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Concealer-Test: Mehr als die Hälfte enthält Problemstoffe und fällt durch

Magazin November 2020: So gesund ist Speiseöl | Autor: Johanna Michl/Heike Baier | Kategorie: Kosmetik und Mode | 29.10.2020

Concealer-Test: Welche sind die besten Concealer?
Foto: ÖKO-TEST; puhhha/Shutterstock

Ein Concealer kaschiert Augenringe und kleine Hautunreinheiten. Doch Vorsicht: Viele Marken bringen eine Menge Probleme mit sich. Mehr als die Hälfte der Concealer im Test fällt mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch.

  • Die Mehrheit der Concealer im Test fällt durch: Zwölf schneiden "mangelhaft" oder "ungenügend" ab. 
  • Immerhin sechs der zwanzig getesteten Concealer sind mit Bestnote empfehlenswert. 
  • Wir haben zahlreiche problematische Inhaltsstoffe gefunden, darunter Arsen, Formaldehyd/-abspalter und bedenkliche Konservierungsstoffe.

Augenringe wegschminken? Die kleine Rötung im Gesicht abdecken? Kein Problem. Dafür gibt es ein Zaubermittel: den Concealer. Er ist so etwas wie ein blickdichtes Make-up mit besonders vielen Pigmenten: Vor allem Eisenoxide und Titandioxid kommen hier zum Einsatz und sorgen für Deckkraft.

Deckt der Concealer extra stark, heißt er Camouflage und vertuscht laut Herstellern sogar Tattoos. Doch was zaubern die Abdeckcremes neben Pigmenten noch auf die Haut? Wir haben 20 Concealer getestet, darunter auch zwei Camouflage-Produkte.

Concealer-Test: Sieben sind empfehlenswert

Das Ergebnis: Ganze zwölf Concealer im Test enttäuschen auf ganzer Linie und fallen durch. Sie enthalten mehrere problematische Inhaltsstoffe. Dazu gehören: Arsen, Formaldehyd/-abspalter, bedenkliche Konservierungsstoffe, Silikone, Paraffine und PEG-Verbindungen.  

Doch glücklicherweise gibt es auch Concealer, die wir empfehlen können. Sechs schneiden mit Bestnote ab, ein weiterer ist immerhin "gut".

Concealer im Test: Welche sind empfehlenswert?

Bedenkliche Substanzen in getesteten Concealern

Die Mehrheit der Concealer im Test bringt eine Reihe problematischer Substanzen mit. Besonders auffällig: In einer bekannten Marke hat das beauftragte Labor Arsen nachgewiesen. Arsen ist sehr giftig und krebserregend. In die Concealer kann es als Verunreinigung der eingesetzten mineralischen Pigmente kommen – gerade dann, wenn diese natürlichen Ursprungs sind, denn sie kommen auch im Boden oder in der Erdkruste vor.

Concealer-Test: Wir haben insgesamt 20 Produkte überprüft.
Concealer-Test: Wir haben insgesamt 20 Produkte überprüft. (Foto: Vladimir Gjorgiev/Shutterstock)

Die EU-Kosmetikverordnung verbietet problematische Schwermetalle wie Arsen in Kosmetik grundsätzlich. Sie lässt allerdings ein Schlupfloch: "Technisch nicht vermeidbare" Mengen bleiben erlaubt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat einige Richtwerte ermittelt, welche Schwermetallgehalte sich bei sorgfältiger Herstellung technisch vermeiden lassen. Doch selbst diesen Richtwert hat das Produkt gerissen.

Auch Formaldehyd/-abspalter sind problematisch. Das beauftragte Labor hat sie in einem Concealer im Test nachgewiesen. Im Gesicht und gar in Augennähe haben Formaldehyd/-abspalter aus unserer Sicht nichts zu suchen, denn Formaldehyd kann Augenschäden und Hautreizungen verursachen. Formaldehyd gilt als Kontaktallergen.

Kritik an Konservierungsmitteln in Concealern 

Die Konservierung von Concealern ist sicher eine Herausforderung: Der kleine Pinsel kommt immer wieder mit der Haut in Berührung und bringt so Keime mit in den Behälter. Doch einige Konservierungsmittel können auch Probleme für die Anwenderinnen von Kosmetik mit sich bringen.

In zwei Produkten hat das Labor halogenorganische Verbindungen nachgewiesen. Das deckt sich mit den Deklarationen, auf denen die halogenorganische Substanz Chlorphenesin aufgeführt ist. Sie kann zu Allergien und Hautreizungen führen.

Schminken: Concealer deckt Rötungen und Pickelchen im Gesicht ab.
Schminken: Concealer deckt Rötungen und Pickelchen im Gesicht ab. (Foto: Vladimir Gjorgiev/Shutterstock)

Das Problem mit erdölbasierten Stoffen 

Auch Butylparaben, mit dem ein anderer Concealer haltbar gemacht ist, halten wir für bedenklich: Das langkettige Paraben steht im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. In dieser Abdeckcreme stecken zudem aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Darunter können sich auch Verbindungen befinden, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Doch wie können diese in Concealer geraten?

13 überprüfte Produkte enthalten Paraffine, Erdölprodukte und Silikone, die meist aus Erdöl hergestellt werden. Die künstlichen Stoffe integrieren sich nicht so mühelos ins Gleichgewicht der Haut, wie die Bestandteile natürlicher Öle, die beispielsweise in Naturkosmetikprodukten stecken – und paraffinhaltige Kosmetik ist öfter mit aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) verunreinigt. Im Test ist das eben einmal der Fall.

Auch PEG-Verbindungen, die in neun Abdeckcremes enthalten sind, kritisieren wir im Concealer-Test. Denn sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. 

Concealer auftragen: Worauf Sie achten sollten 

  1. Concealer auf gewünschte Stelle auftragen und sanft mit den Fingern einklopfen. Make-up und Puder kommen obendrauf.

  2. Die Farbe des Concealers darf eine Nuance heller als der Hautton sein – das lässt sich gut am Schlüsselbein testen.  

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

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Testverfahren

Wir haben 20 flüssige Concealer getestet und dafür in Drogeriemärkten, Parfümerien und Bio-Läden eingekauft: Fünf Milliliter des günstigsten Produkts gibt es schon für 1,36 Euro, für das teuerste muss die Kundin stolze 31 Euro hinlegen.

Im Labor haben wir die Concealer auf problematische Inhaltsstoffe wie Formaldehyd/-abspalter und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffen untersuchen lassen. Ob die Concealer hormonell wirksame UV-Filter enthalten oder PEG/PEG-Derivate, die die Haut für Fremdstoffe durchlässig machen können, erfassten wir über die Deklaration. Ein Labor analysierte alle Concealer auf Schwermetalle. Wir wollten wissen, ob und wie stark die Produkte mit Arsen, Blei, Quecksilber und anderen Elementen belastet sind.

Da die Verpackungen der Concealer sehr klein sind, müssen die Hersteller die Inhaltsstoffe nicht unbedingt auf dem Produkt angeben. Wir fragten bei den Herstellern an und baten diese, uns die Liste der Inhaltsstoffe zu schicken und zudem aufzuschlüsseln, welche Farbpigmente genau in der von uns geprüften Farbnuance stecken. Denn der Gesetzgeber lässt bei dekorativen Kosmetika für Farbstoffe eine Plus-/Minus-(+/-)Deklaration zu, in der alle Farbstoffe auftauchen dürfen, die in einer Palette vom Farbnuancen zum Einsatz kommen. Wir haben auch geprüft, ob in den Concealern Nanopartikel stecken und ob die Hersteller diese auf den Verpackungen angegeben haben.  

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) MOAH; c) halogenorganische Verbindungen; d) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (in Tabelle: künstlicher Moschusduft); e) der bedenkliche UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat; f) Überschreitung des vom BVL festgelegten Richtwertes (0,5 mg/kg) für die technische Vermeidbarkeit von Arsen in kosmetischen Produkten. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe; b) mehr als 10 bis 1.000 mg/kg Diethylphthalat (in Tabelle: DEP); c) BHT; d) Butylparaben.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: Anbieter schlüsselte auch auf Nachfrage die tatsächlich eingesetzten Farbbestandteile nicht auf. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier eine oder mehrere der folgenden Verbindungen: Acrylates Copolymer, Acrylates/Dimethicone Copolymer, Acrylates C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Acrylonitrile/Methyl Methacrylate/ Vinylidene Chlorid, Carbomer, C30-45 Alkyl Cetearyl Dimethicone Crosspolymer, Cetyl PEG/PPG-10/1 Dimethicone, Dimethicone, Dimethicone Crosspolymer, Ethylene/ Methacrylate Copolymer, Dimethicone/Vinyltrimethylsiloxysilicate Crosspolymer, Glyceryl Polymethacrylate Hydrogenated Polycyclopentadiene, Hydrogenated Polyisobutene, Hydrogenated Styrene/Isoprene Copolymer, Methyl Methacrylate Crosspolymer, PEG-45 Dodecyl Glykol Copolymer, Polyethylene, Polyglyceryl-3 Polydimethylsiloxyethyl Dimethicone, Polymethyl Methacrylate, Polypropylsilsesquioxane, Polyquaternium-51, PVP, Silica Dimethyl Silylate, Sodium Carbomer, Sodium Polyacrylate, Trimethylsiloxysilicate, VP/Eicosene Copolymer); b) eine falsche Deklaration der eingesetzten Konservierungsstoffe. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) fehlende Angabe "nano" bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU Kosmetik- Verordnung Nr. 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt; c) PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamtergebnis beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Diethylphthalat, deklarationspflichtige Duftstoffe, Moschusverbindungen, Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS. Elementbestimmung: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Bestimmung mittels ICP-MS. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden organischer Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Konservierungsstoffe (u. a. Parabene): LC-UV. Mineralölbestandteile (MOSH/POSH/MOAH): LC-GC/FID. Nanomaterial: Untersuchung auf Titandioxid- und Eisenoxidpartikel mittels Single-Particle-ICP/MS. Ermittlung der mittleren Partikelgröße als Median nach Anwendung der Gaußschen Verteilung und des Anteils der Partikel bis 100 nm, Probenvorbereitung: Herstellung einer wässrigen Dispersion durch Behandlung mit Ultraschall-VialTweeter. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse. Silikone/Paraffine/Erdölprodukte: NPLC/RI nach Extraktion, zusätzliche Absicherung mittels GC-MS.

Einkauf der Testprodukte: Juli 2020 

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