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Bierkonzerne: Wem gehören welche Marken?

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Essen und Trinken | 30.05.2019

Bierkonzerne: Wem gehören welche Marken?
(Foto: Pixabay)

In Deutschland werden über 5.000 Biere gebraut: Breite Auswahl bei vollen Regalen – möchte man meinen. Doch der Schein trügt: Tatsächlich stammen 9 von 15 bekannten deutschen Bieren nur von vier großen Konzernen.

Laut der Fachzeitschrift "Inside Getränke" haben 2017 besonders die Biermarken Krombacher und Oettinger den Bierdurst der Deutsche gelöscht. Krombacher braute rund 5,7 Millionen, Oettinger rund 4,9 Millionen Hektoliter Pils, Radler, Weizen-, Dunkel- oder Kellerbier. Damit führten sie die Rangliste der deutschen Brauereien mit einigem Abstand an, was den höchsten Jahresausstoß betraf.

Auf den folgenden Plätzen fanden sich namhafte Biermarken wie Bitburger (3,8 Mio.), Veltins (2,8 Mio.), Beck's (2,5 Mio.), Paulaner (2,3 Mio.) und Warsteiner (2,1 Mio.). Zum Vergleich: Auf dem Oktoberfest im gleichen Jahr 2017 tranken die Besucher nur rund 0,075 Millionen Hektoliter Bier. Der Ausstoß der deutschen Brauereien ist beachtlich, obwohl der Bierkonsum in Deutschland seit Jahren rückläufig ist. 

Neun von 15 Bieren gehören vier Brauereigruppen

Während die Deutschen sich in Abstinenz üben, übernehmen große Konzerne auf dem nationalen und internationalen Biermarkt immer mehr Brauereien. Zu den wichtigsten Unternehmen hierzulande gehören dabei die Bier- und Getränkekonzerne Anheuser Busch aus Belgien, die Radeberger-Gruppe mit Sitz in Frankfurt am Main und die Bitburger Holding aus Nordrhein-Westfalen. Ein weiteres mächtiges Brauimperium ist die niederländische Heineken-Gesellschaft. Sie alle besitzen Brauerein in mehreren Ländern und vertreiben zahlreiche Biermarken.

Auch hinter den konventionellen Pilsmarken in unserem aktuellen Bier-Test stecken oft Großkonzerne wie Anheuser Busch, Radeberger & Co. oder kleinere Braugruppen.

Im Ranking von "Inside Getränke" gehören von den 15 Bieren alleine neun – deutlich mehr als die Hälfte – ganz oder teilweise zu einem der vier großen Bierkonzerne. Anheuer Busch braut Beck's (Platz 5), Hasseröder (Platz 8) und Franziskaner (Platz 12), während die Radeberger-Gruppe nicht nur das namensgleiche Pilsbier (Platz 9) sondern auch Jever (Platz 13) und Ur-Krostitzer (Platz 15) im Portfolio hat. Die Bitburger Holding wiederum vertreibt nicht nur Pils und Radler unter eigenem Namen (Platz 3), sondern auch König Pilsener (Platz 14).

Jedes dritte Bier kommt inzwischen von Anheuser

Das Heineken-Imperium, der Vierte im Bunde, hält wiederum große Anteile an Paulaner (Platz 6) und bringt es international sogar auf einen Marktanteil von elf Prozent. Das liegt vor allem daran, dass die Niederländer nicht nur ihr eigenes Bier herstellen und vertreiben, sondern auch Marken wie Amstel, Desperados, Strongbow, Murphy’s und Fürstenberg verkaufen. Über 230 Millionen Hektoliter Bier kamen so 2018 über die Heineken-Gruppe auf dem Weltmarkt.

Nicht viel gegen Anheuser Busch, die 2018 über 560 Millionen Hektoliter brauten. Fast jedes dritte Bier, das auf der Welt getrunken wird, kommt inzwischen von der belgischen Gesellschaft – auch deshalb, weil Anheuser in den letzten Jahren zahlreiche Konkurrenten aufgekauft hat. Heute ist die Gruppe mit mehr als 500 Marken in über 150 Ländern vertreten. Neben bereits genannten Bieren wie Beck's vertreibt Anheuser auch bekannte Gerstensäfte wie Budweiser, Corona und Stella Artois. In Deutschland gehören außerdem Diebels, Löwenbräu und Spatenbräu zu dem belgischen Brauriesen.

Radeberger ist der größte deutsche Braukonzern

Auch die Radeberger-Gruppe ist nicht schlecht aufgestellt – zumindest für deutsche Verhältnisse. Sie ist die größte Brauereigruppe hierzulande und gehört selbst zu Oetker. Die Radeberger-Gruppe beherbergt neben den erwähnten Marken auch Berliner Kindl, Schultheiss, Binding, Clausthaler, Schöfferhofer Weizen, Henninger, Stuttgarter Hofbräu sowie verschiedene Kölschbiere.

Fazit: Der deutsche Verbraucher hat beim Griff ins Regal zwar durchaus eine Wahl – meist kauft er aber Bier aus Brauereien, die sich im Besitz großer oder mittlerer Konzerne befinden. Wer das nicht möchte, sieht sich am besten nach regionalen Bieren oder nach unabhängigen Bio-Bieren wie Lammsbräu um. Oder braut sein eigenes Craftbeer einfach selbst.

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