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Erdbeermarmeladen-Test: Viele haben Probleme mit Pestiziden und zu viel Zucker

Magazin Mai 2020: Erdbeeren | Autor: Hanh Nguyen/Meike Rix | Kategorie: Essen und Trinken | 30.04.2020

Erdbeermarmelade im Test: Wir haben insgesamt 20 Erdbeerfruchtaufstriche und -konfitüren überprüft.
Foto: ÖKO-TEST

Lecker, frei von Pestiziden und mit hohem Fruchtanteil – so sollte eine Erdbeermarmelade sein. Diese Kriterien erfüllen fünf Fruchtaufstriche in unserem Test, sie sind "sehr gut". Viele andere kritisieren wir dagegen wegen enthaltener Pestizid-Spuren und eines zu hohen Zuckergehalts.

  • Mit Bestnote bewerten wir insgesamt fünf Erdbeermarmeladen im Test. 
  • Erdbeermarmeladen, die schlechter abschneiden, kritisieren wir wegen Pestizid-Belastungen, zu viel Zucker oder des Geschmacks. 
  • Bio-Fruchtaufstriche sind weniger mit Pestiziden belastet. 

Für viele gehört der Geschmack von Erdbeermarmelade auf Brötchen, Croissant oder Toast zu einem guten Frühstück dazu. Dabei gibt es Erdbeermarmelade theoretisch gar nicht. Wie Anbieter ihre in Zucker eingekochten Früchte nennen dürfen, ist gesetzlich per Konfitürenverordnung geregelt. Marmeladen sind demnach nur Zubereitungen aus Zitrusfrüchten. Der allgemeine Sprachgebrauch ist ein anderer. Die meisten Menschen sprechen am Frühstückstisch von Erdbeermarmelade.

Für unseren Test haben wir 20 Sorten "Erdbeermarmelade" ausgewählt, davon zwölf Erdbeerfruchtaufstriche und acht Erdbeerkonfitüren. Laut Verordnung müssen Konfitüren mindestens 55 Prozent Zucker enthalten. Für Produkte, die Fruchtaufstrich heißen, gibt es keine solche Vorgabe, sie haben oft höhere Fruchtanteile. Egal wie sie heißen: Die Fruchtmassen sollen schmecken und frei von Schadstoffen sein. Das haben wir in spezialisierten Laboren analysieren lassen.

Erdbeermarmeladen-Test: Einige sind nur mittelmäßig 

Fast die Hälfte der Produkte im Test können wir mit "sehr guten" und "guten" Gesamturteilen empfehlen. Einige schneiden aber auch nur mittelmäßig ab. Auffällig: In 65 Prozent der getesteten Erdbeerfruchtaufstrichen und -konfitüren hat das Labor Spuren von mindestens einem Pestizid nachgewiesen.

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In einer Erdbeermarmelade im Test waren es Spuren von gleich sechs verschiedenen Substanzen, in einem anderen Aufstrich fünf. Eine dieser gefundenen Substanzen ist das besonders bedenkliche Pestizid Tebuconazol. Es gilt als vermutlich schädigend für das Kind im Mutterleib.

Die im Labor gemessenen Werte liegen zwar weit unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte. Trotzdem sehen wir die Häufung von Pestizidspuren kritisch. Denn die Berechnungen für gesundheitliche Sicherheitsgrenzen gelten derzeit immer nur für die einzelnen Pestizidwirkstoffe. Ihr Zusammenwirken, wenn der Mensch mehrere davon auf einmal aufnimmt, hingegen ist bislang kaum erforscht. Ein schlechtes Zeichen in Bezug auf die mutmaßlichen Bedingungen für Erntearbeiter und die Belastungen für die Öko-Systeme vor Ort sind die Pestizidcocktails allemal.

Nur die wenigsten Fruchtaufstriche im Test werden aus regionalen Erdbeeren hergestellt.
Nur die wenigsten Fruchtaufstriche im Test werden aus regionalen Erdbeeren hergestellt. (Foto: Igor Borodin/Shutterstock)

Pflanzenschutzmittel sind einer der Stressoren für Artensterben. Somit haben Pestizide Auswirkungen auf die Artenvielfalt von Insekten, Vögeln und in Gewässern. Das große Problem: Das Prüfsystems für Pestizide in der EU.

"Das derzeitige System beurteilt die Umweltauswirkungen einzelner Produkte auf einzelne Felder und berücksichtigt zu wenig die zeitliche und räumliche Dimension", erklärt Dr. Annette Aldrich, Ökotoxikologin am Schweizer Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung Agroscope. Tiere wie Bienen und Vögel bewegen sich zwischen den Feldern und sind somit nicht nur Einzelsubstanzen ausgesetzt, sondern einer Mischung von Produkten, erläutert sie weiter.

Zu viel Zucker in zwei Drittel der Erdbeermarmeladen

Wenn sie auch gesünder daherkommt als Nutella, so ist Erdbeermarmelade doch auch eine Süßigkeit. Der Vergleich der Produkte im Test zeigt aber: Einige sind noch süßer als andere. Unsere kritische Grenze orientiert sich an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Wenn ein Erwachsener mit den Zuckerzusätzen in einer Portion schon mehr als die Hälfte der Zuckermenge abgefrühstückt hat, die die (WHO) für vertretbar hält, dann ist das aus unserer Sicht zu viel. Das ist bei knapp zwei Drittel der getesteten Erdbeermarmeladen der Fall.

Eigentlich dürfen nur Zubereitungen aus Zitrusfrüchten als Marmelade bezeichnet werden. Der allgemeine Sprachgebrauch ist ein anderer: So gut wie jeder spricht von Erdbeermarmelade.
Eigentlich dürfen nur Zubereitungen aus Zitrusfrüchten als Marmelade bezeichnet werden. Der allgemeine Sprachgebrauch ist ein anderer: So gut wie jeder spricht von Erdbeermarmelade. (Foto: Vitaliy Karimov/Shutterstock)

So schmecken die Erdbeermarmeladen im Test 

Und wie schmecken die Erdbeerfruchtaufstriche und -konfitüren im Test? Richtig unangenehme Geschmacksfehler wie "schimmelig" oder "dumpf" haben die Experten nicht festgestellt. Einziger Kritikpunkt: Viele Erdbeermarmeladen zeigen im Geschmack und/oder Geruch intensivere Kochnoten. Dadurch wirkt der Geschmack weniger frisch und ursprünglich. "Kochigen" Geschmack und Geruch kennt man zum Beispiel von im Glas eingeweckten Erdbeeren.

Manche Aufstriche schmecken zudem süßer oder säuerlicher als andere. Dafür haben wir allerdings keinen Notenabzug gegeben – das fällt in die Kategorie Geschmackssache.

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In den Erdbeermarmeladen im Test stecken kaum Erdbeeren aus regionalem Anbau. Wir haben bei den Anbietern nachgefragt, wo die Früchte für die getesteten Chargen angebaut wurden. Deutschland tauchte nur beim Fruchtaufstrich von zwei Herstellern auf, bei einem der beiden aber nur als eines von drei Herkunftsländern.

Die meisten Anbieter gaben mehrere Herkunftsländer an. Am häufigsten genannt wurde: Polen 12-mal, Spanien 7-mal sowie Türkei, Ägypten und Marokko jeweils 4-mal.

Tipps für den Kauf von Erdbeermarmeladen 

Was Sie beachten sollten, wenn Sie Erdbeerfruchtaufstriche und -konfitüren kaufen: 

  • Die Testergebnisse zeigen: Mit Bio-Fruchtaufstrichen nehmen Sie weniger Pestizide zu sich.
  • Wenn Sie besonders viel Frucht möchten, werden Sie eher bei Produkten mit der Bezeichnung Fruchtaufstrich fündig. 
  • Bitte beachten: Auch Agavendicksaft und Saftkonzentrate sind als Süßungsmittel nicht besser als normaler Zucker.
Wenn Sie frische Erdbeeren im Haus haben, sind diese eine leckere Alternative zur Marmelade.
Wenn Sie frische Erdbeeren im Haus haben, sind diese eine leckere Alternative zur Marmelade. (Foto: manulito/Shutterstock; anastasiia agafonova/Shutterstock)

Erdbeeren auf Toast als leckere Alternative 

Eine leckere Alternative zur viel zu süßen Marmelade, wenn Sie frische Erdbeeren im Haus haben: Ein paar Erdbeeren waschen und halbieren, eine Brötchen- oder Toasthälfte mit Butter, Frischkäse, Quark oder Kokosfett bestreichen und mit halben Erdbeeren belegen. 

Zugesetzter Zucker steckt hier höchstens im Brötchen, während Sie mit dem normalen Marmeladenbelag schon locker die Hälfte der Menge an Zucker intus haben, die die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Wenn Ihnen unsere Idee schmeckt, experimentieren Sie einfach weiter: mit anderen kleingeschnittenen Früchten und Frischkost als Brotbelag.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Zwölf Erdbeer-Fruchtaufstriche und acht Erdbeer-Konfitüren haben wir im Discounter, in Super- und Bio-Märkten eingekauft, sieben davon stammen aus kontrolliert ökologischer Erzeugung. Die Preisspanne der Produkte reicht von 55 Cent bis 4,36 Euro für 250 Gramm Aufstrich.

Im Labor ließen wir die Aufstriche nicht nur auf Pestizidrückstände analysieren, sondern auch den in der Nährwerttabelle angegebenen Zuckergehalt analytisch überprüfen. Und da die Produkte auch lecker schmecken sollen, haben wir die Sensorik nicht außer Acht gelassen: Geschulte Prüfer haben die Proben in mehreren Durchgängen anonymisiert verkostet.

Die Dichtung in den Verschlussdeckeln ließen wir auf chlorierte Verbindungen untersuchen. Sehr genau haben wir uns zudem alle Hinweise und Auslobungen, mit welchen die Hersteller ihre Produkte bewerben, angeschaut. Diese Bewertungen fließen in das Testergebnis Weitere Mängel ein.

Das Gesamturteil basiert primär auf dem Abschneiden der Produkte im Testergebnis Inhaltsstoffe. Es kann sich durch Notenabzüge in den Testergebnissen Sensorik und Weitere Mängel verschlechtern

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein Zuckergehalt von mehr als 12,5 g pro 30-g-Portion (in Tabelle zugesetzter Zucker "erhöht") nach Abzug des fruchteigenen Zuckers der Erdbeeren und gegebenenfalls der Johannisbeeren (5,5 g pro 100 g Erdbeeren; 5,1 g pro 100 g Johannisbeeren, Quelle: Souci-Fachmann-Kraut, Lebensmitteltabelle für die Praxis). Dies entspricht einer Ausschöpfung von mehr als 50 % der empfohlenen Zuckeraufnahme durch die WHO von max. 5 Energieprozent des täglichen Energiebedarfs. Weniger als 8,75 g zugesetzter Zucker pro 30-g-Portion werden in der Tabelle als "niedrig" bezeichnet, Mengen von 8,75 bis 12,5 g als "mittel"; b) 5 bis 9 Pestizide in Spuren; c) 1 bis 2 als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von mehr als 0,01 mg pro Kilogramm deklariertem Erdbeergehalt (hier: Tebuconazol).

Bewertung Testergebnis Sensorik: Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um drei Noten: starke Kochnoten in Geruch und Geschmack. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) eine deutliche Kochnote im Geruch und eine starke Kochnote im Geschmack; b) eine starke Kochnote im Geruch und eine deutliche Kochnote im Geschmack. Zur Abwertung um eine Note führt: deutliche Kochnoten in Geruch und Geschmack.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: der Nachweis von mehr als 0,01 mg/kg eines Pestizids und/oder Pestizidmetaboliten in einem Bio-Produkt. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Deckeldichtung; b) die prominente Hervorhebung "mit Agavendicksaft gesüßt", obwohl als weitere süßende Zutat außerdem Traubensaftkonzentrat verwendet wird; c) Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: "laut Gesetz ohne Konservierungs- und Farbstoffe" sowie vergleichbare Formulierungen); d) Auslobung einer deutlich zu kleinen Portionsangabe (hier: 15 g bzw. 20 g).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Sensorik, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "ungenügend" oder "mangelhaft" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.  

Testmethoden

Pestizide: Bestimmung in Anlehnung an § 64 LFGB L00.00-113 : 2015-03 mittels LC-MS/MS und GC-MS in Lebensmitteln mit hohem Wassergehalt.
Fosetyl-Al, Fosetyl und Phosphonsäure: QuPPE-Methode, EURL-SRM Vers. 10.1; 5.6.8. Method 2, LC-MS/MS.
Chlorat/Perchlorat: LC-MS/MS.
Zucker: HPLC-RI bzw. HPAEC-PAD.
Sensorik: Beurteilung nach ASU L00.90:2016. Nach Einzelprüfungen werden die Einzelergebnisse in der Gruppe diskutiert und ein gemeinsames Gesamtergebnis erarbeitet.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Januar 2020

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