise, indem sie Druck auf die Produzenten und Lieferanten ausüben. Die müssen folglich möglichst billig sein. Der französischen Rechercheorganisation Basic zufolge sind die Importpreise für Ananas trotz steigender Produktionskosten zwischen 2002 und 2014 um fast die Hälfte gesunken.

Besonders Lidl steht immer wieder in der Kritik von Oxfam, obwohl die Organisation und der Discounter Gespräche führen und Lidl ihr Zugang zu einer der Anbaufarmen ermöglicht hat. Das betont die Pressestelle der Supermarktkette auf ÖKO-TEST-Anfrage. Eine Oxfam-Mitarbeiterin aus Costa Rica habe mündlich bestätigt, dass die Firma Finca Once, ein Lidl-Lieferant, "im Vergleich zu den insgesamt über 1.500 Farmen in Costa Rica zu den deutlich besseren" gehöre. Im Oxfam-Bericht finden sich dennoch zahlreiche Vorwürfe: Demnach wurden auch auf dieser Farm Gewerkschaftsrechte missachtet. Man zahlte zwar den gesetzlichen Mindestlohn. "Dieser bezieht sich jedoch auf eine


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