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19 Isotonische Getränke im Test

Jahrbuch für 2017
vom 20.10.2016

Isotonische Getränke

Ernüchternd

Bis zu eineinhalb Liter Schweißverlust pro Stunde - das ist bei intensivem Sport keine Seltenheit. Doch Isodrinks können die dabei ausgeschiedenen Stoffe nur teilweise ersetzen. Viele stecken zudem randvoll mit künstlichen Süßstoffen, Aromen und überflüssigen Vitaminen.

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20.10.2016 | Wer Sport treibt, schwitzt - und wer schwitzt, verliert Flüssigkeit und Mineralstoffe. Dennoch stellt sich die Frage, ob es zum Ausgleich unbedingt spezielle Sportlerdrinks sein müssen.

Wir haben 19 Sportlergetränke unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

Insgesamt können wir keinen Sportdrink wirklich empfehlen. Die besten schneiden mit "befriedigend" ab und viele sind nur "ausreichend". Ganz schlecht steht es um die Sportgetränkemarken AM und Multipower - sie fallen mit "ungenügend" komplett durch.

Sportlergetränke sollten typischerweise isotonisch sein und Zucker und Natrium liefern. Alle Vorgaben erfüllen nur Powerade Sports Mountain Blast und Isostar Hydrate & Perform Sport Drink Orange Flavour. Sämtlichen anderen Getränken fehlt es an ausreichend hohen Natriumgehalten, wobei wir uns an der Vorgabe des Scientific Committee on Food der EU-Kommission von 460 bis 1.150 Milligramm pro Liter orientiert haben.

Kalorienfreie Süßstoffe wie Saccharin, Cyclamat und Aspartam sind in Sportgetränken eher kontraproduktiv, denn sie sollen ja gerade Energie durch Zucker bereitstellen. Offenbar möchte man die süßstoffgesüßten Produkte auch als "kalorienarm" vermarkten, um gesundheitsbewusste Freizeitsportler anzusprechen. Kalorienarm dürfen sich Getränke nennen, die nicht mehr als 20 kcal pro Liter enthalten. Das erfüllen alle entsprechend gekennzeichneten Drinks.

Die Mehrheit der Produkte sind mit Aromen versetzt, die den Geschmack künstlich verbessern sollen. Weitere Produkte enthalten zum Ausgleich der geringen Fruchtgehalte "natürliche Citrusaromen". Das ist noch akzeptabel, da diese Aromen zu mindestens 95 Prozent aus aromatisierenden Bestandteilen von Zitrone, Orange und Grapefruit bestehen, wie die Laboranalysen bestätigten.

Fast alle Getränke sind mit Vitaminen und manche zudem mit Calcium und Magnesium angereichert. Wer mehr als eine 500-ml-Flasche konsumiert, erreicht bei den Vitaminen schnell mehr, als das Bundesinstitut für Risikobewertung als Anreicherung pro Tag empfiehlt.

Im Multipower-Getränk steckt deutlich zu viel Chlorat, das die Jodaufnahme in die Schilddrüse hemmen kann. Im Vitrex-Sportdrink wurde nierenschädliches Uran gefunden - die Menge beträgt knapp die Hälfte des Trinkwassergrenzwerts.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In den Test aufgenommen wurden 19 als "isotonisch" ausgelobte Getränke. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Produkte aus Supermärkten, Discountern und Drogerien. Im Warenkorb landeten auch einige Marken von Mineralwasserherstellern. Hinzu kamen Produkte bekannter Sportgetränkeanbieter, darunter die Elektrolytgetränke Powerade und Isostar.

Die Inhaltsstoffe
Ein Schwerpunkt der Laboruntersuchungen betraf die Gehalte an Zucker und Natrium sowie die Überprüfung der Osmolalität. Letztere gibt Aufschluss über die Menge an gelösten Teilchen und damit über die Einordnung als isotonisches Getränk. Hinzu kamen umfangreiche Schwermetallanalysen, um mögliche Belastungen, inbesondere der mit Mineralwasser hergestellten Produkte, zu überprüfen. Die Untersuchung auf Chlorat galt dagegen vor allem den auf Trinkwasserbasis hergestellten Produkten, da sich die Chemikalie durch Desinfektionsmaßnahmen in Wasser anreichern kann. Schließlich warfen wir einen kritischen Blick auf die Zutatenlisten, insbesondere auf die verwendeten Zusatzstoffe. Und wir ließen im Labor analysieren, ob "natürliche Citrusaromen" wirklich überwiegend aus Fruchtbestandteilen bestehen.

Die Weiteren Mängel
Werbeaussage oder echte Verbraucherinformation? Dazu nahmen wir die Packungsangaben unter die Lupe. So müssen etwa Produkte, die sich "kalorienarm" nennen, bestimmte gesetzliche Anforderungen erfüllen.

Die Bewertung
Isotonische Getränke sind so konzipiert, dass sie zum Ausgleich von Flüssigkeits- und Nährstoffverlusten durch längere sportliche Aktivität beitragen sollen. Für Getränke, die nicht genügend Natrium enthalten oder nicht isoton sind, gibt es daher Abzüge. Kritisch sehen wir den Zusatz von Süßstoffen, Aromen oder überflüssigen Mineralstoffen und Vitaminen. Sind gesundheitlich bedenkliche Stoffe in größerer Menge enthalten - zum Beispiel Chlorat - bleibt nur die Rote Karte.

So haben wir getestet

Aussagen wie hier zu Calcium und Magnesium sind erlaubt, im Zusammenhang mit Schweißverlusten allerdings nicht relevant.

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