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Essbare Insekten – eine nachhaltige Fleisch-Alternative?

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Essen und Trinken | 21.04.2019

Essbare Insekten – eine nachhaltige Fleisch-Alternative?
(Foto: Fotolia (koldunova_anna) / Bugfoundation)

Es muss ja nicht unbedingt eine Riesen-Heuschrecken vom Grill sein. Insekten "verstecken" sich inzwischen schon in Insekten-Pasta vom Discounter und in hippen Burgerkreationen. Sieben Gründe, warum es sich lohnt, über den Verzehr von Insekten-Snacks nachzudenken.

In Afrika, Asien und Südamerika stehen Insekten seit jeher auf dem Speiseplan. Der Rest der Welt tut sich mit dem Verzehr der kleinen Tierchen noch schwer. Langsam, aber sicher nehmen die Insekten auch bei uns an Fahrt auf.

Die ersten mutigen Discounter machen es vor: Insekten essen gehört heutzutage (fast) schon dazu. So hatte Netto Anfang des Jahres erstmals tiefgekühlte Insekten-Pasta mit einem Mehlwurmmehl-Anteil von zehn Prozent im Angebot. Rewe führt seit neuestem Burgerpatties mit einem Büffelwurm-Anteil von 27 Prozent. Darüber hinaus enthält der Insektenburger Soja, Rapsöl und Eier.

Dieselben Burgerpatties sind auch bei der Burger-Kette Hans im Glück zu haben, hier unter dem zukunftsweisenden Namen "Übermorgen". Die Patties aus Insekten stammen von dem Food-Start-up Bugfoundation. Auch Ikea experimentiert mit Insekten-Köttbullar, die aus Mehlkäfern als Grundmasse bestehen sollen.

Insekten: Das neue Superfood?

Essbare Insekten gelten als zukunftsweisende Innovation im Nahrungsmittelbereich – für die meisten Menschen eine unangenehme Vorstellung. Dabei sind Kerbtiere eine gesunde und umweltfreundliche Nährstoffquelle.

Weltweit gibt es knapp 2.000 essbare Insektenarten: darunter Käfer, Raupen, Bienen, Heuschrecken, Grillen, oder Mehlwürmer. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation ernährt sich ungefähr eine Milliarde Menschen gelegentlich von Insekten. Diese Zahl wird steigen, denn Insekten-Food ist ein Trend, der sich wohl nicht mehr aufhalten lässt.

Wer schon mal den Versuch gemacht hat, Insekten zu essen, wird bestätigen: Die kleinen Tierchen schmecken relativ neutral, Geschmack bekommen sie hauptsächlich durch die Gewürze, mit denen sie aufgepeppt werden. Anbraten macht Heuschrecken, Grillen  und Co. schön knackig. 

Darum macht es Sinn, Insekten zu essen

  1. Insekten enthalten viel Protein.
  2. Sie sind eine optimale Quelle für Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
  3. Ihre Produktion ist umweltfreundlicher als die von herkömmlichem Fleisch.
  4. Insekten brauchen im Vergleich zu gängigen Nutztieren deutlich weniger Futter, weniger Platz und weniger Wasser. Als Vergleich: Das benötigte Wasser pro Kilo Fleisch liegt bei Rindern bei 15.000 Litern, bei Mehlwürmern bei nur einem Liter (Quelle: FAO.org).
  5. Insekten verursachen vergleichsweise wenig Treibhaus-Gase: 0,15 Kilogramm pro Kilogramm Körpergewicht bei Insekten, bei Rindern sind es knapp 15 Kilogramm.
  6. Bei Insekten liegt der essbare Anteil des Tierkörpers mit 80 Prozent deutlich höher als zum Beispiel beim Rind, wo er bei nur 40 Prozent beträgt.
  7. Insekten als Nahrungsquelle könnten die Ernährung der Weltbevölkerung sichern.

So sicher ist der Verzehr von Insekten

Insekten als Lebensmittel sind bei uns noch relativ neu, gesetzliche Regelungen dazu werden nach und nach auf den Weg gebracht.

Seit Anfang letzten Jahres sind Insekten als potenzielle Lebensmittel in der sogenannten Novel-Food-Verordnung der EU aufgeführt. "Diese Verordnung regelt die Zulassung von neuartigen Lebensmitteln in der Europäischen Union, wie zum Beispiel in den letzten Jahren Stevia, Goji-Beeren oder Chia-Samen", erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg.

In der EU noch keine rechtliche Regelung

Grundsätzlich müssen Insekten für den menschlichen Verzehr gesundheitlich bewertet und zugelassen werden. "Bis jetzt ist noch keine Insektenart in der EU als Lebensmittel zugelassen. Es wurden allerdings bereits mehrere Anträge auf Zulassung gestellt. Unter anderem für den Buffalowurm (Alphitobius diaperinus), den Mehlwurm (Tenebrior molitor) und die Kurzflügelgrille (Gryllodes sigillatus)", so die Verbraucherzentrale Hamburg. Eine Zulassung für eine Insektenart kann mehrere Monate dauern. Bis über die Anträge entschieden ist, dürfen die bestehenden Insektenprodukte im Rahmen einer Übergangsregelung weiter vermarktet werden. 

In der Schweiz sind Insekten als Lebensmittel bereits seit Mai 2017 genehmigt. Dort ist bislang der Verkauf von drei Insekten erlaubt: Mehlwurm, Heimchen (Grille) und Europäische Wanderheuschrecke. Auch in den Niederlanden und in Belgien ist der Konsum bereits rechtlich geregelt.

Wo der Tierschutz bei der Insektenzucht bleibt

Insekten sind Lebewesen. Nach dem aktuellen Forschungsstand haben sie kein Schmerzempfinden wie Säugetiere. Nichtsdestotrotz sind wir bei der Insektenzucht mit wichtigen Fragen konfrontiert: Wie können die Tiere artgerecht gehalten werden? Wie müssen sie gefüttert werden? Wie sieht die Behandlung im Krankheitsfall aus? Und vor allem: Wie werden sie am sinnvollsten getötet?

Insekten: nichts für Allergiker

Allergiker sollten beim Verzehr von Insekten vorsichtig sein. Wer allergisch auf Krebstiere oder Hausstaubmilben reagiert, kann eine solche Reaktion auch bei Insekten zeigen. 

Unser Tipp: Noch sind Insekten ein Nischenprodukt, sie haben aber durchaus das Zeug zum nächsten Superfood. Bei der nächsten Gelegenheit einfach mal kurz durchatmen, die Augen schließen – und ausprobieren!

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