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Mehrweg, Einweg, Karton: Welche Getränkeverpackung ist am besten?

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Essen und Trinken | 20.07.2019

Mehrweg, Einweg, Karton: Welche Getränkeverpackung ist am besten?
(Foto: Fotos: AllFOOD, chachamp / stock.adobe.com)

Verpackungsformen für Getränke unterscheiden sich deutlich in der Umweltbilanz. Damit Sie guten Gewissens einkaufen können, hier die wichtigsten Fakten.

Zwei Systeme konkurrieren um die Gunst der Käufer: Mehrweg und Einweg. Die Unterschiede sind nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Pfand gibt es schließlich sowohl auf Mehrweg- als auch auf Einwegflaschen. Und so lange der Kunde für Einwegflaschen vom Pfandautomaten Geld zurückbekommt, hat er das Gefühl, dass die Verpackung so schlecht nicht sein kann – schließlich wird sie recycelt. Die Realität sieht leider anders aus.

Mehrweganteil stark gesunken

Der Mehrweganteil hat bei den Getränkeverpackungen einen neuen Tiefststand erreicht: Laut Umweltbundesamt wurden 2016 nur rund 43 Prozent der Getränke in Mehrwegverpackungen abgefüllt (und damit 1,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor). Laut neuem Verpackungsgesetz, seit 2019 in Kraft, sollen Getränkehersteller inzwischen aber schon einen Mehrweganteil von 70 Prozent erfüllen. Diese Quote ist nicht nur von der Realität weit entfernt, sondern laut Gesetz auch nicht verpflichtend, also nur ein frommer Wunsch.

In Deutschland fallen deshalb nach Zahlen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) weiterhin fast zwei Millionen Einweg-Plastikflaschen an Müll an – und zwar pro Stunde. Im Jahr kommen so fast 16 Milliarden Flaschen zusammen, rund 200 pro Bundesbürger. Zusammen sind das mehr als 450.000 Tonnen Abfall durch Einweg-Plastikflaschen.

Was ist besser: Mehrweg oder Einweg?

Die wichtigste Faustregel ist ganz einfach: Mehrweg ist besser als Einweg. Ob Glas oder Plastik ist dabei erst mal nicht wesentlich.

Faustregel zwei: Am umweltfreundlichsten ist Mehrweg, wenn es aus der Region kommt. Je länger die Transportwege, desto geringer ist der ökologische Vorteil von Mehrwegverpackungen. "Die kritische Grenze schwankt hier zwischen 750 und 1.500 Kilometern, je nach Flaschenpool und Logistik", so der Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Wer genauer wissen will, welches Verfahren ökologisch am besten abschneidet, findet hier Details zu den einzelnen Systemen. Wir haben sie nach ihrer Umweltfreundlichkeit absteigend geordnet. Die Ampelfarben in Klammern verdeutlichen den jeweiligen ökologischen Fußabdruck:

1. Mehrwegflaschen aus Glas (grün)

  • Glasflaschen (beispielsweise für Mineralwasser) können Getränkeanbieter bis zu 50 Mal wiederbefüllen.
  • Glasflaschen sind frei von Chemie und absolut dicht – und damit frei von Beigeschmack.
  • Wasser aus Glasflaschen schmeckt deshalb frischer und klarer. 

Mehrwegflaschen vertreibt der Handel überwiegend regional, was das Klima besonders entlastet. In Deutschland gibt es 3.000 Mehrweg-Mineralbrunnen, -Brauereien und -Fruchtsaftkelterer mit über 10.000 regionalen Produkten. Mehrweg bedeutet deshalb Getränkevielfalt, Regionalität und geschmackliche Vielfalt, so die die Deutsche Umwelthilfe (DUH).

2. Mehrwegflaschen aus PET (grün)

  • Mehrweg-PET-Flaschen bestehen aus stabilem Kunststoff. Getränkeanbieter können sie bis zu 25 Mal wiederbefüllen.
  • Sie haben ein geringeres Gewicht als Mehrwegflaschen aus Glas – damit ist der Energieverbrauch beim Transport noch etwas geringer als bei Glas-Mehrweg.
  • Insgesamt Mehrweg-PET-Flaschen sind damit, gemeinsam mit Mehrweg-Glasflaschen, für die Umwelt am besten.

Geben PET-Flaschen gefährliche Substanzen an die Getränke ab?

Nach allem, was man bislang aus Untersuchungen weiß, lösen sich aus Plastikflaschen keine gesundheitlich bedenklichen Stoffe. "Aus weichen Plastikflaschen – wie man sie als Einwegflasche bekommt – kann sich Acetaldehyd lösen, was aber nur den Geschmack negativ beeinflusst", so ÖKO-TEST-Redakeurin Birgit Hinsch. Gesundheitliche Gründe, zur Glasflascheh zu greifen, gibt es also keine.

Für weitere Infos: Bundesinstitut für Risikobewertung

3. Einwegflaschen aus PET (gelb)

  • Der Handel kann sie nur für eine einzige Abfüllung nutzen. Nach Gebrauch werden sie geschreddert und eingeschmolzen. Nur ein Bruchteil der PET-Flaschen nutzt die Industrie für die Herstellung neuer Flaschen.
  • Einweg-PET-Flaschen vertreibt der Handel häufig zentral, damit fallen lange Transportwege an.
  • Produktion und Entsorgung benötigen viel Energie.

Mehrweg-Kästen garantieren nicht Mehrweg-Flaschen

Viele denken bei Getränkekästen automatisch an Mehrweg. Die Flaschen im Mehrwegkasten können allerdings durchaus Einwegflaschen sein. Prüfen Sie deshalb zum Beispiel beim Kauf von Mineralwasser-Kästen, welche Kennzeichnung die Flaschen tragen.

Auch die Pfandhöhe zeigt, ob es sich um eine Einweg- oder Mehrwegflasche handelt: Wasserflaschen, die 25 Cent Pfand kosten, sind immer Einwegflaschen.

4. Getränkekartons (gelb)

Getränkekartons (Tetra Paks) sind ökologisch äußerst nachteilig: Die Mischung aus Kunststoff, Aluminium und Papier verbraucht bei der Herstellung viel Energie und ist kaum zu recyceln. Dass Getränkekartons teilweise als "ökologisch vorteilhaft" bezeichnet werden, liegt an ihrem geringen Gewicht. Es wirkt sich beim Transport günstig auf die Ökobilanz aus.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert den hohen Plastikanteil bei Getränkekartons sowie die Tatsache, dass Hersteller für sie häufig kein Recyclingkarton, sondern neues Material verwenden.

5. Einwegflaschen aus Glas (rot)

  • Einwegflaschen aus Glas, etwa für Wein und Spirituosen, sind besonders schlecht für die Umwelt.
  • Sie lassen sich zwar gut recyceln, ihre Herstellung verschlingt jedoch riesige Mengen an Energie.

6. Getränkedose (rot)

Die Getränkeverpackung mit der schlechtesten Umweltbilanz ist die Getränkedose. Ihre Herstellung benötigt viel Energie und viel Rohmaterial (Aluminium und Eisenerz). 

Fazit: Mehrweg ist klarer Gewinner

Jeder Liter Mineralwasser in Glas-Mehrwegflaschen sorgt für 55 Gramm weniger CO2 als die gleiche Menge Mineralwasser in Plastik-Einwegflaschen. Diese Menge entspricht so viel CO2, wie durch den Stromverbrauch für das Brühen von sechs Kaffeetassen verursacht wird, rechnet die Deutsche Umwelthilfe vor.

"Würde man alle alkoholfreien Getränke ausschließlich in Mehrweg- statt in Einwegflaschen abfüllen, dann ließen sich jedes Jahr 1,25 Million Tonnen CO2 einsparen", so die Umwelthilfe. Dies entspräche dem CO2-Ausstoß von 575.000 Mittelklassewagen, die im Durchschnitt 15.000 km pro Jahr fahren.

Mehrweg oder Einweg? Wie ist das zu erkennen?

Früher war Pfand ein eindeutiges Merkmal von Mehrwegflaschen. Mittlerweile wird auch auf Einwegflaschen Pfand erhoben. Seit Anfang 2019 ist der Handel verpflichtet, im Laden mit deutlich sicht- und lesbaren Schildern darauf hinweisen, ob es sich bei der Getränkeverpackung um Einweg oder Mehrweg handelt. 

Doch die umweltfreundlichere Mehrwegflasche ist auf den ersten Blick oft gar nicht so leicht zu erkennen.

Diese Tipps helfen weiter:

  • Mehrwegflaschen weisen ein Pfand von 8 (Bierflaschen) oder 15 Cent auf. Das Mehrweg-Logo kann auf der Verpackung abgebildet sein, muss aber nicht. Auch Verpackungen mit dem Blauen Engel sind Mehrwegflaschen.
  • Bei Einwegflaschen ist grundsätzlich ein Pfand von 25 Cent fällig, das Logo der Deutschen Pfand muss auf der Verpackung abgebildet sein. Der grüne Punkt ist ein Kennzeichen für Einwegverpackungen. Bei "zerknitterbaren" Plastikflaschen aus dünnem Plastik handelt es sich immer um Einwegflaschen. Die Industrie zerschreddert und recycelt sie, wiederbefüllbar sind sie nicht. 

Tipps für den Getränkeeinkauf – in Kurzform

  • Mehrweg ist besser als Einweg.
  • Mehrweg ist optimal, wenn es aus der Region kommt.
  • Der Getränkefachhandel bietet häufig eine größere Auswahl an Mehrwegflaschen als Supermärkte und vor allem als Discounter.
  • Wasser aus der Leitung ist die umweltfreundlichste und günstigste Alternative. 

Mineralwasser im Test: Viele sind empfehlenswert 

Übrigens: Jedes zweite Mineralwasser können wir in unserem Mineralwasser-Test insgesamt mit "sehr gut" und "gut" empfehlen. Allerdings waren einige Wässer mit Arsen, Uran, Bor, aber auch Pestizid-Rückständen oder Süßstoffen belastet. Außerdem kritisieren wir die unnötigen Plastik-Einwegflaschen der Discounter und weiterer Anbieter.

Quelle: Umweltbundesamt / Naturschutzbund DeutschlandInstitut für Energieund Umweltforschung Heidelberg

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