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Goldener Windbeutel 2018: Das ist die „dreisteste Werbelüge“

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Essen und Trinken | 04.12.2018

Goldener Windbeutel 2018: Das ist die „dreisteste Werbelüge“
(Foto: Foodwatch)

Fast 70.000 Personen haben über die Werbelüge des Jahres 2018 abgestimmt. Jetzt steht fest: Der Negativpreis „der Goldene Windbeutel 2018“ geht an das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola.

Das Smartwater von Coca-Cola erhält dieses Jahr den Preis für die dreisteste Werbelüge des Jahres – den „Goldenen Windbeutel“. Bei der Online-Abstimmung, die von der Verbraucherorganisation Foodwatch initiiert wurde, haben knapp 70.000 Verbraucher abgestimmt. Mit 30,5 Prozent gingen die meisten Stimmen an das Smartwater von Coca-Cola, dicht gefolgt vom Kids Ketchup von Heinz (28,1 Prozent).

Die Kritik: Anders als von Coca-Cola suggeriert, ist das „Smartwater“ nicht besser als herkömmliches Mineralwasser – kostet aber bis zu siebenmal mehr. Coca-Cola bewirbt sein Produkt als „dampfdestilliertes natürliches Mineralwasser für einen klaren, frischen Geschmack“. Hinter Werbesprüchen wie „von Wolken inspiriert“ steckt ein simpler Vorgang: Das Wasser wird zuerst verdampft und dann wieder aufgefangen, verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt. Foodwatch kritisierte das Verfahren als ernährungsphysiologisch völlig unnützen Trick, um das Wasser teurer zu verkaufen: Mit 1,65 Euro pro Liter kostet das „Smartwater“ bis zu sieben Mal mehr als normales Mineralwasser.

„Coca-Cola betreibt dreiste Verbraucherabzocke mit dem Grundnahrungsmittel Nummer Eins. Um den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat sich Coca-Cola ein hanebüchenes Bearbeitungsverfahren ausgedacht, das wissenschaftlich klingt, aber völlig unsinnig ist. Das ‚Smartwater‘ ist einfach nur ein schnödes Wasser, teuer verkauft“, sagte Sophie Unger von Foodwatch, Wahlleiterin beim Goldenen Windbeutel 2018. 

Neben dem Smartwater waren vier weitere Produkte für den „Goldenen Windbeutel 2018“ nominiert:

Platz 2: Kids Tomato Ketchup von Heinz: 28,1 Prozent
Der Ketchup speziell für Kinder kostet laut Foodwatch bis zu 40 Prozent mehr als das Pendant für Erwachsene. Dazu kommt: Der Ketchup ist exakt der gleiche wie das herkömmliche Produkt. 

Platz 3: Corny Milch von Schwartau: 15,6 Prozent
Die Verpackung suggeriert eine gesunde Zwischenmahlzeit: „Ideal für den kleinen Snack mit Milch zwischendurch“ und „mit dem Plus an Calcium“. Tatsächlich besteht der Riegel zur Hälfte aus Zucker und Fett.

Platz 4: Bratöl Olive von Dennree: 13,5 Prozent
Das Öl vom Bio-Hersteller Dennree nennt sich „Bratöl Olive“, es besteht aber fast zu Hälfte aus weniger hochwertigem Sonnenblumenöl.

Platz 5: Erbsen Eintopf Gut und Günstig von Edeka: 12,3 Prozent 
Auf dem Etikett steht „garantiert ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe“. Wer aber auf die Zutatenliste schaut, entdeckt dort sage und schreibe zehn Zusatzstoffe.

So lief die Wahl zum „Goldenen Windbeutel“ ab

In der Eingangsphase konnte jeder, der wollte, auf schummelmelder.de einen Vorschlag für sein persönliches Negativprodukt einreichen. Initiator der neuen Beschwerdeplattform gegen Werbelügen ist die Verbraucherorganisation Foodwatch. Hochgeladen wurden mehr als 100 Produkte, von denen sich die Verbraucher getäuscht fühlen. Aus diesen eingereichten Mogelprodukten hat Foodwatch dann fünf Kandidaten nominiert, die beispielhaft für den Etikettenschwindel im Lebensmittelmarkt stehen. Knapp 70.000 Teilnehmer haben abgestimmt und entschieden: Der Negativpreis geht dieses Jahr an Coca-Cola für sein Smartwater.

Foodwatch möchte mit der Wahl, die dieses Jahr zum achten Mal durchgeführt wird, auf den „Etikettenschwindel im Lebensmittelmarkt“ aufmerksam machen. „Von Gesundheitsschwindel bis Eltern-Abzocke: Im hart umkämpften Lebensmittelmarkt lassen sich die Hersteller mit millionenschweren Marketingbudgets immer wieder neue Tricks einfallen, um den Kundinnen und Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das nervt! Die Lösung kann nicht sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher lernen, sich im Täuschungs-Dschungel zurechtzufinden – sondern die Hersteller müssen ihre Produkte ehrlich und leicht verständlich kennzeichnen“, erklärte Sophie Unger von Foodwatch, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel. 

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