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Verbraucherfalle: So erkennen Sie falsche Naturkosmetik

Mit diesen Greenwashing-Tricks arbeiten Hersteller

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Kosmetik und Mode | 04.08.2019

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Unsplash.com (Foto: Naturkosmetik ist nicht immer, was sie scheint)

Viele Kosmetikhersteller lassen ihre Produkte umweltfreundlicher aussehen, als sie sind. So erkennen sie Greenwashing im Beauty-Regal.

Frische Früchte auf der grünen Verpackung, der Hinweis, es handle sich um "natürliche Kosmetik" oder gar "Biokosmetik", außerdem gerne ein etwas höherer Preis – und schon könnte man die Bodylotion, das Duschgel oder das Deo für ein besonders umweltfreundliches und unbedenkliches Produkt halten.

Das mag durchaus der Fall sein – vielleicht aber auch nicht. Die Verbraucherfalle: Begriffe wie "Pflanzenkosmetik", "natürliche Kosmetik", "Naturkosmetik", "Biokosmetik" und ähnliche sind in Deutschland – anders als bei Lebensmitteln – nicht gesetzlich geschützt. Das bedeutet, dass Hersteller solche Bezeichnungen verwenden dürfen, selbst wenn ihre Produkte problematische, umwelt- oder gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten.

Beliebte Tricks von Pseudo-Produkten

Auch Zusätze wie der, ein Produkt enthalte "natürliche Inhaltsstoffe", sind erlaubt. Entsprechendes Marketing tut ein Übriges, um den Eindruck zu verstärken, es handle sich bei Cremes, Lotions und Shampoos um echte Naturkosmetik – wo man bestenfalls von naturnaher Kosmetik sprechen könnte. Schon 2013 hatten wir viele dieser Pseudo-Produkte enttarnt.

Besonders beliebt bei den grün angestrichenen Präparaten: Der auffällige Hinweis auf einige "natürliche" Bestandteile des Produkts, der davon ablenken soll, wie viel Synthetik sich außerdem in der Rezeptur verbirgt. Und: Die Deklaration, der Artikel sei "frei von" diesen oder jenen bedenkliche Stoffen – obwohl die Kosmetik dafür andere problematische Rohstoffe enthält.

Besonders dreist: Auch schlichtes Wasser darf als natürliche Zutat ausgelobt werden. Was die skurrile Konsequenz hat, dass viele flüssige Kosmetikprodukte es spielend auf über 90 Prozent "Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs" bringen – ein Wortlaut, der sich dann auch auf der Verpackung wiederfindet.

Nur glaubwürdige Siegel machen echte Naturkosmetik

Vertrauenswürdig wird Naturkosmetik aber erst, wenn sie entsprechend zertifiziert ist. Darüber hinaus gibt es für Verbraucher keine einfache Möglichkeit, festzustellen, ob ein Produkt möglicherweise bedenkliche Inhaltsstoffe enthält.

Silikone, Mikroplastik, erdölbasierte Inhaltsstoffe, Parabene und andere potentiell bedenkliche Zutaten kommen immer noch in vielen Kosmetika vor. Nicht viel Freude hatten wir beispielsweise mit Produkten von Lush, Rituals oder Kiehl's, die teilweise harte Chemie enthielten, obwohl sie sich als grüne Kosmetik ausgaben. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg fand vor Kurzem flüssige Kunststoffe und unnötige Chemie in vermeintlichen Natur-Pflegeprodukten (Link).

Sicherheit schaffen da nur anerkannte Zertifikate. Im Handel werden Sie am häufigsten auf die Siegel von NaTrue, Ecocert, BDIH oder COSMOS stoßen. Alle vier sind verhältnismäßig streng und vertrauenswürdig, das Gleiche gilt für die Kosmetiklabel von Naturland und Demeter.

Das NaTrue-Label im Überblick

Besonders verbreitet ist der NaTrue-Standard, der unter anderem auf vielen Produkten der Drogerie-Eigenmarken Alverde (dm), Alterra (Rossmann) und Terra Naturi (Müller) zu finden ist. Zurzeit sind weltweit über 6.000 Produkte NaTrue-zertifiziert und damit echte Naturkosmetik. Ein dazugehöriger, umfangreicher Kriterien-Katalog (Link) definiert, welche Inhaltsstoffe erlaubt sind, und wie diese verarbeitet werden dürfen. Dabei gilt unter anderem, dass Stoffe aus der Erdölchemie, Silikonöle und Tierversuche verboten sind.

Daneben existiert eine Reihe weiterer Auszeichnungen für Kosmetik. Sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte und belegen beispielsweise, dass Produkte aus fair gehandelten Inhaltsstoffen bestehen oder vegan sind.

Insgesamt gibt es rund 30 Siegel; nicht alle sind ausdrücklich zu empfehlen. Das Label Ecogarantie beispielsweise, das wir uns genauer angesehen haben, hatte nach unserer Einschätzung Nachholbedarf. Vorsicht ist aber vor allem dann geboten, wenn ein Produkt gar keine Zertifizierung aufweist – dann ist es unwahrscheinlich, dass Sie es mit echter Naturkosmetik zu tun haben.

Ein besonderer Fall: der CSE-Standard

Aufmerksamkeit ist auch beim CSE-Standard (Certified Sustainable Economics) geboten. Mit dem schmückt sich beispielsweise ein Hersteller wie Annemarie Börlind, dessen Slogan immerhin "Pionierin der Naturkosmetik" lautet. Der CSE-Standard schreibt nämlich nur vor, dass mindestens 75 % der Firmenprodukte nach Richtlinien hergestellt werden, die mit denen von NaTrue & Co. vergleichbar sind.

Was bei den Inhaltsstoffen fehlt, macht der ganzheitliche CSE-Standard aber an anderer Stelle wett: Das Siegel schreibt nämlich besondere Anforderungen an die Nachhaltigkeit und Fairness des gesamten Unternehmens vor.

Tipps – woran Sie echte Naturkosmetik erkennen

  • Ignorieren Sie Verpackung und Werbeversprechen eines Produkts. Echte Naturkosmetik erkennen Sie nur an den Inhaltsstoffen.
  • Achten Sie dazu auf Siegel. Wenn Sie sich am NaTrue-Label oder einem anderen glaubwürdigen Zertifikat – Ecocert, BDIH, COSMOS, Naturland, Demeter – orientieren, können Sie bedenkenlos zugreifen.
  • Wir geben regelmäßig Labortests in Auftrag, um empfehlenswerte von ungenügender Kosmetik zu unterscheiden. Hier finden Sie eine Liste unserer Kosmetik-Tests.

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