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27 Sonnenschutzmittel im Test

ÖKO-TEST Juni 2018
vom 24.05.2018

Sonnenschutzmittel

Weiss Bescheid, Schätzelein

Gute Nachrichten für alle, die im Sommer viel draußen sind: Unser Test von 27 Sonnenschutzmitteln zeigt: Es gibt viele empfehlenswerte Produkte. Ein teures Markenprodukt enttäuscht.

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24.05.2018 | Es ist allgegenwärtig. In fast allen Anstrichen von Wänden, Häusern und Autos. Sogar in Zeitschriften, Plastikspielzeug, Zahncremes, Süßigkeiten und Tabletten. Und es ist ein wichtiger Inhaltsstoff von Sonnenschutzlotionen.

Wohl zu Recht bezeichnet die Industrie das weltweit am häufigsten eingesetzte Weißpigment Titandioxid als Allround-Rohstoff. Sein Einsatz in Lacken und Farben macht 57 Prozent aus. Weitere 23 Prozent finden sich in Kunststoffen wieder und 20 Prozent in Produkten wie Papier, Lebensmitteln und Kosmetika.

In Sonnenschutzmitteln spielt es als physikalischer UV-Filter eine besondere Rolle. Im Gegensatz zu chemischen UV-Filtern legt es sich auf die Haut, reflektiert, absorbiert und streut die UV-Strahlung, sodass diese gar nicht bis zur Hautoberfläche vordringt. Chemische UV-Filter hingegen dringen in die Haut ein, nehmen die Strahlung auf und machen sie unwirksam. Dabei können sie sich aber, je nach Substanz, zersetzen und so Hautreizungen und Allergien auslösen. Etliche chemische UV-Filter sind zudem verdächtigt, hormonell wirksam zu sein.

Im Gegensatz dazu galt Titandioxid bislang als unproblematisch. Es ist ein wichtiger Stoff für die Naturkosmetikindustrie, denn in zertifizierter Naturkosmetik sind chemische UV-Filter tabu. Es spielt aber auch in konventionellen Mitteln eine große Rolle. Durch den Einsatz von Titandioxid verringert sich die Menge an chemischen UV-Filtern, durch geschicktes Kombinieren mit anderen Filtern lassen sich optimale Schutzwirkungen erzielen, Einsatzmengen verringern und somit Kosten niedrig halten.

Bislang hatte das weiße Pulver denn auch eine weiße Weste. Es ist preiswert, temperatur- und lichtbeständig und galt bis jetzt als völlig harmlos - egal ob als Lebensmittelzusatzstoff E 171, als Farbpigment CI 77891 in Lidschatten und Make-up oder eben als UV-Filter in Lotionen und Lippenpflege. Seine Unbedenklichkeit bestätigten in den vergangenen Jahren zwei europäische Institutionen. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA stellte 2016 fest: Mit der Nahrung aufgenommen, wird es im Darm kaum resorbiert und überwiegend wieder ausgeschieden. Und im Jahr 2014 bewertete es das wissenschaftliche Beratergremium (SCCS) der EU-Kommission als sicher in Kosmetika. Das SCCS warnte lediglich vor dem Einsatz von Titandioxid in Nanopartikelgröße in Sprays, weil die Winzlinge so in die Lunge geraten könnten.

Im Rahmen des europäischen Chemikaliengesetzes Reach hatte es die EU aber bereits 2012 in ihren ersten fortlaufenden Aktionsplan für eine Stoffbewertung aufgenommen. Mitte des Jahres 2017 veröffentlichte die ECHA schließlich einen Bericht zu Titandioxid. Darin empfahl sie eine harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung in der EU als "kann vermutlich Krebs erzeugen" beim Einatmen. Der Grund: Tierversuche zeigten einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Einatmen von großen Mengen Titandioxid in Staubform und Lungentumoren. Noch ist die Einstufung nicht gesetzlich verankert. Zurzeit wird die ECHA-Empfehlung in d

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In unserem Einkaufskorb landeten 27 Sonnenschutzmittel für Gesicht und Körper aus Drogerie-, Super- und Bio-Märkten, Discountern, Apotheken und Parfümerien. Ausgewählt haben wir Produkte mit mittlerem und hohem Lichtschutzfaktor (LSF) von 20 und 30.

Die Inhaltsstoffe
Alle Produkte haben wir im Labor auf umstrittene Konservierungsstoffe sowie auf allergisierende und problematische Duftstoffe überprüfen lassen. Zudem wollten wir wissen, ob sich gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachweisen lassen. Erstere reichern sich im Körper an, Letztere können krebserregende Bestandteile enthalten. Zudem auf der Prüfliste: bedenkliche UV-Filter.

Die Praxisprüfung
Auf einen Test zur Ermittlung des Lichtschutzfaktors haben wir verzichtet. Im Rahmen dieses Tests wird mit Probanden gearbeitet, bei denen ein Sonnenbrand verursacht wird. Derzeit gibt es noch keine alternativen Labortests, die ohne Versuche an Menschen auskommen.

Die Weiteren Mängel
Enthalten die Verpackungen PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen, die bei der Entsorgung problematisch für die Umwelt sind? Sind auf den Verpackungen Tipps und Warnungen zum Umgang mit der Sonne laut Empfehlungen des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel abgedruckt?

Die Bewertung
Notenabzüge gibt es für vor allem für bedenkliche UV-Filter, seltener für sensibilisierende Duftstoffe und weitere umstrittene Verbindungen.

So haben wir getestet

Häufig im Kleingedruckten versteckt: Gebrauchs- und Warnhinweise zum Umgang mit der Sonne, die Verbraucher kennen sollten.