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Shampoo gegen trockenes Haar im Test: Nicht nur Naturkosmetik kann überzeugen

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2021 | Autor: Jörg Döbereiner | Kategorie: Kosmetik und Mode | 14.10.2020

Shampoo gegen trockenes Haar im Test: Wir haben insgesamt 20 Produkte überprüft.
Foto: ÖKO-TEST

Shampoos gegen trockenes Haar versprechen eine gründliche Reinigung und nachhaltige Pflege der Haare. Manch ein Shampoo enthält aber problematische Duftstoffe, umweltbelastende Silikone oder andere Kunststoffverbindungen. Fünf Shampoos fallen in unserem Test durch.

  • ÖKO-TEST hat 20 Shampoos gegen trockenes Haar getestet, acht davon können wir mit Bestnote empfehlen – darunter vor allem Naturkosmetik.
  • Ein Viertel der getesteten Shampoos gegen trockenes Haar fällt mit schlechten Gesamturteilen durch.
  • Kritik gibt es für enthaltene problematische Duftstoffe, PEG-Verbindungen, Silikone und andere Kunststoffverbindungen.

Aktualisiert am 15.10.2020 | Die Verpackung mancher Shampoos gegen trockenes Haar liest sich verlockend: vorher strohig und spröde, nachher glänzend und geschmeidig. Als könne ihr Inhalt toten Hornfasern – nichts anderes ist ja der sichtbare Teil unserer Haare – neues Leben einhauchen. Das geht natürlich nicht. Aber ein wenig Reparatur hier und da, wäre das nicht ein Anfang? Hoffnung darauf wecken Pflanzenöle in der Rezeptur oder feuchtigkeitsspendende Stoffe wie Aloe vera.

20 Shampoos gegen trockenes Haar im Test 

Wir haben 20 Shampoos gegen trockenes Haar ins Labor geschickt. Ergebnis: Acht Produkte empfehlen wir mit "sehr gut". Unter diesen können Sie nach Ihrem Geschmack wählen. Von fünf raten wir allerdings ab, sie schneiden nur "mangelhaft" oder "ungenügend" ab.

Damit die Shampoos gut riechen, enthalten sie Duftstoffe. Kritisch sehen wir Lilial, das in einem Shampoo für trockenes Haar enthalten ist. Denn es hat sich im Tierversuch als fortpflanzungsschädigend erwiesen. Auch Hydroxycitronellal, das in einem anderen getesteten Produkt steckt, gehört aus unserer Sicht in kein Shampoo, weil es relativ oft Allergien auslöst.

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Umstrittene Stoffe können Allergien auslösen

Was uns freut: Wir müssen in diesem Test kaum problematische Konservierungsstoffe kritisieren. Zwei Shampoos gegen trockene Haare allerdings sind mit einem Gemisch aus CIT und MIT haltbar gemacht. CIT und MIT sind Kürzel für die Zungenbrecher Methylchloroisothiazolinon und Methylisothiazolinon. In Kosmetik, die auf der Haut bleibt, sind beide Allergene längst verboten. Zeit, dass sie ganz verschwinden.

CIT gehört zur umstrittenen Stoffgruppe der halogenorganischen Verbindungen. Viele Mitglieder dieser Gruppe wirken allergisierend, fast alle schaden der Umwelt. Zu diesem unrühmlichen Club gehört auch der Stoff Iodpropinylbutylcarbamat, der zu den Inhaltsstoffen eines Shampoos gegen trockenes Haar im Test gehört.

Einen aus unserer Sicht auffälligen Wert an Formaldehyd/-abspaltern kritisieren wir einmal im Test. Formaldehyd reizt unter anderem die Schleimhäute und wirkt allergisierend. Alle anderen Shampoos haben damit kein Problem.

Shampoo gegen trockene Haare im Test: Wir können gut die Hälfte der Produkte empfehlen.
Shampoo gegen trockene Haare im Test: Wir können gut die Hälfte der Produkte empfehlen. (Foto: Valua Studio/Shutterstock )

Einige Shampoos gegen trockenes Haar weisen Mängel auf

Einer der häufigsten Gründe für schlechteres Abschneiden: Viele Hersteller der Shampoos gegen trockenes Haar im Test setzen als waschaktive Substanzen PEG-Verbindungen ein. In der Deklaration sind viele von ihnen an dem Namensbestandteil "PEG" erkennbar – aber nicht alle.

Das häufig eingesetzte Sodium Laureth Sulfate zählt zum Beispiel ebenfalls dazu. Wir kritisieren PEG-Verbindungen, weil sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. Und es geht auch ohne: Alle sieben getesteten Naturkosmetika sind frei davon. Sie reinigen das Haar unter anderem mit gut verträglichen Zuckertensiden.

Neben PEG-Verbindungen bemängeln wir auch Silikonverbindungen, die sechs Shampoos gegen trockene Haare im Test beinhalten. Ihre Namen enden häufig auf -on(e) oder -xan(e) wie beim oft verwendeten Dimethicone. Silikone legen sich um das Haar, es wirkt dadurch zunächst geschmeidig. Auf Dauer können sie sich aber am Haar ablagern und es lascher machen. In Shampoos kritisieren wir Silikone vor allem deshalb, weil sie über das Abwasser die Umwelt belasten.

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Aus demselben Grund ziehen wir auch für andere Kunststoffverbindungen Noten ab. Diese synthetischen Polymere tragen häufig "Polymer" oder "Polyquaternium" im Namen. Im Test stecken sie in acht Shampoos gegen trockenes Haar. Darunter befindet sich kein Naturkosmetik-Produkt, denn in zertifizierter Naturkosmetik sind sowohl Silikone als auch synthetische Polymere nicht erlaubt. Silikone und synthetische Polymere bringen Haare zum Glänzen. Naturkosmetikshampoos schaffen das ganz ohne Plastik in den Flaschen.

(Foto: ÖKO-TEST)

Haarpflege: Tipps gegen trockenes Haar 

Wir haben fünf Tipps zusammengefasst: 

  1. Zu viel Wasser entzieht Ihrem Haar wertvolles Fett. Selteneres Waschen kann trockenem Haar helfen, sich zu erholen.
  2. Die falschen Pflegeprodukte können Ihr Haar unnötig belasten. Wir raten zu Shampoos ohne Silikone mit pflegenden Ölen.
  3. Intensives Styling kann Ihr Haar angreifen. Föhn, Glätteisen und Lockenstab deshalb sparsam einsetzen und nicht zu heiß werden lassen.
  4. Gönnen Sie sich regelmäßige Kopfmassagen. Das fördert die Durchblutung der Kopfhaut, regt die Talgproduktion an – und tut auch einfach gut.
  5. Im Sommer ist der Mix aus Sonne, Sand und (Chlor-)Wasser ein echter Stressfaktor für das Haar. Also: Kopfbedeckung nicht vergessen, Chlorwasser gut ausspülen und nasses Haar nicht in der prallen Sonne trocknen.
  6. Im Winter setzt die Kälte, Regen und Schnee dem Haar zu. Auch hier hilft eine Mütze, um die Haare (und die empfindliche Kopfhaut) vor der Witterung zu schützen.

Neues Shampoo? Das sollten Sie beachten

  1. Falls Sie Ihr Shampoo wechseln, geben Sie Ihrem Haar ruhig etwas Zeit, sich an das neue Produkt zu gewöhnen. Manche Menschen brauchen bis zu vier Wochen, bei anderen geht es ruckzuck. Vor allem die Umstellung auf Naturkosmetik kann eine Weile dauern.
  2. Falls Sie dauerhaft unter trockener Kopfhaut und Schuppen leiden, suchen Sie sich hautärztliche Hilfe.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 6/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2021, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Testverfahren

In Drogerien und Bio-Supermärkten haben wir 20 Shampoos gegen trockenes Haar eingekauft. Bei sieben handelt es sich um zertifizierte Naturkosmetik. 250 Milliliter des teuersten Produkts kosten gut neun Euro, dieselbe Menge des günstigsten nur 46 Cent.

Wir nahmen die Deklaration aller Produkte genau unter die Lupe: Setzen die Anbieter PEG/PEG-Derivate ein, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können? Umweltschädliche Silikone oder synthetische Polymere? Oder den UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat, der sich im Tierversuch als hormonell wirksam gezeigt hat? Und natürlich ließen wir alle Shampoos in Laboren prüfen: auf krebsverdächtiges Formaldehyd, problematische Duftstoffe und allergisierende Konservierungsstoffe ebenso wie auf umstrittene halogenorganische Verbindungen. Die Wirksamkeit der Produkte gegen trockenes Haar haben wir nicht getestet. Problematische Substanzen, die wir aus überwiegend gesundheitlichen Gründen kritisieren, werten wir unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe ab. Auf ihm beruht das Gesamturteil wesentlich. Umweltschädliche Stoffe beeinflussen das Testergebnis Weitere Mängel. Lautet dieses deshalb "befriedigend", verschlechtert sich auch das Gesamturteil.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Methylchlorisothiazolinon (CIT) oder andere halogenorganische Verbindungen (hier: Iodpropynyl Butylcarbamate); b) bedenklicher UV-Filter (Ethylhexylmethoxycinnamat). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) Hydroxycitronellal; c) Butylphenyl Methylpropional (in der Tabelle: Lilial).

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: Silikone (hier: Amodimethicone, Dimethicone, Dimethiconol, Silicone Quaternium-18) oder andere synthetische Polymere (hier: Carbomer, Polyquaternium-6, Polyquaternium-7, Polyquaternium-10).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/künstliche Moschusverbindungen und Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol, Fotometrie.
Isothiazolinone: Extraktion mit Essigsäure-Methanol-Gemisch, HPLC-DAD bzw. LC-MS.
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion, Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Februar 2020

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 6/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2021, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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