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Mizellen: Ist der Kosmetik-Trend gefährlich?

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 23.04.2019

Mizellen: Ist der Kosmetik-Trend gefährlich?
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / StockSnap)

Mizellen-Produkte liegen im Trend. Die Wässerchen, Reinigungscremes und Shampoos helfen zwar effektiv – sie bergen jedoch einige Gesundheitsrisiken.

In den Regalen von Drogeriemärkten sind mehr und mehr Produkte mit Mizellen zu finden: Gesichtswasser, Reinigungstücher und Shampoos werben mit der Wirksamkeit der "Mizellen". Das Versprechen: Mizellen ziehen Schmutz quasi magisch an. Sie sorgen so für eine besonders gründliche Reinigung, und zwar ohne viel Rubbeln und Reiben.

Mizellen – was ist das eigentlich? 

Mizellen beschreiben die Struktur, zu der sich Seifenmoleküle zusammenfinden. Sie sind winzig klein, nur wenige Nanometer groß. Das Besondere: Sie können sowohl wasser- als auch fettlösliche Partikel von Make-up und auch Schmutz entfernen.

Die meisten Mizellen-Produkte sind Reinigungsartikel fürs Gesicht. Das Prinzip der Mizellen findet sich jedoch auch in Shampoos sowie Wasch- und Spülmitteln. Im Shampoo befreien sie das Haar von Ablagerungen und die Kopfhaut von Talg. Sie eignen sich besonders bei häufigen Haarwäschen und für Haar, das schnell nachfettet.

So neu und revolutionär, wie die Werbung die Mizellen in Beauty-Produkten bewirbt, sind diese allerdings nicht. Denn es sind Tenside, die ab einer gewissen Konzentration Mizellen, also den „Wirkstoff“ der Produkte, bilden. Tenside sind waschaktive Stoffe, die schäumen und Schmutz abtransportieren. Wenn Tenside aus Waschmitteln und Pflegeprodukten mit Wasser in Berührung kommen, entstehen seit jeher Mizellen. 

Sind Kosmetikprodukte mit Mizellen gefährlich?

Die Mizellen selbst gelten nach aktuellem wissenschaftlichem Stand als ungefährlich.

Mizellen-Produkte haben Vor- und Nachteile: Sie helfen in der Tat viel gründlicher als herkömmliche Produkte. Diese schnelle und gründliche Reinigung birgt aber Risiken: So können auch andere Inhaltsstoffe des Produkts – wie Duft- und Konservierungsstoffe – tief in die Haut eindringen. Denn die Mizellen werden häufig durch den Einsatz von Tensiden wie PEG gebildet. Zudem können auch problematische Konservierungsmittel in Mizellen-Produkten enthalten sein.

  • Polyethylenglykole und chemisch verwandte Stoffe (PEG): Einige der Tenside, die in Mizellenwasser verwendet werden, gehören zu den PEG. PEG und PEG-Derivate helfen zum einen, Wasser und Fett zu vermischen. Zum anderen sind sie für die Schaumbildung bei Kosmetikprodukten verantwortlich. PEG machen allerdings die Haut auch durchlässiger für Fremdstoffe. Auf der einen Seite für Wirkstoffe, auf der anderen Seite aber auch für Konservierungs- und Duftstoffe sowie Umweltgifte. 
  • Polyaminopropylbiguanid (PHMB): In vielen Mizellenprodukten ist der bedenkliche Konservierer PHMB enthalten. PHMB steht im Verdacht, krebserregend zu sein. In unseren Tests werten wir PHMB deshalb ab.

Mizellen können sich nicht nur aus PEG/PEG-Derivaten bilden, sondern auch aus anderen Tensiden, wie zum Beispiel Zucker und Kokosfett. Dann sind sie völlig unproblematisch.

Mizellen-Produkte: Inhaltsstoffe kritisch prüfen

  • Das günstigste Mizellenwasser aus dem Discounter hat in unserem Mizellenwasser-Test mit "sehr gut" abgeschnitten. Sie können es bedenkenlos verwenden. Das beweist: Nur weil ein Produkt mehr als zehn Euro kostet, ist es nicht automatisch besser.
  • Die meisten Mizellenwässer können laut Auslobung für die Gesichtsreinigung und das Entfernen von Augen-Make-up verwendet werden. Wer mit der Reinigungswirkung zufrieden ist, kann mit den günstigen, "sehr guten" Produkten sogar Geld sparen, weil statt mehrerer Produkte eines genügt.
  • Schauen Sie beim Mizellenwasser auch auf das Kleingedruckte: Steht beispielsweise "Polyaminopropyl Biguanide" in der Inhaltsstoffliste, lassen Sie das Produkt besser im Regal stehen.
  • Naturkosmetik ist immer eine gute Wahl, hier kommen Zucker und Kokosfett als Tenside zum Einsatz.

Wer sichergehen möchte, dass das Kosmetikprodukt seiner Wahl frei von krebserregenden und anderen problematischen Stoffen ist, sollte einen kritischen Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe werfen und Duftstoffe, Konservierungsstoffe und Alkohol meiden. PHMB findet sich dort auch unter zahlreichen anderen Namen: Polihexanid, Polyaminopropyl Biguanide, Poly(iminocarbonylimidoyl- iminocarbonylimidoylimino-1,6-hexandiyl)-hydrochlorid, Polyhexamethylenbiguanid, oder Handelsnamen wie Baquacil, Cosmocil CQ und Vantocil. 

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