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20 Holzlasuren für innen und außen im Test

Schutzlos ausgeliefert

ÖKO-TEST April 2009 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 27.03.2009

20 Holzlasuren für innen und außen im Test

Holzlasuren sollen das Holz schützen. Der Schutz der Verbraucher scheint für die Produzenten aber ein Fremdwort zu sein: Sie werden unzureichend informiert und den vielfältigsten Schadstoffen ausgesetzt. Die gute Nachricht: Produkte auf der Basis von Wasser sind weitgehend empfehlenswert.

Holz ist ein schöner und ökologischer Baustoff, der außen und innen eingesetzt werden kann. Meist wird das Holz mit einem schützenden Anstrich versehen, im Freien gegen Witterungseinflüsse wie Feuchtigkeit und UV-Licht. Im Innenbereich soll das Holz vor Flecken oder anderen sichtbaren Gebrauchsspuren geschützt werden. Oft wird das Holz auch nur aus dekorativen Gründen behandelt, weil man einfach eine bestimmte Farbe oder einen anderen Holzton haben möchte. So wird aus der einfachen Fichte schon mal Nussbaum oder Teak, zumindest was die Farbe angeht.

Schön ist ein Anstrich, der die Holzmaserung nicht übertüncht, sondern weiterhin zur Geltung bringt. Für diesen Einsatzzweck gibt es Lasuren, die nicht deckend wirken wie Lacke. Sie haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie diffusionsoffen sind, das heißt eventuell vorhandene Feuchtigkeit kann als Wasserdampf entweichen. Dünnschichtlasuren wiederum dringen tief ins Holz ein und sind für Bau- und Möbelteile geeignet, die sich auch einmal etwas verziehen dürfen. Im Gegensatz dazu sind Fenster und Türen Bauteile, die ihre Abmessungen möglichst exakt beibehalten müssen und nicht quellen dürfen. Für diese Bauteile müssen Lasuren gewählt werden, die speziell für diesen Zweck geeignet sind. In der Regel sind das Dickschichtlasuren, die nicht so tief eindringen und eine geschlossenere, lackartige Oberfläche erzeugen. Je mehr Pigmente die Lasur enthält, desto dunkler sie ist und umso besser kann sie vor schädigenden UV-Strahlen schützen.

Für den Normalverbraucher gibt es in den Baumärkten vor allem wasserbasierte Holzlasuren, die emissionsarm sind und weniger gesundheitliche Risiken bergen. Lösemittelbasierte Lasuren haben jedoch den Vorteil, dass sie gut in das Holz eindringen und so besser vor Feuchtigkeit schützen. Mittlerweile gibt es übrigens auch schon Produkte, die die Vorteile von Dünn- und Dickschichtlasuren miteinander verbinden wollen. So mancher Verbraucher wird sich wundern: Manche Holzlasuren kommen neuerdings wie ein Gel aus der Dose und werden erst beim Auftrag mit dem Pinsel flüssig. Dadurch soll ein tropffreies Arbeiten möglich sein, sogar über Kopf.

ÖKO-TEST kaufte jetzt normale Holzlasuren in Bau- und Fachmärkten ein - 20 an der Zahl, die sowohl für innen wie für außen eingesetzt werden können, darunter auch Produkte von Naturfarbenherstellern. Die meisten davon sind mehr oder weniger für alle Holzbauteile geeignet, häufig sind dabei lediglich begehbare Flächen ausgenommen, einige wenige werden für maßhaltige Bauteile wie Fenster und Türen empfohlen. 15 Lasuren sind wasserlöslich, wovon zehn den Blauen Engel tragen, die restlichen fünf lösemittelbasiert. Wir schickten sie in die Labore, um ihre Inhaltsstoffe zu prüfen, und nahmen vor allem auch die Deklaration eingehend unter die Lupe.

Das Testergebnis

Wasserbasierte Holzlasuren können wir weitgehend empfehlen. Lösemittelhaltige sind dagegen meist mit Schadstoffen belastet. Das ist insbesondere bei einer Anwendung im Innenraum problematisch. Probleme mit der Deklaration haben indes beide Produktgruppen: Die Informationen für den Endverbraucher sind vielfach unzureichend und verschleiernd. Schlimm finden wir auch, dass viele Lasuren für Kinderspielzeug geeignet sein sollen, und das sogar dann, wenn sehr bedenkliche Inhaltsstoffe im Produkt stecken, wie bei der Osmo Einmal-Lasur HS Plus.

Flüchtige organische Verbindungen (VOC), also die Stoffe, die nach und nach ausgasen, sind in lösemittelhaltigen Lacken deutlich mehr enthalten als bei wasserbasierten Produkten. Das liegt einfach in der Natur der Sache. Zur Ehrenrettung der Anbieter muss gesagt werden, dass sie - gezwungen durch gesetzliche Grenzwerte - an den Rezepturen gearbeitet haben und jetzt deutlich unter den Vorgaben bleiben. Dennoch liegen die Gehalte weiterhin eindeutig über dem, was der Blaue Engel als emissionsarm definiert.

Problematisch sind in erster Linie die aromatischen Kohlenwasserstoffe, die vor allem in der Renovo-Dauerschutz Lasur deutlich vorhanden waren und das, obwohl das Produkt als aromatenfrei ausgelobt ist. Aromaten können das Nervensystem schädigen und sind teilweise krebsverdächtig. Im Test nachgewiesen wurde auch das besonders gefährliche Benzol. Die Leinos Naturfarben Holzlasur Nr. 260 enthält es in kleiner Menge. Bei Benzol ist man sich sicher, dass es beim Menschen Krebs auslösen kann. Außerdem ist es im Tierversuch und wahrscheinlich auch beim Menschen erbgutverändernd.

Ein weiteres Problem der lösemittelbasierten Holzlasuren ist das Hautverhinderungsmittel 2-Butanonoxim. Diese Verbindung steht ebenfalls unter Krebsverdacht und kann Allergien auslösen. Lediglich die Lasur von Livos kommt in dieser Gruppe ohne diesen Gefahrstoff aus; wie sich das auf seine Hautbildung auswirkt, haben wir nicht getestet.

Isothiazolinone, Kobalt und Kobaltverbindungen, sowie Acrylate können Allergien auslösen und werden in höheren Konzentrationen von uns abgewertet. Kobaltsalze werden von Naturfarbenherstellern und in lösemittelhaltigen Produkten als Trocknungsmittel eingesetzt. Besondere Vorsicht ist hier beim Abschleifen geboten, denn Kobaltstäube können beim Einatmen sogar Krebs erzeugen. Deshalb fordert ÖKO-TEST in diesen Fällen auch den Hinweis, dass eine Schutzmaske zu tragen ist.

Nach unseren Farben- und Lacktests im Jahr 2007 hat sich bei den Deklarationen leider nicht viel verbessert. Wieder stehen auch einige Naturfarbenhersteller besonders in der Kritik. Anscheinend wollen sie verschleiern, dass Verbindungen eingesetzt werden, die als Gefahrstoffe eingestuft oder als gefährliche Stoffe bekannt sind, und die deshalb einen Warnhinweis oder sogar ein Gefahrstoffsymbol tragen müssen. Einige Hersteller behaupten sogar ganz dreist auf dem Etikett, dass ihre Produkte nicht kennzeichnungspflichtig seien. Das Bundesamt für Arbeitsschutz- und Arbeitsmedizin (BAuA), das in Deutschland für die Gefahrstoffkennzeichnungen zuständig ist, ist allerdings anderer Meinung.

Ein weiteres Ärgernis: Über Inhaltsstoffe und Konservierungsmittel werden die Verbraucher nicht immer auf dem Etikett informiert, wie es eigentlich verbraucherfreundlich wäre. Die notwendigen Angaben sind teilweise nur im Technischen Merkblatt oder im Internet zu finden. Auch Begriffe wie Konservierungsmittel sind weder aussagekräftig noch hilfreich. Für Allergiker sollten diese Stoffe exakt bezeichnet und eine Allergiker-Hotline angegeben sein.

So reagierten die Hersteller

Etliche Anbieter teilten uns mit, dass zwischenzeitlich die Etiketten verändert und mit zusätzlichen Angaben versehen worden seien. Vermutlich sind das zum Teil erste Reaktionen auf unseren Test. Reincke Naturfarben (Leinos) versichern, dass sie kein 2-Butanonoxim einsetzen und dass sie nach der Quelle der Verunreinigung suchen.

Durch die neue EU-Chemikalienverordnung REACH sind die Vorschriften für Sicherheitsdatenblätter verschärft worden. Die Anbieter müssen genauer über Risiken im Umgang mit den Chemikalien informieren. Erfreulicherweise machen viele Produzenten die Informationen im Internet öffentlich zugänglich. Viele Sicherheitsdatenblätter lassen dennoch an Sorgfalt deutlich zu wünschen übrig: Angaben zu den enthaltenen flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) fehlen oder sind unvollständig. Es kommt auch vor, dass eine allergieauslösende Verbindung auf dem Etikett warnend erwähnt wird, dann im Sicherheitsdatenblatt überhaupt nicht auftaucht. Ziemlich schräg: Zu einer Rezeptur, die erst im November 2008 hergestellt wurde, gibt es angeblich kein Datenblatt mehr.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Max Bahr Tür- und Fensterlasur
Max Bahr Tür- und Fensterlasur
Max Bahr
sehr gut
Vincent Dauerschutz 2 in 1
Vincent Dauerschutz 2 in 1
Hellweg
sehr gut
Auro Holzlasur Nr. 160-88
Auro Holzlasur Nr. 160-88
Auro
gut
Brillux Lacryl Holzlasur 235
Brillux Lacryl Holzlasur 235
Brillux
gut
Classic Tür- und Fensterlasur
Classic Tür- und Fensterlasur
Obi
gut
Faust Dauerschutz-Lasur
Faust Dauerschutz-Lasur
Praktiker
gut
Hornbach Acryl-Holzlasur
Hornbach Acryl-Holzlasur
Hornbach
gut
Primaster Fenster + Flächen Lasur
Primaster Fenster + Flächen Lasur
Globus
gut
Baufix Dekor-Langzeitlasur
Baufix Dekor-Langzeitlasur
Baufix (Versand)
befriedigend
Biofa Lösemittelfreie Holzlasur
Biofa Lösemittelfreie Holzlasur
Biofa
befriedigend
Bondex Universal Holz-Lasur
Bondex Universal Holz-Lasur
Dyrup
befriedigend
Capadur Decor Lasur
Capadur Decor Lasur
Caparol
befriedigend
Genius Pro Wetterschutz UV-Lasur
Genius Pro Wetterschutz UV-Lasur
Toom
befriedigend
Livos Kaldet-Holzlasur Nr. 270-076
Livos Kaldet-Holzlasur Nr. 270-076
Livos
befriedigend
Xyladecor Dekor-Lasur
Xyladecor Dekor-Lasur
Akzo Nobel Deco
befriedigend
Aglaia Aquasol Holzlasur
Aglaia Aquasol Holzlasur
Beeck'sche Farbwerke
ausreichend
Leinos Naturfarben Holzlasur Nr. 260
Leinos Naturfarben Holzlasur Nr. 260
Reincke Naturfarben
ausreichend
Osmo Einmal-Lasur HS Plus
Osmo Einmal-Lasur HS Plus
Osmo
mangelhaft
Renovo Dauerschutz-Lasur
Renovo Dauerschutz-Lasur
Zeus
mangelhaft
Swing Color Dauerschutzlasur
Swing Color Dauerschutzlasur
Bauhaus
mangelhaft

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Die Holzlasuren für innen und außen wurden von November bis Dezember 2008 eingekauft.

Problematische Inhaltsstoffe

Wir ließen untersuchen, inwieweit die Holzlasuren Stoffe enthalten, die ausgasen und die Raumluft belasten können, denn schließlich sind sie auch für den Innenraum vorgesehen. Zu den Problemstoffen gehören flüchtige organische Verbindungen (VOC) sowie der krebsverdächtige Stoff 2-Butanonoxim, der in lösemittelbasierten Lacken und Lasuren verhindert soll, dass sich eine Haut bildet. Die wasserbasierten

Rezepturen ließen wir außerdem auf Konservierungsmittel untersuchen.

Die Deklaration

Im Gegensatz zu Lebensmitteln und Kosmetikprodukten müssen die Inhaltsstoffe von Bauprodukten nicht zwingend auf den Etiketten aufgeführt werden. Es gibt aber rechtliche Vorgaben, ab wann und wie eingesetzte Gefahrstoffe gekennzeichnet werden müssen. Wir ließen die Deklarationen daraufhin überprüfen und glichen sie zusätzlich noch mit Technischen Merkblättern und Sicherheitsdatenblättern ab. Anders und strenger als der Gesetzgeber verlangten wir zudem weitere Hinweise zum Schutz der Verbraucher, zum Beispiel die genaue Angabe des verwendeten Konservierungsmittels. Gesucht wurde auch nach Formulierungen, die den Anwender in die Irre leiten können, zum Beispiel die Auslobung als "lösemittelarm", wenn tatsächlich große Mengen an Lösemitteln enthalten waren.

Weitere Mängel

Produkte mit dem Blauen Engel sollten zumindest die Anforderungen erfüllen, die dieses Siegel stellt. Verpackungen mit umweltschädlichen Kunststoffen fallen ebenfalls unter weitere Mängel.

Die Bewertung

Lasuren, die auch in Innenräumen verwendet werden, sollten keine oder möglichst wenige gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten. Daher geht das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 70 Prozent in das von uns vergebene Gesamturteil ein. Viele dieser Stoffe lassen sich nur im Labor finden. Einen Teil könnten Verwender aber schon erkennen, wenn die Dosen vernünftig deklariert wären. Doch besonders Allergiker stehen oft im Dunkeln. Daher bewerten wir die Deklarationen mit 30 Prozent im Gesamturteil.

Mängel in Sicherheitsdatenblättern

Durch die neue EU-Chemikalienverordnung REACH sind die Vorschriften für Sicherheitsdatenblätter verschärft worden. Die Anbieter müssen genauer über Risiken im Umgang mit den Chemikalien informieren. Erfreulicherweise machen viele Produzenten die Informationen im Internet öffentlich zugänglich. Viele Sicherheitsdatenblätter lassen dennoch an Sorgfalt deutlich zu wünschen übrig: Angaben zu den enthaltenen flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) fehlen oder sind unvollständig. Es kommt auch vor, dass eine allergieauslösende Verbindung auf dem Etikett warnend erwähnt wird, dann im Sicherheitsdatenblatt überhaupt nicht auftaucht. Ziemlich schräg: Zu einer Rezeptur, die erst im November 2008 hergestellt wurde, gibt es angeblich kein Datenblatt mehr.