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Mineralöl in fast allen vegetarischen und veganen Bratwürsten im Test

Magazin Juni 2021: Gesund Grillen | Autor: Johanna Michl/Heike Baier/Lena Wenzel | Kategorie: Essen und Trinken | 27.05.2021

Vegetarische und vegane Bratwürste im Test: Welche Fleischersatzprodukte überzeugen im Test?
Foto: ÖKO-TEST

Es gibt einige gute Gründe, Würstchen ohne Fleisch zu braten. Unter der Pelle verbirgt sich aber nicht immer nur Gesundes. 18 der 20 vegetarischen und veganen Bratwürste im Test enthalten Mineralöl. 

  • Nur jedes vierte Veggie-Würstchen im Test können wir empfehlen: Ein Produkt schneidet mit Bestnote ab, vier weitere mit "gut". 
  • Fleischlos heißt nicht automatisch natürlich oder gesund. In vielen vegetarischen und veganen Bratwürsten stecken Aromen und Mineralöl.
  • Mit "mangelhaft" oder "ungenügend" fallen acht Fleischersatzprodukte durch den Test. 

Weniger Fleisch auf dem Speisezettel ist immer ein guter Plan. Für die Gesundheit, fürs Klima, fürs Tierwohl. Gilt das auch für Bratwürstchen? Kommt drauf an. Wie gut die Bilanz wirklich ausfällt, hängt vor allem davon ab, womit die Hersteller das Fleisch ersetzen. Wir haben 20 vegetarische und vegane Bratwürste getestet. Die Mehrheit besteht hauptsächlich aus Tofu oder Sojaeiweiß, in einigen Marken bilden das Weizeneiweiß Seitan, Süßlupinen oder Gemüse die Grundlage.

Und gleich vorneweg: Unter dem Strich stehen nur wenige gute Noten. Insgesamt acht Veggie-Würstchen fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Denn leider trüben Schadstoffe die gute Gesundheitsbilanz der fleischfreien Würstchen.

Mineralöl in vegetarischen und veganen Bratwürsten

Viele wertvolle Pflanzenproteine sind unbestritten ein Pluspunkt. Negativ zu Buche schlagen aber vor allem die im Labor gefundenen Mineralölbestandteile: 18 der 20 veganen und vegetarischen Bratwürste waren mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH) verunreinigt. Vier davon sogar in einer Menge, die wir als "stark erhöht" betrachten.

Das Problem? MOSH können sich im Körperfett sowie in Leber oder Lymphknoten anreichern. In einem Fall fand das beauftragte Labor zusätzlich aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), unter denen sich auch krebserregende Verbindungen befinden können.

Vegetarische und vegane Bratwürste im Test: Nur ein Produkt schneidet mit "sehr gut" ab.
Vegetarische und vegane Bratwürste im Test: Nur ein Produkt schneidet mit "sehr gut" ab. (Foto: Jenner Images/getty images)

Spuren von Pestiziden in fünf Veggie-Würstchen

Die Mineralöleinträge sind ein Problem, das wir bereits in früheren Tests von Fleischersatzprodukten festgestellt haben. Es betrifft auch die Bio-Würstchen im Test. Die Verunreinigungen können etwa aus dem Schmieröl von Produktionsanlagen oder dem Formen der Würste stammen.  

Das beauftragte Labor hat zudem in fünf Veggie-Würstchen Spuren von Pestiziden gefunden. Noten haben wir für bedenkliche Stoffe, wie das vermutlich krebserregende Pestizid Chlorpropham, abgezogen. Seine Anwendung ist in Deutschland seit Ende 2020 verboten.

So schmecken die Fleischersatzprodukte 

Kommen wir zum Geschmack der vegetarischen und veganen Bratwürste im Test. Von einem Bratwürstchen – auch von einem fleischlosen – erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher, dass es würzig schmeckt und dass es einen gewissen Biss hat.

Geschmacklich können alle Veggie-Würstchen in unserem Test überzeugen, das bescheinigten Sensorik-Experten nach der Verkostung.

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Kritik an zu viel Salz in Veggie-Würstchen

Doch in einigen vegetarischen und veganen Bratwürsten steckt aus unserer Sicht zu viel Salz. Dauerhaft hoher Salzkonsum kann Bluthochdruck verursachen. Und damit das mit dem Geschmack und dem halbwegs Knackigen klappt, enthalten die Produkte einiges an Zusatzstoffen: Viele Hersteller helfen etwa mit Aromen, glutaminsäurehaltigem Hefeextrakt oder "Würze" nach.

"Würze" hat allerdings wenig mit Gewürzen zu tun: Dahinter verbergen sich Eiweißhydrolysate, also chemisch behandelte und gespaltene Proteine. Solche Zusätze sehen wir kritisch, denn unser Geschmacksempfinden kann sich daran gewöhnen und der natürliche Geschmackssinn verloren gehen. Zudem lässt sich guter Geschmack auch mit natürlichen Zutaten und Gewürzen erzeugen – die Mehrheit der Bio-Würstchen führt es vor.  


Sämtliche Bratwürstchen im Test eignen sich für die Pfanne und fast alle auch für den Grill. Grillen Sie möglichst bei niedrigen Temperaturen – dann trocknen die Würstchen weniger aus.
Sämtliche Bratwürstchen im Test eignen sich für die Pfanne und fast alle auch für den Grill. Grillen Sie möglichst bei niedrigen Temperaturen – dann trocknen die Würstchen weniger aus. (Foto: Paul_Brighton/Shutterstock)

Wie gesund sind vegane und vegetarische Bratwürste?

Am Ende sind vegane und vegetarische Würstchen — wie die meisten Fleischersatzprodukte — eben hoch verarbeitete Lebensmittel. Wie sie im Vergleich untereinander aus ernährungsphysiologischer Sicht dastehen, dafür liefert der Nutri- Score erste Anhaltspunkte.

Wir haben den Nutri-Score, wo möglich, anhand der Nährwertangaben auf den Verpackungen errechnet und führen ihn im ePaper und im Magazin auf. Diese neu eingeführte Ampelkennzeichnung hat zwar viele Schwächen, erlaubt aber einen schnellen Vergleich gerade von hoch verarbeiteten Lebensmitteln: Auf einer Skala von A bis E bildet der Score unter anderem die Menge und Qualität der Fette oder die Menge an Proteinen und Ballaststoffen ab.

Die Hälfte der Produkte landet bei "C", sechs bei "B", und nur zwei erhalten die beste Kennzeichnung "A". Das liegt vor allem an einem vergleichsweise hohen Ballaststoffgehalt.

(Foto: ÖKO-TEST)

Kükentöten für vegetarische Bratwurst?

Und wie steht es mit dem Tierwohl? Sieben Produkte im Test sind vegetarisch, nicht vegan. Sie binden die Wurstmasse mit Ei, meist als Konzentrat eingesetzt. Mengenmäßig ist das oft gar nicht so wenig, der Anteil an konzentrierten Eiklarpulvern beträgt bis zu knapp zehn Prozent.

Wir wollten wissen: Wie werden die Hühner gehalten, von denen die Eier stammen? Wurden im Rahmen der Zucht der Legehennen die männlichen Küken getötet? Einzig ein Hersteller im Test verarbeitet Eier mit dem AMA-Gütesiegel aus österreichischer Bio-Freilandhaltung, die mehr Auslauf und die Aufzucht von Bruderhähnen vorsieht.

Die übrigen Anbieter verwenden Eipulver aus Freiland- oder in einem Fall auch aus der noch schlechteren Bodenhaltung. Das Töten männlicher Eintagsküken können sie alle nicht ausschließen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Für den Test haben wir in Supermärkten, Bio-Märkten, Drogerien und Discountern 20 vegane und vegetarische Bratwürstchen eingekauft, neun davon in Bio-Qualität. Für 200 g bezahlten wir zwischen 1,99 Euro bis 5,99 Euro.

Da die Fleischersatzprodukte aus unterschiedlichen Basiszutaten bestehen, wollten wir wissen, wie sie schmecken, und ließen sie im Labor von geschulten Sensorikprüfern verkosten. Geschmacksverstärkende oder stark geschmacksverändernde Zutaten wie Aroma, Aromastoffe und natürliches Aroma, sowie Hefeextrakt und Würze sehen wir kritisch und vergeben dafür Minuspunkte. Bewertet haben wir auch einen zu hohen Salzgehalt und orientierten uns dabei am finnischen Schwellenwert für einen Warnhinweis bei Würstchen. Einige der Produkte enthalten Hühnereibestandteile – hier bewerteten wir die Haltung der Hühner und achteten auf eine transparente Deklaration.

Auf dem weiteren Prüfplan stand unter anderem die Überprüfung von Kontaminanten und Rückständen wie Mineralöl und Pestiziden.

Das Gesamturteil basiert auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und konnte durch die Testergebnisse Weitere Mängel und Sensorik nur negativ beeinflusst werden, wenn diese "befriedigend" oder schlechter ausfielen.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein Gehalt an MOSH/MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 4 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "stark erhöht"). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein Gehalt an MOSH/MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "erhöht"); b) der Nachweis von MOAH. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt an MOSH/MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "leicht erhöht"); b) ein deklarierter Salzgehalt von mehr als 1,7 g/100 g. Dieser Wert ist angelehnt an den Schwellenwert für einen Warnhinweis bei hohem Salzgehalt von Würstchen in Finnland; c) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Pirimiphos-methyl, Chlorpropham); d) der Zusatz von Würze, Hefeextrakt und/ oder (natürlichem) Aroma, Aromastoffen.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) qualitativ nachgewiesene GVO-Sequenzen im Produkt (hier: GVO EPSPS, GVO FMV34S, MON89788); b) die Verwendung von Eiern aus Bodenhaltung. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) eine Abweichung zwischen dem deklarierten und dem im Labor ermittelten Fettgehalt von mehr als ± 1,5 g bei deklarierten Fettgehalten unter 10 g/100 g. Dies entspricht den Kriterien des Leitfadens für zuständige Behörden in Bezug auf die Festlegung von Toleranzen für auf dem Etikett angegebene Nährwerte; b) eine Abweichung zwischen dem deklarierten und dem im Labor ermittelten Salzgehalt von mehr als ± 20 % bei deklarierten Salzgehalten von ≥ 1,25 g/100 g; c) mangelnde Transparenz aufgrund fehlender Deklaration zur Haltungsform der verwendeten Eier; d) Töten männlicher Küken in der Zucht der Hühner, die die Eier legen; e) die Angabe einer unserer Ansicht nach zu kleinen Portionsgröße von 50 g; f) die Verkehrsbezeichnung "Algen-Bratwurst" ohne einen deutlichen Hinweis auf der Vorderseite zur eigentlichen Basis Stärke und Erbseneiweiß bei niedrigem Algenanteil im Produkt. Steht bei konkret benannten Analysenergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze oder Nachweisgrenze der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Gesamtfett: nach ASU L 08.00-6: 1980 mod.. GVO-Screening (qualitativ): PCR. MOSH/MOSH-Analoge/MOAH: DIN EN 16995:2017 mod. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Pestizide: nach DIN EN 15662:2018. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse. Salz (über Natrium): Aufschluss nach DIN EN 13805: 2014, Messung nach ASU L.00.00-144. Sensorik: ASU L.00.90-16:2006. Nach Einzelprüfungen wurden die Ergebnisse in der Gruppe diskutiert und ein gemeinsames Gesamtergebnis erarbeitet.

Einkauf der Testprodukte: Januar und Februar 2021 

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