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Alternative Haarfarben im Test: Welche sind empfehlenswert?

Jahrbuch für 2017 | Kategorie: Kosmetik und Mode | 20.10.2016

Alternative Haarfarben im Test: Wir haben 32 Produkte überprüft.
Foto: Subbotina Anna/Shutterstock

In manch vermeintlich guten Alternativen zur Chemiekeule stecken stark allergisierende oder sogar verbotene Stoffe. Immerhin: Einige echte Pflanzenhaarfarben schneiden in unserem großen Test glänzend ab.

Aktualisiert am 20.10.2016 | Graue Ansätze abdecken oder einfach mal die Haarfarbe wechseln – viele Frauen und Männer färben sich die Haare zu Hause selber. Wer Angst vor der Chemiekeule hat, setzt auf Haarfarben auf Pflanzenbasis. Doch Vorsicht, nicht alle alternativen Haarfarben halten, was sie versprechen.

In unseren Test von 32 Haarfarben haben wir bewusst auch solche einbezogen, die sich grün geben, in Wirklichkeit aber auch mit chemischen Zutaten arbeiten. Das zeigt sich an den Bewertungen: In diesem Test gibt es kein Mittelfeld. Mit insgesamt 19 "sehr guten" Farben gibt es immerhin eine Menge Produkte, die rein pflanzlich färben. Aber im Test finden sich auch eine ganze Reihe von Herstellern, die ihren Chemiekeulen nur ein grünes Deckmäntelchen übergestreift haben. Einige der getesteten Produkte dürften so überhaupt nicht verkauft werden.

Alternative Haarfarben im Test: Viele enthalten Problemstoffe

Die Verpackungen der Farben von vier Haarfarben-Anbietern suggerieren Natürlichkeit. Extrem allergisierende aromatische Amine, halogenorganische Verbindungen und nicht zuletzt PEG/PEG-Derivate, die die Haut noch durchlässiger für diese Stoffe machen können - das klingt allerdings gar nicht nach Natur pur. Ein Sonderfall ist zudem die Haarfarbe eines weiteren Herstellers im Test: Der Produktname vermittelt den Eindruck, dass die Haare mit natürlichem Henna gefärbt werden - doch das Labor konnte nicht einmal Spuren pflanzlicher Färbemittel nachweisen.

Wer seine Haare zu Hause selber färbt, möchte in der Regel wissen, was er sich da auf den Kopf schmiert.
Wer seine Haare zu Hause selber färbt, möchte in der Regel wissen, was er sich da auf den Kopf schmiert. (Foto: Vladimka production/Shutterstock)

Unvollständige Deklarationen auf Haarfarben

Wir kritisieren nicht nur, wenn nicht drin ist, was draufsteht, sondern auch, wenn gar nicht erst drauf steht, was drin ist. Das ist vor allem ein Problem, wenn bedenkliche Stoffe enthalten sind. Ein solches Negativbeispiel haben wir im Test genau einmal gefunden: Die vorgeschriebene Inhaltsstoff-Deklaration (INCI) sucht man vergeblich. Das ist Grund genug für den Stempel "Nicht verkehrsfähig". Nachgewiesen wurden im Labortest aber außerdem das in Haarfarben verbotene o-Aminophenol, der CMR-Stoff p-Aminophenol und das extrem sensibilisierende p-Phenylenediamin.

Dreist genug, auf die Verpackung zu schreiben, dass man einen verbotenen Inhaltsstoff einsetzt, ist ein weiterer Hersteller im Alternative Haarfarben-Test: 2-Nitro-P-Phenylendiamine ist ein CMR-Stoff - er steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Deshalb ist er in Haarfarben nicht erlaubt. Auch dieses Produkt darf deshalb nicht in der EU gehandelt werden.

Auf der Verpackung eines weiteren getesteten Produkts aus Pflanzenextrakten werden die zur Färbung eingesetzten Substanzen als sogenannte "May contain"- oder "+/-"-Deklaration genannt. Mit einer solchen Auflistung aller Färbebestandteile, die möglicherweise in einem Produkt enthalten sein könnten, aber es nicht zwangsläufig sind, gibt sich der Gesetzgeber seit der Neuauflage der Kosmetikverordnung bei Haarfarben nicht mehr zufrieden. 

Die EU-Kommission unterstrich gegenüber ÖKO-TEST: "Die neue Kosmetikverordnung wurde 2009 beschlossen und trat im Juli 2013 in Kraft. Dies sah eine Übergangszeit von dreieinhalb Jahren vor, die den Wirtschaftsteilnehmern erlaubte, die neuen Anforderungen umzusetzen und unnötige Produktrücknahmen vom Markt zu vermeiden." Die Übergangsfristen zwischen Beschluss in 2009 und Inkrafttreten der Kosmetikverordnung in 2013, in der die gesetzlichen Anforderungen hätten umgesetzt werden müssen, sind lange abgelaufen.

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 5/2016 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2017 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Der Einkauf: Pflanzenhaarfarben erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Aber nicht überall, wo "pflanzlich" oder "Henna" draufsteht, sind nur natürliche Inhaltsstoffe drin. Und nicht alles, was in der Apotheke oder im Reformhaus angeboten wird, ist frei von schädlicher Chemie. Deshalb haben wir unseren Einkaufszettel neben der zertifizierten Naturkosmetik und reinen Pflanzenhaarfarben auch auf solche Produkte ausgeweitet, die trotz chemischer Inhaltsstoffe vom Kunden als pflanzliches Produkt wahrgenommen werden könnten, um zu schauen, was wirklich unter den grünen Deckmäntelchen steckt. Die von uns getesteten Farben kosten zwischen 1,99 und 20,30 Euro pro Packung.

Die Inhaltsstoffe: Aromatische Amine werden in oxidativen Colorationen als Färbemittel eingesetzt. Viele Vertreter dieser Gruppe, etwa p-Phenylendiamin (PPD), werden kritisiert, da sie schwere allergische Reaktionen hervorrufen können. Manche stehen außerdem auf der Liste der karzinogenen, mutagenen und reproduktionstoxischen Stoffe (CMR), andere sind in Haarfarben sogar ganz verboten. 2011 warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung zudem vor mit PPD verunreinigten Henna-Haarfärbemitteln. Für uns Grund genug, in einer breiten Stichprobe chemische und pflanzliche Farben im Labor auf aromatische Amine überprüfen zu lassen. Dabei lag der Fokus vor allem auf jenen Farben, die keine chemischen Inhaltsstoffe deklariert hatten, und Colorationen aus Asia- oder Afro-Shops. Andere problematische Stoffe haben wir anhand der Deklaration erfasst.

Die Weiteren Mängel: Auch hier lag das Augenmerk auf der Deklaration: Ist sie vollständig? Sind die gesetzlich vorgeschriebenen Warnhinweise vorhanden? Sind alle allergisierenden Substanzen aufgeführt? Oder steht womöglich etwas auf der Verpackung, was so gar nicht nachweisbar ist?

Die Bewertung: Empfindliche Abzüge gab es vor allem für verbotene aromatische Amine und solche, die auf der CMR-Liste stehen. In Sachen Deklaration gehen wir besonders kritisch mit Gesetzesverstößen nach EU-Recht um, denn bei derart problematischen Substanzen muss der Verbraucher ganz genau wissen, womit er es zu tun hat. Für Allergiker kann das Farbspiel sonst schnell zum russischen Roulette werden.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: Aromatische Amine, deren Einsatz in Haarfärbemitteln laut EU-Gesetzgebung verboten ist (hier: o-Aminophenol, 2-Nitro-P-Phenylendiamine). Zur Abwertung um vier Noten führt: Aromatische Amine, die nach CLP-Verordnung als CMR-Stoff eingestuft sind (hier: p-Aminophenol), wenn nicht bereits wegen eines in Haarfärbemitteln verbotenen Stoffs um fünf Noten abgewertet wurde. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Ein oder mehrere aromatische Amine, die laut SCCS-Einstufung ein extremes und/oder starkes Sensibilisierungspotenzial haben (hier: Toluene-2,5-Diamine Sulfat, m-Aminophenol, 4-AminoCresol, 4-Amino-2-Hydroxytoluene, 2-Amino-6-Chloro-4-Nitrophenol, Basic Brown 17, P-Phenylendiamine, Hc Red No. 3, N,N-Bis(2-Hydroxyethyl)-P-Phenylendiamine Sulfat), wenn nicht bereits wegen eines in Haarfärbemitteln verbotenen Stoffs (hier: o-Aminophenol) um fünf Noten und/oder wegen eines CMR-Stoffes (hier: p-Aminophenol) um vier Noten abgewertet wurde; b) Resorcin; c) PEG/PEG-Derivate in einem Bestandteil des Produktes, der länger als 20 Minuten auf der Kopfhaut verbleibt; d) halogenorganische Verbindungen, wenn nicht bereits als stark sensibilisierendes Amin (hier: 2-Amino-6-Chloro-4-Nitrophenol) abgewertet wurde. Zur Abwertung um eine Note führt: Aromatische Amine, die laut SCCSEinstufung ein moderates Sensibilisierungspotenzial haben (hier: 2,4-Diaminophenoxyethanol HCL, Sodium Picramate, Basic Brown 16, Disperse Violet 1, Hc Blue No. 12, 2-Methylresorcinol, 4-Chlororesorcinol), wenn nicht bereits als halogenorganische Verbindung und/oder wegen eines Stoffs mit extremem u./o. starkem Sensibilisierungspotenzial um zwei Noten u./o. wegen eines CMR-Stoffs um vier Noten abgewertet wurde.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils fünf Noten: a) Deklarationsmangel: Keine gesetzlich vorgeschriebene INCIDeklaration auf der Produktverpackung abgedruckt. b) Deklarationsmangel: Farbbestandteile sind als "May contain"-Deklaration aufgeführt, die laut EU-Kosmetikverordnung für Haarfärbeprodukte nicht mehr zulässig ist; c) Deklarationsmangel: Aromatische Amine und/oder Resorcin nicht deklariert, aber im Labor nachgewiesen. Zur Abwertung um vier Noten führt: Deklarationsmangel: Henna im Produktnamen ausgelobt, im Labor konnten jedoch keine pflanzlichen Färbebestandteile nachgewiesen werden. Zur Abwertung um zwei Noten führt: Deklarationsmangel: Fragwürdige Aufmachung: Beschriftung und/oder Aufmachung der Verpackung und/oder die Beschreibung im Onlineshop vermitteln den Eindruck, dass es sich um ein pflanzliches Produkt ohne chemische Färbestoffe handelt, wenn nicht bereits wegen der Deklaration eines nicht enthaltenen Inhaltsstoffes (hier: Henna) um vier Noten abgewertet wurde. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um zwei Noten. Wenn das Testergebnis Weitere Mängel zum Urteil "nicht verkehrsfähig" führt, kann auch das Gesamturteil nicht besser sein als "ungenügend" ("nicht verkehrsfähig").

Testmethoden

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Aromatische Amine, Resorcin: Laut Deklaration und/oder Bestimmung von Aminen in Haarfärbemitteln. Methode mit Reduktion nach § 64 LFGB B 82.02: 2013-01, § 64 LFGB B 82.02-9: 2014-02. Methode ohne Reduktion: Lösen der Färbemittel in Methanol, anschließende Analyse der Lösung mit GC/MS; Quantifizierung mit externem Standard. Halogenorganische Verbindungen (falls nicht deklariert): a) Wasserdampfdestillation, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. b) Reinigung der Proben mit Kieselgel, Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Thiazolinone: Extraktion in einem Essigsäure-Methanol-Gemisch, LC-MS/MS. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Januar/Februar 2016

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 5/2016 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch für 2017 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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