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Syndets als Alternative zu Seife: Nicht alle rundum hautfreundlich

Magazin April 2021: Generation Bike | Autor: Frank Schuster | Kategorie: Kosmetik und Mode | 25.03.2021

Seifenfreie Syndets im Test: Welche Produkte sind empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Für Menschen, die auf starke Seife verzichten wollen oder müssen, sind seifenfreie Waschlotionen eine Alternative. Sie werden damit beworben, dass sie "pH-hautneutral" und damit sanft zur Haut sind. Doch unser Test zeigt: In vielen Produkten stecken umstrittene Reinigungsstoffe. 

  • Drei Waschlotionen im Test, auch Syndets genannt, sind mit Bestnote rundum empfehlenswert. Sie reinigen die Haut sanft und gründlich.
  • Häufigster Kritikpunkt im Test sind enthaltene PEG-Verbindungen, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. 
  • Ärgerlich: Nur die wenigstens Hersteller verwenden recycelte Kunststoffe für die Verpackungen. 

5,5 – eine Zahl wie eine Zauberformel. Oder ein Versprechen. Groß und in roter Schrift vorne auf die Verpackung von seifenfreien Waschlotionen, auch Syndets genannt, aufgedruckt. Gemeint ist der pH-Wert, der eine – je nach Auslobung – "milde Reinigung", "hohe Hautverträglichkeit" verspricht oder "den natürlichen Säureschutzmantel der Haut" bewahren soll.

Wann sind pH-hautneutrale Syndets sinnvoll? 

Für Menschen mit empfindlicher Haut oder bestimmten Hauterkrankungen, etwa Neurodermitis, kann ein Verzicht auf Seife und der Griff zu einem pH-hautneutralen Syndet durchaus sinnvoll sein. Auch für Menschen, die sich berufsbedingt häufig die Hände waschen müssen.

Wir haben 20 seifenfreie Waschlotionen eingekauft und in die Labore geschickt. Das Ergebnis: Drei sind mit "sehr gut" rundum empfehlenswert. Alle anderen enthalten mindestens einen Problemstoff, den wir bemängeln. 

Seifenfreie Syndets eignen sich besonders für Menschen mit empfindlicher Haut.
Seifenfreie Syndets eignen sich besonders für Menschen mit empfindlicher Haut. (Foto: Yuganov Konstantin/Shutterstock)

Waschlotionen im Test: Was fällt auf? 

Fast alle Waschlotionen im Test erfüllen ihr "pH-hautneutral"-Werbeversprechen. Wir haben die pH-Werte im Labor messen lassen.

  • Bei 18 Produkten liegen sie zwischen 4,5 und 5,6 und damit im "leicht sauren" Bereich, den die Haut von Natur aus aufweist.
  • Bei denjenigen Produkten, die eine konkrete Zahl angeben – zehnmal 5,5 –, gibt es nur geringe Abweichungen in den Stellen nach dem Komma.
  • Eine überprüfte Waschlotion bewegt sich allerdings deutlich außerhalb der an die Kosmetikindustrie gerichteten Empfehlung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für pH-hautneutrale Produkte. Sie liegt mit einem pH-Wert von 6,5 über der Branchenempfehlung.

Umstrittene Reinigungsstoffe in vielen Syndets  

Weniger hautfreundlich: In mehr als drei Viertel der Syndets im Test finden sich PEG-Verbindungen, meist Sodium Laureth Sulfate. Sie dienen als Tenside, also reinigende Stoffe. Allerdings können PEG-Verbindungen die Haut durchlässiger machen für Fremdstoffe. In Produkten, die als hautfreundlich ausgelobt sind, haben sie aus unserer Sicht nichts zu suchen.

Dass es auch ohne sie geht, zeigen die mit "sehr gut" bewerteten Waschlotionen im Test. In ihnen sind unter anderem natürliche und mildere Zuckertenside eingesetzt, etwa auf Kokosbasis (Coco-Glucoside).

Jetzt Testergebnisse kaufen: 20 seifenfreie Waschlotionen im Test

Kritischer Duftstoff in einer Waschlotion im Test 

Außerdem in der Kritik: Der nach Maiglöckchen riechende, aber synthetische Duftstoff Lilial (Butylphenyl Methylpropional). Der Grund dafür ist, dass sich Lilial in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend gezeigt hat. Er steckt allerdings nur in einem überpüften Syndet. 

In der Rezeptur einer anderen Waschlotion im Test analysierten Laborchemiker die problematischen Konservierungsstoffe Propyl- und Butylparaben. Sie stehen in Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. In Tierversuchen haben sie sich ebenfalls als fortpflanzungsschädigend erwiesen.

Waschlotionen im Test: Kaum nachhaltige Verpackungen

Kommen wir nun zum Thema Verpackungsmüll. Wir haben die Anbieter gefragt, ob die Plastikflaschen der Lotionen Anteile von recycelten Kunststoffen enthalten. Das Ergebnis ist ernüchternd: Lediglich ein Hersteller hat uns ein Dokument des Packungsherstellers vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass die Flasche des getesteten Syndets zu 66 Prozent aus recyceltem PET-Kunststoff besteht. Von den anderen kam entweder die Angabe "nein" oder keine Antwort.

Doch die Anbieter scheinen sich zunehmend ihrer Verantwortung für nachhaltigere Verpackungen bewusst zu werden: So kündigt ein weiterer Hersteller aus unserem Test an, dass die von ihm angebotene Waschlotion ab Herbst 2021 in einer Verpackung aus PCR (Post-Consumer-Rezyklat) in den Handel komme.

Gerade bei häufigem Händewaschen, etwa in der Corona-Zeit, ist es ratsam, auf einen milden pH-Wert zu achten.
Gerade bei häufigem Händewaschen, etwa in der Corona-Zeit, ist es ratsam, auf einen milden pH-Wert zu achten. (Foto: Bogdan Sonjachnyj/Shutterstock)

Wieder ein anderer Hersteller teilte mit, in allen Kunststoffverpackungen bis 2025 einen Anteil von 30 Prozent recycelten Materials erreichen und den Einsatz von neuem, erdölbasiertem Plastik um 50 Prozent reduzieren zu wollen.

Nicht nur zu viel Verpackungsmüll ist eine Umweltsünde: Zwei Syndets im Test enthalten synthetische Polymere (Polyquaternium-10 bzw. -39). Dabei handelt es sich zwar nicht um festes Mikroplastik, aber um flüssige Kunststoffe. Und diese bauen sich in der Umwelt ebenfalls nur schwer ab. In Waschlotionen dienen sie unter anderem als Trübungsmittel und Filmbildner. Dass ihr Einsatz verzichtbar ist, zeigen die 18 anderen Produkte im Test.

Was bedeutet eigentlich pH-hautneutral?

Der natürliche pH-Wert der menschlichen Haut ist "leicht sauer". Er liegt bei 5,0 bis 5,5. Etwas höher ist er an Stellen, an denen der Mensch mehr schwitzt: Achseln (7,1), Fußsohlen (7,0) und im Intimbereich (6,5).

Bei als seifenfrei oder pH-hautneutral beworbenen Waschlotionen, die für den ganzen Körper bestimmt sind, sollte der pH-Wert zwischen 4,1 und 5,8 liegen. Das empfiehlt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) – Arbeitsgruppe Kosmetische Mittel den Herstellern. Die Empfehlung ist zwar rechtlich nicht bindend, die deutsche Industrie richtet sich aber in der Regel danach.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 20 seifenfreie Waschlotionen in Supermärkten, Drogerien und Apotheken eingekauft, darunter zweimal zertifizierte Naturkosmetik. Die Preise klaffen weit auseinander: für 500 Milliliter zahlten wir zwischen rund 90 Cent und 25 Euro. Die Seifen-Alternativen für die Gesichts-, Handwäsche oder zum Duschen loben einen "milden" pH-Wert aus, der den natürlichen Säureschutzmantel der Haut erhalten soll.  

Um zu überprüfen, ob die Angaben korrekt sind, hat ein Labor die pH-Werte für uns bestimmt. Prüfinstitute analysierten die Syndets zudem auf bedenkliche Formaldehyd/-abspalter, problematische Duft- und Konservierungsstoffe sowie halogenorganische Verbindungen. Die Liste der Inhaltsstoffe klopften wir auf umstrittene PEG/PEG-Derivate und synthetische Polymere ab. Die Verpackungen ließen wir nicht nur auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen untersuchen. Wir forderten von den Herstellern zudem Nachweise über den Rezyklatanteil in den Plastikflaschen. Eine empfehlenswerte seifenfreie Waschlotion zeichnet sich durch möglichst wenige Problemstoffe und einen milden pH-Wert aus. Summieren sich allerdings die umweltrelevanten Weiteren Mängel eines Produkts, verschlechtern diese das Gesamturteil.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: Lilial (Butylphenyl Methylpropional). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) Propyl-/Butylparaben.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: synthetische Polymere (hier: Polyquaternium-10, Polyquaternium-39). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Um[1]karton, der kein Glas schützt; b) Auslobung eines milden pH-Werts, obgleich der gemessene pH-Wert  deutlich außerhalb des hauttypischen pH-Bereichs von 4,1 bis 5,8 liegt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Inhaltsstoffe, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden

pH-Wert: Messung mit Elektrode, Potentiometrie. Formaldehyd/-abspalter: Saure Wasserdampfdestillation; ­Derivatisierung mit Acetylaceton; Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Photometrie.
Deklarationspflichtige Duftstoffe, Moschus-Verbindungen, ­Cashmeran, Diethylphthalat: Extraktion mit TBME, GC-MS. Halogenorganische Verbindungen: 1. Heißwasserextraktion, Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. 2. Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgen­fluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Oktober 2020

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