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12 Schaumstoffmatratzen im Test

Na dann gute Nacht!

ÖKO-TEST Januar 2010 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 30.12.2009

12 Schaumstoffmatratzen im Test

Eine Matratze soll anpassungsfähig sein, muss aber an den richtigen Stellen dem Körpergewicht auch gegenhalten können. Diese Gratwanderung schafft kein Modell im Test hundertprozentig. Immerhin hält sich die Schadstoffbelastung in Grenzen.

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Ob man nun gerade auf der Suche nach einer neuen Matratze ist oder nicht: Matratzen Concord und Matratzen Factory Outlet fallen ins Auge. Die Discounter unter den Matratzenhändlern sind meist an breiteren Ausfallstraßen gelegen, gerne in Ecklage, und immer machen sie mit großen Plakaten und unglaublich günstigen Angeboten auf sich aufmerksam.

Gründer der Matratzen Concord ist Presseberichten zufolge Klaus Hartmann (eine Bestätigung dafür wie auch für weitere Berichte ist vom Unternehmen nicht zu erhalten). Er verkaufte das Unternehmen später an die niederländische Beter Bed Holding, um ihr einige Jahre darauf ordentlich Konkurrenz zu machen. Denn 2004 übernahm Hartmann den Matratzenhersteller Bettina samt Filialnetz - seitdem werden die Schlafunterlagen aus eigener Herstellung unter dem Namen Matratzen Factory Outlet (MFO) vertrieben.

Konkurrent Matratzen Concord hat neben der Eigenmarke "Vitalis" auch Produkte von Dunlopillo, Schlaraffia oder Paradies in den bundesweit über 750 spartanisch eingerichteten Verkaufsräumen stehen. Modelle, die "eigens für Concord entwickelt und hergestellt" werden, heißt es aus dem Einkauf. MFO hingegen stellt die Matratzen in Elsdorf bei Köln selbst her und vertreibt sie über ihr mehr als 500 Filialen starkes Outletnetz. Durch diesen direkten Vertrieb, erklärt MFO, würden die Kosten niedrig gehalten.

Wer die Probe aufs Exempel macht, wird schnell feststellen, dass man für die sensationell günstigen Preise, mit denen geworben wird, sicher eine Gästematratze bekommt - aber wer sich durch das Kaltschaum-,Taschenfederkern- und Visko-Angebot probiert hat, landet letztlich recht schnell in den Preisregionen der Markenhersteller.

"Bei Discountern ist der Preis der entscheidende Faktor", kritisiert Ulrich Leifeld, Geschäftsführer des Fachverbands Matratzen-Industrie: "Sicher findet man in den mittleren bis höheren Preissegmenten auch Matratzen, bei denen die Qualität stimmt. Aber der Kunde muss sich darüber im Klaren sein, dass all die Siegel und Label, die die Discountermatratzen tragen, ihm nur bedingt weiterhelfen. Wer auf der Suche nach einer passenden Matratze ist, braucht eine gute Beratung - Matratzen sind kein Produkt, das man schnell mal mitnimmt."

Die Discounter hingegen behaupten auf ihren Homepages, dass "erstklassige Beratung" und "kompetente Fachberatung" in den Geschäften ganz oben stehen. Aber ab wann ist eine Beratung erstklassig und kompetent? Unsere Testkäuferin jedenfalls wurde bei Concord und MFO zwar der Matratzenaufbau erklärt und wie ihre Wirbelsäule zu liegen hat - aber sehr viel mehr nicht. "Wohlfühlen" solle man sich, das sei das Wichtigste.

Die richtige Matratze muss man erst einmal finden, deshalb ist eine gute Beratung unverzichtbar

"Im Fachhandel gibt es Geschäfte, die regelrecht Termine vergeben, um ausreichend Zeit für eine ausgiebige Beratung zu haben", sagt Axel Augustin vom Verband der Bettenfachgeschäfte. Eine sorgfältige Bedarfsanalyse des Kunden, eine Vermessung und ausgiebige Liegeprobe könnten schon einmal zwei Stunden in Anspruch nehmen - aber das sei nicht unbedingt die Regel.

Wir wollten wissen, wie es um die Qualität der Schaumstoffmatratzen bestellt ist, die bei Fachhändlern, Discountern und Ikea angeboten werden. Sowohl das Material als auch die praktischen Eigenschaften wurden einer Prüfung unterzogen.

Das Testergebnis

Die Schadstoffbelastung der Matratzen hat in den vergangenen Jahren mehr und mehr abgenommen. In unserem aktuellen Test tauchen Schadstoffe wie weichmachende Phthalate, der Bakterienkiller Triclosan, phosphororganische Verbindungen oder Insektizide gar nicht mehr auf. Allerdings kommt kaum ein Matratzenbezug ohne das giftige Halbmetall Antimon aus, das zur Produktion von Polyesterfasern oder als Flammhemmer eingesetzt wird. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass Antimonverbindungen Haut und Schleimhäute reizen. Ärgerlich: Der Einsatz von optischen Aufhellern in allen Matratzen. Diese umweltbelastende Verschönerungsmaßnahme, die aus Weiß strahlendes Weiß macht, ist unter dem Betttuch noch nicht einmal sichtbar.

Im Praxistest schnitt keine Matratze mit "sehr gut" ab. Das liegt in den meisten Fällen nicht am Matratzenkern selbst, sondern an straffen, wenig elastischen Bezügen, die die überwiegend "sehr guten" Eigenschaften der Kerne wieder abschwächen. Die gefütterten Bezüge, die - offensichtlich der Optik zuliebe - meist noch einmal mit vielen Steppnähten versehen sind, können den Matratzenaufbau erheblich verhärten. Wie stark, ermittelte das Prüfinstitut, indem es die Matratzen jeweils mit und ohne Bezug untersuchte. Bei Schlaraffia, Frankenstolz und Ikea führte der Bezug zu einer Verschlechterung um etwa 1,5 Notenstufen.

Unter einer mittleren Härteklasse versteht jeder Hersteller etwas anderes - hier hilft nur ausprobieren

Alle Matratzen im Test - Ikea und Dunlopillo ausgenommen, denn hier werden keine Härtegrade angegeben - sind als "H2" oder "medium" klassifiziert. Doch sowohl bei der Gesamthärte als auch bei der Härteabstimmung der einzelnen Liegezonen zeigten sich in den Tests des Ergonomie Instituts München große Unterschiede. Unsere Messungen der Federelastizität ergab eine Spannweite von "weich" bis "sehr hart".

Wie gut es sich auf einer Matratze liegt, hängt maßgeblich von ihrer Elastizität ab. Je punktelastischer die Oberfläche ist, desto besser schafft es die Matratze, sich den Konturen des Körpers anzupassen. Die Last wird so gleichmäßig auf den Körper verteilt, der Druck auf das Gewebe möglichst niedrig gehalten. Die Dormistar Bio-Kaltschaum-Matratze, medium von Allnatura schnitt bei diesem Testkriterium am besten ab.

Damit sich eine Matratze an der Oberseite gut an die Wirbelsäule anformt und zudem die Stützwirkung des Lattenrostes überträgt, muss sie auch in sich biegsam sein. Bei der Überprüfung der Biegeelastizität fielen die Ergebnisse nicht ganz so gut aus: Die Hälfte der Testprodukte wurde mit "befriedigend" bewertet.

Wie gut ist der Schulterbereich gebettet? Hier zeigten sich die größten Unterschiede

Grundsätzlich soll die Wirbelsäule auf der Matratze möglichst entspannt gelagert sein. Für Seitenschläfer ist deshalb wichtig, dass die Schulter tief genug einsinken kann, um eine möglichst waagerechte Lagerung der Wirbelsäule zu ermöglichen. Bei Rückenschläfern hingegen muss die Matratze verhindern, dass der Oberkörper zu tief einsinkt und die Wirbelsäule überbeugt wird. Diese Schulterzonenwirkung war bei den Modellen von Röwa, Malie und Diamona besonders gut ausgeprägt.

Die Körperzonenstützung gibt Auskunft darüber, wie gut sich eine Matratze der Doppel-S-Form der Wirbelsäule in Rückenlage anpasst. Ein wesentlicher Punkt ist, dass die Lendenwirbel gut gestützt werden. Die Röwa-Matratze machte das vorbildlich.

Alle Matratzen im Test bestehen aus mehreren Zonen, die quer zur Körperachse liegen und deren Größe sich von Modell zu Modell unterscheidet. In Kombination mit dem Härtegrad der Matratze führt der unterschiedliche Aufbau dazu, dass sich manche Modelle tendenziell eher für kleine, leichte Personen (Röwa, Dunlopillo, Malie, Matratzen Concord) eignen, andere wiederum eher für große, schwere Personen (Allnatura, Breckle, Ikea, MFO). Mittelgroße, mittelschwere Personen könnten hingegen bei allen Matratzen im Test fündig werden.

Zeit für eine Neue

Nach rund sieben bis zehn Jahren hat eine Matratze ausgedient. Bei bis zu einem halben Liter Feuchtigkeit, die Nacht für Nacht in der Matratze landet, ist das gut nachvollziehbar.

Ein gutes Geschäft zeichnet sich durch eine gute Beratung aus. Der Verkäufer sollte sich etwa nach Größe, Gewicht und Schwitzverhalten erkundigen und den Kunden beim Probeliegen genau ansehen, denn ob die Wirbelsäule in Seitenlage eine gerade Linie bildet und in Rückenlage gleichmäßig gestützt wird, kann man am besten von außen erkennen.

Stichwort Raumgewicht

Eine gute Basisinformation darüber, mit welcher Schaumstoffqualität man es zu tun hat, ist das Raumgewicht. Es gibt die Dichte des Schaums in Kilogramm pro Kubikmeter an. Je höher das Raumgewicht, desto schwerer und stabiler ist die Matratze. Ein Raumgewicht von 40 sollte eine Matratze mindestens haben, wenn die Matratze auch nach mehreren Jahren noch mitmachen soll. Der Liegekomfort allerdings hängt von mehr ab, etwa von der Härteabstimmung von Matratze und Liegezonen.

Es hat nicht gepasst

Gekauft ist gekauft. Händler müssen eine Matratze nicht zurücknehmen oder umtauschen, meist aber gibt es Kulanzregelungen. Vor dem Kauf sollte man abklären, ob und zu welchen Bedingungen das Geschäft die Matratze im Falle eines Falles zurücknimmt - und sich das am besten schriftlich geben lassen.

Siegel und Label

Der Öko-Tex Standard 100 steht für eine Schadstoffprüfung an Matratzen. Üblicherweise werden Matratzen als "Ausstattungsmaterialien" eingestuft, für die die niedrigsten Anforderungen gelten. Teilweise lassen die Hersteller ihre Produkte allerdings auch strenger prüfen, etwa als Produkt mit Hautkontakt oder Babyprodukt. Der Grenzwert für das giftige Halbmetall Antimon ist bei allen Kategorien gleich: Es dürfen sich bis zu 30 mg/kg lösen. ÖKO-TEST toleriert nur bis zu 1 mg/kg. Auch optische Aufheller sind generell erlaubt. Viel zu großzügig ist der Standard in Sachen Phthalate, selbst bei Babyprodukten: Noch immer sind in der Summe bis zu 0,1 Prozent der gesetzlich reglementierten Phthalate erlaubt. Das nervengiftige Insektizid Permethrin ist kein Prüfkriterium.

Das Label LGA schadstoffgeprüft wird von der LGA Nürnberg vergeben. Matratzen, Matratzenauflagen und Nackenkissen, die es tragen, dürfen nicht mehr Phthalate enthalten, als das Gesetz bei Baby- und Kinderprodukten toleriert: So sind immer noch in der Summe bis zu 1.000 mg/kg DEHP, DBP und BBP erlaubt. ÖKO-TEST wertet bereits ab 100 mg/kg ab. Der Antimongrenzwert liegt hier bei 5 mg/kg, optische Aufheller sind zwar im Bezugsstoff tabu, offensichtlich aber nicht im Reißverschluss, wie unsere Ergebnisse zeigen. Was Pflanzenschutzmittel angeht, orientiert sich das Label am Öko-Tex Standard 100 (Produktklasse "Babyprodukte" und "Produkte mit Hautkontakt"), das Insektizid Permethrin wird zusätzlich abgeprüft. Der Einsatz von PVC ist sowohl in der Matratze als auch in der Verpackung tabu.

Das LGA Qualitätszertifikat "ergonomischer Liegekomfort" trifft sowohl eine Aussage über die Dauerhaltbarkeit einer Matratze als auch über ihre ergonomischen Eigenschaften. Auch Schadstoffprüfungen stehen auf dem Programm. Aber welche? Sowohl hier als auch bei dem LGA Qualitätszertifikat sind die Prüfkriterien nicht zugänglich.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Aufgrund des langwierigen Praxistests, aber auch der teilweise recht langen Lieferfristen haben wir die Matratzen schon im August 2009 bestellt und eingekauft.

Der Praxistest

Ob eine Matratze bequem ist oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Dennoch gibt es Eigenschaften, die gute von weniger guten Matratzen unterscheiden. So sollte eine Matratze die Wirbelsäule in Rücken- und in Seitenlage möglichst entspannt lagern und für eine Druckentlastung des Gewebes sorgen. Wie gut die Matratzen diesen Anspruch erfüllen, überprüfte das Ergonomie Institut München für uns. Im Zentrum der Prüfungen standen die elastischen Eigenschaften der Matratzen: Wie ist der Härtegrad - die Federelastizität - einzustufen? Wie biegsam und punktelastisch sind die verschiedenen Modelle? Wie werden Schulter und der untere Rücken gestützt? Wie sind die einzelnen Liegezonen aufeinander abgestimmt? Die Methode des Prüflabors orientierte sich dabei sowohl an technischen Messstandards als auch an den Erfordernissen eines liegenden Menschen: Spezielle Prüfstempel, die Schulter- und Rückenpartie, Ferse und die menschliche Rückenkontur vom Gesäß bis zum Nacken abbilden, simulierten die Belastung der Matratze. Dabei wurde die Benutzung durch verschieden große und schwere Personen simuliert.

Die Inhaltsstoffe

Nachdem die Matratzenkerne in den vergangenen Jahren immer wieder weichmachende Phthalate und Pflanzenschutzmittel enthalten hatten, mussten die Matratzen auch bei unserem aktuellen Test ein aufwendiges Materialscreening durchlaufen. Überall, wo Polyester zum Einsatz kommt, wollten wir wissen, ob sich das Halbmetall Antimon aus dem Material lösen kann - es wird unter anderem zur Produktion von Polyesterfasern eingesetzt. Außerdem interessierte uns, ob die Hersteller umweltschädliche optische Aufheller oder PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe einsetzen.

Die Bewertung

Die Unterlage, auf der man rund ein Drittel seiner Lebenszeit verbringt, soll unseren Körper, vor allem den Rücken, gut betten. Aber auch die Inhaltsstoffe müssen stimmen. Deshalb kann eine Matratze nur so gut sein wie das schlechteste Einzelergebnis.

Test kostenlos abrufen (PDF)

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Matratzen, Schaumstoff: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Dunlopillo Aerial Premium
  • Dunlopillo

    gut

Mediflex 14 Kaltschaum, H2
  • Breckle

    befriedigend

Vitalis Comfort H2
  • Matratzen Concord

    gut

F.A.N. Frankenstolz Medisan Dream KS H2
  • Frankenstolz

    befriedigend

Sultan Favang
  • Ikea

    befriedigend

Röwa Legra Topas, medium
  • Rössle & Wanner

    befriedigend

Schlaraffia Giga Plus H2
  • Schlaraffia

    befriedigend

Allnatura Dormistar Bio-Kaltschaum-Matratze, medium
  • Allnatura

    gut

Diamona Fitness Plus H2
  • Diamon a

    gut

Irisette Lotus H2
  • Irisette

    gut

VitaSan medium
  • Matratzen Factory Outlet

    befriedigend

Malie Samira Medicott H2
  • Malie

    gut

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ÖKO-TEST Jahrbuch für 2019
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Erschienen am 30.12.2009