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18 Holzöle im Test

ÖKO-TEST Mai 2018
vom 26.04.2018

Holzöle

Glanz und elend

Imprägnieren, pflegen, schützen: Öle für Außenhölzer sollen vielfältig wirken und kommen als scheinbar natürliche Alternativen zu Lacken daher. Leider enthalten sie flüchtige Stoffe aus Lösemitteln und oft weitere problematische Zusätze.

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26.04.2018 | Endlich richtig Frühling: Im Mai tanken auch Gartenmöbel wieder Sonne. Doch die unlackierten, hölzernen Exemplare sind über die Jahre unansehnlich grau geworden. Zu viel UV-Strahlung, zu viel Regen, zu viel Wind und Wetter. Abhilfe versprechen Öle für Außenhölzer.

Diese Produkte sollen die Möbel in neuem Glanz erstrahlen lassen. Sie sollen vor Vergrauung und Verwitterung schützen, imprägnieren und die natürliche Maserung des Holzes hervorheben. Sie sättigen die Holzfaser und erzeugen auf der Oberfläche einen glänzenden oder seidenmatten Schutzfilm. Vielfach eignen sie sich auch für andere Einsatzbereiche im Freien, etwa für Holzterrassen. Etliche tragen den Zusatz "Teak" im Namen, sie können aber auch auf anderen Hölzern Verwendung finden. Hauptbestandteil ist häufig Leinöl, es zieht gut ein und trocknet schnell. Doch was schmieren sich die Käufer darüber hinaus aufs Holz? Vor allem Lösemittel und Trocknungsbeschleuniger gehören zu den Standardinhaltsstoffen. Sie sollen die Verarbeitung erleichtern. Insgesamt 18 Öle hat ÖKO-TEST im Labor prüfen lassen.

Testergebnis

Hui, Pfui und viel Mittelmaß. Vier Holzöle können wir mit "sehr gut" oder "gut" empfehlen, vier fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch, zehn müssen sich mit "befriedigend" oder "ausreichend" begnügen. Ein mäßiges Gesamtresultat, das vielfach besser wäre, wenn weniger Lösemittel zum Einsatz kämen.

Gehen in die Luft. Während des Aufbringens und der Trocknung entweichen aus den Holzölen flüchtige organische Verbindungen (VOC). Das Gütezeichen Blauer Engel für schadstoffarme Produkte könnten die meisten schon deshalb nicht bekommen. Die VOC stammen vor allem aus Lösemitteln. Die lösemittelbasierten Produkte weisen denn auch sehr viel höhere VOC-Gehalte auf als die wasserbasierten. Alle 14 lösemittelbasierten Öle kassieren dafür einen Notenabzug.

Steigt zu Kopf. Besonders problematische VOCs finden sich in acht Produkten: Sie enthalten auffällige Mengen an aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz Aromaten. Diese können das zentrale Nervensystem und innere Organe schädigen. Häufig sind sie Bestandteil von Testbenzin, das als Lösemittel Verwendung findet.

Haut rein. In drei Produkten kritisieren wir Butanonoxim. Besonders hoch ist der Gehalt im Clou Teaköl, farblos. Die Substanz soll verhindern, dass sich eine Haut auf der Oberfläche der Öle bildet. Sie ist aber krebsverdächtig.

Schneller, nicht besser! Wie schon in vergangenen Tests von Holzlasuren haben die Labore auch diesmal Kobalt nachgewiesen. Drei Holzöle sind davon betroffen. Eintragsquellen sind meist kobalthaltige Trockenstoffe, die die Öle schneller aushärten lassen sollen. Kobalt kann Allergien verursachen. Kobaltstäube, die unter Umständen bei einem späteren Schliff der getrockneten Materialoberfläche entstehen, sind als krebserregend eingestuft.

Größter Übeltäter. Das Bondex Farblos UV-Öl Universal enthält neben VOCs, Butanonoxim und Kobalt auch krebsverdächtiges Naphthalin und hormonell wirksames Dibutylz

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 18 Holzöle eingekauft, die sich vor allem für die Anwendung im Freien eignen. Sie sind zum Teil speziell für Gartenmöbel bestimmt oder auch für Terrassendielen. Viele Öle enthalten Lösemittel, die meisten basieren auf Leinöl. Die Auswahl umfasst Produkte namhafter Hersteller und Eigenmarken aus Baumärkten. Eine Oberflächenbehandlung mit dem günstigsten Öl kostet pro Quadratmeter weniger als einen Euro, mit dem teuersten mehr als vier Euro.

Die Inhaltsstoffe
Die Öle sollen sich gleichmäßig verteilen lassen, schnell trocknen und einen Schutzfilm auf der Holzoberfläche bilden. Schlecht, wenn dafür schädliche Zusatzstoffe zum Einsatz kommen: etwa Kobaltsalze als Trocknungsbeschleuniger, krebsverdächtiges Butanonoxim als Hautverhinderer oder aromatische Kohlenwasserstoffe als Lösemittel. Letztere zählen zur Gruppe der flüchtigen organischen Verbindungen (VOC), die generell die Umwelt belasten, wenn sie aus den Produkten entweichen. Bei wasserbasierten Produkten hat uns außerdem interessiert, ob sie problematische Konservierungsmittel enthalten und/oder Biozide wie Jodpropinylbutylcarbamat (JPBC) oder Propiconazol.

Die Deklaration
Wir haben uns die Etiketten auf den Gebinden genau angeschaut. Notenabzüge gab es, wenn Käufern darauf wichtige Informationen vorenthalten bleiben - beispielsweise Angaben zu Inhaltsstoffen oder wünschenswerte Warnhinweise.

Die Bewertung
Problematische, bedenkliche Inhaltsstoffe werten wir streng ab. Fehlende, falsche oder unvollständige Herstellerangaben fließen ebenfalls ins Gesamturteil ein.

So haben wir getestet

Flüchtig, aber nicht unsichtbar: Im Labor, hier an einem Gaschromatographen mit Massenspektrometer (GC/MS), lassen sich die VOC-Gehalte bestimmen.

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