Startseite
26 Körperlotionen für trockene Haut im Test

ÖKO-TEST Oktober 2010
vom 24.09.2010

Körperlotionen für trockene Haut

Machen wir glatt!

Wenn die Haut rau und schuppig ist, versprechen Körperlotionen sanfte Glättung. Viele Lotionen im Test zeigen sich von ihrer zarten Seite. Doch etliche bekannte Marken fallen unangenehm auf.

1011 | 17
Neuer Artikel vorhanden: 23 Körperlotionen im Test

Diesen Artikel aus unserem Archiv erhalten Sie kostenlos im Abruf!

24.09.2010 | Ein ganz normaler Typ - das klingt nicht gerade nach einem Kompliment. Wenn es aber um den Hauttypen geht, dann ist der normale Typ das Beste, was einem passieren kann. Ein normaler Hautzustand zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass die Haut keine Verletzungen oder Störungen aufweist und sich der Hautbesitzer rundum wohl in seiner Hülle fühlt. Es juckt nichts, es schuppt nichts und es ist auch nichts entzündet - die Haut ist glatt, gleichmäßig und gesund.

Etwas anders sieht es bei trockener Haut aus. Sie wirkt durch kleine abgelöste Hautschuppen rau und matt, sie kann spannen, jucken und fleckig aussehen. Ob trocken oder normal, das hängt vor allem mit dem Wasserhaushalt zusammen. Bei normaler Haut kann die oberste Schicht, die Hornschicht, etwa zehn bis 20 Prozent Wasser speichern. Liegt der Anteil darunter, wird die Haut als trocken wahrgenommen.

Körperlotionen glätten die trockene Haut und geben ihr Fett und Feuchtigkeit zurück

Trockene Haut kann angeboren sein oder sich aus normaler Haut entwickeln. Besonders häufig passiert das im Herbst und Winter. Ein trockenes, kaltes, windiges Klima führt eher dazu als ein lauer Frühlingstag - wobei natürlich auch Sonnenstrahlen die Haut austrocknen können. Auch das Alter spielt eine Rolle. Je älter die Haut ist, desto trockener wird sie. Dazu kommen Körperpflegerituale, die zwar gut für die Stimmung und das Wohlbefinden sind, der Haut aber eher schaden. Lange heiße Bäder mit reichlich Badezusatz zum Beispiel oder häufiges Duschen und Waschen mit Seife oder Syndets trocknen die Haut zusätzlich aus. Denn leider entziehen heißes Wasser und Seife oder Duschgel der Haut Fette und sie kann Feuchtigkeit schlechter speichern.

Gerade nach strapazierenden Waschgängen tut der Haut die Pflege mit reichhaltigen Körperlotionen besonders gut. Sie geben der Haut verlorenes Fett und auch Feuchtigkeit zurück. Lotionen, die für trockene Haut ausgelobt sind, enthalten dabei häufig etwas mehr Fette und Öle als leichtere Lotionen für normale Haut.

Ein leichter Duft ist angenehm. Duftstoffe, die Allergien auslösen, können aber unangenehm werden

Wir haben 26 Körperlotionen eingekauft, die meisten davon zur Pflege trockener Haut. Wir wollten wissen, ob sie Stoffe enthalten, die die Haut eher belasten als pflegen und haben die Lotionen im Labor auf umstrittenen und problematische Substanzen prüfen lassen.

Das Testergebnis

Mehr als die Hälfte der Körperlotionen sind "sehr gut", darunter alle Eigenmarken von Drogerien, Discountern und Supermärkten sowie die zertifizierten Naturkosmetika. Viele bekannte Marken finden sich jedoch am unteren Ende der Notenskala wieder, so schneiden drei Lotionen aus dem Hause L'Oréal mit "ungenügend" ab.

Gute Hautpflege enthält Fette und Öle, die sich gut ins Gleichgewicht der Haut integrieren

Zwei L'Oreal-Produkte, die Garnier Skin Naturals Bodyrepair Sehr Trockene Haut und die L'Oréal Nutri Soft 24 H Soft-Body-Milk Für Trockene Haut sind mit Formaldehyd/-abspaltern konserviert. Da Formaldehyd ein krebsverdächtiger Stoff ist, haben solche Konservierungsmittel unserer Meinung nach in Pflegeprodukten nichts zu suchen. Hauptproblem bei der Vichy Lipidiose Nutritive Körperlotion Trockene Haut, dem dritten Kandidaten des L'Oréal-Konzerns, sind die künstlichen polyzyklischen Moschus-Duftstoffe, die sich im Körper anreichern.

Die Körperlotionen im Test enthalten alle Parfüm. Das ist verständlich, denn wer sich von Kopf bis Fuß pflegen möchte, nimmt einen leichten Duft meist als zusätzlichen Wohlfühlfaktor wahr. Das Parfüm dient aber hauptsächlich dazu, die Produkte angenehmer zu machen und somit die Verkaufzahlen zu erhöhen. Einen Pflegeeffekt hat der Duft nicht. Umso schlimmer, dass fünf Lotionen Duftstoffe enthalten, die häufig Allergien auslösen. In insgesamt 17 Marken stecken weitere Duftstoffe, die wir in der Tabelle aufführen, aber nicht abwerten. Diese Duftstoffe besitzen zwar ein allergenes Potenzial, rufen aber weitaus seltener Allergien hervor als diejenigen Substanzen, die zum Notenabzug führen.

Aus Erdöl gewonnene Fette wie Paraffine sind aus unserer Sicht nicht die Pflegesubstanzen der ersten Wahl. Sie lassen sich zwar gut zu Lotionen verarbeiten und enthalten keine Stoffe, die leicht verderben oder mit Sauerstoff reagieren können. Das ist aber vor allem ein technischer Vorteil für die Hersteller. Denn Paraffine und Co. werden von der Haut nicht verstoffwechselt und können keine biologische Wirkung auf die Haut ausüben. Auch Silikone dienen weniger der Pflege, sondern verbessern lediglich die technischen Eigenschaften der Lotionen, zum Beispiel können sie bewirken, dass sich eine Lotion ganz leicht auf der Haut verteilen lässt. Neun Marken im Test werten wir wegen ihres hohen Anteils an Paraffinen/Erdölprodukten/Silikonen ab. Für die Hautpflege eignen sich eher natürliche Öle und Stoffe wie Triglyceride und Fettsäuren, die in natürlichen Ölen vorkommen. Sie integrieren sich gut ins Gleichgewicht der Haut, zudem können einige Fettsäuren entzündungshemmende Wirkungen haben.



Lexikon Körperpflege

Körperöle enthalten kein Wasser. Es dauert wesentlich länger als bei Lotionen, bis sie in die Haut eingezogen sind. In der Umkleidekabine des Hallenbads ist das eher ein Nachteil. Zum Vorteil wird es aber, wenn man jemanden massieren möchte und das Öl als Massageöl benutzt. Öle können auf leicht feuchter Haut angewendet werden, dadurch schafft man beim Eincremen eine Art Emulsion und verbraucht außerdem weniger Öl.

Körperbutter gibt es in festen Stücken, die an Seifenstücke erinnern, und beim Reiben auf der warmen Körperhaut anschmelzen. Häufig wird Körperbutter auch in Form ziemlich fester Cremes in Dosen oder Tiegeln angeboten. Diese Produkte sind meist sehr reichhaltig.

Körpercremes sind ebenfalls dickflüssiger als Körperlotionen und gleichen von der Konsistenz her eher Gesichtscremes oder Allzweckcremes. Auch sie enthalten häufig einen höheren Anteil an Ölen und Fetten als die flüssigeren Lotionen und lassen sich entsprechend mühsamer verteilen. Sie werden häufig für sehr trockene Haut angeboten.

Körpergele dagegen enthalten kaum oder kein Fett. Sie sollen eher kühlen als die Haut rückfetten und können im Sommer für angenehme Effekte sorgen. Etliche After-Sun-Produkte sind Körpergele.

Körperpeelings sind mit kleinen festen Partikeln ausgestattet, mit denen abgestorbene Hautschüppchen abgerubbelt werden. Sie sind am einfachsten unter der Dusche auf feuchter Haut anzuwenden. In vielen Körperpeelings stecken Tenside, die die Haut zusätzlich reinigen. Die Haut wirkt nach einem Peeling frischer und rosiger. Die Rubbelkur sollte trotzdem sparsam zum Einsatz kommen, höchstens einmal die Woche, bei trockener Haut lieber gar nicht.



Preisgefälle

400 ml der Santaverde Aloe Vera Körperemulsion kosten umgerechnet gut 87 Euro, die gleiche Menge der günstigsten Produkte gibt es für 92 Cent. Hauptsächlich haben die Preisunterschiede mit Marken- und Preispolitik zu tun, nur ein kleiner Teil lässt sich mit den verwendeten Inhaltsstoffen erklären: Bei der Santaverde-Lotion handelt es sich um zertifizierte Naturkosmetik, in der viele hochwertige Bio-Öle zum Einsatz kommen, statt Wasser steckt darin Aloe-vera-Saft. Die günstigen Produkte enthalten mehr industriell verarbeitete Öle und Fette. Für die Eigenmarken der Drogerie- und Discounterketten werden große Stückzahlen produziert und Rohstoffe günstig eingekauft.

Zu viel des Guten?

Dass die Haut selbst dauerhaft nicht mehr ausreichend Fett produziert, weil von außen Pflegecremes zugeführt wurden, ist nicht zu befürchten. Es kann aber passieren, dass bestimmte Pflegelotionen nicht gut vertragen werden und die Haut noch mehr austrocknen. Reagiert die Haut mit Unreinheiten und Pickelchen, ist die Pflege möglicherweise zu reichhaltig für die Haut.

Weiße Ware

Körperlotionen sind zunächst einmal weiß. Das liegt daran, dass in den Emulsionen Wasser und Öle gleichmäßig miteinander vermischt sind. Je nach Lotionstyp bildet das Öl in der Wasserphase winzige Tröpfchen oder das Wasser in der Ölphase. Die winzigen Kügelchen streuen das Licht in alle Richtungen, die einzelnen Farbanteile addieren sich zu weiß und wir sehen die Lotion als weiß. Aus dem gleichen Grund ist auch Milch weiß. Läuft die Körperlotion rosa aus der Tube, wurden Farbstoffe zugesetzt.

Schwitzen und pflegen

Herbst- und Winterzeit sind ideal für Saunabesuche. Saunieren ist eine wunderbare Hautpflege, da es die Durchblutung fördert. Nach dem Abduschen, am besten ohne Duschgel oder Seife, braucht die Haut nicht eingecremt zu werden.



So haben wir getestet

Der Einkauf

In den Herbst- und Wintermonaten neigen mehr Menschen zu trockener Haut als im Sommer. Kalte Temperaturen und trockene Luft tragen ihren Teil dazu bei. Deshalb haben wir beim Einkauf für den Oktobertest vor allem nach Körperlotionen für trockene Haut Ausschau gehalten.

Die Inhaltsstoffe

Körperlotionen enthalten in erster Linie Wasser, der Anteil kann über 80 Prozent betragen. Weil sich Keime in Wasser besonders gut vermehren, müssen Körperlotionen konserviert werden. Viele Inhaltsstoffe können eine konservierende Wirkung haben. So machen sich etwa Naturkosmetika die konservierende Wirkung von ätherischen Ölen und Alkohol zunutze und kommen häufig ohne klassische Konservierungsmittel aus. Die konventionellen Lotionen enthalten alle Konservierungsmittel, deren Einsatz in der Kosmetikverordnung geregelt wird, denn diese Stoffe dürfen nicht in beliebiger Menge eingesetzt werden. Da die Konservierungsmittel gegen lebende Keime wirken, können sie auch das biologische System Haut angreifen. Als vollkommen unproblematisch ist also kein Konservierungsmittel anzusehen. Trotzdem werten wir nicht alle gleichermaßen ab - schließlich stellen verkeimte Kosmetika auch ein Risiko für die Gesundheit dar. Die meisten konventionellen Produkte enthalten etwa Parabene. Da von ihnen eine vergleichsweise geringe Allergiegefahr ausgeht, werten wir diese Stoffe nicht ab. Halogenorganische Konservierungsmittel oder problematische Formaldehyd/-abspalter führen jedoch zum Notenabzug.

Die Bewertung

Wir bewerten bei unseren Kosmetiktests nicht, ob sich ein Produkt besonders gut verteilen lässt oder ob der Duft einer Lotion vielen Probandinnen angenehm ist. Stoffe, die hier für positive Effekte sorgen, können an anderer Stelle Nachteile haben. Silikone etwa sorgen für eine gute Verteilbarkeit, versorgen die Haut aber nicht mit natürlichen Fettsäuren. Wir bewerten auch keine Messungen etwa zur Feuchtigkeitsanreicherung in der Haut. Solche Messungen werden unter anderem von Herstellern genutzt, um gegenüber den Behörden Aussagen über die Produkte zu belegen. Ob die Werte aber positiv für den individuellen Hautzustand sind, wird nicht berücksichtigt. Die mittel- und langfristigen Effekte eines Kosmetikums auf die Haut können durch diese Momentaufnahmen nicht erfasst werden. Der Schwerpunkt der ÖKO-TEST-Bewertungen liegt auf den Inhaltsstoffen. Einen hohen Anteil künstlicher Silikone/Paraffine/Erdölprodukte werten wir beispielsweise um eine Note ab, umstrittene PEG/PEG-Derivate, die häufig als Emulgatoren eingesetzt werden, um zwei Noten.