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ÖKO-TEST November 2013
vom

Ikea-Möbel

Bra jobbat!

Ikea-Möbel, die wir in die Labore schickten, konnten überwiegend überzeugen. Auch das Billy-Regal, das in früheren Tests noch ordentlich Formaldehyd ausgaste, ist jetzt in Ordnung. Doch ausgerechnet bei einem Stuhl aus der modernen Stockholm-Reihe passte nichts zusammen.

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25.10.2013 | Viele treibt die Frage um, inwieweit die billigen Ikea-Möbel gesundheits- oder umweltschädlich sind. ÖKO-TEST beobachtet die Produkte deshalb seit vielen Jahren kritisch und hat auch immer wieder Möbel und andere Artikel aus dem Sortiment getestet.

So prangerten wir vor 25 Jahren die vielen PVC-Produkte im Katalog an, Ikea fand den umweltbelastenden Kunststoff zu diesem Zeitpunkt noch super, da vielseitig verwendbar, sehr elastisch und pflegeleicht. Im nächsten Katalog verzichtete Ikea jedoch auf PVC - aber nur auf das Wort, Papier ist bekanntermaßen geduldig. Aus einer PVC-Beschichtung wurde eine "Kunststoffbeschichtung", aus PVC-Fliesen wurden "Vinylplatten", ohne dass sich erkennbar etwas geändert hätte. Doch schon 1991 kam der echte Verzicht auf PVC - außer in Kabeln. Leider nicht konsequent, denn im März 2013 hatten wir die mit dem umstrittenen Kunststoff beschichtete Wickelauflage Gullunge im Test, sie war mit PAK und phosphororganischen Verbindungen belastet. Ikea nahm sie jedoch unverzüglich vom Markt und bietet zurzeit keine Wickelauflage an.

Mittlerweile haben wir fast 140 Ikea-Produkte auf den Prüfstand gestellt: rund 25 Möbel, Teppiche und Bodenbeläge, rund 60 Produkte für Kinder - Möbel, Bettzeug/Matratzen, Spielzeug - sowie knapp 20 Matratzen und Bettdecken für Erwachsene. Darüber hinaus noch Produkte aus dem Ikea-Gemischtwarenladen, auch Farben und Lasuren, und sogar Café, Kekse, Eis und Duschcremes.

Bereits Ende der 80er-Jahre berichteten wir erstmals über zu starke Formaldehydausdünstungen aus den Möbeln, da Kunden über Beschwerden wie brennende, juckende Augen und Husten klagten. Damals argumentierte Ikea, dass die Produkte den schwedischen Grenzwert für Spanplatten einhielten, aber das reichte, um die Raumluft über Gebühr zu belasten. Erst drei Jahre später kochte das Thema erneut, aufgrund eines Billy-Tests des Magazins Stern, hoch.

Die Ausdünstungen blieben auf der Tagesordnung: Fertigparkett, Laminat und einige Möbel, die wir im Jahr 2000 untersuchten, gaben Formaldehyd ab, so auch das Billy-Regal. Auch die Küchenmöbel, die wir drei Jahre später testeten, belasteten die Raumluft. Und erst kürzlich stellten wir im Test Sitzsäcke (ÖKO-TEST-Magazin 9/2013) fest, dass aus der Füllung des Sitzsacks Skoghall zuviel bedenkliches Styrol entwich. Schlechte Noten gab es anfangs auch für Matratzen für Erwachsene aufgrund des enthaltenen Schadstoffcocktails. Die Matratze Sultan Hamnö wurde daraufhin sogar zurückgerufen, weil sie die internen Grenzwerte nicht erfüllte. In den jüngsten Tests waren die Schlafunterlagen aber nahezu schadstofffrei, Punktabzug gab es eher aufgrund des Praxistests.

Erfreulich ist die Tatsache, dass die Ikea-Kinderprodukte in unseren Tests mit einem Notenschnitt von etwa 2,5 besser abschnitten als die übrigen Produkte. Vor knapp zehn Jahren testeten wir ein Kinderzimmer, so wie es auf den Katalogseiten abgebildet war, mit allem Drum und Dran. Der Test fiel mit vielen "sehr guten" Produkten ganz ordentlich aus, aber gerade Matratze und Bettdecke bekamen nur ein "mangelhaft" - und das war im sensiblen Schlafbereich alles andere als akzeptabel.

Stark schwankend war vor allem die Qualität bei den vielen kleinen Dingen des Leben. So enthielt im Test Wohnaccessoires 11/2012 die Kerze zu viel Schwefel und krebsverdächtige Farbbestandteile, ähnlich schlecht sah es mit der getesteten Papierserviette aus. An anderen Dingen wiederum hatten wir nichts oder nur wenig auszusetzen. Allerdings konnte auch die Energiesparlampe in unserem großen Vergleichstest 2008 nicht überzeugen; sie gehörte mit einer geringen Lebensdauer zu den schwächeren Produkten im Test.

Uns interessierte, wie es aktuell um die Qualität und Schadstoffbelastung der Ikea-Möbel bestellt ist. Deshalb schickten wir 20 Modelle einschließlich eines Teppichs in die Labore. Darunter finden sich einige echte Klassiker.

Das Testergebnis

Bra jobbat - heißt es in Schweden für "gut gemacht". Die Möbel mussten einen sehr umfangreichen Schadstofftest ohne Schlingern bestehen. Und das taten 17 der 20 Möbel. Der Teufel steckt allerdings im Detail. Ein Stuhl hatte einen fast legendären Produktionsfehler: Die Bohrungen deines Stuhls waren falsch platziert, so dass dieser nicht korrekt zusammengeschraubt werden konnte.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Für unseren Test von Ikea-Möbeln wollten wir die wichtigsten Einrichtungsstücke für Wohn- und Schlafzimmer dabeihaben: Stühle, Tische, Sessel, Sofa, Regal, Schrank, Kommode, Bett, Teppich. Wir suchten Klassiker und Verkaufsschlager aus, das Billy-Regal, der Pax-Schrank, die Malm Kommode, der Poäng-Sessel durften nicht fehlen. Neben Klassikern wählten wir auch neuere oder ganz neue Produkte wie den Stockholm-Stuhl. Dabei ist auch die Stuwa-Truhe als Kinderzimmer-Möbel.

Die Inhaltsstoffe
Da viele Möbel überwiegend aus verleimtem Holz und Holzwerkstoffen bestehen, interessiert am meisten, inwieweit sie Formaldehyd oder flüchtige organische Verbindungen (VOC) ausgasen und damit die Raumluft belasten. Daneben wurden die Lacke und Beschichtungen auf problematische Bestandteile wie Weichmacher und umstrittene halogenorganische Verbindungen untersucht. Die Stoffe der Polstermöbel wiederum können mit bedenklichen Farbstoffen gefärbt sein, im Fokus stehen vor allem krebsverdächtige aromatische Amine. Außerdem prüften die Labore, inwieweit für die Polster problematische Stabilisatoren, Weichmacher, Flammschutzmittel oder antimikrobiell wirkende Substanzen eingesetzt wurden.

Das Testergebnis
Die Möbel werden aufgrund ihrer Inhaltsstoffe bewertet, die nachgewiesenen Schadstoffe führen zu Minuspunkten. Wir haben alle Möbel aufgebaut, die Anleitungen und die Schwierigkeiten jedoch nicht bewertet. Nicht akzeptabel finden wir jedoch einen Produktionsfehler mit Fehlbohrungen, denn damit ist der betroffene Stuhl nicht zu gebrauchen. Das ist einfach "mangelhaft".

So haben wir getestet

Überraschungsei: Das Innenleben des massiv wirkenden Lack-Tisches entlarvt sich als wabenförmige Pappe.