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26 Duschgele für Männer im Test

ÖKO-TEST Mai 2010
vom 30.04.2010

Duschgele, Männer

Man(n)ometer!

Die Herren der Schöpfung werden zunehmend von den Kosmetikherstellern umworben, etwa mit speziellen Männerduschgelen. Unser Test ergab: Nur von einigen wenigen Marken sollte Mann die Hände lassen, die meisten Produkte sind in Ordnung.

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30.04.2010 | Die Frage, ob Männer ein eigenes Duschgel brauchen, lässt sich - ganz sachlich betrachtet - mit "nein" beantworten. Denn in der grundsätzlichen Zusammensetzung gibt es kaum Unterschiede zwischen speziellen Duschgelen für ihn und sie. Nur der Duft ist anders.

Die Vorlieben für Düfte unterscheiden sich von Mensch zu Mensch, weiß der Geruchsforscher Professor Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum. "Wie wir Düfte bewerten, hat viel mit unserer Tradition und unseren eigenen Erfahrungen zu tun." Hierzulande wird Männerduft als harzig, holzig, ledrig beschrieben oder gar mit Motoröl in Verbindung gebracht, denn das waren die Erfahrenswelten des Mannes. In anderen Kulturkreisen werden ganz andere Gerüche geschätzt. "Kein Parfüm lässt sich deshalb weltweit verkaufen", davon ist der Geruchsexperte überzeugt.

Das bestätigt auch der Parfümeur Marc vom Ende, der beim Riechstoffhersteller Symrise Düfte komponiert. Selbst in unseren Nachbarländern gebe es zum Teil andere Duftpräferenzen. So werde in Deutschland der Duft nach Lavendel als altmodisch abgelehnt, in Frankreich liege er aber ganz vorne. Dort werden offensichtlich Erinnerungen an die Provence wach. Für Marc vom Ende muss ein Herrenduschgel maskulin riechen und dabei gleichzeitig ein Gefühl von Sauberkeit vermitteln. Dabei ist eine sportliche Grundstimmung sehr beliebt, mit einem Duft von Frische und Leichtigkeit. Es werden aber immer neue Marketingstrategien entwickelt. So sollen heute manche Marken auch verführerisch sein.

Da locken auf den Duschgelen etwa Sprüche wie der "stimulierende Energy-Kick" oder "Du wirst cooler als Eis" sein und unwiderstehlich. Der Duft hilft dir, "dein heißes Temperament zu kontrollieren", raunt die andere Flasche. Oder soll lieber das "Hot Fever" Mann auf Betriebstemperatur bringen?

Mit solchen Parolen soll die Männerkosmetik angekurbelt werden. Immer mehr Hersteller bieten ganze Pflegeserien für Männer an, die für wachsende Umsätze sorgen. Junge Männer pflegen sich viel mehr als früher und verbringen angeblich schon mehr Zeit im Bad als Frau. Im Beruf wird ein gepflegtes Äußeres erwünscht und auch Sport und Fitness sorgen dafür, dass Mann sich ausgiebig duscht, cremt und parfümiert.

Die Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt. So initiierte Unilever vor Kurzem für die neue Pflegeserie Dove Men + Care die größte Test- und Verteilaktion und die aufwendigste Werbekampagne in der Unternehmensgeschichte. Hunderte von Hamburgern standen vor der Zentrale Schlange, um kostenlose Proben abzuholen. Tausende von Pflegesets wurden an Freunde und Familien der Mitarbeiter verteilt.

Wer überzeugen kann, hat erst mal gewonnen. Denn die Männer gelten als sehr markentreu. Und sie wollen es bequem haben. Deshalb sind Kombiprodukte gefragt, Duschgel und Shampoo in einem, vor allem beim Sport. Viel Inhalt empfinden sie als Vorteil, denn dann reicht die Flasche auch lange. ÖKO-TEST hat 26 Männerduschgele eingekauft, darunter sowohl 2-in-1-Produkte als auch reine Duschgele.

Das Testergebnis

... fällt überwiegend positiv aus, auch wenn es nur fünf Spitzenresultate gibt, bis auf eine Ausnahme sind das zertifizierte Naturkosmetikprodukte. Mehr als die Hälfte der Marken ist noch "gut". Von mindestens drei Duschgelen sollten Sie aber die Finger lassen.

Das Produkt Axe Hot Fever Shower Gel werten wir wegen der nachgewiesenen Formaldehyd/-abspalter ab, in vier weiteren Produkten konnten Spuren des bedenklichen Konservierungsmittels nachgewiesen werden. Formaldehyd ist ein krebsverdächtiger Stoff, der Allergien auslösen und Schleimhäute reizen kann.

Ein weiteres Problem für Allergiker können Duftstoffe sein wie Lyral, das in zwei Fällen in deklarationspflichtigen Mengen nachgewiesen wurde. Einige Duftstoffe mit geringerem sensibilisierenden Potenzial, wie Coumarin, Citral, Geraniol und Citronellol, führen wir als weitere Duftstoffe auf. Dazu gehört auch Majantol, ein Stoff, der nicht deklariert werden muss, obwohl es mittlerweile Hinweise auf allergische Reaktionen gibt. Kein einziges Produkt kommt übrigens ohne Parfüm aus.

Noch problematischer sind polyzyklische Moschus-Verbindungen und die ihnen ähnelnde Substanz Cashmeran, die in deutlichen Konzentrationen in den Marken Adidas, Palmolive und Murnauers Totes Meer nachgewiesen wurden; auch im Fa Duschgel Active Sport werten wir Cashmeran noch ab. Diese künstlichen Duftstoffe reichern sich im menschlichen Fettgewebe an und können möglicherweise Leberschäden verursachen.

Die krebsverdächtige Substanz Dioxan wurde nur in Spuren gefunden, aber in fast allen Produkten

Außer den zertifizierten Naturkosmetikmarken kommt nur das Speick-Duschgel ohne PEG/PEG-Derivate aus, die hier in der Regel als waschaktive Substanzen - Tenside - eingesetzt werden. Ihr Nachteil: Sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. In fast allen Produkten, in denen sie eingesetzt werden, konnte das von uns beauftragte Labor das krebsverdächtige Dioxan nachweisen, das bei der Produktion dieser Stoffe entsteht - allerdings nur Spuren im Bereich von unter drei Milligramm pro Kilogramm. Nach Angaben von Henkel sind diese Verunreinigungen unvermeidlich, wenn ethoxylierte Tenside eingesetzt werden. ÖKO-TEST vergibt für die geringen Mengen keine zusätzlichen Minuspunkte, da wir bereits PEG/PEG-Derivate abwerten. In dieser Bewertung sehen wir uns aber bestätigt, schließlich zeigt unser Test, dass diese Verbindungen mit krebsverdächtigen Stoffen verunreinigt sein können.



2-in-1-Produkte

Die Zusammensetzung von Shampoos und Duschgelen ist sehr ähnlich. Viele Shampoos enthalten heute jedoch zusätzlich Conditioner. Diese Pflegestoffe schließen die Schuppen der Haare nach dem Waschen, sodass sie besser kämmbar sind. Und sie verleihen Glanz. Auch in den Kombinationsprodukten sind in der Regel Conditioner enthalten, eventuell jedoch in geringeren Mengen als im reinen Shampoo. Vor allem bei kurzen Haaren reichen die 2-in-1-Produkte vollkommen aus.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Unsere Einkäufer haben in Drogerie- und Supermärkten, bei Discountern und in Naturwarenläden insgesamt 26 Männerduschgele eingekauft, meist relativ preiswerte Alltagsprodukte. Etwas mehr kosten - von einer Ausnahme abgesehen - die zertifizierten Naturkosmetikmarken. Rund die Hälfte der Produkte sind als reine Duschgele ausgelobt, die anderen sind eine Kombination aus Duschgel und Shampoo für Haut und Haar oder laut Hersteller zumindest auch zum Haarewaschen geeignet - für die eher bequemen Herren der Schöpfung.

Die Inhaltsstoffe

Duschgele bestehen in erster Linie aus Wasser, darin enthalten sind Tenside, rückfettende Substanzen, Löslichkeitsvermittler, Verdickungsmittel und Duftstoffe. Produkte mit einem hohen Anteil an Wasser wie Duschgele müssen konserviert werden, damit sie nicht schnell verderben. Dazu werden in einigen Fällen immer noch bedenkliche Formaldehyd/-abspalter oder umstrittene halogenorganische Verbindungen eingesetzt, die Allergien auslösen können. Damit sich Fett und Wasser verbinden, sind Emulgatoren nötig. Dazu dienen PEG/PEG-Derivate, die aber den Nachteil haben, dass sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. Sie wirken in Duschgelen als waschaktive Substanzen. Aus einigen PEG/PEG-Derivaten kann sich unter bestimmten Bedingungen 1,4-Dioxan bilden, ein krebsverdächtiger Stoff, der in Kosmetikprodukten verboten ist. 1986 wurde die Verbindung in Shampoos entdeckt, zu dieser Zeit waren viele Produkte mit hohen Dioxangehalten belastet. In den Folgejahren konnten die Hersteller ihre Rezepturen durch die Wahl anderer Tenside oder durch reinere Rohstoffe verbessern und die Gehalte stark minimieren. Da fast alle Duschgele das PEG-Derivat Sodium Laureth Sulfate enthalten, wollten wir in diesem Test wissen, inwieweit dieser problematische Stoff noch nachweisbar ist. Heute lassen sich viel geringere Mengen nachweisen als Ende der 1980er-Jahre. Ein weiteres Untersuchungsfeld sind die Duftstoffe, denn kein Hersteller der Testmarken hat auf Parfüm verzichtet. ÖKO-TEST ließ untersuchen, inwieweit mit diesen Duftcocktails Risiken für den Verbraucher verbunden sind. Stoffe mit einem großen allergenen Potenzial oder Verbindungen, die sich im Fettgewebe anlagern, wie polyzyklische Moschus-Verbindungen und Cashmeran, haben in kosmetischen Produkten nichts zu suchen.

Die Bewertung

Ganz oben auf unserer Abwertungsliste stehen Formaldehyd/-abspalter, da Formaldehyd ein krebsverdächtiger Stoff ist. Unter den Duftstoffen sehen wir polyzyklische Moschus-Verbindungen und Cashmeran kritischer als die meisten allergieauslösenden Duftstoffe. Nur solche mit einem besonders hohen sensibilisierenden Potenzial stellen wir in der Bewertung auf die gleiche Stufe. Solche kamen in den Testprodukten aber nicht vor. Da Duschgele wieder von der Haut abgewaschen werden, bewerten wir PEG/PEG-Derivate in sogenannten "Rinse-off"-Mitteln weniger streng als in Kosmetikprodukten, die auf der Haut verbleiben. Der Stoff 1,4-Dioxan ist laut Kosmetikverordnung verboten, die Untersuchungsbehörden tolerieren dabei eine technisch unvermeidbare Verunreinigung bis zu zehn Milligramm pro Kilogramm. Heute ist es aber möglich, deutlich unter diesem Wert zu bleiben, wie unsere Ergebnisse zeigen. Die nachgewiesenen Spuren werten wir nicht zusätzlich zu PEG/PEG-Derivaten ab.

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