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Apfelsaft-Test: Viele naturtrübe Apfelsäfte sind empfehlenswert

Magazin September 2020: Mehl | Autor: Jörg Döbereiner/Annette Dohrmann | Kategorie: Essen und Trinken | 27.08.2020

Apfelsaft-Test: 18 naturtrübe Direktsäfte schneiden "sehr gut! ab.
Foto: ÖKO-TEST

Apfelsaft gehört zu den absoluten Lieblingen unter den Fruchtsäften – nicht nur bei Kindern. Das kann auch so bleiben, denn fast drei Viertel aller Produkte haben unseren Test mit "sehr gut" bestanden. Dennoch gibt es auch ein paar Mängel.

  • Mit Bestnote können wir 18 naturtrübe Apfelsäfte im Test empfehlen. 
  • Zwei Mal fand das Labor das bedenkliche Pestizid Acetamiprid – es gehört zur Gruppe der Neonikotinoide, die giftig für Bienen sind.
  • Geschmacklich fielen zwei naturtrübe Apfelsäfte negativ auf. 

6,8 Liter Apfelsaft hat jeder Bundesbürger im Jahr 2019 getrunken. Damit gehört damit gehört der Apfelsaft gleich hinter dem Orangensaft zu den absoluten Lieblingen im Saftregal. Wir haben 25 naturtrübe Apfelsäfte untersuchen lassen. Mit erfreulichem Ergebnis: Fast drei Viertel bewerten wir mit "sehr gut", vier weitere mit "gut". Der Rest schneidet mittelmäßig ab.

Bei allen Apfelsäften in diesem Test handelt es sich um Direktsaft, das heißt, die Früchte wurden nach dem Pressen und Pasteurisieren direkt abgefüllt. Übrigens: Nach dem Pressen ist Apfelsaft immer naturtrüb. Erst nach dem Filtern erhält man klaren Apfelsaft.  

Apfelsaft-Test: Spuren von Pestiziden gefunden

Was fällt auf? Acht naturtrübe Apfelsäfte im Test sind frei von Spritzgiften. Dagegen fand das beauftragte Labor in allen anderen Säften Rückstände von bis zu vier Pestiziden. Zwar jeweils nur in Spuren, darunter jedoch in zwei Fällen das von uns als besonders bedenklich eingestufte Acetamiprid. Das Insektenvernichtungsmittel gehört zur Gruppe der Neonikotinoide, die giftig für Bienen sind.

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So schmecken die naturtrüben Apfelsäfte

Wie ein Apfelsaft riecht, schmeckt und aussieht, das beeinflussen sowohl die verwendeten Sorten als auch Verarbeitung und Lagerung. Die Säfte sollten ein ausgeglichenes Verhältnis von Säure und Zucker aufweisen – das tun alle im Test.

Und natürlich erwarten Verbraucher ein kräftiges Apfelaroma. Geruch und Geschmack fast aller naturtrüben Apfelsäfte im Test waren einwandfrei. So das Ergebnis des Sensorik-Tests, der von geschulten Verkostern durchgeführt wurde. Zwei Apfelsäfte allerdings fielen negativ auf.

Apfelsaft im Test: Wir haben insgesamt 25 naturtrübe Direktsäfte überprüfen lassen.
Apfelsaft im Test: Wir haben insgesamt 25 naturtrübe Direktsäfte überprüfen lassen. (Foto: MIA Studio/Shutterstock)

Die Ursache dafür könnte unter anderem in einem höheren Anteil unreifer, überreifer oder angeschlagener Äpfel liegen. Zumindest in einem der beiden Apfelsäfte hatten Mikroorganismen offensichtlich Zeit zu arbeiten, denn das Produkt hat den höchsten Ethanolwert im Test. Zur Erklärung: Mikroorganismen sind pflanzliche oder tierische Organismen, die zum Großteil nur aus einer Zelle bestehen – wie Bakterien und Pilze, darunter auch Hefen. 

Mit dem gemessenen Ethanolgehalt gilt dieser naturtrübe Apfelsaft zwar als "nicht gegoren" – und er hält die rechtlichen Vorgaben ein. Allerdings hält er strengeren Kriterien, zum Beispiel denen des Qualitätszeichens Baden-Württemberg "Gesicherte Qualität", nicht stand. Wir werten den Ethanolgehalt als Hinweis auf mikrobielle Veränderung ab.

Naturtrüber Apfelsaft sollte naturbelassen bleiben 

Überflüssig finden wir es, dass Apfelsäfte mit Vitamin C aufgepeppt werden. Das betrifft vier Marken im Test. Naturtrüber Apfelsaft sollte aus unserer Sicht möglichst naturbelassen bleiben.

Klar, Apfelsaft enthält weniger Vitamin C als frische Äpfel. Denn das Vitamin reagiert empfindlich auf Sauerstoff, Licht und Wärme und geht bei der Versaftung zum großen Teil verloren. Das ist dennoch kein Grund, Vitamin C dazuzugeben.

Apfelsaft im Test: Zehn Produkte sind mit Äpfeln von Streuobstwiesen gepresst. Wer diese kauft, schützt die Natur.
Apfelsaft im Test: Zehn Produkte sind mit Äpfeln von Streuobstwiesen gepresst. Wer diese kauft, schützt die Natur. (Foto: Juergen Faelchle/Shutterstock)

Zehn Säfte aus Äpfeln von Streuobstwiesen 

Nur fünf Hersteller der Apfelsäfte im Test geben auf der Verpackung an, woher die Äpfel für ihren Saft stammen. Bei den anderen haben wir nachgehakt. Mit Äpfeln von Streuobstwiesen sind Apfelsäfte von zehn Marken gepresst.

Das ist positiv, denn die für Artenvielfalt wertvollen Streuobstwiesen sind bedroht: Ihr Bestand steht auf der Roten Liste gefährdeter Biotoptypen. Wer Apfelsaft aus Streuobst kauft, betreibt also aktiv Naturschutz.  

Apfelsaft: Das rät ÖKO-TEST zum Verzehr 

Wir geben Tipps zum Kauf und Verzehr von Apfelsaft:

  1. Saftkartons oder -flaschen nach Anbruch schnell wieder verschließen, kühl stellen und nicht direkt daraus trinken – so hält sich Saft meist länger als auf der Packung angegeben.

  2. Fruchtzucker und Säure aus dem Saft greifen die Zähne an: Deshalb sollten vor allem Kinder das Glas lieber auf einmal austrinken als ständig kleine Schlucke zu nehmen oder gar mit Strohhalm zu "nuckeln".

  3. Wer Apfelsaft aus Streuobst kauft, schützt die Natur. Denn der Bestand artenreicher Streuobstwiesen ist stark gefährdet.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 25 naturtrübe Direktsäfte eingekauft: Eigenmarken von Supermärkten und Discountern ebenso wie acht Bio-Säfte. Die meisten Säfte stecken in Getränkekartons, fünf in Mehrweg-Glasflaschen und einer in einer pfandfreien Plastikflasche. Sie kosten zwischen 0,96 und 3,73 Euro pro Liter.

Wir ließen alle Produkte in Laboren testen: auf Qualitätsparameter wie Ethanol und Methanol, flüchtige Säuren, Milchsäure sowie den Brix-Wert, eine Maßeinheit für Dichte, die Rückschlüsse auf den Zuckergehalt zulässt. Auch Pestizide, die Wachstumsregulatoren Chlormequat und Mepiquat sowie das Schimmelpilzgift Patulin standen auf dem Prüfplan. Geschulte Prüfpersonen verkosteten alle Säfte und bewerteten Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl.

Ein weiteres Labor analysierte die Säfte auf Elemente wie Aluminium und Kupfer sowie auf chlorierte Verbindungen in den Verpackungen. Auch die Deklarationen prüften wir: Ist den Produkten überflüssigerweise Vitamin C zugesetzt? Werben Anbieter mit Aussagen, die selbstverständlich sind? Beides kritisieren wir. Unsere Bewertung beruht auf den Inhaltsstoffen. Sensorik und das Testergebnis Weitere Mängel können die Gesamtnote verschlechtern.  

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein Gehalt des besonders bedenklichen Pestizids Acetamiprid von mehr als 0,01 mg/kg im unverarbeiteten Apfel, berechnet unter Berücksichtigung des Verarbeitungsfaktors 0,48 für Acetamiprid in pasteurisiertem Saft (Quelle: BfR-Datensammlung zu Verarbeitungsfaktoren); b) Zusatz von Vitamin C; c) Hinweis auf mikrobielle Veränderung, hier: ein Ethanol-Wert über der Anforderung des Qualitätszeichens Baden-Württemberg "Gesicherte Qualität" für Fruchtsaft von 1,5 g/l. Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um drei Noten: Geruch mit Fehler und Geschmack mit Fehler, unsauber, oxidiert/gealtert, bitter. Zur Abwertung um eine Note führt: Geschmack leicht unsauber.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: pfandfreie Kunststoffflasche. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Deckeldichtung von Glasflaschen; b) Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: "ohne Zuckerzusatz laut Gesetz" und/oder "ohne Farb- und Konservierungsstoffe laut Gesetz" oder vergleichbare Formulierungen).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Testergebnisse Sensorik und Weitere Mängel, die "befriedigend" und/oder "ausreichend" sind, verschlechtern das Gesamturteil um jeweils eine Note. Testergebnisse Weitere Mängel oder Sensorik, die "gut" sind, verschlechtern das Gesamturteil nicht. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Testmethoden 

Verpackung:
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Inhaltsstoffe:
Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, ICP-MS.
Patulin: LC-MS/MS.
Mepiquat/Chlormequat: LC-MS/MS, § 64 LFGB L 00.00-76: 2018-12, mod. (Modifikation: auch Anwendung auf fetthaltige pflanzliche und auf tierische Produkte; Einwaage). Berechnet als Mepiquatchlorid bzw. Chlormequatchlorid.
Tetrahydrophthalimid (THPI), Captan (Summe aus Captan und THPI, ausgedrückt als Captan): GC-MS/MS.
Weitere Pestizide: GC-MS/MS bzw. LC-MS/MS, § 64 LFGB L 00.00-113: 2015-03, mod. (Modifikation: Einwaage, Miniaturisierung, Reinigung, auch Anwendung für Futtermittel).
Ethanol/Methanol: Headspace-GC-FID nach OIV MA-AS312-03.
Flüchtige Säure: Destillativ-titrimetrisch gemäß IFU-5-68.
D-/L-Milchsäure: Enzymatisch gemäß IFU-53-83/96.
pH-Wert: Potentiometrische pH-Glaselektrode nach IFU-11.
Relative/absolute Dichte: Biegeschwinger gemäß IFU-1A.
Brix-Wert: Refraktometer.
Sensorik (Aussehen, Geruch, Geschmack, Textur/Mundgefühl): Gemäß Amtliche Sammlung von Untersuchungsverfahren nach § 64 LFGB L00.90-22; Profilprüfung, verdeckt und nach Person getrennt, bei Raumtemperatur.

Einkauf der Testprodukte: Mai 2020 

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